07.08.2021

Gesellschaft

Great Barrier Reef in Gefahr

von Juliane von Hagen

Schon wieder zeigen sich die Folgen des Klimawandels. An Land war es in Australien schon immer heiss. Im letzten Sommer sorgten Brände für Schlagzeilen. Nun sind es die Korallen, die unter der Hitze leiden. Das bekannte Great Barrier Reef schrumpft massiv. Das zeigt eine neue Studie. 

Die Geweihkorallen dieser massiven Riffwand sind vollständig abgestorben. Der Niedergang des tropischen Korallenriffes begann schon in den 1970er Jahren. Copyright: Richard Ross / Secore international / www.ICRS2020.de
Überfischung gehört zu den großen lokalen Stressfaktoren, die Korallenriffe gefährden. Insbesondere die Entnahme der pflanzenfressenden Arten, wie diesem gefangenen Doktorfisch, schädigt das Riff. Copyright: Heinz Krimmer / www.ICRS2020.de

Das Great Barrier Reef schwindet

 

Das Great Barrier Reef ist bekannt. Obwohl das Korallenriff am anderen Ende der Welt liegt, kennen wir es alle. Die einen haben es selber besucht. Die anderen haben ein Bild davon, weil diese Ansammlung von Korallenriffen UNESCO Weltnaturerbe ist. Great Barrier Reef ist beinahe ein Symbol des australischen Kontinents. Nun ist es in großer Gefahr. Nachdem zunehmende Temperaturen die Feuer in den australischen Wäldern anfachten, setzen extreme Temperaturen auch dem Great Barrier Reef zu.

Große Ansammlungen von Korallen sind bald keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Existenz von Korallenriffen ist weltweit bedroht. So ist auch die größte, zusammenhängende Ansammlung von Korallenriffen auf unserem Planeten vor der australischen Ostküste in Gefahr. Das sogenannte Great Barrier Reef sorgt derzeit für traurige Schlagzeilen. Diese große, über 2 000 Kilometer lange Ansammlung von über 2 900 einzelnen Korallenriffen schwindet. Es war die größte zusammenhängende Ansammlung von Korallenriffen weltweit. In den vergangenen 25 Jahren hat das Great Barrier Reef etwa die Hälfte seiner Korallen verloren. Einer neuen Studie zufolge ist es unwiderruflich in Gefahr.

Korallen

Die ausgebleichten Korallen (Bild links, aufgenommen im März 2016) sind noch nicht tot. Sie haben ihre Symbiosealgen ausgestoßen, da diese bei zu warmen Temperaturen Giftstoffe (Sauerstoffradikale) erzeugen. Doch die hohen Temperaturen dauerten zu lange, so dass sie keine neuen Symbiosealgen mehr aufnehmen konnten und schließlich bis zum Mai 2016 abstarben (Bild rechts). Copyright: The Ocean Agency / www.ICRS2020.de

Australische Erkenntnisse

 

Als Korallen werden sesshafte, koloniebildende Nesseltiere bezeichnet. Es gibt zahlreiche Arten. Sie kommen alle ausschließlich im Meer vor, insbesondere in den Gewässern des Tropengürtels. Je nach Wuchsform unterscheiden sie sich zwischen Weich- und Steinkorallen. Letztere bilden durch Einlagerungen von Kalk Skelette. Da dieses tote Material fortwährend von lebendigem Gewebe überwuchert wird, entstehen langsam Korallenbänke oder Riffe. Bis diese eine Größe von über 2 000 Kilometer annehmen, dauert es lange. Das erklärt auch die Besonderheit des Great Barrier Reefs. Es gilt als Naturwunder der Superlative. Bereits 1981 erklärte die UNESCO es zum Weltnaturerbe. Darüber hinaus wird das Great Barrier Reef als eines der sieben Weltwunder der Natur bezeichnet.

Nun haben australische Forscher*innen herausgefunden, dass die Zahl der kleinen, mittleren sowie großen Korallen drastisch abnimmt. Zwischen 1996 sowie 2017 ist mehr als die Hälfte aller Korallen verschwunden. Und das betrifft nicht nur die Nesseltiere an der Meeresoberfläche. Auch in tieferen Gewässern schwindet der Bestand. Dabei haben die Hitzerekorde der Jahre 2016 und 2017 besonders starke Schäden am Great Barrier Reef verursacht. Die hohen Temperaturen dieser Jahre haben die sogenannte Korallenbleiche angefacht. 

Korallenbleiche im Great Barrier Reef 

Korallenbleiche bedeutet, dass die Korallen die einzelligen Algen zunächst abstoßen, mit denen sie in Symbiose leben. Durch das Abstoßen der Algen, verlieren Korallen dann ihre Farbe. Das ist nicht alles. Dauert diese Situation lange an, sterben die Korallen vollständig ab. Unter diesem Phänomen leiden besonders die kleineren Korallen. Sie sind weniger widerstandsfähig. Die australischen Forscher*innen dachten bisher, dass das Great Barrier Reef allein durch seine Größe geschützt ist. Nun zeigen die neuesten Erkenntnisse aber, dass auch dieses relativ gut geschütztes Korallenriff immer stärker beeinträchtigt ist. Die Expert*innen warnen vor unwiderruflichen Schäden an diesem empfindlichen Ökosystem. Wenn die Klimaerwärmung anhält, nimmt die Erwärmung der Ozeane zu. Und das setzt Riffen wie dem Great Barrier Reef weiter zu.

Jenseits der Korallenbleiche

Korallenriffe existieren nur auf 0,2 Prozent der Ozeanflächen der Erde, doch in ihnen leben mehr als ein Drittel aller Fische und Wirbellosen der Ozeane. Sie sind nicht nur die artenreichsten Ökosysteme der Meere. In ihnen entstehen auch die meisten Arten. Copyright: Heinz Krimmer / www.ICRS2020.de
Viele Fisch- und wirbellose Arten in den Korallenriffen sind von einer oder mehreren Korallenarten abhängig. Copyright: Heinz Krimmer / www.ICRS2020.de

Konferenz in Bremen

 

Nicht nur die Erwärmung der Meere stellt eine Gefahr für die Korallen dar. Auch die Versauerung der Meere schadet überdies den Riffen. Da die Meere einen Teil unserer Emissionen aufnehmen, reichert sich darin Kohlenstoffdioxid an. Der wiederum hemmt die Bildung neuer Kalkschalen. Auch das Einleiten von Fäkalien scheint die Korallenbleiche zu fördern. Als Auslöser dafür werden bestimmte Bakterien in den Fäkalien vermutet. Auch Mikroplastik scheint Riffen wie dem Great Barrier Reef zu schaden. Eine Laborstudie zeigt, dass einige Korallenarten auch durch Mikroplastik geschädigt werden. Darüber hinaus bedroht die Tiefseefischerei die Korallen. Ebenso Bohrplattformen zur Erdöl- oder Erdgasförderung oder Unterwasserkabel können den Nesseltiere Schaden zufügen.

Dass Klimawandel Korallenriffe zerstört, ist unbestritten. Bereits jetzt ist ein Drittel der Riffe verloren ist. Weitere 40 Prozent sind massiv bedroht. Dennoch suchen Forscher*innen nach Wegen, das Sterben dieser Ökosysteme aufzuhalten. Diesen Sommer diskutieren sie virtuell in Bremen. Im Norden Deutschlands existiert geballte Kompetenz und Wissen in der Meeresforschung. Die Universität Bremen richtet in diesem Jahr das Internationale Korallenriff Symposium aus. Darin tauschen sich etwa 1 200 Forschende aus 80 Nationen aus. Sie suchen nach Wegen die Zerstörung der wertvollen Ökosysteme aufzuhalten. Im Rahmen dieser Tagung geht ein bedeutendes Strategiepapier an die Öffentlichkeit.

Unter dem Titel „Rebuilding Coral Reefs: A Decadal Grand Challenge“ richtet es sich an Entscheidungstragende aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft weltweit. In diesem Papier wird deutlich, wie dringend Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung von Korallenriffen sind. Das Strategiepapier bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten und neuesten natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse. Damit liefert es die Grundlage für Diskussionen und Verhandlungen zu Umwelt- und Naturschutz, Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung auf lokaler und globaler Ebene.

Auch in Deutschland warnt das Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt vor den ansteigenden Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen durch den Klimawandel. Lesen Sie hier die wichtigsten Erkenntnisse dazu.

 

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