08.08.2021

Projekt

Hyperloop in Deutschland

von Désirée Balthasar
Hyperloop

Hyperloop

Elon Musk baut nicht nur Raketen und Elektrofahrzeuge, sondern denkt mit seinem Hyperloop über eine ganz neue Art des Transports nach. Mit der Kapsel, die in beinahe Schallgeschwindigkeit durch eine lange Röhre saust, hat Musk Forschende weltweit in Begeisterung versetzt. Auch hierzulande werfen Fans der Idee all ihr kreatives Können und wissenschaftliches Wissen zusammen, um die Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wie der Stand ist und welche Hindernisse es dabei zu überwinden gilt, lesen Sie hier.

Visualisierung: HyperloopTT

Hyperloop soll Realität werden

Die Infrastruktur weltweit könnte in einiger Zukunft durch eine Neuerung erweitert werden. Der Hyperloop ist eine Transportkapsel, die sich durch eine luftleere Röhre bewegt. Diese Art des Transports soll eine Geschwindigkeit bis zu 1000 Kilometer pro Stunde erreichen. In der Kapsel sollen zwischen 20 bis 50 Personen Platz finden. Die Idee könnte Flüge ersetzen, sowohl auf der Lang- als auch auf der Kurzstrecke. Infolgedessen würde die Umwelt geschont und Zeit gespart, so die Hoffnung.

Die Hyperloop Idee stammt von Elon Musk, Gründer von Firmen wie Tesla und SpaceX. Seine Vision skizzierte er im Jahr 2013. Musk betitelte sein White Paper damals mit „Hyperloop Alpha“. Demzufolge versprach sich Musk viele Vorteile vom Hyperloop. Es solle die Vorzüge der bisherigen Transportsysteme wie Flugzeug, Auto und Bahn vereinen. Schnell wie ein Flugzeug, günstig wie ein Auto, umweltfreundlich wie die Bahn und stets verfügbar wie die Straßen. Umweltfreundlich und ressourcensparend, effizient und superschnell.

Weltweit haben sich bereits Unternehmen gegründet, die die Idee des Hyperloops in die Realität umsetzen möchten. Als eines der ersten Unternehmen gründete sich beispielsweise das amerikanische Unternehmen HyperloopTT bereits 2013. Es arbeitet daran, die Vision den realistischen Gegebenheiten anzupassen. Dort fahren die Kapseln auf magnetischen Bahnen mit Niedrigdruck durch Röhren.

Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT

 

Ein Projekt des Unternehmens findet in Deutschland – genauer in Hamburg – statt. Das Projekt HyperPort untersucht den Lastentransport in Zusammenarbeit mit der Hamburger Hafen Logistik AG. Die Idee als virtual reality-Präsentation soll im Oktober 2021 auf dem ITS World Congress vorgestellt werden. Noch ist sie, wie alle anderen derzeit laufenden Projekte und Prototypen, nicht marktreif.

Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT
Visualisierung: HyperloopTT

Schnell, nachhaltig und wirtschaftlich

 

Auch Forschende und Studierende haben sich von der Idee des Röhren-Transportsystems begeistern lassen. Musk lud zu Wettbewerben ein, in denen die Hyperloop-Forschungsgruppen ihre Prototypen auf Teststrecken vorstellen konnten. Der Wettbewerb „SpaceX Hyperloop Pod competition“ fand zwischen 2015 und 2019 jährlich statt. Die Teststrecke war 1,2 Kilometer lang, die Röhre maß 1,83 Meter im Durchmesser. Die Röhre konnte verschlossen werden, so dass ein Teilvakuum entstand.

Die meisten der bisher entwickelten Prototypen der Kapseln, auch Pods genannt, waren hauptsächlich auf Geschwindigkeit ausgelegt. Mittlerweile rücken zusätzliche Aspekte wie Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit und Sichtbarkeit in den Fokus.

Forschungsteams begeistern sich für die Idee

In Deutschland beteiligen sich einige Hochschulen und viele begeisterte Studierende an dem Forschungsfeld. Die TU München hat im vergangenen Jahr ein eigenes Forschungsprogramm gestartet, um die Vision einer Personen-Transportkapsel Wirklichkeit werden zu lassen. Die Studierenden der TU München haben alle Hyperloop-Wettbewerbe gewonnen. Zuletzt schickten sie ihre Kapsel mit einer Geschwindigkeit von 482 Stundenkilometern durch die Teststrecke.

Darüber hinaus verfolgen auch Forschende anderer Hochschulen die Vision eines Hyperloops. Ein 60-köpfiges Forschungsteam von drei Hochschulen aus Baden-Württemberg beispielsweise hat ihren Prototypen soeben auf der erstmals stattfindenden „European Hyperloop Week“ präsentiert. Beteiligt ist das Karlsruhe Institute of Techology (KIT), die Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft (HsKA) sowie die Universität Stuttgart. Die Studierenden sind so begeistert von der Musk-Vision, dass sie ihren Hyperloop-Prototypen neben dem Studium in ihrer Freizeit vorantreiben.

Vor einigen Wochen erst hat das interdisziplinäre Forschungsteam, das sich mittlerweile als mu-zero Hyperloop Verein gegründet hat, seinen eigens entwickelten Hyperloop Pod zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. In diesem Video erzählen die Forschenden von der Idee, der Entwicklung und den Herausforderungen mit der Umsetzung.

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Konservatives, innovations-unfreudiges Deutschland

Neben all der Begeisterung gibt es einige Probleme, den Hyperloop Realität werden zu lassen. Eine große Herausforderung ist laut einem Zeitungsbericht die bestehende Infrastruktur. Diese in ein neues Transportsytem zu integrieren, würde außerordentlich herausfordernd werden, sagt Leonard Döring von mu-zero. Insbesondere in Europa, das dicht besiedelt und noch dichter bebaut ist. Und um ganz neue Strecken zu bauen, sowohl ober- als auch unterirdisch, dafür bedarf es einen langen Atem und viel politischen Willen.

Aus diesem Grund möchte das Forschungsteam aus Baden-Württemberg künftig am Forschungsfeld Infrastruktur arbeiten. Mu-zero-Mitglied Döring ist allerdings skeptisch, dass Deutschland bereit für ein derartiges Projekt ist. Andere Länder wie die USA oder China seien deutlich innovationsgetriebener, das Mindset nicht so konservativ. Auch die komplexen Mitspracherechte würden der Umsetzung eines solchen Projekts entgegenstehen.

In diesem Umfeld eine derart innovative Idee umzusetzen, dafür muss die Motivation schon enorm sein. Aber davon scheinen sowohl die hier Forschenden als auch die Unternehmen weltweit genug zu haben. Ob das genügt, auch die Gesellschaft und Politik von der Notwendigkeit eines neuen Transportsystems zu überzeugen, wird sich zeigen.

Die Deutsche Bahn möchte mit dem Projekt Fernbahntunnel Frankfurt ebenfalls große Verbesserungen ins Mobilitätsnetz tragen. Hier haben wir für Sie zusammengetragen was sich verändert und welche Vorteile sich dadurch im deutschen Schienennetz ergeben.

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