In Cupertino, Kalifornien soll das größte Gründach der Welt entstehen.

Die Sand Hill Property Company plant in Cupertino im Silicon Valley in Kalifornien ein neues Zentrum in der wachsenden Stadt. Sie will die marode Vallco Shopping Mall transformieren zu The Hills at Vallco. Mit 12 Hektar Park soll die größte öffentliche Grünfläche der Gemeinde entstehen – und damit gleichzeitig das größte Gründach der Welt. Für den Entwurf zeichnen sich Rafael Vinoly Architects und OLIN Landscape Architects verantwortlich. Bevor deren Arbeit begann wurden jedoch mehr als 1.000 Bewohner und Unternehmer befragt, die fast 3.800 Vorschläge einreichten.

Das Design für das Gründach ist ehrgeizig: Neben sechs Kilometer Jogging- und Wanderstrecke sollen Gärten, Obstwiesen und Weinberge für ein abwechslungsreiches Naturerlebnis sorgen. Außerdem wird es ein Amphitheater und Kinderspielplätze geben, regionale Pflanzen und Vögel erhalten ein eigenes Schutzreservat. Die Bepflanzung soll dem Klima angepasst werden und besonders robust gegen Trockenheit und Hitze sein. Der Baumbestand sollen erhalten werden und hunderte weitere Bäume hinzukommen. Das Gründach ist Teil des Energiekonzepts des Gebäudes und soll zusammen mit natürlicher Belüftung und smarter Technik das Klima in den Gebäuden und der Umgebung regulieren. Erst vor Kurzem wurde ein Projekt in Paris ins Leben gerufen, dass ebenfalls auf Fassadengrün als Klimastabilisator für die gesamte Innenstadt setzt.

Die Vallco Shopping Mall, einst ein lebendiges Vergnügungszentrum, hat heute mit über 50 Prozent Leerstand zu kämpfen. 2014 kaufte Sand Hill die Mall, insgesamt rund 20 Hektar, von den vier Vorbesitzern, daher wird eine einheitliche Lösung jetzt möglich. „In unserer Recherchephase ist uns bewusst geworden, dass seit 2006 keine Shopping Mall mehr in den USA realisiert wurde. Es ist ein sterbendes Modell. Vallco ist dafür ein gutes Bespiel“, sagt Reed Moulds, Geschäftsführer bei Sand Hill. Als großer leerer Betonklotz umgeben von einem leeren Parkplatzring steht sie verlassen in Cupertino. „Ich denke es wird eine Menge Chancen geben, Shopping-Malls kreativ neu zu erfinden und sie umzunutzen.“

The Hills soll neben Einzelhandel und Gastronomie auch 800 Wohneinheiten und Freizeiteinrichtungen wie eine Eishalle, ein Bowling- und ein Fitnesscenter bieten. In dem neuen Stadtzentrum werden darüber hinaus fast 190.000 Quadratmeter Bürofläche Platz für den gesamten Lebenskreislauf eines Unternehmens bieten, vom Start-Up bis hin zur etablierten Firma.

Auch den Verkehr in Cupertino will Sand Hill verändern. Besonders für Fußgänger und Fahrradfahrer soll die Infrastruktur angepasst werden, die Bewohner sollen ein kostenlosen Shuttle-Bus nutzen können. Darüber hinaus will Sand Hill Property auch das Schulwesen vor Ort sanieren, eine neue Grundschule und ein Innovations-Center bauen, das die Teenager der Stadt mit Ausstellungsräumen, Werkstätten und Veranstaltungsräumen für Roboter-Wettkämpfe fördern soll.

Das Projekt ist eine Drei-Billionen-Dollar-Investition in das technologische Herz der USA. Cupertino ist Geburtsstätte vieler technologischer Entwicklungen, die den Alltag stark verändert haben. Der Computerhersteller Apple ist wichtigster Arbeitgeber für die knapp 60.000 Einwohner, der Bau des Apple Campus 2 ab 2016 wird diese Entwicklung noch verstärken. The Hills, unmittelbar zwischen den beiden Firmengebäuden gelegen, würde davon nur profitieren. Derzeit befindet sich das Projekt in der offiziellen Genehmigungsphase.

Alle Visualisierungen: The Hills at Vallco

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Cortenstahl Rost Beschleunigen: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Cortenstahl Rost Beschleunigen
Verrostete Metalloberfläche mit starker Korrosionsbildung – ein Zeichen des Verfalls im urbanen Raum. Foto: citylop/Unsplash

Cortenstahl gehört zu den wenigen Materialien im Außenraum, die ihren endgültigen Zustand erst durch Witterung erreichen. Die charakteristische rotbraune Oxidschicht, die sogenannte Patina, ist kein Mangel, sondern das Ziel: Sie bildet eine dichte, selbstschützende Deckschicht, die das darunter liegende Metall vor weiterer Korrosion bewahrt. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, greift in diesen natürlichen Prozess ein, um planbare Ergebnisse zu erzielen, Ausblutungen auf angrenzende Materialien zu minimieren und die Schutzwirkung der Patina früher zu aktivieren. Das setzt fundiertes Wissen über Metallurgie, Detailplanung und Anwendungstechnik voraus.

  • Was Cortenstahl metallurgisch auszeichnet und wie die Patina entsteht
  • Warum das gezielte Beschleunigen der Rostbildung planerisch und technisch sinnvoll ist
  • Welche chemischen und mechanischen Methoden zur Beschleunigung eingesetzt werden
  • Welche Detailpunkte im Entwurf über Erfolg oder Misserfolg der Patinabildung entscheiden
  • Wie Ausblutungen auf Beton, Naturstein und Pflaster vermieden werden
  • Welche Normen, Gütebezeichnungen und Produktnormen für Cortenstahl relevant sind
  • Wie die Pflege und Kontrolle der Patina im laufenden Betrieb aussieht
  • Wo Cortenstahl im Außenraum nicht verwendet werden sollte und warum

Was Cortenstahl ist: Werkstoff, Norm und Metallurgie

Cortenstahl ist kein Markenname mehr, sondern ein eingebürgerter Gattungsbegriff für wetterfeste Baustähle, die durch gezielte Legierungszusätze eine schützende Oxidschicht ausbilden. Die normative Bezeichnung lautet wetterfester Baustahl; die europäische Produktnorm EN 10025-5 regelt die Gütegruppen S235J0W, S355J0W und S355J2W sowie weitere Varianten. Der Zusatz „W“ steht für „weathering“, also Bewitterung. Im Sprachgebrauch der Landschaftsarchitektur und des Ingenieurbaus hat sich „Cortenstahl“ als Kurzform etabliert, auch wenn der ursprüngliche Handelsname „COR-TEN“ der US Steel Corporation entstammt.

Die schützende Wirkung beruht auf Legierungselementen wie Kupfer, Chrom, Nickel und Phosphor, die in kleinen Anteilen dem Stahl beigemischt werden. Diese Elemente fördern die Bildung einer amorphen, dichten Oxidschicht, die sich von gewöhnlichem Rost grundlegend unterscheidet. Normaler Rost auf unlegiertem Stahl ist porös, wasseraufnahmefähig und treibt die Korrosion kontinuierlich voran. Die Patina des wetterfesten Stahls hingegen ist kompakt, haftet fest am Grundmaterial und wirkt als Diffusionsbarriere gegen Sauerstoff und Wasser. Dieser Unterschied ist der Kern der Materialphilosophie.

Die Patinabildung setzt voraus, dass das Material regelmäßig dem Wechsel von Befeuchtung und Austrocknung ausgesetzt wird. Dauerhaft nasse oder dauerhaft trockene Bedingungen verhindern die Ausbildung der stabilen Schutzschicht. In sehr feuchten, schlecht belüfteten Einbausituationen, etwa in Bodenkontakt ohne Drainage oder in dauerhaft beschatteten Mulden, kann sich die Patina nicht vollständig schließen, und der Stahl korrodiert weiter als erwartet. Das ist ein wesentlicher Planungshinweis, der in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Cortenstahl rost beschleunigen: Warum und wann es sinnvoll ist

Frisch gelieferter Cortenstahl zeigt zunächst eine silbrig-graue, walzfrische Oberfläche oder eine erste, noch ungleichmäßige Anlaufoxidation. Die natürliche Patinabildung dauert je nach Klimazone, Exposition und Bauteilgeometrie zwischen einem und mehreren Jahren. In dieser Übergangsphase ist das Material optisch unfertig, und vor allem: Es blutet aus. Die wasserlöslichen Eisenoxide der frühen Rostphase werden durch Regen abgewaschen und hinterlassen auf angrenzenden Materialien, also auf Betonpflaster, Naturstein, Kies oder Holzdecks, intensiv rotbraune Verfärbungen, die sich kaum entfernen lassen.

Cortenstahl rost beschleunigen dient daher primär zwei Zielen: dem ästhetischen Ziel einer gleichmäßigen, reifen Patina vom ersten Tag der Inbetriebnahme an, und dem technischen Ziel, die Phase intensiver Ausblutung zu verkürzen oder zu verlagern, bevor das Bauteil eingebaut wird. Wer ein Cortenstahl-Pflanzgefäß, eine Stützwand oder ein Fassadenelement bereits mit vorgewitterter Oberfläche liefert, vermeidet Reklamationen und Folgeschäden am Bestand. Für Planer bedeutet das: Die Frage nach der Vorbehandlung gehört in die Ausschreibung und in die Werkplanung, nicht erst in die Abnahme.

Ein weiterer Grund für die gezielte Beschleunigung liegt in der Gleichmäßigkeit. Natürliche Bewitterung erzeugt eine Patina, die von Exposition, Verschmutzung, Wasserführung und Geometrie abhängt. Flächen mit unterschiedlicher Neigung, Verschattung oder Wasserablauf patinieren ungleichmäßig. Wer eine homogene Oberfläche anstrebt, muss entweder lange warten und auf günstige Bedingungen hoffen, oder er beschleunigt den Prozess kontrolliert. Für hochwertige Gestaltungsaufgaben, etwa bei skulpturalen Objekten, Brückengeländern oder Fassadenverkleidungen, ist die kontrollierte Vorbehandlung die professionellere Wahl.

Methoden zur Beschleunigung der Patinabildung: Chemie, Mechanik und Witterung

Die gebräuchlichsten Methoden lassen sich in drei Gruppen einteilen: chemische Behandlung, mechanische Vorbehandlung der Oberfläche und gezielte Exposition unter kontrollierten Witterungsbedingungen. In der Praxis werden diese Methoden häufig kombiniert.

Die chemische Behandlung arbeitet mit sauren Lösungen, die den Oxidationsprozess unmittelbar auslösen. Verdünnte Salzsäure, Phosphorsäure oder spezielle Beizpasten für wetterfeste Stähle werden auf die gereinigte Stahloberfläche aufgetragen, reagieren mit dem Eisen und erzeugen innerhalb von Stunden eine erste Oxidschicht. Anschließend wird die Fläche gründlich mit Wasser abgespült, um Säurereste zu entfernen, die sonst die Patina destabilisieren würden. Mehrere Behandlungszyklen, jeweils mit Trockenphasen dazwischen, bauen die Schicht sukzessive auf. Kommerzielle Produkte für das Cortenstahl rost beschleunigen sind im Fachhandel erhältlich; sie enthalten in der Regel Phosphorsäure in Kombination mit Eisensalzen und Netzmitteln und sind für den handwerklichen Einsatz formuliert.

Die mechanische Vorbehandlung zielt darauf ab, die walzfrische Oberfläche aufzurauen und damit die reaktive Oberfläche zu vergrößern. Strahlen mit Korund oder Stahlgrit, Schleifen oder Bürsten mit Stahlbürsten entfernen die Walzhaut und schaffen eine gleichmäßige, mikroraue Struktur, auf der die Oxidation schneller und gleichmäßiger ansetzt. Wichtig ist, dass dabei kein Fremdstahl in die Oberfläche eingetragen wird, weil unlegierter Stahl als Kontaminant die Patinabildung lokal stört und zu Flecken führt. Werkzeuge und Strahlmittel müssen deshalb ausschließlich für wetterfeste Stähle verwendet und nicht mit anderen Stählen in Kontakt gewesen sein.

Die dritte Methode ist die kontrollierte Freibewitterung vor dem Einbau. Dabei werden die Bauteile auf dem Werksgelände oder auf einer geeigneten Freifläche so gelagert, dass sie intensiver Bewitterung ausgesetzt sind: freistehend, geneigt für guten Wasserablauf, ohne Abdeckung. Regelmäßiges Besprühen mit Wasser, idealerweise leicht gesalzenem Wasser, beschleunigt den Prozess zusätzlich. Diese Methode ist kostengünstig, aber zeitaufwendig und witterungsabhängig. Sie eignet sich gut für große Serien gleichartiger Bauteile, die mit ausreichend Vorlauf gefertigt werden.

Salzlösungen und Essig: Grenzen der Hausmittel

In verschiedenen Quellen kursieren Empfehlungen, Cortenstahl mit Essig, Salzwasser oder Wasserstoffperoxid zu behandeln. Diese Mittel erzeugen tatsächlich eine schnelle Oxidation, die jedoch nicht zwingend der stabilen Patina eines wetterfesten Stahls entspricht. Essig (Essigsäure) kann die Oberfläche angreifen und eine lockere, nicht haftfeste Oxidschicht erzeugen, die beim ersten Regen abgewaschen wird. Salzwasser beschleunigt die Korrosion, kann aber bei ungleichmäßiger Anwendung zu Lochfraß führen, besonders an Schnittkanten und Schweißnähten. Für professionelle Anwendungen im Außenraum sind diese Methoden nicht empfehlenswert. Sie mögen für kleine Objekte im privaten Bereich funktionieren, erfüllen aber nicht die Anforderungen an Gleichmäßigkeit, Haftfestigkeit und Langzeitstabilität, die im Planungskontext gelten.

Detailplanung: Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Einbausituationen

Die Qualität der Patina hängt nicht allein von der Oberflächenbehandlung ab, sondern maßgeblich von der konstruktiven Detailplanung. Schnittkanten, die durch Plasmaschneiden, Laserschneiden oder Sägen entstehen, zeigen eine andere Mikrostruktur als gewalzte Flächen und patinieren zunächst ungleichmäßig. Kanten, die dauerhaft Wasser halten, also nach oben offene Hohlprofile, horizontale Flächen ohne Gefälle oder Taschen in der Geometrie, sind kritische Punkte. Stehendes Wasser verhindert die notwendigen Trocknungsphasen und fördert statt der stabilen Patina eine fortschreitende Lochkorrosion.

Schweißnähte sind besonders sensibel. Die Wärmeeinflusszone verändert das Gefüge des Stahls lokal, und Schweißzusätze müssen zwingend auf den Grundwerkstoff abgestimmt sein. Für wetterfeste Stähle nach EN 10025-5 sind spezifische Schweißzusätze vorgeschrieben, die ebenfalls wetterfeste Eigenschaften aufweisen. Werden Standard-Schweißzusätze verwendet, entstehen an den Nähten Bereiche, die nicht patinieren, sondern weiter korrodieren. Das Ergebnis sind sichtbare, dunkle Streifen entlang der Schweißnähte und ein erhöhtes Korrosionsrisiko an diesen Stellen. Schweißnähte sollten nach dem Fügen geschliffen und entschlackt werden, um Zunderschichten zu entfernen, die die Patinabildung behindern.

Die Entwässerung ist ein zentrales Planungsthema. Cortenstahl-Bauteile müssen so konstruiert sein, dass Regenwasser schnell und vollständig ablaufen kann. Gefälle von mindestens zwei Prozent auf horizontalen Flächen, Tropfkanten an Unterkanten, Entwässerungsöffnungen in Hohlprofilen und ausreichende Abstände zu angrenzenden Materialien sind konstruktive Mindestanforderungen. Besonders kritisch ist der Bodenkontakt: Cortenstahl, der dauerhaft in feuchtem Boden steht, korrodiert ungehindert weiter, weil die Trocknungsphasen fehlen. Die Unterkante von Stützen, Pfosten und Wandelementen muss entweder durch Sockel aus Beton oder Edelstahl vom Boden abgehoben oder durch eine geeignete Beschichtung im Erdbereich geschützt werden. Viele Hersteller empfehlen für den Erdbereich eine Bitumenbeschichtung oder eine Epoxidgrundierung, die den Übergang zur Patina-Zone überbrückt.

Im Bereich von Fugen und Anschlüssen zu anderen Materialien ist besondere Sorgfalt geboten. Cortenstahl darf nicht in direktem Kontakt mit Aluminium, Zink oder verzinkten Bauteilen stehen, da die unterschiedlichen Elektrodenpotenziale zu galvanischer Korrosion führen. Trennlagen aus Kunststoff, Gummi oder beschichteten Blechen sind in solchen Anschlusssituationen zwingend erforderlich. Auch der Kontakt mit Beton ist kritisch, weil der alkalische Zementleim die Patinabildung lokal beeinflusst und Verfärbungen an der Betonoberfläche verursacht.

Ausblutungen vermeiden: Schutz angrenzender Materialien

Die Ausblutung von Eisenoxiden auf angrenzende Materialien ist das häufigste ästhetische Problem beim Einsatz von Cortenstahl im Außenraum. Besonders betroffen sind helle Betonoberflächen, Kalkstein, Sandstein, Kies und Holzdecks. Die rotbraunen Verfärbungen entstehen durch wasserlösliche Eisenverbindungen, die in der frühen Rostphase aus dem Stahl ausgewaschen werden und in die porösen Oberflächen angrenzender Materialien eindringen. Einmal eingedrungen, lassen sich diese Verfärbungen kaum vollständig entfernen; Oxalsäure oder spezielle Rostentferner können die Oberfläche aufhellen, aber selten vollständig reinigen.

Präventive Maßnahmen beginnen beim Entwurf. Cortenstahl-Elemente sollten so positioniert werden, dass das ablaufende Wasser nicht auf empfindliche Materialien trifft. Rinnen, Kiesbetten aus dunklem Basalt oder Schotter, Betonelemente aus Grau- oder Dunkelzuschlag oder Abstandshalter, die das Wasser gezielt ableiten, sind gestalterische und technische Mittel, um die Ausblutungszone zu kontrollieren. Wer Cortenstahl-Pflanzgefäße auf hellem Pflaster aufstellt, muss entweder Untersetzer oder Entwässerungsrinnen vorsehen, oder er nimmt die Verfärbung als gestalterisches Element bewusst in Kauf.

Vorgewitterte oder chemisch vorbehandelte Bauteile bluten deutlich weniger aus als frisch gelieferter Stahl, weil die stabile Patina die Menge der wasserlöslichen Oxide stark reduziert. Das ist ein weiteres, praktisches Argument für das Cortenstahl rost beschleunigen vor dem Einbau: Es schützt nicht nur die Optik des Bauteils selbst, sondern auch die Umgebung. Für Projekte mit hohen Anforderungen an die Sauberkeit angrenzender Materialien, etwa bei Denkmalpflege, Museumsaußenanlagen oder repräsentativen Stadtplätzen, ist die Vorbehandlung keine Option, sondern eine Pflicht.

Pflege, Kontrolle und Langzeitverhalten der Patina

Eine vollständig ausgebildete, stabile Patina auf wetterfestem Stahl ist weitgehend wartungsfrei. Sie regeneriert sich bei mechanischen Beschädigungen selbst, solange die Witterungsbedingungen stimmen. Dennoch erfordert Cortenstahl im Außenraum eine regelmäßige Sichtkontrolle, besonders in den ersten Jahren nach dem Einbau und an konstruktiv kritischen Stellen. Schäden an der Patina, die durch mechanische Einwirkung, Graffiti oder Reinigungsmaßnahmen entstehen, sollten dokumentiert und bei Bedarf durch erneute Behandlung mit geeigneten Mitteln nachgebessert werden.

Graffiti auf Cortenstahl ist ein besonderes Problem, weil aggressive Lösungsmittel die Patina angreifen können. Für die Reinigung empfehlen Fachleute mechanische Methoden wie Niederdruckwaschen oder Bürsten gegenüber chemischen Lösungsmitteln. Schutzanstriche gegen Graffiti sind auf Cortenstahl nur bedingt geeignet, weil sie die Patinabildung behindern und optisch verändern. In vandalismusgefährdeten Bereichen ist die Materialwahl grundsätzlich zu überdenken.

Langfristig, über Jahrzehnte, verändert sich die Patina weiter. Sie wird dunkler, dichter und in ihrer Textur feiner. In städtischen Umgebungen mit Luftverschmutzung kann sich die Patina schneller aufbauen, aber auch ungleichmäßiger werden. In Küstennähe, wo Chloride in der Luft vorhanden sind, ist wetterfester Stahl nur bedingt geeignet: Chloride destabilisieren die Patina und können zu Lochkorrosion führen. Die einschlägigen Normen und Fachinformationen der Stahlinstitute geben Grenzwerte für die Chloridbelastung an, ab denen ein Einsatz nicht mehr empfohlen wird. Für Meeresküsten und chloridbelastete Industriestandorte ist Cortenstahl grundsätzlich ungeeignet.

Cortenstahl im Kontext der Freiraumplanung: Potenzial und Grenzen

Cortenstahl hat sich in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau als eigenständige Materialsprache etabliert. Seine Stärken liegen in der Robustheit, der Wartungsarmut nach vollständiger Patinabildung, der gestalterischen Ausdruckskraft der lebendigen Oberfläche und der Fähigkeit, sich in natürliche Materialumgebungen aus Stein, Holz und Vegetation einzufügen. Pflanzgefäße, Stützwände, Brückengeländer, Zaunelemente, Skulpturen, Wegeinfassungen und Fassadenverkleidungen sind typische Anwendungsfelder.

Die Grenzen liegen dort, wo die Voraussetzungen für eine stabile Patinabildung nicht gegeben sind: in dauerhaft feuchten oder dauerhaft trockenen Einbausituationen, in chloridbelasteten Umgebungen, im direkten Erdkontakt ohne Schutzmaßnahmen und in Bereichen, wo Ausblutungen auf empfindliche Materialien nicht toleriert werden können. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, um diese Übergangsphase zu verkürzen, handelt planerisch klug, löst aber nicht alle konstruktiven Probleme. Die Detailplanung bleibt entscheidend.

Die professionelle Auseinandersetzung mit wetterfestem Stahl setzt voraus, dass Planer die Werkstoffeigenschaften, die normativen Grundlagen und die handwerklichen Anforderungen kennen. Cortenstahl rost beschleunigen ist kein Trick, sondern ein Teil des Qualitätsmanagements für ein anspruchsvolles Material. Wer diesen Schritt bewusst in die Planung integriert, wer Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Anschlussmaterialien von Anfang an mitdenkt, und wer die Grenzen des Materials kennt und respektiert, erhält ein Baumaterial, das mit der Zeit schöner wird und das seinen Platz im Außenraum mit Würde behauptet.

Die neue Schweizer Gotthardachse verbindet Architektur, Infrastruktur und Landschaft. Seit über 20 Jahren begleitet eine interdisziplinäre Gruppe die Gestaltung aller sichtbaren Teile der transalpinen Flachbahn. Am 11. Dezember 2016 nahm die Schweizer Bundesbahn den Gotthard-Basistunnel offiziell in Betrieb.

1882 wurde der legendäre Gotthard-Eisenbahntunnel eröffnet. Noch heute vermittelt die Bahnfahrt durch die Kehrtunnel eindrücklich, wie die Schweizer seinerzeit den Alpenraum verkehrstechnisch erschlossen. 2016 und 2019 wird mit den Gotthard- und Ceneri-Basistunneln ein weiteres Jahrhundertprojekt vollendet. Die erste transalpine Flachbahn ist das Herz der „Neuen Eisenbahn-Alpentransversale“ (NEAT). Als Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes, verbessert die neue Gotthardlinie den Transit­verkehr auf der Nord-Süd-Achse und trägt ­dazu bei, den Schwerlastverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Während den 95 Minuten Fahrt von Zürich nach Lugano haben die Bahnreisenden wenig Zeit, die Faszination der Pionierleistung zu erfassen. Mit den 57 und 15 Kilometer langen Basistunneln und zwei weiteren im Tagbau bietet die Neubaustrecken nur punktuell Ausblicke. Es ist eine Reise in Dunkelheit. Umso wichtiger für die sichtbaren Auswirkungen der Gotthardachse sind daher „hervorragende architektonische Qualität“ und ein „kohärentes Erscheinungsbild“. Dies sind die erklärten Ziele der 1993 gegründeten, interdisziplinären Beratungsgruppe für Gestaltung (BGG).

Dass die BGG das Projekt seit über zwanzig Jahren begleitet, ist einem Zufall geschuldet. 1992 besuchte der Ingenieur Peter Zuber ­(† 2011) eine Ausstellung über den Tessiner Architekten Rino Tami. Der damalige Delegierte für die Gotthardachse der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) war beeindruckt von dessen Arbeit für die Autobahn A2 (Gotthardachse) ab den Sechzigerjahren. Er beschloss die BGG unter Vorsitz des damaligen SBB-Chefarchitekten Uli Huber zu gründen. Mit an Bord waren die Zürcher Architekten Pierre Feddersen, Rainer Klostermann und Pascal Sigrist sowie Flora Ruchat († 2012), seinerzeit Leiterin des Architekturdepartements der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und Gestalterin der Autobahn A16 (Transjurane). Der bekannte Brücken­bauer Christian Menn wirkt als beratender ­Ingenieur bis 2006 und über die Jahre vertreten die Ingenieure Peter Zbinden, Walter Schneebeli und Alex Regli die Bauherrin

AlpTransit Gotthard AG

Die BGG koordiniert alle sichtbaren, sowohl temporären wie dauerhaften Auswirkungen der Gotthardachse zwischen Litti bei Baar und Lugano. Sie erarbeitet Gestaltungsvorgaben für Bautypen und -details, konzipiert mit Skizzen und Modellen ganze Landschaftsteile und einzelne Gebäude oder betreut sie von der Planung bis zur Ausführung mit immer anderen Ingenieurskonsortien. Außerdem erstellt sie Entwürfe und Studien zu späteren Ausbauetappen der Gotthardachse. Im Rahmen der laufenden Bautätigkeit begleitet sie acht Portalbereiche, elf Hauptbauten (vorab Bahntechnik- und Betriebsgebäude), über 40 Brücken und Unterführungen, sowie acht Aufschüttungen aus Aushubmaterial und über 100 Nebenbauten (beispielsweise Technikgebäude, Stollenzugänge, Tierdurchlässe, Brücken, Stützmauern, Unterwerke oder temporäre Arbeitersiedlungen). Von Nord nach Süd ­machen wir Halt an fünf Orten ihrer Arbeit.

Portalbereiche, Erstfeld und Bodio 2014

Die Portallandschaften im Urner Reusstal und in der Tessiner Valle Leventina sind Auftakt und Schlussakkord des Gotthard-Basistunnels. Hier kommen zahllose Anforderungen und Maßstäbe zusammen. Bahntechnikgebäude und Erschließungswege, Becken zum Abkühlen warmen Bergwassers, Gleisspurwechsel und Unterführungen umgeben den Überwerfungsbau, der die ­alte Gotthard-Stammlinie über das Portal des neuen Basistunnels führt. Der großräumliche Schwung erscheint als 800 Meter langer und 12 Meter hoher Sichelbogen. Seine scharfkantige Betonform umfasst ­große Granitblöcke.

Die Tunnelkühlung durch die fahrenden ­Züge selbst beeinflusste die Gestaltung der Portalbereiche entscheidend. Damit zwischen austretender Warmluft und eingesaugter Frischluft kein Kurzschluss entsteht, sind die Röhren versetzt. Wie Nadeln mit spitzwinkligen Enden verkörpern sie das Durchstoßen des Bergs als gestalterisches Leitmotiv und verschwinden seitlich in den Bergflanken. Das sechseckige Profil erübrigt übliche Tagbau-Tunnelvouten und vereint das Lichtraumprofil der Bahn mit aerodynamischen Vorgaben für den idealen Luftstrom. Wenn Personen- und Güterzüge mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde aus den Röhren schießen und warme Bergluft nachziehen, begünstigen die sonnenerwärmten Granitblöcke ihr Aufsteigen und bieten Lebensraum für Pionierpflanzen und Reptilien.

Die sichelförmige Überwerfung hätte durchaus eine begrünte Böschung sein können. Doch die Architektur ist topografisch gedacht, die Landschaft architektonisch. Nun steht der Sichelbogen zeichenhaft für die epochale Leistung am Gotthard und ist vor allem eines: gut 100 000 Tonnen Gestaltungswille. Naturstein als Reverenz an die Landschaftsgestaltung und die Bauten der alten Gotthardlinie und dynamisch geschnittener Beton, der an Rino Tami erinnernd den rauschenden Verkehr inszeniert.

Die Ähnlichkeit zum Werk des Architekten

Rino Tami ist kein Zufall, denn die BGG analysierte seine Gestaltung der Tessiner ­Autobahn A2 (Gotthardroute) genau und stand beim Bahntunnel vor vergleichbaren Problemen. Als Pascal Sigrist das Wort „combinare“ auf einer Handskizze von Tami las, fühlte er sich bestätigt: „Genau so arbeiten wir. Große Infrastrukturprojekte neigen dazu, eine gebaute Ansammlung fachplanerischer Ansprüche zu werden. Wir fassen Funktionen zusammen und geben ­integralen Lösungen eine klare Form“. Als Vorher-Nachher-Metapher dient ihm das Entlüftungsbauwerk Val Nalps. Der „Auspuff am Ferrari“ ist der erste von der BGG begleitete Bau. Dazu eine kurze Lektion in Tunnelbaukunde: Bei langen Tunneln bohren Mineure nicht nur von zwei Seiten aufeinander zu. Im Berg erstellen sie „Zwischen­angriffe“ und montieren Tunnelbohrmaschinen. Von hier aus fressen sich die bis zu 450 Meter langen Ungetüme nach außen. Abwärme und Baustaub verschlechtern das Klima im ohnehin bis zu 50 Grad heißen und teils feuchten Berg. Vor allem während des Baus ist deshalb eine kräftige Entlüftung nötig.

Einer der drei Zwischenangriffe des Gotthard-Basistunnels liegt weit unter dem Bündner Dorf Sedrun. Er ist das geheime Herz des Projekts und über einen 800 Meter tiefen Schacht erreichbar. Wegen möglicher Nebelbildung liegt der Entlüftungskamin aber nicht beim Dorf, sondern im Seitental Val Nalps. Das ursprüngliche Ingenieursprojekt war ein weiträumig aus dem Fels gesprengter Wendeplatz mit hoch aus dem Steilhang ragendem Kamin aus Betonfertigteilen, dessen Keilform hangwärts vor Lawinen und Steinschlägen schützt und Auffangnetze benötigt. Geschickt löst die gebaute Lösung nun sämtliche Anforderungen in ­einer expressiven Betonplastik: Sie folgt dem Hangverlauf und entlüftet nach vorne anstatt nach oben, ihre unteren breite Keilform teilt die Lawinen und integriert den Wendeplatz. Combinare heißt hier eine sich kompakt an den Hang schmiegende Form sowie weniger Beton und Sprengung.

Aushubablagerung Buzza di Biasca, 2015

Weder Betontier noch Steinsichel sind die größten Eingriffe entlang der Gotthardachse. Mit etwa 6,6 Millionen Tonnen Gewicht ist es der künstliche Berg unweit des Südportals bei Biasca. Die 50 Meter hohe Aufschüttung ist eine von acht und dient gemeinsam mit sechs Bade- und Naturschutzinseln im Urnersee der Ablagerung jener ausgebohrten Gesteinsmassen, die nicht als Betonzuschlag oder zur Geländekulti­vierung verwendet werden. Die Material­bewirtschaftung des Aushubvolumens von mehr als fünf Cheops-Pyramiden ist eine ­anspruchsvolle Logistikleistung. 70 Kilometer Förderbänder transportieren das Gestein zu Betonzentralen, Zwischenlagern und den künstlichen Bergen und Inseln. „Die Ablagerung bei der Buzza di Biasca steht zu ­ihrer Künstlichkeit, anstatt Natur nachzu­ahmen“, erklärt Pascal Sigrist das geometrisierte Ingenieursprojekt. In regelmäßigem Abstand rastern horizontale Wege und vertikale Entwässerungen den künstlichen Berg. Verwitterung und Bewuchs werden die heute scharfe Grenze zur Natur allerdings verwischen.

Mehrzweckgebäude, Faido 2014

Den Zwischenangriff bei Faido erschließt kein vertikaler Schacht, sondern ein schräger Stollen. Mehrere Kunstbauten fasste die BGG hier in einem kompakten Gebäude zusammen. Die Stützmauer am Hangfuß sieht wie ein 120 Meter langes Betontier aus. Im Schwanz liegen der Eingang des Sondierstollens, die Haustechnik und die Betriebsräume des benachbarten Unterwerks. Die Bahntechnik mit Computern, Steuerung und riesigen Dieselmotoren für Notstrom bildet den Torso. Der 27 Meter hohe, hangwärts geneigte Kopf ist die Lüftungszentrale und verjüngt sich, um die Luft hoch an den Hang zu blasen. Die hier logische Schräge setzt sich über die gesamte Front fort und knickt am Kopfende in die Gegenrichtung. Das kompakte Volumen wirkt behäbig, ganz anders als die ­filigrane Dynamik der Portale und der Entlüftungsskulptur in der Val Nalps. Die dort überzeugende Formensprache verselbständigt sich hier zum manieriert-kristallinen Spiel.

Unterführung Kantonsstraße, Camorino 2013

Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen“, zitiert Sigrist schmunzelnd Albert Camus, denn die Arbeit der BGG erfordert Beharrlichkeit. Seit Baubeginn im Jahr 2000 begleitet die Gruppe auch über 100 Nebenbauten sowie rund 40 Brücken und Unterführungen. Immer wieder erklärt sie Sinn und Details ihrer Arbeit und überzeugt zahllose Ingenieure, ebenfalls am ­roten Gestaltungsfaden zu ziehen. Dieser ­beruht auf lokal anpassbaren Gestaltungsvorgaben für Tunnelportale und Stolleneingänge, Unterführungen und Brücken, ­Böschungen und Stützmauern, Geländer und Zäune, Betonoberflächen, Farben und Signalelemente.

Bei der Unterführung der Kantonsstraße in Camorino ist vieles wie bei den anderen Straßenunterführungen. Das Querprofil der Wanne ist rechteckig und die Flügelmauern entwickeln sich unmittelbar aus den Stützmauern. Der typische Konsolenkopf der Brücke verbindet Tropfnase, Kabelkanal, Mastfundament für Fahrleitungen, Dienstweg und Lärmschutzelement in einer verbindlichen Geometrie. Anders als bei anderen Unterführungen ist die Zwischenwand in Camorino in polygonale Kreuzstützen aufgelöst. Sie nimmt damit Bezug zu den V-förmigen Stützen der benachbarten Bahnviadukte, unter denen das Tessin eine neue Stadt erträumt. Der Südkanton will die Gotthardachse als städtebaulichen Katalysator nutzen und wittert seine Chance, zum Knotenpunkt zwischen dem süddeutsch-schweizerischen und dem Mailänder Metropolitanraum zu werden.

Dieser Text basiert auf einem Artikel, der in der Septemberausgabe 2014 des Schweizer Architekturmagazins Hochparterre erschienen ist und in Topos 96 veröffentlicht wurde.