Freibad statt Fahrbahn

Der Wiener Gürtel ist eine der größten Verkehrsadern der Stadt – in zwei Richtungen verlaufen jeweils vier Fahrspuren, teilweise Parkstreifen und die Straßenbahn. Das Kreuzungsplateau Felberstraße/Stollgasse verbindet mit sieben Fahrspuren nicht nur diese, sondern auch die Bezirke Neubau und Rudolfsheim-Fünfhaus. Außer im August. Denn da findet man genau hier ein temporäres Freibad und einen Kulturtreffpunkt – die „Gürtelfrische WEST“.

Rollrasen verdeckt nun die Fahrspuren, ein 33 Quadratmeter großes Pool sorgt für Abkühlung, ein Gastro-Kiosk für Erfrischungen. Der Eintritt ist frei, eine Konsumationspflicht gibt es nicht. Das Bepflanzungskonzept, in Kooperation mit Lilli Lička (BOKU Wien) und Hannes Gröblacher erstellt, verbindet diesen nun abgesperrten Straßenbereich mit den angrenzenden Grünstreifen, bietet Liege- und Verweilmöglichkeiten und schafft Aufenthaltsqualität. Auf einer Holzbühne, vom Architekturbüro Heri&Salli gestaltet, wird ein vielfältiges Rahmenprogramm geboten. Tagsüber als Liegemöglichkeit genutzt, Abends für kleine Konzerte, DJs und Lesungen. In dem Bus-Labor wiederum, von Karin Harather (TU Wien) in Kooperation mit KÖR- Kunst im öffentlichen Raum entwickelt, werden Workshops zum Thema ‚Raum und Stadt‘ veranstaltet.

Schon am Eröffnungswochenende war der Besucherandrang in dieser kleinen Stadtoase, dem Partei- und Bezirksübergreifend initiierten Pop-Up Projekt, enorm. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Berichterstattungen. Die „Gürtelfrische WEST“ ist sicherlich das meistdiskutierte Freiraumprojekt des Sommers in Wien. Wie nicht anders zu erwarten, wenn man einen so vielbefahrenen Straßenraum sperrt. Selbst temporär. Diese Diskussion kann dem Projekt aber nur zugute kommen. Denn natürlich will es den Wienern und Wienerinnen Abkühlung und Naherholung verschaffen, es will aber auch ungewohnte Erfahrungen bieten, informieren und ein stärkeres Bewusstsein für den „Lebensraum Stadt“ schaffen. All das ist auch gelungen! Bis zum 30. August kann man die „Gürtelfrische WEST“ noch besuchen – für den kommenden Sommer ist eine Wiederaufnahme bereits im Gespräch.