Wettbewerbsübersicht August 2020

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse. Hier die Wettbewerbsübersicht vom August 2020.

polis Award 2020

Bereits zum fünften Mal zeichnet der polis Award Projekte aus, die einen besonderen Beitrag für das öffentliche Wohl der Stadt erbringen und über ihren eigenen Projektrahmen hinaus Strahlkraft entfalten. Der Award ehrt dabei Mut und Kreativität der Projektbeteiligten, sich neuen Lösungswegen zu öffnen, und Zukunftsvisionen zu gestalten. Über 150 Projekte konkurrierten in sieben Kategorien für die Stadt- und Projektentwicklung, die Jury vergab für jede Kategorie drei Gewinnerplätze.

Eine Auswahl freiraumrelevanter Platzierungen finden Sie hier, die vollständige Sammlung der Kategorien samt Gewinnern finden Sie unter www.polis-award.com.

In der Kategorie „Reaktivierte Zentren“ überzeugten WES LandschaftsArchitektur mit einem 1. Platz für die Umgestaltung des mittleren Paderquellgebiets in Paderborn. Das Projekt wurde kurz zuvor auch mit dem Bundespreis Stadtgrün 2020 ausgezeichnet. In derselben Kategorie ging ein 3. Platz an KRAFT.RAUM. für den neugestalteten Marktplatz Willich. In der Kategorie „Soziale Quartiersentwicklung“ erhielt die Gemüsewerft auf der Bremer Überseeinsel einen 2. Preis. Das Projekt, an dem MAN MADE LAND beteiligt war, ermöglicht eine inklusive und grüne Quartiersentwicklung. Das Projektteam um maier landschaftsarchitektur erhielt den 1. Platz in der Kategorie „Lebenswerte Freiräume“: Der Skatepark in Damaskus überzeugte als Beitrag zur Völkerverständigung. Ebenso ging ein 3. Platz an relais Landschaftsarchitekten für ihre „Stadt Landschaft Burg“, die anlässlich der Landesgartenschau 2018 eröffnete. Die Kategorie „Kommunikative Stadtgestaltung“ zeichnete mit einem 3. Platz Urban Lab und büro für bauform aus, für ein abwärmebetriebenes Gewächshaus in der Stadt.

Nachfolgenutzung Prinz-Leopold- / Pionier-Kaserne in Regensburg; 1. Preis ISSS und bauchplan ).(, Berlin und München

Die Stadt Regensburg sucht nach Ideen für eine urban-gemischte Nutzung ihrer letzten großen innerstädtischen Konversionsfläche, die von der Bundeswehr bis 2009 genutzt wurde. Das Team aus den Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten von bauchplan und ISSS siegten mit ihrer städtebaulichen Vision für das rund 25 Hektar große Areal. Herzstück des Entwurfs bildet ein großer Park, der als zentraler Erholungsraum für das gesamte Kasernenviertel dienen soll. Der mehrfach gewinkelte, nord-süd-orientierte Park vernetzt das Quartier und verknüpft nach außen zu bereits existierenden Grünzügen. Um die Trennung der im Südosten gelegenen mehrspurigen Bundestraße zu überwinden, sehen die Verfasser eine Unterführung vor, die die Grünanlage mit dem Gelände des Wasserschlosses Pürkelgut verbindet. Dezentrale Quartiers- und Nachbarschaftsplätze ergänzen das Freiraumangebot und werten die bestehenden und geplanten Wohn- und Gewerbegebiete qualitativ auf. Der Gesamtentwurf ist so konzipiert, dass die bauliche Umsetzung in zeitlich versetzten Bauabschnitten möglich ist.

Neues Stadtquartier auf dem Areal der Eggarten-Siedlung in München; 1. Preis Atelier Loidl und Studio Wessendorf, beide Berlin

Mit 2 000 neuen Wohnungen könnte aus der Kleingartenkolonie Eggarten im Münchner Norden das größte genossenschaftliche Bauprojekt seit über 70 Jahren werden. Rund 5 000 Menschen sollen in dem neuen Stadtquartier wohnen, für das der Siegerentwurf von Atelier Loidl und Studio Wessendorf ein nachhaltiges Modellquartier nach dem Prinzip der kurzen Wege vorseht. Die städtebauliche Struktur besticht durch eine einfache Grundstruktur und arbeitet mit sich verzahnenden Blöcken in moderater Höhe. Nur punktuell lässt der Entwurf eine Überhöhung von bis zu zwölf Geschossen zu. Die orthogonale Struktur erlaubt, die bestehende Gartenstruktur aufzugreifen, und daraus einen Rahmenplan zu entwickeln. Viele Bestandsbäume können so erhalten bleiben und das Quartier von Anbeginn als grünes Viertel prägen. Die differenzierten und auf Maßstäblichkeit bedachten Freiräume des Quartiers schaffen vielfältige, laut Jury auch „glaubwürdige Orte für erdgeschossige Nichtwohnnutzungen.“ Zugunsten der kleinteiligen Quartiersplätze verzichten die Verfasser auf einen großen Quartierspark, liegen damit aber dennoch im durchschnittlichen Grünanteil aller eingereichten Arbeiten.

Fuß- und Radwegebrücke über den Neckar, Heidelberg; 1. Preis Schlaich Bergermann und Partner mit Latz + Partner und LAVA

Die sechste Neckarquerung in Heidelberg ist als Fuß- und Radwegebrücke konzipiert. In einem zweistufigen Verfahren entschied sich die Jury für den minimalistischen Ansatz des Teams Schlaich Bergermann Partner, Latz + Partner und LAVA. Mit einer großen geschwungenen Geste verbindet der Entwurf die drei wesentlichen Orte beidseitig des Neckars. Als durchgängiges Band verknüpft die Brücke den Bahnhof, die südlich angrenzenden Quartiere und den Schnellradweg am Nordufer des Neckars. Ihre Konstruktion ist über die gesamte Länge lagerfrei konzipiert (integral), was eine schlanke Silhouette ermöglicht. Der Brückenentwurf besteche als zeitgemäße Stahlkonstruktion, die zurückhaltend, aber differenziert gestaltet sei, so das Urteil der Jury. Die Brücken- und Landschaftsgestaltung wurden als Einheit konzipiert, mit differenzierten Aufenthaltsqualitäten. Diese liegen sowohl mittig auf der Brücke, als auch entlang der Auf- und Abgänge an den Brückenenden, die sich wie selbstverständlich in die neugeschaffene Freiraumstruktur einfügen.