08.12.2023

Projekt
De Urbanisten DS Landschapsarchitecten

Hofbogenpark in Rotterdam – linearer, erhöhter Grünraum

von Laura Puttkamer
Der Hofbogenpark wird mehrere Stadtteile in Rotterdam verbinden und Raum für Mensch und Tier bieten. Bild: De Urbanisten
Der Hofbogenpark wird mehrere Stadtteile in Rotterdam verbinden und Raum für Mensch und Tier bieten. Bild: De Urbanisten

Die Stadt Rotterdam plant einen neuen Park: Er wird sich auf dem Dach eines Eisenbahnviadukts befinden und sich durch vier Stadtteile ziehen. Lesen Sie mehr über den zwei Kilometer langen und sechs Meter breiten Hofbogenpark.


Der längste und schmalste Dachpark der Niederlande

Die endgültigen Entwürfe wurden genehmigt und die Arbeiten am Hofbogenpark in Rotterdam können beginnen. Dieser wird der längste und schmalste öffentliche Dachpark in den Niederlanden sein und Besucher*innen zu einem Spaziergang von bis zu zwei Kilometern Länge einladen. Der Park wird dabei nur sechs Meter breit sein, aber seine Architekt*innen wollen eine „üppige, bunte und duftende lineare Landschaft“ schaffen. Während sich der Hofbogenpark durch vier verschiedene Stadtteile zieht, wird er wichtige Verbindungen auf der Höhe der Baumkronen bieten. Überall im Park wird es unterschiedlich große Plattformen geben, die Platz für Aktivitäten wie Spiel, Sport, Entspannung oder Picknicks bieten. Balkone entlang der Bahnlinie bieten Ausblicke auf die umliegende Stadt. Der Zugang zum erhöhten Park wird über Treppen und Aufzüge ermöglicht.

Der Stadtrat von Rotterdam hat den endgültigen Entwurf des Hofbogenparks von De Urbanisten in Zusammenarbeit mit DS Landschapsarchitecten genehmigt. Nun kann das Ausschreibungsverfahren beginnen. Der Bau des Parks soll 2025 beginnen und wird von der Stadt Rotterdam und der Dudok-Gruppe finanziert. Die Kosten werden sich voraussichtlich auf rund 53,7 Millionen Euro belaufen.

Der Hofbogenpark wird mehrere Stadtteile in Rotterdam verbinden und Raum für Mensch und Tier bieten. Bild: De Urbanisten
Abbildungen: De Urbanisten
Der Hofbogenpark wird mehrere Stadtteile in Rotterdam verbinden und Raum für Mensch und Tier bieten. Bild: De Urbanisten

Eine klimaangepasste, urbane Lösung für Mensch und Tier

Der lineare Park wird in einer Höhe von etwa sechs Metern über dem Boden liegen und dem ehemaligen Hofbogenviadukt folgen. Er wird nicht nur Erholungsraum für Menschen bieten, sondern auch einen großen ökologischen Korridor für Tiere und Pflanzen darstellen. Die Idee dahinter ist es, die Natur näher an das Herz der Stadt zu bringen. Einheimische Planungen und Gewässer bieten Bienen, Schmetterlingen, Kröten, Fledermäusen, Vögeln und Igeln Platz, Schutz und Nahrung. Sie werden sogar ihre eigenen Treppen haben, um den Dachpark zu besuchen und zu verlassen.

Ein weiteres wichtiges Ziel des Hofbogenparks ist die Klimaanpassung: Rotterdam liegt im niederländischen Delta und ist daher anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Ein nachhaltiges Wassermanagement ist eine wichtige Bewältigungsstrategie für die Stadt. Mit dem Hofbogenpark will Rotterdam die nächste Generation klimaangepasster städtischer Lösungen präsentieren. Das Regenwasser aus der Umgebung der Parks wird gesammelt, durch natürliche Prozesse aufbereitet und in einem unterirdischen Aquifer gespeichert. In Zeiten von Trockenheit und Hitzestress wird dieser Grundwasserleiter sauberes Regenwasser liefern.

Darüber hinaus wird die großzügige Begrünung die Artenvielfalt in der Stadt erhöhen und im Sommer für Abkühlung sorgen. Mit einem sich selbst versorgenden Wassersystem wird der Hofbogenpark Wasserüberflutung und Trockenheit entgegenwirken: Für die Bewässerung der Pflanzen, Springbrunnen und Wasserspiele im Park wird kein Leitungswasser benötigt.

Der Hofbogenpark wird mehrere Stadtteile in Rotterdam verbinden und Raum für Mensch und Tier bieten. Bild: De Urbanisten
Abbildung: De Urbanisten

Ein Inkubator für Nachbarn und Unternehmer

Der Hofbogenpark wird Teil eines größeren Netzes öffentlicher Räume rund um die ehemalige Bahnlinie sein. Die Stadt plant, das umliegende Straßenbild zu begrünen und offene Landschaften rund um Rotterdam mit der Stadt zu verbinden. Am Ende soll ein Netz von Parks entstehen, welches es Besuchenden und Einwohner*innen ermöglicht, sich in der Stadt vor allem durch miteinander verbundene Grünflächen zu bewegen.

De Urbanisten arbeitete eng mit den Landschaftsarchitekt*innen von DS und De Dakdokters zusammen und bezog die Gemeinden der umliegenden Stadtteile mit ein, um einen Entwurf zu finden, der für alle funktioniert. Die Dudok-Gruppe, ein niederländischer Bauträger, ist Eigentümerin des Eisenbahnviadukts, das früher ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt war. Fast 100 Jahre lang war der Hofpleinlijn die wichtigste Eisenbahnverbindung zwischen Rotterdam und Den Haag-Scheveningen. Sie bot die erste elektrische Eisenbahn der Niederlande und war besonders für Wochenendausflüge ans Meer beliebt. Das 1908 errichtete Viadukt war für seine Zeit unkonventionell, da es aus Stahlbeton gebaut wurde. Dies ermöglichte eine stabile und leichte Konstruktion, die sich bis heute bewährt hat.

Im Jahr 2002 wurde das Hofplein-Viadukt zum nationalen Denkmal erklärt. Das ehemalige Eisenbahnviadukt, auf dessen Dach nun ein Park angelegt wird, hat auch eine wichtige soziale Funktion für die umliegenden Stadtteile: In seinen Bögen sind Geschäfte und Unternehmen untergebracht. Der Park wird die Möglichkeiten für soziale Begegnungen und unternehmerischen Austausch sowie für nachbarschaftliche Aktivitäten verbessern.

Der Hofbogenpark wird mehrere Stadtteile in Rotterdam verbinden und Raum für Mensch und Tier bieten. Bild: De Urbanisten
Abbildungen: De Urbanisten
Der Hofbogenpark wird mehrere Stadtteile in Rotterdam verbinden und Raum für Mensch und Tier bieten. Bild: De Urbanisten

Eine Reise über zwei Kilometer

Ähnlich wie bei einer Zugfahrt verändert sich die Landschaft des Hofbogenparks während des zwei Kilometer langen Spaziergangs entlang der Eisenbahnbögen. Am Bahnhof Hofplein steht das Stadtleben im Mittelpunkt. In Richtung Norden wird die Landschaft ruhiger, mit Elementen von fließendem Wasser. Die Landschaftsarchitekt*innen haben sich von den Bahndämmen inspirieren lassen und zeigen eine Mischung aus natürlich vorkommenden Pflanzen und Pflanzen aus der Umgebung. Die dynamische Landschaft mit ihrem naturalistischen Pflegeansatz wird sich von Jahreszeit zu Jahreszeit verändern und im Laufe der Zeit eigene Variationen entwickeln.

Die verschiedenen Bahnsteige haben einen einzigartigen Charakter, der auf die Wünsche der Anwohner*innen und jedes Viertels zugeschnitten ist. Im Zomerhofkwartier beispielsweise bietet eine Plattform mit Tischen und Bänken Platz für ein Picknick. Im Gegensatz dazu ist die Wasserplattform in der Bergselaan zum stillen Nachdenken und Lesen gedacht. Und am Ammersooiseplein wird es einen Spielbereich mit einer Rutsche für Kinder geben.

Einem ähnlichen Prinzip folgt der Moynihan Connector im New Yorker High Line Park. Alles dazu hier.

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