IGA Metropole Ruhr 2027: Wettbewerbsergebnisse der Zukunftsgärten

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Die Metropolregion Ruhr ist mit mehr als fünf Millionen Einwohner*innen Deutschlands größter Ballungsraum. Der Regionalverband Ruhr agiert hier, in den insgesamt elf Städten und vier Kreisen, als Netzwerker, Koordinator, Impulsgeber und Projektträger. Zugleich ist der Verband für Regionalplanung und bedeutende Infrastrukturprojekte zuständig. Sein neuestes Großprojekt, das nun ansteht: die IGA 2027 – die Internationale Gartenausstellung 2027. Als Hoffnungsträgerin soll die IGA wertvolle, stadtstrukturelle Wirkung erzielen und nationale Strahlwirkung im Ruhrgebiet entfalten. In ihrem Mittelpunkt stehen fünf große Schaugärten: die Zukunftsgärten. Prof. Dr. Martina Oldengott, fachlich mitverantwortlich für die IGA Ruhr, stellt Ihnen hier die Wettbewerbsergebnisse der Zukunftsgärten vor.

IGA Ruhr: Zukunftsgärten bilden Programmatik ab

 

Die IGA 2027 stellt sich dem Diskurs, wie wir in Zukunft leben wollen. Als wir mit der Konzeption der Machbarkeitsstudie 2015 / 2016 diese große programmatische Fragestellung aufgeworfen haben, konnten wir nicht voraussehen, in welch hohem Maß uns die globalen Einflüsse in unserer Arbeit auf dem Weg zur Realisierung der Internationalen Gartenausstellung 2027 bestimmen würden. Immer häufigere und ständig wechselnde Witterungsextreme mit Unwetter- und Starkregenereignissen auf der einen Seite, monatelange Trockenheit mit hohen Temperaturen auf der anderen Seite sind signifikante Merkmale des Klimawandels. Sie tragen zu Umweltkatastrophen mit der Folge von Zerstörungen ganzer Siedlungen und Landschaften, Ernteausfällen, Hungersnöten, Armut und Krankheiten bei.

Von Umweltgerechtigkeit und ausgeglichenen Lebensverhältnissen weltweit sind wir Lichtjahre entfernt. Beispiele wie die Corona-Pandemie zeigen uns, wie eng die genannten Auswirkungen auch mit unserem, bisher so komfortablen Leben verbunden sind. Die Rolle der Freiräume, ihre Nähe zum Wohnort, Gestaltung, Ausstattung und ökologische Funktion gewinnen an Bedeutung. Am Beispiel des Gartenbaus und der Landwirtschaft entzünden sich wesentliche Zukunftsfragen über Produktion, Distribution und nachhaltige Bewirtschaftung.

Vor diesem Hintergrund erfüllen die drei Ebenen der IGA 2027 – “Mein Garten”, “Unsere Gärten” und “Zukunftsgärten” – in mehrfacher Funktion eine wichtige Rolle. Sie tragen nicht nur zur Qualifizierung und Verdichtung des regionalen Freiraumverbundes bei. Gerade die Ebene “Mein Garten”, die das zivilgesellschaftliche Engagement mobilisieren möchte, bietet die Möglichkeit zur Teilhabe an der IGA und eine Sensibilisierung für die gesellschaftlichen und ökologischen Fragestellungen vor dem Hintergrund der weltweiten Lebensverhältnisse und ökonomischen Rahmenbedingungen.

Im Mittelpunkt der IGA 2027 stehen jedoch die großen Schaugärten. In diesen fünf Zukunftsgärten bildet sich unsere übergeordnete Programmatik beispielhaft ab.

Vier internationale und interdisziplinäre Planungswettbewerbe

Sie verknüpfen urbane Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung, Grüne und Blaue Infrastruktur mit Biodiversität und den Herausforderungen der Klima-Resilienz. Hier wollen wir Lösungsansätze für ein gutes Zusammenleben und für ausgeglichene Lebensverhältnisse aufzeigen. Auf der Grundlage einer nachhaltigen und umweltgerechten Mobilität wollen wir eine niedrigschwellige Zugänglichkeit zur IGA schaffen und ein attraktives touristisches und kulturelles Angebot machen.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Planung und bauliche Umsetzung bilden die Landschaftsarchitur-Wettbewerbe. Gut ein Jahr haben wir daran gearbeitet und vier internationale und interdisziplinäre Planungswettbewerbe für die Zukunftsgartenstandorte Dortmund, Bergkamen-Lünen, Gelsenkirchen und Duisburg durchgeführt. Trotz der Corona bedingten Restriktionen konnten alle Wettbewerbe ohne Auswirkung auf die zeitlichen Abläufe der anschließenden VgV-Verfahren abgeschlossen werden. Die Jurysitzungen für Gelsenkirchen und Duisburg mussten virtuell durchgeführt werden, verbunden mit vielen organisatorischen Herausforderungen. Wir haben dennoch sehr gute Ergebnisse erzielt und unter den Preisträger*innen international renommierte Landschaftsarchitektur- und Architekturbüros gewonnen.

Zukunftsgärten der IGA Ruhr: Wettbewerbsergebnisse

Die frischen und modernen, nachdenklichen und nachhaltigen Entwürfe haben sich intensiv mit der Biodiversität, Nachhaltigkeit, mit Fragen des Klimawandels, mit der Bedeutung der Zukunftsgärten für Freizeit, Erholung, Nahrungsproduktion, Ernährung und Gesundheit auseinandergesetzt. Sie haben tragfähige Vorschläge für die Transformation der Ruhrgebietslandschaft und für großräumliches landschaftliches Entwerfen erarbeitet und die Rolle der Landschaftsarchitektur für unsere industrielle Kulturlandschaft und das regionale Design geschärft. Vor allem aber haben sie passgenaue Entwurfslösungen für jeden einzelnen Standort präsentiert und die Authentizität der jeweiligen landschaftlichen Situation genutzt, um einen einzigartigen Zukunftsgarten zu schaffen.

Hier finden Sie die Kernthemen und Wettbewerbsergebnisse der einzelnen Zukunftsgärten der IGA Ruhr:

 

IGA Ruhr lobt hohe planerische Qualität und Vielfalt der Wettbewerbsergebnisse für die Zukunftsgärten

Jeder Planungswettbewerb für die IGA-Zukunftsgärten unterscheidet sich im Inhalt, Format und in den Flächen grundlegend von allen anderen. Dortmund, Bergkamen/Lünen und Duisburg haben das Format eines nicht offenen freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs genutzt, indem einige Büros gesetzt und weitere über die Bewerbung und das Losverfahren bestimmt wurden. Gelsenkirchen war ein offener Wettbewerb. In Dortmund und in Duisburg waren es interdisziplinäre Wettbewerbe, weil Brücken oder Gebäude einbezogen waren. Duisburg hat darüber hinaus auch einen Ideenteil mitaufgenommen. Gegenstand des Realisierungsteils war nicht nur der eintrittspflichtige Zukunftsgarten, sondern auch der Grüne Ring, der sich um den Stadtteil Hochfeld zieht.

Als Auslober*innen und auch als Jurymitglieder der vier Preisgerichte waren wir bei jedem Wettbewerbsergebnis beeindruckt von der hohen planerischen Qualität und Vielfalt der möglichen Lösungsansätze. Nicht zuletzt spiegelt es sich auch in den vielen Anerkennungen, die zusätzlich zu den jeweils drei Preisen vergeben wurden. Wir haben uns durch die Reichhaltigkeit der Ideen und die Sorgfalt in der Bearbeitung reich beschenkt gefühlt. In den weiteren Prozess der Planung und Baurealisierung gehen wir voller Vorfreude und Zuversicht, gute und fachkompetente Partner*innen an unserer Seite zu wissen.

Prof. Dr. Martina Oldengott ist Landschaftsarchitektin und Kunsthistorikerin. 2020 wurde sie von der Emschergenossenschaft in die Durchführungsgesellschaft der Internationalen Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027 entsendet. Sie ist dort in führender Position für die fachlichen Inhalte der IGA 2027 verantwortlich.

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Nidda Ufer: Wettbewerb entschieden

Der Siegervorschlag von Gerko Schröder sieht vor, die Nidda wieder zu den Bürger*innen der Stadt zu bringen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg
Der Siegervorschlag von Gerko Schröder sieht vor, das Nidda Ufer wieder zu den Bürger*innen der Stadt zu bringen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg

Der Wettbewerbssieger für die Neugestaltung des Nidda Ufers in der gleichnamigen hessischen Stadt ist entschieden: Der Entwurf von Gerko Schröder von Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg hat gewonnen. Wie die Nidda wieder zu einem identitätsstiftenden, sichtbaren und zugänglichen Element im Stadtbild werden soll, lesen Sie hier.

Ein sichtbarer, erlebbarer Fluss

Fünf Büros haben am freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb der Stadt Nidda teilgenommen und Vorschlage zur Integration der Gewässerflächen sowie zur Stärkung und Aufwertung des Naherholungsbereichs am Fluss gemacht. Am 27. Juni 2023 fand die Preisverleihung statt, bei der Gerko Schröder, Inhaber von Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg, den ersten Preis für seinen Entwurf erhielt. Die Ergebnisse des Wettbewerbs sollen nun als Grundlage für die weiteren Planungsschritte dienen.

Das Ziel der Stadt Nidda besteht darin, den gleichnamigen Fluss in der Stadt wieder erlebbar zu machen, und zwar am besten schon zur Landesgartenschau. Diese ist für das Jahr 2027 in Oberhessen geplant. Aufgrund begrenzter Haushaltsmittel ist dafür ein abschnittsweises Vorgehen nötig.

Der Siegerentwurf wurde vom Preisgericht für seine gestalterische Umsetzung gelobt, zu der unter anderem eine Landschaftsbrücke mit Pergola, Sitzstufen am Wasser, eine Kneipp-Anlage, ein Café und ein Spielplatz gehören. Dadurch wird die Nidda wieder sichtbar und erlebbar. Club L94 Landschaftsarchitekten GmbH aus Köln und bierbaum aichele Landschaftsarchitekten Part.GmbB aus Mainz erhielten jeweils einen zweiten Preis. Insgesamt betrug das Preisgeld 45 000 Euro.

Visualisierung der Neugestaltung am Nidda-Ufer. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg
Visualisierung der Neugestaltung am Nidda-Ufer. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg

„Nidda an die Nidda“

Im Jahr 2019 erstellte die Stadt Nidda ein neues städtebauliches Entwicklungskonzept mit dem Leitbild „Nidda – Stadt am Fluß, Erschließung der Potenziale“. Darin geht es darum, die Stadt in baulicher, energetischer, funktionaler und gestalterischer Hinsicht an heutige und zukünftige Anforderungen anzupassen. Eine Aufwertung und Neugestaltung der Freiräume soll die Attraktivität der Region steigern und das Gewässer in das städtische Leben integrieren. Das Wettbewerbsgebiet umfasste daher etwa 2,8 Hektar, wobei es im städtebaulichen Teil insbesondere um mögliche Raumkanten ging.

Derzeit ist der Fluss, der die Stadt eigentlich prägt, durch Mauern und private Flächen sowie nicht zugängliche Uferbereiche geprägt. Nach dem Wettbewerb soll die Nidda künftig zwischen der Krötenburgstraße bis zur Höhe der Berufsschule anders aussehen. Unter dem Titel „Nidda an die Nidda“ schlägt Gerko Schröder vor, die Bürger*innen der Stadt ans Wasser zu holen. Dabei teilte er die Bereiche entlang des Flusses in die Abschnitte Park, urbaner Bereich und Landschaft ein.

Sitzstufen am Ufer sollen die Nidda wieder erlebbar machen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg
Sitzstufen am Ufer sollen die Nidda wieder erlebbar machen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg

Abwechslungsreiches Gegenüber der Nidda Ufer

Der Kernbereich vor der historischen Brücke am Eingang zur Altstadt ist heute vorwiegend ein Parkplatz. Sein Potenzial ist im Entwurf von Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg realisiert, etwa mit Sitzstufen am Wasser, einer Landschaftsbrücke mit Pergola und einem Spielplatz. Ein Fitnessbereich für Erwachsene, eine Kneipp-Anlage und ein Café sowie eine neue Mühlterrasse mit Mühlenpanorama sollen den Park attraktiver machen. Dafür ist es nötig, weniger erhaltenswerte Gebäude abzureißen und eine neue städtebauliche Ordnung zu schaffen.

In Niddas Zentrum soll so ein lebendiger, öffentlicher Ort entstehen, der es möglich macht, den Flussbereich am Nidda Ufer in seiner ganzen Vielfalt zu erleben. Auch eine ökologische Aufwertung ist geplant. Zugleich soll Parkraum zurückgebaut werden, um das Verhältnis zwischen Autos und Fußgänger*innen neu zu ordnen. Laut Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg soll die Neugestaltung des Flussufers zudem die deutsche Fachwerk- und die deutsche Alleenstraße mit der hessischen Apfelweinroute verknüpfen. Ebenso soll das abwechslungsreiche Gegenüber der beiden Flussufer durch attraktive Aufenthaltsräume erlebbar gemacht werden.

Apropos: Derzeit findet in Fulda die hessische Landesgartenschau 2023 statt.

Das Bild das im Januar 2021 um die Welt ging: Bernie Sanders mit Handschuhen und Klappstuhl (Meme: Redaktion Garten + Landschaft).
Das Bild das im Januar 2021 um die Welt ging: Bernie Sanders mit Handschuhen und Klappstuhl (Meme: Redaktion Garten + Landschaft).

Allein durch das Ende der Ära Merkel wird das Jahr 2021 in die Geschichtsbücher eingehen. Aber auch in der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung ist unfassbar viel passiert. Für Sie blicken wir hier zurück auf 365 Tage 2021 voller spannender Projekte, mutiger Menschen und – einem Haufen Probleme. Der Jahresrückblick 2021.

Jahresrückblick 2021 – keine Zeit rumzujammern

Wir wollten lauter sein, mutiger und den Finger noch stärker in die richtigen Wunden legen. Das waren die Neujahrsvorsätze, die wir in der Januarausgabe 2021 der G+L (Thema „Zukunft Planung“) formuliert hatten. Nun, ein Jahr später, stellen wir fest: Nice, wir müssen uns für 2022 keine neuen Vorsätze merken. Die alten haben weiterhin Bestand. Irgendwie ist das jedoch auch echt traurig. Als ob man keinen Schritt weitergekommen wäre.

Aber blicken wir der Wahrheit ins Gesicht: Die Planungsdisziplinen kämpfen weiterhin mit zahlreichen Herausforderungen – insbesondere mit den Folgen des Klimawandels. Der ist ein Jahr später – wie sollte es auch anders sein – immer noch ein ziemliches Problem. Gleichzeitig sind Landschaftsarchitektur und Stadtplanung, also die Disziplinen, die eigentlich in puncto Klimawandel und Klimaanpassung recht viel bewirken könnten, im öffentlichen Diskurs weiterhin sehr leise. Die Ereignisse der Hochwasserkatastrophe 2021 führten uns die große Stille dieses Jahr brutal vor Augen. Allen voran aber auch der Verlauf der Diskussionen und Schuldzuweisungen danach. Im Rahmen dieser großen Debatten nimmt die Verantwortung der Planung, aber natürlich auch die unsere, die der Fachmedien, nicht ab. Dementsprechend heißt es jetzt auch für uns in der G+L Redaktion: Nicht rumjammern, weitermachen und aus dem Vergangenen lernen. Das führt uns zu der Frage: Was können wir aus dem letzten Jahr lernen? Werfen wir einen Blick zurück.

Alles begann mit einem Mann in Handschuhen

Corona. Natürlich. 2021 war – ähnlich wie 2020 zuvor – allen voran geprägt von den schwerwiegenden Folgen und Herausforderungen der Pandemie. Gleichzeitig gab es auch unzählig viele sehr positive Neuigkeiten – aus der Planung und abseits davon. Zum Beispiel wurde Joe Biden am 20. Januar 2021 als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Das tatsächliche Highlight dabei war jedoch nicht der Wechsel der US-amerikanischen Führungsspitze von Donald Trump zu Joe Biden, sondern vielmehr ein Mann in Handschuhen – Bernie Sanders, dessen Bild von der Amtseinführung (warum auch immer) mit tausenden Memes viral ging. Bereits zur Live-Übertragung der Zeremonie kursierten erste Photoshop-Kunstwerke, die Sanders inklusive Sitzgelegenheit in abstrusen Situationen zeigten. Der Stein war ins Rollen gebracht, die Bernie-Sanders-Memes vom Januar 2021 entwickelten sich zum Momentum.

Jahresrückblick 2021: Latz+Partner und mahl gebhard unter den Gewinner*innen

Manche mögen sagen Joe Bidens Inauguration kam zu spät – aber vielleicht war 2021 auch einfach nur das „Besser spät als nie“-Jahr schlecht hin? Schließlich konnten 2020 zahlreiche Veranstaltungen und Events aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Den Großteil hiervon holte man deshalb 2021 nach. Darunter zum Beispiel auch die IBA Basel EXPO. Mit dieser fand die Internationale Bauausstellung IBA Basel 2020 auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein mit einem Jahr Verspätung ihren offiziellen Abschluss. Auch nachgeholt wurde die Landesgartenschau Ingolstadt. Ebenso konnten erst 2021 die Preisträger*innen des ersten Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2020 verkündet werden: Latz+Partner sowie mahl gebhard konzepte. Und auch der Deutsche Städtebaupreis 2020 wurde erst 2021 verliehen. Er ging nach Berlin. Die Jury zeichnete im April 2021 das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt mit dem ersten Platz aus.

And the LILA Honour Award 2021 went to …

Fast pünktlich wiederum öffnete die BUGA Erfurt ihre Tore. Sie begeisterte 1,5 Millionen Besucher*innen. Daneben fanden zudem die Landesgartenschau Überlingen sowie die Gartenschau Lindau statt. Und die Gestaltung von relais Landschaftsarchitekten in Überlingen war so gut – sie nahm sogar auch noch den ersten Landschaftsarchitekturpreis Baden-Württembergs mit nach Hause. Den Deutschen Landschaftsarchitekturpreis 2021 wiederum gewann das Büro Lohaus Carl Köhlmos mit ihrem Projekt Westpark Augsburg. Den Award „Gärten des Jahres 2021“ erhielten hingegen das Büro Petra Pelz Design-natürlich und GartenLandschaft Berg & Co. GmbH für den Garten „Ein Teil der Pflanzenwelt“ bei Hannover. Weitere spannende Gewinner*innen 2021? Das waren auch Snøhetta. Das norwegisch/US-amerikanische Büro durfte nicht nur gemeinsam mit unseren Kolleg*innen vom BAUMEISTER eine eigene Ausgabe gastkuratieren: den Snøhetta Baumeister. Sie erhielten darüber hinaus den LILA Honour Award 2021. Und ein weiteres Highlight war außerdem der diesjährige Pulitzerpreis. Der US-amerikanische Medienpreis ging an eine Architektin – Alison King. Puh, ganz schön viel!

Abschied von Urgesteinen der Berliner Stadtplanung im Jahresrückblick 2021

Im April 2021 erhitzte der gescheiterte Mietendeckel Berlin die Gemüter. Das Bundesverfassungsgericht hatte den Mietendeckel ein paar Wochen zuvor als unzulässig und verfassungswidrig erklärt. Mehrere zehntausende Berliner Haushalte waren und sind immer noch von hohen Nachzahlungen betroffen. Der Senat bot Überbrückungshilfen an. Die Lage blieb aber bis zum Jahresende angespannt. In einem anschließenden Volksentscheid stimmten die Berliner*innen dafür, Immobilienkonzerne mit mehr als 3 000 Wohnungen zu vergesellschaften. Laut Berliner Zeitung will der Berliner Senat aber erst 2023 hierzu entscheiden, wenn eine Expert*innenkommission seine Empfehlungen erarbeitet hat.
Das Jahr 2021 brachte Berlin zudem viele lokalpolitische Veränderungen. Die langjährige Senatsbaudirektorin Regula Lüscher beendete im Juli 2021 ihre Tätigkeit in Berlin und ging in den Ruhestand. In der neu gegründeten Regierung unter der designierten OB Franziska Giffey sollen zudem die Bereiche Stadtentwicklung und Umweltschutz in einem Ausschuss vereint werden.

Hauptstadtnews – nur ein Highlight des 2021 Jahresrückblick

Aus Berlin kamen im Jahr 2021 auch eine Reihe spannende Informationen zu angedachten, in Planung steckenden und realisierten Stadtentwicklungsprojekte. Eine Auswahl haben wir Ihnen hier für den 2021 Jahresrückblick zusammengefasst (und by the way: dass sich auch architektonisch in Berlin einiges getan hat und noch tut, zeigten unsere Kolleg*innen von BAUMEISTER bereits mit ihrer Januarausgabe 2021 zu Berlin).

Wettbewerbsentscheidung Mühlendammbrücke

Im Juli 2021 stimmte das Preisgericht mit großer Mehrheit für den Vorschlag der gemeinsamen Bewerbung des Berliner Ingenieurbüros Arup Deutschland GmbH und der Architekten von COBE A/S aus Kopenhagen. Alle weiteren Infos hier: Mühlendammbrücke.

Wettbewerbsentscheidung Quartier Pankower Tor

2 000 Wohnungen sollen auf dem Neubauviertel zwischen dem S- und U-Bahnhof Pankow und Prenzlauer Promenade entstehen. Der Siegerentwurf kommt aus der Feder der Architekturbüros Nöfer und CKSA – gemeinsam mit unter anderem Fugmann Janotta Landschaftsarchitekten. Alles dazu lesen Sie hier: Pankower Tor.

Wettbewerbsentscheidung Rathaus- und Marx-Engels Forum

RMP Stephan Lenzen gewannen 2021 zudem den Freiraumwettbewerb Rathaus- und Marx-Engels-Forum in Berlin: Das Büro setzte sich gegen weitere 52 Arbeiten durch. Mehr dazu hier: Marx-Engels Forum.

Zukunft Berlin Tegel

Die Start- und Landebahnen in Berlin Tegel liegen seit der Öffnung von Flughafen BER still. Die Nachnutzung von Gelände und Gebäuden in Berlin Tegel sind aber bereits in Planung. Mehr zur Zukunft des Areals hier: Berlin Tegel.

Eröffnung Berlin Südpanke

In Berlin ist die Südpanke außerdem wieder erlebbar. Lange lag der Fluss verrohrt unter der Erde. Nun bildet er das Rückgrat des neuen Grünzugs „Südpanke Berlin“.

Eröffnung Jüdischer Garten

Mitte Oktober 2021 eröffnete die Berliner Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther den Jüdischen Garten in den Gärten der Welt in Berlin. Für die Gestaltung ist mitunter atelier le balto verantwortlich. Die Baukosten für den 2 000 Quadratmeter großen Garten betrugen rund zwei Millionen Euro. Hier geht’s zum Artikel: Jüdischer Garten.

Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk.

Außerdem wäre 2021 Werner Düttmann 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass waren seine 37 gebauten Projekte in einer Ausstellung zu sehen.

MVRDV, HdM, RMP Lenzen – Planungskoryphäen im Jahresrückblick 2021

Aber natürlich waren 2021 nicht nur aus Berlin spannende Neuigkeiten zu hören. Wir haben Ihnen hier die Planungshighlights 2021 nochmal zusammengefasst:

The Line: Neues Mega-City-Projekt in Saudi-Arabien

„The Line“ ist der erste Schritt in einem futuristischen Entwicklungsprojekt namens „NEOM“. Die utopisch geplante Bandstadt hat aber bereits die ersten Opfer gefordert. Mehr dazu hier: The Line.

Woven City à la BIG

Der Autohersteller Toyota will am Fuße des Mount Fuji in Japan auf 200 Hektar eine Smart-City-Modellmetropole mit dem schwungvollen Namen „Woven City“ bauen. Verantwortlich für den Entwurf ist die Bjarke Ingels Group – wer sonst?! Alles zum Projekt lesen Sie hier: Woven City.

Eröffnung 516 Meter lange Fußgängerbrücke in Portugal

Die schwindelerregende Attraktion „Arouca 516“ im Arouca Geopark ist eine der längsten Fußgängerhängebrücken weltweit. Sie wurde 2021 eröffnet. Zu den Bildern geht es hier: Arouca 516.

Eröffnung der Luma Arles: Atelier des Südens

Der spektakuläre Neubau der Luma-Stifung in Arles, ein Turm von Architekt Frank Gehry, ist ein Museum und Atelierbau zugleich. Es wurde 2021 eröffnet. Hier geht’s zu dem beeindruckenden Bauwerk: Luma Arles.

Eröffnung H. C. Andersen-Museum von Kengo Kuma

Der japanische Architekt Kengo Kuma entwarf das Museum H. C. Andersen-Hus, MASU Planning aus Kopenhagen entwickelten obendrein den passenden Märchengarten. Die Bilder finden Sie hier: Kengo Kuma.

Kritik für die Paketposthalle München von Herzog & de Meuron

Auf dem Areal der Münchner Paketposthalle soll ein neues Stadtquartier mit 1 100 Wohnungen und Büros für 3 000 Arbeitsplätzen entstehen. Doch die geplante Bebauung stieß und stößt weiterhin in der Münchner Stadtgesellschaft auf massive Kritik. Mehr dazu hier: Paketposthalle München.

Studie zum Fernbahntunnel Frankfurt

Eine Studie zeigte, dass auch ein Fernbahntunnel in Frankfurt machbar ist. Welche Verbesserungen sich dadurch im deutschen Schienennetz ergeben würden, lesen Sie hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Eröffnung Esperance Bridge – Brücke der Hoffnung

Die neue Esperance Bridge, die Moxon im Londoner Boomquartier King’s Cross gebaut hat, verbindet in mehrfacher Hinsicht seit 2021 alt und neu. Wie das aussieht, sehen Sie hier: Esperance Bridge.

In Planung: de Windwheel – Neue Ikone der Niederlande

Im Hafen von Rotterdam soll in den kommenden Jahren das „Dutch Windwheel“ entstehen. Das futuristische Projekt soll beides in einem sein: einerseits Windkraftanlage und andererseits bewohnbare Solar-Architektur. Alles zu der neuen Ikone, von der 2021 erstmals berichtet wurde, hier: de Windwheel.

In Arbeit: ADEPT baut Deutschlands größtes Holzgebäude

Im Auftrag des städtischen Immobilienentwicklers Sprinkenhof soll das dänische Architekturbüro ADEPT ein 34 000 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude aus Holz bauen. Den Entwurf stellen wir hier vor: Deutschlands größtes Holzgebäude.

In Arbeit: Fertighaus trifft auf MVRDV, Mannheim

In Zusammenarbeit mit dem Fertighaus-Anbieter „Traumhaus“ entwickelt MVRDV auf dem ehemaligen Gelände einer US-Kaserne in Mannheim ein autofreies Quartier. Der Grundstein wurde Mitte Juli 2021 gelegt. Alles zum Projekt „Traumhaus Funari“ lesen Sie hier: Fertighaus.

In Arbeit: Hamburger Senat nimmt Rahmenplan zu Stadteingang Elbbrücken an

Nach zwei Jahren Vorarbeit ist der Rahmenplan für das 80 Hektar große Gebiet zwischen nördlicher Veddel bis ins südliche Hammerbrook nun auch beim Hamburger Senat beschlossene Sache. Alles zum Projekt lesen Sie hier: Elbbrücken.

Kritik für Chipperfield in Düsseldorf

Die Signa-Gruppe will gemeinsam mit David Chipperfield Architects den Heinrich-Heine-Platz in Düsseldorf neugestalten. Ein großer Konfliktpunkt in der Düsseldorfer Stadtgesellschaft war 2021 dabei ein Lichthof, der nun mehrfach – insbesondere von der SPD-Fraktion – als „Loch“ bezeichnet wurde. Alles zum Entwurf und der Kritik: Düsseldorf David Chipperfield.

M+ Hongkong von Herzog & de Meuron und Vogt

Nach zehn Jahren Planzeit eröffnete zudem 2021 das Hongkonger Museum M+. Es ist ein Museum für Visuelle Kultur im West Kowloon Cultural District am Victoria Harbour in Hong Kong. Mehr dazu hier: M+ Hongkong.

In Planung: Candidplatz München – MVRDV neustes Hochhaus (mit Keller Damm Kollegen)

Den Münchner*innen ist der graue Betonkoloss am Candidplatz allen bekannt. An seiner Stelle soll nun nach den Plänen von MVRDV und Keller Damm Kollegen ein imposanter 64 Meter hoher Hochhausneubau entstehen: das Candid-Tor. Alles zum Entwurf einerseits und aktuellem Stand andererseits lesen Sie hier: Candidplatz München.

Jahresrückblick 2021: Abschied von einer Grande Dame – und damit meinen wir nicht Angela Merkel

Im Jahr 2021 feierten viele Personen und Büros tolle Erfolge. So wurde einerseits die Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin Andrea Gebhard zur Präsidentin der Bundesarchitektenkammer gewählt. Julie Bargmann gewann andererseits den Cornelia-Hahn-Oberländer Preis. Michael Van Valkenburgh gewann wiederum mit seinem Team und dem Projekt Brooklyn Bridge Park in New York den Rosa Barba International Landscape Prize 2021. Leider mussten wir uns aber auch von langjährigen Wegbegleiter*innen verabschieden. So verstarb unter anderem die beeindruckende Cornelia Hahn Oberländer. Sie war die Namensgeberin des oben genannten Preises und in der Profession als  „Grande Dame der Landschaftsarchitektur“ bekannt. Anfang Juni 2021 nahmen zudem WES Abschied von ihrem geschäftsführenden Gesellschafter Peter Schatz und Anfang November 2021 verstarb Wilm Weppelmann im Alter von 64 Jahren. Außerdem verstarb Gottfried Böhm und damit eine der prägenden Figuren der deutschen Nachkriegsarchitektur.

2021 – echt. viele. Herausforderungen

Das Jahr 2021 war auch für die Redaktion G+L ein Besonderes. Wir sind mit unserem Verlagshaus Georg Media vor gut einem Jahr in unsere neuen Räumlichkeiten gezogen. Wir mussten bzw. durften uns von unserem altehrwürdigen Verlagshaus verabschieden. So hat sich auch unsere Büroumgebung 2021 der eines modernen Medienhauses angepasst. Das brachte neuen Spirit, verbesserte zudem Kommunikationswege und im Ergebnis zwölf spannende Hefte und unfassbar viele Online-Artikel, auf die wir alle sehr stolz sind. Doch machen diese Hefte und ihre Themen – wie Städtewachstum (G+L 04/21), Planung zwischen Stadt und Region (G+L 05/21), Die bunte Stadt (G+L 06/21), ACT NOW – gastkuratiert von bauchplan ).( (G+L 07/21), Gebäudegrün (G+L 10/21) und natürlich Schwammstadt (G+L 12/21) – auch ungeachtet dessen deutlich: Wir stellen uns in der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung derzeit echt. vielen. Herausforderungen.

2021 – echt. viele. Herausforderungen

Das Jahr 2021 war auch für die Redaktion G+L ein Besonderes. Wir sind mit unserem Verlagshaus Georg Media vor gut einem Jahr in unsere neuen Räumlichkeiten gezogen. Wir mussten bzw. durften uns von unserem altehrwürdigen Verlagshaus verabschieden. So hat sich auch unsere Büroumgebung 2021 der eines modernen Medienhauses angepasst. Das brachte neuen Spirit, verbesserte zudem Kommunikationswege und im Ergebnis zwölf spannende Hefte und unfassbar viele Online-Artikel, auf die wir alle sehr stolz sind. Doch machen diese Hefte und ihre Themen – wie Städtewachstum (G+L 04/21), Planung zwischen Stadt und Region (G+L 05/21), Die bunte Stadt (G+L 06/21), ACT NOW – gastkuratiert von bauchplan ).( (G+L 07/21), Gebäudegrün (G+L 10/21) und natürlich Schwammstadt (G+L 12/21) – auch ungeachtet dessen deutlich: Wir stellen uns in der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung derzeit echt. vielen. Herausforderungen.

Jahresrückblick 2021: Der Klimawandel ist nichts für Weicheier

Die Situation ist also erstens echt ernst und die Stimme derjenigen, die die tatsächlichen Lösungen in Sachen Klimaschutz und Klimaanpassung im gebauten Raum bieten könnten, zweitens zu leise. Aus diesem Grund haben wir uns in der G+L-Redaktion dazu entschlossen im Jahr 2022 ein neues Format auf den Weg zu bringen: ein neues Webmagazin namens „52 Thesen zur Stadtentwicklung“. Ganz im Sinne unserer Neujahrsvorsätze 2021/2022 also! Die erste These, die wir hier diskutieren, lautet daher auch ganz provokativ: „Der Klimawandel ist nichts für Weicheier.“ Das Webmagazin soll der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung demzufolge ab dem kommenden Jahr eine Plattform bieten, Positionen zu definieren. Gleichzeitig soll die Öffentlichkeit für die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Stadtentwicklung sensibilisiert werden. Denn das Großartige an Stadtentwicklung? Sie betrifft uns alle. Und wir können sie außerdem alle zu etwas Besserem gestalten. Am besten: gemeinsam.