Zukunftsgarten Gelsenkirchen „Zukunftsinsel mit Nordsternpark+“ – Wettbewerbsergebnisse

Im Mittelpunkt der Internationalen Gartenausstellung – kurz IGA – 2027 Ruhr stehen fünf große Schaugärten: die Zukunftsgärten. Dafür suchte die IGA mit vier internationalen und interdisziplinären Planungswettbewerben Entwürfe. Der erste Preis für den Zukunftsgarten Gelsenkirchen „Zukunftsinsel mit Nordsternpark+“ ging an GMO13 landschaftsarchitektur. Prof. Dr. Martina Oldengott, fachlich mitverantwortlich für die IGA Ruhr, stellt Ihnen hier die Wettbewerbsergebnisse vor.

Bundesgartenschau 1997. Damals für die Besucher*innen spektakulär in seiner klaren Formensprache und vor der Kulisse der monumentalen Zechengebäude und der Emscher mit ihren Abwasserfrachten in einem Korsett aus Deichen, entfaltet dieser Park auch heute noch große Strahlkraft und eine hohe Aufenthaltsqualität. In die Jury hatten wir deshalb aus dem Landschaftsarchitekturbüro „Pridick und Freese“, die für den BUGA-Park 1997 verantwortlichen Landschaftsarchitekten, Herrn Freese als Fachpreisrichter eingeladen. Mit seinem thematischen Anspruch, im Rahmen der IGA 2027 den Bogen von den fossilen bis zu den erneuerbaren Energien und Zukunftstechnologien zu spannen, ist er ein Sinnbild für das Ziel, das Ruhrgebiet zur grünsten Industrieregion der Welt zu machen und diese Transformation anschaulich zu vermitteln.

„Zukunftsinsel mit Nordsternpark+“ wird zum Verbindungspunkt im Zukunftsgarten Gelsenkirchen

Im Umfeld sind in den vergangenen Jahrzehnten attraktive Wohnquartiere entstanden. Teil des alten und des neuen Gartenschaugeländes ist die Emscherinsel, die sich über 34 Kilometer Länge von Castrop-Rauxel im Osten bis Oberhausen im Westen durch das mittlere Ruhrgebiet erstreckt und im Norden durch die Emscher, im Süden durch den Rhein-Herne-Kanal begrenzt wird. Es ist eine künstliche Insel, die ihre Entstehung vor 120 Jahren der Umgestaltung der Emscher zu einer oberirdischen Abwasser-Autobahn und der Errichtung des Rhein-Herne-Kanals für den Gütertransport vom Duisburger Hafen in den norddeutschen und nordeuropäischen Raum zu verdanken hat.

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Gelsenkirchen liegt auf dem Scheitel- beziehungsweise Mittelpunkt der Insel und sieht sich daher auch als Drehscheibe der Ruhrgebiets-Städte-Landschaft. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte bereits im Rahmen der IBA Emscherpark die beiden großen regionalen Verbandskörperschaften, den Regionalverband Ruhr und die Emschergenossenschaft, beauftragt, diese Emscherinsel zum „Central Park“ der Region zu entwickeln und die Inselufer erlebbar zu machen. Mit dem EmscherErlebnis Oberhausen und dem BernePark in Bottrop wurden erste Schritte in diese Richtung im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt 2010 auf der westlichen Emscherinsel gemacht. Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herten und Herne erfüllen mit RVR und Emschergenossenschaft die Aufgabe in Zusammenhang mit dem IGA-Zukunftsgarten „Emscherland“ am östlichen Insel-Zipfel.

Produzieren und Vernetzen an der „Zukunftsinsel mit Nordsternpark+“

Mit dem Zukunftsgarten Gelsenkirchen wird nun der mittlere Insel-Abschnitt unter Einbeziehung westlich angrenzender Waldflächen auf dem Stadtgebiet von Essen, unter dem Motto „Produzieren und Vernetzen“, weiterentwickelt. Urbane Lebensmittelproduktion, nachhaltige Land- und Waldnutzung, die Einbeziehung des Regenwassers in die Gestaltung und in den Parkbetrieb, eine klimafreundliche und innovative Mobilität und die Umgestaltung des ehemaligen Kohlebunkers der Zeche Nordstern zum Greentower wurden den Wettbewerbsteilnehmer*innen mit auf den Weg gegeben. Ein respektvoller Umgang mit der vorhandenen Gartensubstanz der BUGA 1997 war dabei eine wichtige Vorgabe.

Die Jurysitzung zum Wettbewerb Zukunftsgarten Gelsenkirchen „Zukunftsinsel mit Nordsternpark+“ hat als virtuelles Preisgericht am 14. April 2021 stattgefunden. Nun ist das VgV-Verfahren in Vorbereitung. Die Verhandlungsgespräche, zu denen die drei Preisträger*innen eingeladen werden, sind für Juni 2021 vorgesehen.

Hier die drei mit Preisen ausgezeichneten Beiträge:

1. Preis: GM013 Landschaftsarchitektur Berlin,

 

Die Landschaftsarchitekt*innen von GM013 verfolgen mit ihrer Leitidee den hohen Anspruch einer klimaneutralen und energieautarken Parklandschaft und erfüllen damit die Erwartungshaltung der Auslober*innen voll. Ihr Konzept durchdringt konsequent die an die Wettbewerbsteilnehmer*innen gestellten Zukunftsfragen, projiziert sie auf die Stadtlandschaft des Gartenschaugeländes und gibt dort die Antworten auf die Programmatik „Wie wollen wir morgen leben?“ Zunächst einmal verzaubert die Leichtigkeit der spielerischen Raumabfolgen, die die Gestaltsprache des Nordsternparks respektiert und neu interpretiert. Ein feinmaschiges Netz von Wegen in unterschiedlicher Breite legt sich über die Zukunftsinsel. So werden die vielfältigen Raumpotentiale und Wasserkanten erlebbar gemacht.

Die Mobilitätsachse führt nicht nur am Rhein-Herne-Kanal entlang, sondern auch um das Wendebecken im Rhein-Herne-Kanal. Die hainartigen Industriewaldbestände, Lichtungen und Waldsäume zur Emscher spielen mit Licht und Schatten. Um den Greentower werden die Schau- und Präsentationsflächen konzentriert. Gartenbänder für Urban Gardening und Urban Farming bieten der Bevölkerung Teilhabe- und Mitwirkungsmöglichkeiten. Eine Besonderheit ist der digitale Pfad: Die oberirdische Leitungstrasse durch den Zukunftsgarten führt durch wilde Sukzessionsgärten bis zum Anknüpfungspunkt an die Mobilitätsachse und wird zu einer analogen Projektionsfläche, die, um digitale Informationen einer Augmented Reality ergänzt, die Geschichte der Emscherinsel aufbereitet und vermittelt.

2. Preis: bbzl landschaften städtebau, Berlin

 

Die Verfasser*innen des zweiten Preises widmet sich mit besonderer Sorgfalt der Erlebbarkeit. Bei der Gestaltung des Inselufers wird auf die Begriffe Wasser, Wege und Weite gesetzt. Dazu tragen viele in Nord-Süd-Ausrichtung verlaufende Wegeachsen bei, die die linearen Wasserkanten von Emscher und Rhein-Herne-Kanal über die Freiflächen hinweg miteinander vernetzen. Gleichzeitig gliedern sie auch die vielfältigen Landschaftsräume mit ihren unterschiedlichen Funktionen und führen zu attraktiven Aussichtspunkten am Wasser. Auch der Greentower wird durch die rundherum konzentrierten Präsentationsflächen für die gärtnerischen Schauelemente in Szene gesetzt. Im Wendebecken übt einen besonderen Reiz der Steg auf dem Niveau des Wassers aus. Damit ist das Gefühl, auf den Planken über Wasser gehen zu können, faszinierend, auch wenn die Umsetzbarkeit einige Fragen in der Jury aufwarf.

3. Preis: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

 

Die Verfasser*innen des dritten Preises machen ein Wiesenmeer zur Leitidee der Weiterentwicklung der Zukunftsinsel. Auf behutsame Art heben sie das Potential der Landschaftsräume durch spannungsvolle Raumabfolgen aus offenen, halboffenen und geschlossenen Vegetationsflächen. Vor allem der behutsame Umgang mit vorhandenen Strukturen und der sensible Zugang und Umgang mit den Gewässern beeindruckte die Jury. Der Schnitt und die Zuordnung der Flächen des Schaugeschehens rund um den Greentower und im Bereich des östlichen Haupteingangsbereichs heben sich von allen anderen Entwürfen ab. Allerdings stellte die Jury auch deren Funktionalität unter dem Druck des Besucher*innenaufkommens im Jahr der IGA in Frage.

Hier erfahren Sie alles zu den anderen Zukunftsgärten der IGA Ruhr 2027.

Prof. Dr. Martina Oldengott ist Landschaftsarchitektin und Kunsthistorikerin. 2020 wurde sie von der Emschergenossenschaft in die Durchführungsgesellschaft der Internationalen Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027 entsendet. Sie ist dort in führender Position für die fachlichen Inhalte der IGA 2027 verantwortlich.