Ijmuiden Schleuse Amsterdam eröffnet

Im Januar 2022 ging die Ijmuiden-Schleuse im Beisein des niederländischen Königs Willem-Alexander in Betrieb. Mit ihren 500 Meter Länge, 70 Meter Breite und 18 Meter Tiefe ist sie die größte See-Schleuse der Welt. Doch die hat ihren Preis: Sie kostete nicht nur das Doppelte als geplant, durch sie droht nun auch eine Versalzung der lokalen Süßwasser. Alles zu dem Projekt lesen Sie hier.

Die größte Schleuse der Welt wurde am 26. Januar 2022 in Amsterdam eröffnet. Die Ijmuiden-Schleuse ist 500 Meter lang, 70 Meter breit und 18 Meter tief. Das XXL-Projekt ist ein Hingucker, der täglich zahlreiche Schaulustige anlockt. Selbst der niederländische König Willem-Alexander ließ sich die Eröffnungszeremonie nicht entgehen. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Feierlichkeit nur im kleinen Rahmen statt.

Die Meerschleuse oder „Zeesluis“ Ijmuiden befindet sich im Nordseekanal von Amsterdam. Sie dient dazu, großen Frachtern selbst bei Niedrigwasser die Passage zu ermöglichen, indem die Schiffe an- und abgesenkt werden. Schon im Jahr 2016 begannen die Arbeiten an dem Megaprojekt, das eigentlich schon im Jahr 2019 hätte fertig werden sollen.

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Neben mehr Betrieb am Hafen versprach sich der Gemeinderat auch mehr Tourismus. Allerdings stellt sich die Frage, ob dies in Amsterdam überhaupt nötig ist. Denn die Stadt hat bereits mit dem Phänomen „overtourism“ zu kämpfen. Da ist ein neues Megaprojekt in mancherlei Hinsicht eher eine Bürde als ein Pluspunkt.

Ijmuiden Schleuse: Ein teurer Spaß

Die Zeesluis Ijmuiden ist zweifelsohne sehr imposant. Nun haben die Niederlande den begehrten Titel „größte Schleuse der Welt“ inne, der davor lange bei der belgischen Kieldrecht-Schleuse nahe Antwerpen lag.

Allerdings war dieser Rekord ein sehr teurer Spaß. Die Kosten für die Schleuse in Amsterdam waren 210 Millionen Euro höher als erwartet. Dies liegt unter anderem an der zweijährigen Bauverspätung. So entstand dem Baukonsortium viel Schaden. Die Stadtverwaltung von Amsterdam muss 64 Millionen Euro der Mehrkosten tragen – mehr als das Doppelte des ursprünglich geplanten Budgets seitens der Stadt.

Dennoch hofft das Baukonsortium OpenIJ, das im Auftrag der Rijkswaterstaat die Ijmuiden-Schleuse gebaut hat, auf wirtschaftliche Gewinne. Die größte Schleuse der Welt ersetzt die Noordersluis, die inzwischen zu alt und zu klein ist. Da nun auch große Frachtschiffe durch die Schleuse fahren können, wird der Hafen von Amsterdam an gleich drei neue Korridore für selbst die größten Container- und Kreuzfahrtschiffe angebunden.

Versalzungsgefahr: Meerwasser mit jeder Schleusenöffnung

Neben den hohen Kosten gibt es noch einen weiteren Kritikpunkt an der Ijmuiden-Schleuse. Denn das Schleusentor bringt mit jeder Öffnung mehr Meerwasser in den Nordseekanal, und zwar beinahe doppelt so viel wie die alte Schleuse. Das sind jedes Mal etwa zehn Millionen Kilo Salz.

Traditionellerweise besteht dieser Kanal aus einer Mischung aus Salz- und Süßwasser. Nun entsteht eine Salzzunge auf dem Grund des Kanals, die sich immer weitere vorwärts schiebt. Die zunehmende Versalzung des Wassers könnte laut Jan Rienstra, Bereichsleiter bei der niederländischen Behörde für Straßen und Wasserwege, gefährlich werden: „Wenn der Zufluss von Salzwasser zunimmt, könnte es auch in den Amsterdam-Rhein-Kanal gelangen“, sagte er dem Wissenschaftsmagazin Quest.

Das Wasser aus dem Nordseekanal dient der Trinkwassergewinnung. Zudem nutzen viele Landwirt*innen das Wasser zur Bewässerung ihrer Felder. Umso wichtiger ist es, die Versalzung des Kanals zu stoppen. Ein Damm, der Süßwasser zurückhält und Salzwasser abfließen lässt, ist bereits im Bau. Allerdings soll er frühestens 2024 fertig werden, während die neue Schleuse betriebsbereit ist.

Größte Schleuse der Welt, aber nur eingeschränkt nutzbar

Aufgrund der Versalzungsgefahr ist die Ijmuiden-Schleuse bisher nur eingeschränkt nutzbar. Sie ist zwar technisch voll funktionsfähig und wurde bereits im Sommer 2021 mit Schiffen getestet, aber die Salzwasser-Rückpumpung ist erst in frühestens zwei Jahren fertig.

Die Anwohner*innen sind dennoch froh, dass der Bau des Megaprojekts nun abgeschlossen ist. Die vergangenen sechs Jahre haben viel Lärm und Unruhe mit sich gebracht. Und solange noch keine großen Schiffe durch die größte Schleuse der Welt fahren, ist zunächst einmal mit Ruhe an der Zeesluis zu rechnen.

Weiteres Problem: Overtourism in Amsterdam

Die Ijmuiden-Schleuse zog bereits vor ihrer Eröffnung viel Kritik auf sich. Nicht nur die hohen Kosten und die Versalzungsgefahr, sondern auch der drohende touristische Ansturm hat zu vielen offenen Fragen geführt.

Zwischen 2016 und 2019 ist die Zahl der Übernachtungen in Amsterdam laut der Süddeutschen Zeitung um vier Millionen auf insgesamt über 18 Millionen pro Jahr angestiegen. Unzählige Beschwerden über laute, betrunkene Tourist*innen, die sich respektlos verhalten, gehören in Amsterdam bereits zur Tagesordnung.

Der Druck auf die Tourismusindustrie in der Stadt ist somit bereits hoch. Zusätzliche Kreuzfahrtschiffe, die dank der größten Schleuse der Welt nach Amsterdam kommen könnten, stoßen auf Ablehnung. Denn Kreuzfahrtpassagiere sind zusätzliche Gäste, die Amsterdam für kurze Zeit besuchen.

Ganz abgesehen davon hat kürzlich ein großes Containerterminal im Hafen von Amsterdam geschlossen. Dies in Kombination mit dem gesunkenen Kreuzfahrt-Interesse aufgrund der Corona-Pandemie wirft die Frage auf, inwiefern die Ijmuiden-Schleuse überhaupt nötig ist.

Eine Gruppe freut sich jedoch über das Megaprojekt: Radfahrer*innen können die Schleusentore auf einer neuen Fahrradroute überqueren und sind somit deutlich schneller am anderen Ufer des Kanals als früher mit der Fähre.

Quellen und weitere Informationen:
BR: Amsterdam: Größte See-Schleuse der Welt eröffnet
SZ: Amsterdam öffnet die größte Schleuse der Welt
Rijkswaterstaat: Construction of the world’s largest sea lock in IJmuiden 
Responsible Travel: Overtourism in Amsterdam

Auch interessant: Overtourism hin oder her – Amsterdam ist eben auch den Besuch wert. Welche Highlights die Stadt – abgesehen von der größten Schleuse der Welt – zu bieten hat, das lesen Sie hier: Amsterdam.