Dopo Expo – Was danach?

Für viele gilt die Expo 2015 als voller Erfolg. Jedenfalls hatten die Mailänder es damals rechtzeitig geschafft, ihre Metropole auf Vordermann zu bringen. Doch mit der Nachnutzung verhält es sich nicht so rosig. Es gibt zwar Ansätze, aber keine finale Idee. Andreas Kipar, Landschaftsarchitekt und Gründer und Inhaber des Büros LAND mit Sitz in Mailand, krempelte die graue Industriestadt in den letzten Jahrzehnten um. Wir sprachen mit ihm über die grüne Entwicklung der italienischen Metropole.

Garten + Landschaft: Wie sind Sie damals nach Mailand gekommen?
Andreas Kipar: Ein alter Professor riet mir damals, nachdem ich mein Studium beendet hatte und nicht wirklich etwas mit mir anzufangen wusste, ich solle mal raus. Ich sollte mein Horizont erweitern und meine unruhige Seele entspannen. Mich reizte schon immer Italien. Italien war schon immer, was die Landschaft, die Freiräume in der Stadt betraf, unter bemittelt. Es gab, außer den historischen Gärten, wenig Grün zwischen dem Grau. Es gab dort kein gesundes Mittelmaß zwischen Masse und Freiraum, wie wir es aus Deutschland kennen. Das weckte damals meine Neugierde und trieb mich nach Italien.

G + L: Was hat sich seither geändert?
A K: Man kann heute sagen, dass aus der grauen Industriestadt Mailand ist mittlerweile eine grüne Metropole geworden. Die großen Industriebrachflächen aus den 1980er Jahren haben sich in neue Stadtviertel entwickelt. Dort sind neue Parks und Grünanlagen entstanden, die heute sehr gut funktionieren. Mein Büro war von Anfang an an dem Wandel dieser großräumigen Entwicklungsgebiete beteiligt. Ein wirklicher Glücksfall für mich. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt an Ort und Stelle und haben deshalb eine wichtige Rolle in der grünen Entwicklung Mailands gespielt. Die Expo hat Mailand, die dreckige Stadt Norditaliens, in ein neues, positives Licht gerückt. Mailand fungiert als Scharnier von Nord und Süd und vermittelt zwischen den Regionen. Die Expo hat Mailand die Kirsche aufgesetzt und für ein neues Bewusstsein gesorgt.

G + L: Die Expo war demnach Entwicklungsmotor?
A K: Ja genau, die Expo war die Kirsche des Ganzen. Die vorbereitenden Maßnahmen waren aus den 1980ern und 1990ern Jahren, das systematische Arbeiten an den Industriebrachen und die Expo hat das alles noch einmal zusammen gefasst und hat dadurch die Kirsche auf die Torte gesetzt. Die positive Grundstimmung heute in Mailand nehmen wir als Planer mit und denken weiter. Die Stadt feiert ihre Langsamkeit, ihre Entschleunigung, was vor ein paar Jahren noch verpönt war. Es hat ein Paradigmenwechsel in der Stadtgesellschaft stattgefunden.

G + L: Also würden Sie sagen, dass die Expo ein Segen für die Stadt war?
A K: Ein großer Segen. Auch für das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation und ein Selbstbewusstsein der Mailänder, die sich nicht mehr wegducken müssen, sondern die heute auch sagen, dass sie auch am Wochenende gerne mal in meiner Stadt. Der Erfolg einer Stadt misst sich daran, ob die eignen Bürger ihre Stadt schätzen und lieben. Man ist neuerdings auf einer gewissen Art und Weise stolz auf seine Stadt – Eine wunderbare Entwicklung, wie ich finde.

G + L: Müssen heutzutage Räume immer bespielt werden? Braucht es immer ein Event?
A K: Um einen großen Koloss, eine graue Industriemetropole nachhaltig zu verändern, braucht es manchmal einen Paukenschlag. Ein Event, der allgemein anerkannt wird und für Aufmerksamkeit sorgt. Es braucht ein Signal: Hier, wie positionieren uns auf der globalen Weltkarte. Das Konzept der Expo war schlüssig, die Mailänder wurden rechtzeitig fertig und die Stadt war aufgeräumt für die vielen Millionen internationalen Besucher. Aber trotz dessen bin ich der Meinung, dass der öffentliche Raum rustikal sein sollte. Mailand ist eine rustikale Stadt, so elegant und modisch sie auch ist. Sie ist im Zentrum eines Landes errichtet worden und ihre Einwohner bodenständig. Jede Art von Spielerei und Ornament ist deshalb meiner Meinung nach hier zum Scheitern verurteilt.

G + L: Lieber zurückhaltende Entwürfe anstatt überbordende?
A K: Unsere Entwürfe der letzten Jahre wie beispielsweise das Gelände um die Porta Nuova, sind sehr rustikal, auf das Wesentliche beschränkt. Sie sind teilweise auch steinern. Weil sie bieten einfach Raum, öffentlichen Freiraum. Sie füllen den Raum nicht, sondern sie bieten Raum, damit er sich natürlich füllen kann. Die Stadt Mailand hat Raum nötig. Mailand ist eine sehr dicht besiedelte Stadt. Nordeuropäische Städte sind luftig gestaltete, während die südlichen sehr eng und kompakt gebaut sind. Im Norden Europas, wo genügend Raum vorhanden ist, kann man mit dem vielen Raum auch spielerisch umgehen. Jede Spielerei oder Designschnörkel sind in Mailand fehl am Platz. Mailand braucht horizontale Grundflächen, damit die Bewohner sich ihn aneignen können.

Mehr zum Expogelände in Mailand lesen Sie in Garten+Landschaft 06/16 – Stadt und Spektakel.