hier finden Sie eine Übersicht über alle Ausgaben von Garten + Landschaft aus dem Jahr 2015. Das Jahresinhaltsverzeichnis ist sortiert nach Autoren, Orten, Projekten und theoretischen Beiträgen. Darüber hinaus finden Sie die Rubriken Wettbewerbe, Campus, die Artikelreihe Zukunft Stadt und einen Überblick über vorgestellte Literatur.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dem Jahresinhaltsverzeichnis!
Klassische Stadtplaner sind Polinna+Hauck aus Berlin nicht. Das Büro ist Vorreiter, wenn es um den Brückenschlag zwischen Professionen geht: Zu den drei Disziplinen, die das Duo selbst vereint, kommt ein weites Netzwerk mit unterschiedlichsten Akteuren.
Polinna+Hauck vereinen gleich drei Disziplinen in ihrem Büro…
…sie ist Stadtplanerin (Schreibtisch rechts), er Künstler und Landschaftsarchitekt (Schreibtisch links).
„Wir sind einfach keine Baupraktiker,“ sagt Thomas Hauck. Polinna+Hauck Landscape + Urbanism aus Berlin sind aber vieles andere: strategische Planer, Forscher, Lehrer, Autoren, Künstler, Diskursanreger, Kuratoren, Veranstalter. Die interdisziplinäre Arbeit liegt Polinna+Hauck gewissermaßen im Büro. Cordelia Polinna ist Stadtplanerin, Thomas Hauck ist Landschaftsarchitekt und Künstler. Sie lernten sich während des Studiums kennen. Kerngeschäft ist seit der Bürogründung 2008 die strategische Planung für Stadtentwicklung, über die sie ständig mit vielen Disziplinen in Kontakt kommen: Soziologen, Kulturwissenschafter, Grafiker, Ingenieure und Biologen zählen zu ihrem Netzwerk.
Liebe zum Informellen
Die klassische Objektplanung schloss sich für Polinna+Hauck schnell aus. „Wir haben beide einen wissenschaftlichen Background, die informelle Planung, das Ausloten von Möglichkeiten begeistert uns einfach“, erklärt Cordelia Polinna. Sie studierte Stadt- und Regionalplanung sowie Urban Design an der TU Berlin und am Edinburgh College of Art, 2007 folgte der Doktortitel, bis 2013 war sie Gastprofessorin für Planungs- und Architektursoziologie an der TU Berlin. Thomas Hauck studierte Landschaftsarchitektur in Hannover, Berlin und dem Edinburgh College of Art. Nach dem Studium zog es ihn eine Weile in die Kunst, eine Leidenschaft, die ihn bis heute beschäftigt und inspiriert: Er ist Mitbegründer der Künstlerinitiative Club Real, die sich mit Theater, Architektur und Musik auseinandersetzt. 2013 promovierte er in München, inzwischen ist er als wissenschaftlicher Mit an der Uni Kassel für den Fachbereich Freiraumplanung zuständig.
In der Büropartnerschaft lassen sich Thomas Hauck und Cordelia Polinna viel Raum, jeder verfolgt auch eigene Projekte. Besonders am Herzen liegt Polinna die Arbeit als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats zum Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin. „Mit dem Projekt arbeiten wir an den aktuellen urbanen Problemen, das Thema ist auch politisch hoch brisant“, erklärt die Stadtplanerin. Polinna+Hauck beleuchtete unter anderem die städtebauliche Perspektive von zehn Transformationsräumen in Berlin, untersuchte inhaltliche Überschneidungen und räumliche Zusammenhänge. Im nächsten Schritt entstanden Strategiekarten, welche die acht Aspekte des Entwicklungskonzepts – Wirtschaft, Bildung, Kreativität, Mobilität, Klima, Stadtgrün, Vielfalt und Gemeinschaft – auf die verschiedenen Räume anwenden.
Inspiration durch Intervention
„Dass wir ständig mit anderen Themen-gebieten in Kontakt stehen, inspiriert uns sehr. Man lernt viel dazu, auch für andere Projekte”, erzählt Cordelia Polinna. Neben den theoretischen Studien und Konzepten kollaborieren Polinna+Hauck auch mit Künstlern, arbeiten an Ausstellungen und Interventionen auf der Straße. Mit der Raumwerkstatt „Paradies Bundesplatz –
Expedition in die Zukunft“ lud das Team die Berliner Bevölkerung dazu ein, sich mit postfossiler Mobilität auseinanderzusetzen. Eine Stadtsafari rund um den Bundesplatz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sensibilisierte für nachhaltige Quartiersentwicklung und die Potentziale des hochgradig belasteten Verkehrsraums. […]
Welche weiteren Projekte Polinna+Hauck begleiteten und welche Probleme es in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Disziplinen geben kann, lesen Sie in Garten+Landschaft 04/2016 – Ort und Einfluss.
Der Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Stachus in der bayerischen Landeshauptstadt ähnelt aktuell einem Baustellen-Chaos. Nun steht fest, was hier in Zukunft entstehen soll – ein „gläserner Erlebnistempel“. Mehr dazu hier.
An Baustellen mangelt es im Gebiet des Münchner Stadtkerns wahrlich nicht. Allein der Neubau des Hauptbahnhofs, dessen alte Schalterhalle bereits dem Erdboden gleichgemacht worden ist, wird bis mindestens 2028 für eine Großbaustelle im Herzen der bayerischen Hauptstadt sorgen. Ganz nach dem Motto „wenn, schon, denn schon“, wird es in Kürze gleich über die Straße, ganz in der Nähe des Stachus, eine weitere Baustelle geben – und klein wird die auch nicht werden.
Es geht um nichts geringeres als das „Warenhaus Hermann Tietz“, das Anfang des letzten Jahrhunderts in der Schützenstraße, einer etwa 200 Meter langen Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Stachus, gebaut wurde. Besser bekannt dürfte das Haus jedoch wohl unter dem Kürzel seines Gründers sein: Hertie. Heute gehört das Haus zum Galeria-Konzern, einem Unternehmen der österreichischen, von René Benko gegründeten Signa Holding.
Signa gestaltet Kaufhausareal am Stachus um
Ein Anbau aus den 70er Jahren ergänzt das historische Warenhaus. Das längliche, zweckmäßige Gebäude, erweiterte die Verkaufsfläche um mehr als das Doppelte und soll nun weichen. Das das denkmalgeschützte, historische Kaufhaus hingegen wird renoviert. Den Neubau am Stachus werden die Kollegen von David Chipperfield Architects gestalten. Die Pläne, die das Büro zusammen mit Atelier Loidl entworfen hatte, setzten sich in einem Ideen- und Realisierungswettbewerb gegen zehn andere Architekturunternehmen durch.
Statt abweisendem Beton wird es an der Schützenstraße in Zukunft jede Menge Glas geben. Die verschlossene Struktur des Erweiterungsbaus wird aufgebrochen. Das neue Gebäude hat im Gegensatz zum Bestandsbau keine Rückseite mehr. Dadurch öffnet es sich auch Richtung der parallel zur Schützenstraße verlaufenden Prielmayerstraße. Hinzu kommen mehrere Wegverbindungen, die quer und längs durch das Gebäude führen und demzufolge für eine stärkere Vernetzung im Viertel zwischen Hauptbahnhof und Stachus sorgen sollen.
Besonders angetan war das Preisgericht von der „sehr gelungenen räumliche Staffelung der Kubatur oberhalb des fünften Obergeschosses“. Sie spränge abwechslungsreich zurück und weite daher den Straßenraum sinnvoll auf. Insgesamt, so das Preisgericht, überzeugte der Entwurf von Chipperfield durch seine subtile Einfügung in den städtischen Kontext, durch seine Variabilität und die prägnante Architektur.
Den zweiten Preis des Planungswettbewerbs ging an BIG Partners Limited aus London mit realgrün Landschaftsarchitekten. Den dritten Preis gewannen Snøhetta aus Oslo mit Keller Damm Kollegen Landschaftsarchitekten Stadtplaner.