Die Kiellinie soll im Rahmen eines Wettbewerbs neu gestaltet werden. Bild: Studio RW Berlin
Die Kiellinie soll im Rahmen eines Wettbewerbs neu gestaltet werden. Grafik: Studio RW Berlin

Zum 4. Dezember hat die Stadt Kiel eine ihrer aktuell wichtigsten stadtgestalterischen Fragen mit einem Wettbewerb entschieden: die Neugestaltung ihrer berühmten Kiellinie. Welche Planungsgemeinschaft den Zuspruch erhalten hat und was der Entwurf vorsieht, lesen Sie hier.

Die Stadt Kiel will ihre 3,5 Kilometer lange Uferpromenade – die Kiellinie – neugestalten. Hierzu erfolgte unter Regie des Dezernats für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt ein Wettbewerb. Dem hochkarätigen Preisgericht gehörten unter anderem Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Stadtbaurätin Doris Grondke an. Von den 15 nationalen und internationalen Arbeitsgemeinschaften reichten dabei 14 einen Entwurf ein. Die Planungsgemeinschaft bestehend aus Studio RW mit ArcStudio Wessendorf und Plancontrol ging als Sieger hervor.

Grafik: Studio RW Berlin
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Die Kiellinie

Die Kiellinie verläuft entlang des westlichen Ufers der Kieler Förde im Stadtteil Düsternbrook. Über die letzten hundert Jahre entwickelte sie sich zu einem beliebten Ort zum Flanieren und Verweilen. Sie ist also einer der meistgeschätzten Aufenthaltsbereiche Kiels. Flankiert von teils prominenten Bauten reihen sich hier öffentliche und private Räume verschiedenster Nutzungen aneinander. Neben gastronomischen Angeboten und nahezu allen Kieler Wassersportvereinen befinden sich dort auch die Repräsentanz der Landesregierung Schleswig-Holsteins sowie Einrichtungen der Kieler Universität. Prominentestes Ereignis ist sicherlich die „Kieler Woche“, die sich inzwischen zu einem der weltweit größten Segelsportereignissen gemausert hat. Ein großes Volksfest begleitet dabei das Event. Die Kiellinie ist Identitätsort für Bürger*innen, Attraktion für Tourist*innen und unentbehrlicher Bestandteil des Kieler Alltags. Sie wird also von Menschen jeden Alters intensiv genutzt.

Herausforderung Zukunft

Ziel ist dabei, sich zu einer modernen und internationalen Wasserstadt zu entwickeln. Die Kiellinie soll zudem als ein Aushängeschild der Stadt modernisiert werden. Deshalb wurde ein freiraumplanerisches und städtebauliches Konzept für die Neugestaltung der 3,5 Kilometer langen Uferpromenade mit vielseitigen und generationenübergreifenden Spiel-, Sport- und Aufenthaltsflächen gesucht. Es versteht sich von selbst, dass sowohl die Gesichtspunkte Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, als auch Klimaschutz und Klimafolgenanpassung in ihrer vollen Wirkungsbreite zu beachten waren. Ein stimmiges Gesamtkonzept sollte insgesamt folgende komplexe Anforderungen vereinen:

  • Attraktive Mobilitätsangebote
  • Barrierefreiheit an Land und teilweise zum Wasser
  • Erhöhung der Aufenthalts-, Nutzungs- und Gestaltungsqualität
  • Verknüpfung von urbanen und landschaftlichen Räumen
  • Erhalt und Weiterentwicklung der bestehenden Grün- und Freiräume
  • Schaffung von lesbaren Eingangssituationen
  • Hochwasserschutz
  • Mehr Bademöglichkeiten
  • Verbesserung des Fuß- und Radverkehrs
  • Identifikation der Kiellinie als Veranstaltungsort
  • Einbindung von Gastronomie unterschiedlichen Preisniveaus
  • Ausbau von Ver- und Entsorgungsinfrastruktur (z. B. öffentliche Toiletten)

Die Modernisierung rund um die Kiellinie wird aber von intensiven Debatten begleitet. Dem Wettbewerb ging zunächst ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept voraus. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung bezog die Bürger*innen hinsichtlich des Planungsprozesses mit ein. Dies hatte zur Folge, dass statt dem ursprünglichen Verfahren zwei gleichberechtigte Varianten für die Kiellinie Nord – mit und ohne Kraftfahrzeugverkehr – im Wettbewerb gefordert wurden. Die Entscheidung, welche Variante realisiert wird, trifft nun die Ratsversammlung.

Grafik: Studio RW Berlin
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Fünf „R“s für die Kiellinie

Mit Blick auf die Klimaneutralität schlägt der Wettbewerbssieger ein „Reallabor für Klimaschutz“ vor. Der Entwurf soll dabei ein Vorbild für nachhaltige Stadtentwicklung sein. Es werden die Prinzipien refuse (vermeiden), reduce (reduzieren), reuse (wiederverwenden), recycle (wiederverwerten) sowie rot (verrotten) verfolgt. So wird mit geschlossenen Stoffkreisläufen, Wasserretention, Ressourcenmanagement, regenerativer lokaler Energiegewinnung, klimaresilienten Pflanzungen zu Forschungszwecken, Regionalitätsprinzip und lokalen Kooperationen gearbeitet.

Grafik: Studio RW Berlin
Grafik: Studio RW Berlin

Visionär mutig und real umsetzbar

Die Nutzungsmischung ist sowohl visionär als auch mutig vereint, so Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Der Entwurf erkennt den Genius loci – statt klassischer Innenstadtpromenade wird die Kiellinie also zurecht mehr als städtisches Freizeitband interpretiert. Wasser, Himmel und Fördehang bilden das Farb- und Materialkonzept in blauen und grünen Tönen. Dazu werden gelbe Akzente gesetzt. Die Kiellinie selbst sowie ihre Zugangsbereiche sind zudem barrierefrei gestaltet. Die Promenade wird außerdem stets neben der Wasserkante geführt. So kann man weiterhin nach Osten den Blick auf der Förde schweifen lassen. Ein großes Angebot an Sitzmöglichkeiten lädt hierzu ein. Ein Plattenband aus von Algen gefärbtem Recyclingbeton versinnbildlicht dazu die Kiellinie.

Kiellinie Nord und Süd

Als Gerüst des Planungsgebiets definiert es promenadenbegleitend auch die angrenzenden Nutzungen. Das Band integriert dabei Mobiliar, Sport- und Spielangebote sowie Baumstandorte. An prägnanten Punkten weitet es sich außerdem zu Platzsituationen auf. Fußgänger*innenpromenade, Radweg und Straße verlaufen differenziert. Das verzweigte Wegenetz gliedert die Grünflächen. Es ergeben sich deshalb vielseitig nutzbare Räume mit unterschiedlichen Bezugspunkten und Qualitäten. Der südliche Eingangsbereich zum Beispiel gibt den Auftakt als attraktiver Platz mit Gastronomie, Mobilitätspunkten und großzügigen Sitzmöglichkeiten. Die nördliche Kiellinie wird dabei als Boulevard am Wasser verstanden. Eine Mobilitätsstation und die Buswendeschleife bilden dann den nördlichen Abschluss des Wettbewerbgebiets. Vor der Orchideenwiese ist auch der Naturspielplatz „Förderlandschaft“ geplant.

Grafik: Studio RW Berlin
Grafik: Studio RW Berlin

Um- und Ausgestaltung der Kiellinie

Wichtig ist auch, dass die Schwanenwiese erhalten bleibt. Die Reventlouwiese wird zu einem spannungsvoll modellierten Wiesenpark ausgeweitet – mit Beachvolleyballfeldern in ihrer Mitte. Die umliegenden Bereiche bieten Spiel- und Liegeflächen. Die weitläufige Fläche kann multifunktional für Veranstaltungen genutzt werden. In diesem Abschnitt sind die Ausstattungselemente demontierbar. Der Schotterrasen zwischen Wiese und Weg dient als Aufstellfläche für temporäre Bauten. Eine neue Badestelle lädt zum Sprung in die Förde ein. Die Bellevuebrücke als Anleger integriert weitere Schwimmmöglichkeiten. Der Bernhard-Harms-Platz wird in seiner Doppelfunktion als Veranstaltungsort und Parkplatz beibehalten. Im Bereich Bellevue führen der Radweg und die Straße landeinwärts, sodass auch dort ein neuer Raum entstehen kann.

Und wie geht es weiter?

Der Planungswettbewerb ist ein großer Meilenstein. Als Vorentwurf mit schlüssiger Gesamtkonzeption wird nun der Siegerbeitrag in einem mehrstufigen Planungsverfahren zur Umsetzungsreife gebracht. Und: natürlich wird auch die Öffentlichkeit weiterhin ihren Freiraum mitgestalten. Wir dürfen gespannt sein.

Mehr zu der neuen Kiellinie finden Sie hier unter kiel.de.

Auch interessant: Lesen Sie bei uns, wie der Chemiekonzern BASF seinen Strombedarf stärker aus erneuerbaren Energien decken will.

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Etwa 50 Prozent des Quartiers Baumkirchen Mitte bleiben als öffentliche Grünflächen erhalten, die nicht nur Erholung bieten, sondern auch eine ökologische Vernetzung fördern, die für die Tierwelt von großer Bedeutung ist. Foto: Marcus Hassler

Wo Lokomotiven einfuhren, wächst seit 2013 das visionäre Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“ in Berg am Laim heran. Hier verschmelzen städtische Lebensräume und Natur zu einem harmonischen Ensemble, das nicht nur Wohnraum und Arbeitsplätze, sondern auch großzügige Grünflächen und ökologische Oasen bietet. Durch die organischen Bauformen und die Liebe zum Detail hat das Areal eine unverwechselbare Identität erhalten – ein Ort, der Vergangenheit und Moderne in spannender Symbiose vereint. Im Folgenden stellt das Büro mahl gebhard konzepte sein Projekt selbst vor. 

Ein neues Stadtquartier mit historischer Prägung

Auf dem 15 Hektar großen Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes München 4 in Berg am Laim entsteht seit 2013 das Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“. Fast 70 Jahre lang wurden hier Lokomotiven und Güterwaggons rangiert und repariert. Nun bietet das Areal Raum für etwa 1 300 Einwohner*innen, Arbeitsplätze, Einzelhandel und öffentliche Grünflächen. Grundlage für das Bebauungsplanverfahren war ein 2010 von der Landeshauptstadt und CA Immo durchgeführter städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb, aus dem der Entwurf von Peter Ebner & Friends und von Mahl Gebhard Konzepte siegreich hervor ging. Der Entwurf überzeuge die Jury im besonderen Maße durch eine für das Gebiet neuartige Struktur. Es entstünde eine einheitliche Bebauung, die von ausgedehnten Grünflächen umschlossen wird. Dieser Entwurf, der sich durch mutig, geschwungene Baukörper auszeichnet, die fließende Räume erzeugen war Grundlage für das sich anschließende Bauleitplanverfahren. Die Freiflächen mit ihren integrierten Spielflächen sollen die Anwohner sowie Besucher zum Verweilen und Erholen einladen.

Freiflächengestaltung und ökologische Balance

Die Landschaftsarchitekt*innen von mahl gebhard konzepte (München) achteten bei der Entwicklung des Quartiers auf eine doppelte Innenentwicklung: So ist für das Quartier Baumkirchen Mitte neben den unverwechselbaren, organisch anmutenden Gebäudekörpern, der sehr hohe Grünanteil prägend. Etwa 50 Prozent des Gesamtareals sind bebaut, die restliche Fläche bleibt im Hinblick auf urbanes Grün als öffentliche Grünfläche und ökologische Vorrangfläche erhalten und wird als Landschaftspark gestaltet. Durch den Erhalt der ökologischen Vorrangfläche bleibt, die für München so relevante Kaltluftschneise erhalten und dennoch kann die geforderte städtische Dichte eingehalten werden. Einen weiteren Mehrwert stellen die neu entstandenen Wohnhöfe bzw. Quartiersmitten wie der Mattoneplatz dar. Sie sprechen grundsätzlich die Sprache des Gesamtareals und verstärken die geschwungenen Strukturen.

Integration von Natur und Stadtplanung

Durch sie wurde eine qualitativ wie quantitativ gute Versorgung der Wohngebiete mit öffentlichen Grün- und Freiflächen für die Erholung verwirklicht – insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der Verringerung des Nutzungsdruckes auf die ökologische Vorrangfläche. Bei der Lage der öffentlichen Grünflächen wurde auf gute räumliche Zuordnung und weitere mögliche Aneignungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten besonders auch in Richtung des Rosenheimer Bahndamms geachtet. An der übergeordneten Grünstruktur orientierten sich daraufhin die Baukörper. Im Entwurf soll ein Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungsräume entstehen, die sich verschränken und überlagern. Die Privatheit der Wohnhöfe soll davon unberührt bleiben.

Bäume als Leitbild

Wiederkehrendes Gestaltungselement ist die waggonartige Reihung von drei bis fünf zu pflanzenden Bäumen, die den genius loci der ehemaligen Nutzung in der neu gebauten Fläche anschaulich machen sollen. Um den jeweiligen Räumen eine eindeutig wahrnehmbare Gestalt zu geben, bestehen die Baumgruppen aus jeweils einer Gattung und Art. Die öffentlichen und privaten Freiflächen erhalten durch die unterschiedliche Pflanzenverwendung (Leitbaumarten, Wuchsklassen) eine jeweils eigenständige Identität. Dabei wurden je 200 Quadratmeter nicht überbaute Grundstücksfläche ein Baum gepflanzt. Auf die entsprechende Mindestüberdeckung der Substratstärke über Tiefgarage ist zu achten. Die Pflanzauswahl in den Höfen enthält mindestens 50 Prozent Bäume zweiter Ordnung.

Der Bestand als „Hot Spot“ der Biodiversität

Pflanzenwuchs auf aktiven Bahnflächen unterliegt permanenter Störungen. Fallen Bahnflächen aus der Nutzung, so regiert die Vegetation relativ rasch darauf. Deshalb sind die stillgelegten Gleisanlagen heute von mosaikartiger Vegetation geprägt und erhalten ihren eigenen Charme durch die offenen Ruderalflächen, die sich mit aufkommenden Birken und rahmenbildenden, älteren Gehölzen abwechseln.

Kurzum: Das Bahnbetriebswerk entwickelte sich durch die Stilllegung zu einer naturnahen Bahnbrache. Humusarme Substrate (z.B. Gleisschotter) speichern kaum Wasser und begünstigen dadurch schüttere Magerrasen. So ist hier ein „Hot Spot“ der Biodiversität entstanden, das dem Areal in Kombination mit der belassenen Gleisanlage eine besondere Identität verleiht. Mehrere geschützte Tier- und Pflanzenarten (48 Rote-Liste-Arten) haben aufgrund der für sie idealen, trockenen und heißen Standortbedingungen und der Mischung aus lückiger, niedriger Vegetation und besonnten Säumen und Gebüschen einen Vorkommensschwerpunkt. Die angrenzenden noch aktiven Bahnanlagen sind darüber hinaus als Ausbreitungsachse und somit für den Biotopverbund bedeutend. Von den in mehreren Kartierungsdurchgängen in den Jahren 2008 und 2009 nachgewiesenen Arten sind die streng geschützte Zauneidechse sowie die besonders geschützte Blauflügelige Ödlandschrecke und die Blauflügelige Sandschrecke von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung und daher wertbestimmend. Aber auch kleine Wirbeltiere wie die Zauneidechse können auf der Vorrangfläche beobachtet werden – sie sind streng geschützt (§7 (2) 14, ‎BNatSchG).

Pflege- und Schutzkonzept für die Biodiversität

Die Habitate der Bahnanlagen sind charakteristische Bestandteile der Natur in der Stadt und spielen eine wichtige Rolle für den Artenschutz. Um diesen naturnahen Trockenstandort mit seiner hohen Artenvielfalt zu erhalten, wurde ein Pflege- und Entwicklungskonzept aufgestellt. Die Sukzession führt ohne weitere Pflege zu waldartigen Beständen, weshalb die immer wiederkehrende Zurücknahme des

Gehölzaufwuchses und die Freihaltung geeigneter, besonnter Standorte wichtige Maßnahmen darstellen. Im Bereich der Sukzessionsflächen wird das Totholz belassen, um Insekten und kleinen Wirbeltieren Unterschlupf zu bieten. Die Rohbodenrotation bietet nicht nur Reptilien wie der Zauneidechse einen idealen Standort, um ihre Eier in die sandigen Böden zu legen.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die naturschutzfachlichen Entwicklungsziele für das Untersuchungsgebiet umfassen den Erhalt und die Pflege von Flächen, die als bevorzugte Lebensräume für die Zauneidechse gelten. Ebenso wird der größtmögliche Erhalt von Flächen mit hoher und mittlerer Bedeutung für die Wert bestimmenden Tierarten angestrebt. Weiterhin soll der räumliche Verbund der Flächen zu angrenzenden Lebensräumen gesichert und die Standorte als Teil einer linearen Vernetzungsachse erhalten und optimiert werden. Ein weiteres Ziel ist die Sicherung und Förderung der Populationen der geschützten Arten durch gezielte Pflegemaßnahmen im Bereich der ökologischen Vorrangfläche. Diese Maßnahmen sollen durch ein dynamisches, dreistufiges Pflegekonzept erreicht und langfristig gesichert werden, das sowohl den fachlichen Ansprüchen als auch der pragmatischen Umsetzbarkeit in Bezug auf die Topografie gerecht wird.

Minimaler Eingriff – Monitoring und Erlebnispfad

Die geplante Umsetzung des gesamten Bauvorhabens wurde in 10 Bauabschnitte unterteilt, deren Abfolge sich von Osten (Baumkirchner Straße) nach Westen erstreckt, und somit eine sinnvolle logistische bauliche und nutzungsbezogene Abwicklung in mehreren Schritten mit geringerer Baustellenbelastung bedeutet. Eine besondere Herausforderung stellte die Zugänglichkeit der ökologischen Vorrangfläche dar: Mittels aufwändigen Monitorings und eigens entwickelter Stege konnten naturschutzfachliche Belange eingehalten werden und dennoch von Anwohnern als naturnaher Erholungsraum barrierefrei erschlossen werden. Der enorme Höhenunterschied zwischen Wohnbebauung und ökologischer Vorrangfläche konnte mit Rampen ausgeglichen werden. Der Erlebnispfad im tieferliegende Gleisbereich ist auf der Westseite über Treppen und an der Ostseite durch eine barrierefreie Rampe erreichbar. Der aufgeständerte Weg führt vorbei an der historischen Eisenbahn-Drehscheibe, mit der früher Waggons und Lokomotiven bewegt wurden. Hier ist eine Tribüne entstanden, sodass die Lokdrehscheibe als Freilufttheater dienen kann.

mahl gebhard konzepte

Das Büro mahl·gebhard·konzepte mit Sitz in München wurde 1986 gegründet und 2009 in eine Partnerschaftsgesellschaft mit Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard als Geschäftsführer umfirmiert. 2022 wurden Markus Anzengruber, Johannes Kruck, Annette Pfundheller und Katrin Rismont PartnerInnen des Büros. Seither steht Johannes Mahl-Gebhard als Berater zur Verfügung. mahl·gebhard·konzepte beschäftigt 40 Mitarbeiter*innen aus den Disziplinen der Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung, Umweltökologie, Stadtplanung, Architektur und Urban Design.

In der Nutzung von Ansätzen, Denkweisen oder Methoden verschiedener Fachrichtungen sehen wir nicht nur die Möglichkeit, Planungen an den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Zeit zu orientieren, sondern auch die Chance Ökologie und Ästhetik zukunftsweisend zu verbinden. Langjährige Erfahrung, erworbene Vielseitigkeit, effiziente Arbeitsabläufe, eine klare gestalterische Sprache und realisierbare Visionen helfen uns dabei, das besondere Gesamte zu schaffen.

Landschaftsarchitektur sucht im Spannungsfeld der Planungen von Architektur, Städtebau und Infrastruktur nach neuen räumlichen Aussagen, kulturellen Eigenarten und gestalterischen Perspektiven. Hierbei ist die Rückkopplung von Landschaftsarchitektur mit den gesellschaftlichen Strukturen und zeitgenössischen Kontexten nicht nur notwendig, sondern unerlässlich.

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.

 Übrigens: Die Internationale Bauausstellung (IBA) der Metropolregion München 2034 sucht nach Ideen für die Mobilität der Zukunft.

 

Ungenutzte Brückenkonstruktionen können im urbanen Umfeld ungeahnte Möglichkeiten bieten. Berühmtestes Vorbild für eine aufgeständerte Nachnutzung ist wohl der New Yorker High Line Park, gelegen auf einer stillgelegten Hochbahntrasse. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Stadtverwaltung von Seoul: ein groß angelegtes Stadtentwicklungsprogramm soll die Stadt grüner und für Fußgänger attraktiver gestalten. Herzstück der Planung ist dabei der kürzlich eröffnete Seoullo 7017 Skygarden von MVRDV.

Transformation einer Hochstraße zum Park

Freiräume sind in Seoul ein seltenes Gut. Die Bevölkerungsdichte ist rund viermal so hoch wie in Berlin und das Zentrum ist von versiegelten Verkehrsflächen geprägt. Nach der Umsetzung des städtischen Programms, wurde eine rund einen Kilometer lange Hochstraße vom Verkehr befreit. Die Architekten des niederländischen Büros MVRDV gewannen die Ausschreibung im Jahr 2015 und verwandelten die ehemalige Stadtautobahn in einen attraktiven städtischen Park. Das verästelte, geschwungene Brückenbauwerk stellt damit eine wichtige Fußgängerverbindung im unmittelbaren Umfeld des Hauptbahnhofs dar.

Pflanzenbibliothek aus 24 000 Pflanzen

Der Seoullo 7017 Skygarden zieht seine Besucher in erster Linie durch seine einzigartigen Blickbeziehungen aus 16 Metern Höhe an. 228 verschiedenen Pflanzenarten sind nach dem südkoreanischen Alphabet sortiert und verdeutlichen die Vielfalt heimischer Gewächse. Die insgesamt 24 000 Pflanzen sind in mehreren kleinen Gärten zusammengefasst, welche jeweils einen eigenen Charakter haben. Die Zahlenkombination „7017“ bezieht sich auf die Eröffnungsjahre der Stadtautobahn 1970 und des Parks 2017.