Mit einer Bevölkerung von nur etwas mehr als 800 Menschen ist der Vatikan das kleinste Land der Welt. Bildquelle: Unsplash
Mit einer Bevölkerung von nur etwas mehr als 800 Menschen ist der Vatikan das kleinste Land der Welt. Bildquelle: Unsplash

Russland ist das größte Land der Welt, aber interessant ist auch die Frage, welche Länder eigentlich am kleinsten sind. Hier sehen Sie, welches Land nach Masse und Bevölkerung eindeutig am kleinsten ist und welche anderen kleinen Nationen es gibt – nicht alle davon sind bekannt!

Weniger als 0,5 Millionen Einwohner*innen

Das kleinste Land der Welt ist eindeutig der Vatikan. Er hat eine Landmasse von nur 0,49 km². Der unabhängige Stadtstaat ist komplett von Rom umgeben. Auch San Marino ist ein sogenannter “Mikrostaat” in Italien, der vom Land umgeben ist. Mit 60 km² ist San Marino das fünftkleinste Land der Welt.

Da kleine Länder auch fast immer kleine Bevölkerungen haben, typischerweise weniger als eine halbe Million, sind sie in gleich zweierlei Hinsicht klein. Eine Ausnahme stellt Singapur dar: Hier wohnen fast 6 Millionen Menschen. Bezogen auf die Landmasse ist Singapur jedoch mit seinen 726 km² unter den 20 kleinsten Ländern der Welt. Jamaica ist etwa achtmal größer, hat aber nur die Hälfte der Bevölkerung.

Vatikan: Das kleinste Land der Welt

Der Vatikan ist das mit Abstand kleinste Land der Welt. Er lässt sich in etwa 10 Minuten zu Fuß durchqueren und misst weniger als einen Quadratkilometer. Das Land ist von hohen Mauern umgeben, die von der berühmten Päpstlichen Schweizergarde bewacht werden. Denn als Wohnsitz und Arbeitsort des Papstes spielt die Sicherheit im Vatikan eine große Rolle.

Trotz seiner geringen Größe hat der Vatikan einen großen Einfluss auf die Welt, nämlich kulturell, politisch und spirituell. Das Land ist das Herz der römisch-katholischen Kirche, die weltweit über eine Milliarde Mitglieder hat. Der Petersdom dominiert das kleine Land. Besuchende aus aller Welt besuchen die Vatikanstadt, um den Papst zu sehen oder gar eine Audienz zu ergattern, um den Dom zu besuchen, die Sixtinische Kapelle zu besichtigen oder durch die berühmten Museen zu streifen.

Insgesamt leben etwa 800 Menschen permanent im Vatikan. Ihre Hauptsprache ist Latein, aber bei den vielen kirchlichen Anlässen und Zeremonien wird auch Latein gesprochen.

Monaco ist das zweitkleinste Land der Welt nach Fläche. Nach Einwohnerzahl liegt Tuvalu auf Platz 2. Bildquelle: Unsplash
Monaco ist das zweitkleinste Land der Welt nach Fläche. Nach Einwohnerzahl liegt Tuvalu auf Platz 2. Bildquelle: Unsplash

Monaco als zweitkleinstes Land

Das zweitkleinste Land der Welt ist Monaco mit einer Fläche von knapp über 2 km² und einer Bevölkerung von etwa 39.000 Menschen. Es liegt an der Französischen Riviera direkt am Mittelmeer und ist dafür bekannt, ein Spielplatz für die Schönen und Reichen zu sein. Zahlreiche private Yachten, teure Autos und Formel-1-Referenzen machen das Stadtbild aus. Auch die berühmte Prinzessin Grace, eine US-amerikanische Schauspielerin, die in die königliche Familie von Monaco einheiratete, ist hier allgegenwärtig. Sie starb bei einem tragischen Autounfall in den kurvenreichen Straßen des Landes und wird bis heute verehrt.

Monacos Wirtschaft stützt sich wesentlich auf Tourismus, Luxusgüter und finanzielle Services. Darüber hinaus ist die Urlaubsdestination für ihre Casinos bekannt.

Nauru: Das drittkleinste Land

Neben dem Vatikan und Monaco gehören auch die Inselstaaten der Karibik und im Südpazifik zu den kleinsten Ländern der Welt. Nauru steht mit 21 km² an dritter Stelle. Hier leben etwa 12.000 Menschen und damit weniger als in Monaco. Das Land gehört zu den am wenigsten besuchten Ländern der Welt. Vermutlich haben nur etwa 15.000 Menschen, die heute noch leben, das Land einmal besucht.

Bis zu den 1990er Jahren lebte Nauru lange davon, Phosphat herzustellen – eine wichtige Zutat in Düngern. Jedoch versiegte der Vorrat, was zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch führte. Bis heute sind etwa 90% der Einwohner*innen von Nauru arbeitslos. Es gibt Pläne, die gesamte Bevölkerung auf eine andere Insel umzusiedeln. Australien unterstützt das kleine Land finanziell, ist aber auch Kritik ausgesetzt, da es Nauru als Offshore-Haft- und Bearbeitungsstelle für Einwanderer*innen genutzt hat.

Nauru ist nur 21 km² groß und beherbergt etwas über 12.700 Menschen. Bildquelle: Unsplash
Nauru ist nur 21 km² groß und beherbergt etwas über 12.700 Menschen. Bildquelle: Unsplash

Die Top 10 kleinsten Länder der Welt

Die Top 10 kleinsten Länder der Welt haben geringe Einwohnerzahlen zwischen 500 und 73.000. Je nachdem, ob man die Landmasse oder die Einwohner*innen zählt, ergibt sich eine andere Reihenfolge. Hier sehen Sie die Liste nach Einwohnerzahlen (Schätzungen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2022):

  1. Vatikan mit 517 Einwohner*innen und 0,44 km²
  2. Tuvalu mit 11.387 Einwohner*innen und 26 km²
  3. Nauru mit 12.769 Einwohner*innen und 21 km²
  4. Palau mit 18.058 Einwohner*innen und 459 km²
  5. San Marino mit 33.644 Einwohner*innen und 61 km²
  6. Monaco mit 36.313 Einwohner*innen und 2 km²
  7. Liechtenstein mit 39.558 Einwohner*innen und 160 km²
  8. Marshall-Inseln mit 41.952 Einwohner*innen und 181 km²
  9. Saint Kitts and Nevis mit 47.745 Einwohner*innen und 261 km²
  10. Dominica mit 73.006 Einwohner*innen und 751 km²

Zum Vergleich: Deutschlands größte Stadt, Berlin, hat eine Fläche von fast 892 km² und ist damit größer als jedes Land dieser Liste. Europas kleinste Länder sind der Vatikan, Monaco und San Marino. Das größte Land der Welt ist Russland mit einer Fläche von 17,1 Millionen km². Und das bevölkerungsreichste Land der Welt ist China mit 1,4 Milliarden Menschen, dicht gefolgt von Indien mit 1,399 Milliarden.

Das kleinste und größte Land der Welt lassen sich leicht bestimmen – doch wie sieht es mit der größten Stadt der Welt aus? Hier erfahren Sie mehr!

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Was sind Hypernetze – wenn KIs andere KIs entwerfen

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Stadtansicht aus der Vogelperspektive, aufgenommen von Markus Spiske mit einer Canon 5d Mark III und Leica Summicron-R 2.0/50mm Objektiv (1981).

Wenn künstliche Intelligenz nicht nur Probleme löst, sondern selbst zum Architekten neuer, noch intelligenterer Systeme wird – dann sprechen wir von Hypernetzen. Diese revolutionären Strukturen könnten die Zukunft der Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und urbanen Transformation grundlegend verändern. Was steckt hinter dem Konzept der Hypernetze, und was bedeutet es, wenn KIs andere KIs entwerfen? Ein Blick in eine Welt, in der Maschinen nicht nur rechnen, sondern kreativ werden – und in der das urbane Morgen vielleicht schon heute beginnt.

  • Definition und Grundlagen von Hypernetzen in der Künstlichen Intelligenz
  • Wie Hypernetze funktionieren: KI-Architekturen, die andere KI-Modelle entwerfen
  • Potenziale für urbane Planung, Landschaftsarchitektur und nachhaltige Stadtentwicklung
  • Beispiele und Anwendungsfälle: Von der Verkehrssteuerung bis zum Resilienzmanagement
  • Herausforderungen: Erklärbarkeit, Kontrolle, Governance und ethische Aspekte
  • Stand der Forschung und internationale Entwicklungen
  • Deutsche Perspektive: Innovationschancen und regulatorische Hürden
  • Ausblick: Wie Hypernetze das Selbstverständnis von Planung und Gestaltung verändern

Hypernetze: Wenn Künstliche Intelligenz zur Architektin ihrer eigenen Zukunft wird

Hypernetze klingen erst einmal nach Science-Fiction – vielleicht nach neuronalen Superhirnen, die sich selbst replizieren und verbessern. Doch das Konzept ist längst Teil der internationalen KI-Forschung und beginnt, ganz reale Auswirkungen zu entfalten. Ein Hypernetz ist, vereinfacht gesagt, ein neuronales Netzwerk, das nicht nur klassische Aufgaben löst, sondern selbst als Generator und Designer anderer neuronaler Netzwerke agiert. Das heißt: Ein Hypernetz entwirft, optimiert und trainiert andere KIs – und zwar oft deutlich effizienter, kreativer und anwendungsspezifischer, als es von Menschenhand möglich wäre.

Die technische Grundlage dazu liegt in der sogenannten Meta-Learning-Architektur. Hierbei werden nicht nur einzelne Modelle für eine konkrete Aufgabe trainiert, sondern ein übergeordnetes System lernt, wie man optimale Modelle für beliebige Aufgaben und Datenstrukturen generiert. Das Hypernetz fungiert somit als eine Art übergeordneter Architekt, der ständig neue KI-Strukturen entwirft und verfeinert. Während klassische neuronale Netze eine starre Struktur mit festen Parametern aufweisen, generiert das Hypernetz dynamisch die Parameter für andere Netzwerke oder gar deren Architekturen selbst. Das Ergebnis sind hochspezialisierte, adaptive Systeme, die sich perfekt an spezifische Anforderungen anpassen.

Für urbane Planung und Landschaftsarchitektur eröffnet das völlig neue Horizonte. Denn die Komplexität städtischer Systeme – sei es das Verkehrsmanagement, die Steuerung von Energieflüssen oder die Simulation nachhaltiger Wasserinfrastrukturen – übersteigt längst die menschliche Modellierungskapazität. Hypernetze versprechen hier eine neue Qualität: Sie könnten beispielsweise eigenständig KI-Modelle entwickeln, die speziell für die Optimierung von Grünflächen, die Vorhersage von Hitzeinseln oder die Steuerung von Verkehrsflüssen maßgeschneidert sind. Und sie lernen aus jedem neuen Datensatz, aus jeder Veränderung in der Stadt in Echtzeit dazu.

Das revolutionäre Potenzial der Hypernetze liegt in ihrer Fähigkeit, über klassische Automatisierung hinauszugehen. Sie machen aus „Smart Cities“ tatsächlich lernende Städte, in denen urbane Systeme nicht nur auf Daten reagieren, sondern sich selbstständig weiterentwickeln. Für Planer, Architekten und Verwaltungen stellt sich damit nicht mehr die Frage, wie man bestehende Algorithmen sinnvoll nutzt – sondern wie man die richtigen Algorithmen überhaupt erst entstehen lässt.

Natürlich wirft das Konzept der Hypernetze auch viele Fragen auf – insbesondere, was Kontrolle, Transparenz und ethische Implikationen betrifft. Doch es steht außer Zweifel: Die Fähigkeit von KIs, andere KIs zu entwerfen, wird die Grundlagen der Stadtplanung und des urbanen Designs tiefgreifend verändern. Sie eröffnet nicht nur neue technologische Spielräume, sondern stellt auch das Selbstverständnis von Planung und Gestaltung auf den Prüfstand.

Wie Hypernetze funktionieren – und warum sie so radikal anders sind

Um zu verstehen, warum Hypernetze so vielversprechend sind, lohnt sich ein Blick auf die technologische Basis. Im klassischen maschinellen Lernen wird ein Netzwerk direkt auf eine Aufgabe oder einen Datensatz trainiert. Die Architektur – also die Anordnung der Schichten, die Art der Aktivierungsfunktionen und die Zahl der Parameter – wird von Menschen vorgegeben und bleibt im Trainingsprozess unverändert. Das Hypernetz bricht mit diesem Paradigma: Es ist selbst ein neuronales Netzwerk, dessen Output nicht eine Vorhersage, sondern die Parameter oder sogar die gesamte Struktur eines anderen Netzwerks ist.

Stellen Sie sich vor, das Hypernetz ist ein Architekturbüro, das auf Basis von Anforderungen, Daten und Kontext automatisch Baupläne für neue KI-Gebäude erstellt. Je nach Aufgabe – zum Beispiel Verkehrsprognose, Klimasimulation oder Bewässerungsmanagement – entwirft das Hypernetz ein maßgeschneidertes Subnetz, das optimal auf die jeweilige Herausforderung zugeschnitten ist. Das Subnetz wird dann trainiert, eingesetzt und kontinuierlich von seinem Hypernetz-„Architekten“ weiterentwickelt.

Ein zentrales Konzept dabei ist das sogenannte Meta-Learning. Das Hypernetz analysiert nicht nur, was funktioniert, sondern lernt auch, wie man lernt. Es erkennt Muster in den Aufgabenstellungen, versteht, welche Netzwerkarchitekturen für welche Probleme besonders geeignet sind, und kann dieses Wissen auf neue Herausforderungen übertragen. In komplexen urbanen Systemen mit tausenden Variablen – von Feinstaubwerten bis zu Bewegungsmustern im öffentlichen Raum – ermöglicht das eine bislang unerreichte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

In der Praxis bedeutet das: Hypernetze könnten in Echtzeit neue Modelle für Verkehrsströme entwerfen, sobald sich die Bedingungen ändern – etwa nach einem Großereignis, bei Wetterumschwüngen oder durch bauliche Veränderungen. Sie könnten automatisch Simulationsmodelle für die Ausbreitung von Hitze in städtischen Quartieren generieren und dabei neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder aktuelle Sensordaten integrieren. Für die Landschaftsarchitektur könnten Hypernetze individuelle Modelle entwickeln, die Pflanzenauswahl, Bewässerung und Mikroklimasteuerung optimal aufeinander abstimmen – und das pro Standort, in jeder Saison und unter Berücksichtigung von Klimawandel und Biodiversität.

Der Clou: Hypernetze machen Schluss mit starren, einmalig trainierten KI-Modellen. Sie schaffen eine neue Ebene, auf der sich das System selbst verbessert, neue Tools erfindet – und damit weit über die klassischen Grenzen von Automatisierung und Digitalisierung hinausgeht. Sie lernen nicht nur aus Daten, sondern auch aus ihrer eigenen Entwicklung und Anwendung. Das macht sie zum perfekten Werkzeug für die dynamische, resiliente und nachhaltige Stadt von morgen.

Hypernetze in der Anwendung: Chancen für urbane Planung und Landschaftsarchitektur

Was bedeutet das nun konkret für die Praxis? Die ersten Pilotprojekte und Forschungsarbeiten zeigen: Hypernetze eröffnen neue Wege, urbane Systeme ganzheitlich zu denken – und in Echtzeit zu steuern. Nehmen wir das Beispiel Verkehrsmanagement: In einer typischen Großstadt ändern sich Verkehrsströme permanent. Bauarbeiten, Wetter, Großveranstaltungen, neue Mobilitätsangebote – all das beeinflusst, wie Menschen und Fahrzeuge sich bewegen. Klassische KI-Modelle sind hier oft überfordert, weil sie auf historische Daten und feste Annahmen angewiesen sind. Ein Hypernetz hingegen kann für jede neue Situation ein passgenaues Vorhersagemodell generieren und dieses sofort operationalisieren.

Noch spannender wird es bei komplexen Aufgaben wie dem Klimamanagement oder der Planung klimaresilienter Quartiere. Hypernetze könnten beispielsweise Modelle entwerfen, die aus Satellitendaten, lokalen Sensorwerten und Wetterprognosen gezielt Simulationen für Hitzeinseln, Luftzirkulation und Wassermanagement erstellen. Sie könnten für jedes Straßenzugsegment, jeden Park und jedes Gebäude individuelle Handlungsempfehlungen berechnen – und das dynamisch, basierend auf aktuellen und prognostizierten Bedingungen.

Für die Landschaftsarchitektur eröffnen sich ebenfalls völlig neue Spielräume. Pflanzplanungen, Pflegekonzepte und Biodiversitätsstrategien könnten mithilfe von Hypernetzen automatisiert, angepasst und laufend verbessert werden. Statt starre Pflegepläne zu erstellen, könnten adaptive Modelle entstehen, die saisonale Schwankungen, Klimaextreme und ökologische Wechselwirkungen kontinuierlich berücksichtigen. Der Planer wird damit zum Dirigenten eines gesamten Orchesters selbstlernender Systeme – ein Paradigmenwechsel, der die klassische Rolle der Disziplin radikal erweitert.

Ein weiteres Feld: Bürgerbeteiligung und Partizipation. Hypernetze könnten Simulationen und Szenarien automatisch an die Interessen unterschiedlicher Nutzergruppen anpassen, sodass Beteiligungsprozesse nicht mehr auf generischen Modellen, sondern auf maßgeschneiderten, verständlichen und interaktiven Darstellungen basieren. Das macht Beteiligung nicht nur transparenter, sondern auch wirksamer – und hebt die demokratische Qualität der Planung auf ein neues Level.

Schließlich bieten Hypernetze die Chance, urbane Systeme robuster gegen Krisen zu machen. Im Katastrophenfall – etwa bei Hochwasser oder Hitzewellen – könnten sie in Echtzeit neue Modelle generieren, die Gefährdungslagen prognostizieren und optimale Reaktionsstrategien vorschlagen. Sie könnten aus vergangenen Ereignissen lernen und dieses Wissen unmittelbar auf neue Situationen übertragen. Das bedeutet: Städte werden nicht nur „smarter“, sondern auch widerstandsfähiger und anpassungsfähiger – und zwar auf eine Weise, die mit klassischen Methoden kaum erreichbar wäre.

Herausforderungen und Risiken: Kontrolle, Erklärung, Ethik

So vielversprechend Hypernetze auch sind – sie bringen erhebliche Herausforderungen mit sich. Allen voran steht die Frage nach der Erklärbarkeit. Wenn KIs andere KIs entwerfen, entstehen hochkomplexe Systeme, deren Entscheidungsfindung selbst für Experten schwer nachvollziehbar ist. Das berühmte „Black-Box-Problem“ verschärft sich: Nicht nur das Verhalten eines Modells ist schwer zu interpretieren, sondern auch die Art und Weise, wie das Hypernetz überhaupt zu diesem Modell gekommen ist.

Für die urbane Planung und die öffentliche Hand ist das ein dickes Brett. Denn demokratisch legitimierte Entscheidungen dürfen nicht von intransparenten Algorithmen getroffen werden. Es braucht Mechanismen, um die Funktionsweise von Hypernetzen verständlich zu machen, Entscheidungspfade zu dokumentieren und Modelle im Zweifel auditieren zu können. Forschung an sogenannten „explainable AI“-Ansätzen ist hier dringend notwendig – und eine enge Zusammenarbeit zwischen Informatik, Planungswissenschaften und Ethik unabdingbar.

Ein weiteres Risiko liegt in der Kontrolle und Governance der Systeme. Wer entscheidet, welche Daten in die Hypernetz-Architekturen einfließen? Wer definiert die Ziele, nach denen sie neue Modelle entwerfen? Und wer überprüft die Ergebnisse? Ohne klare Regeln besteht die Gefahr, dass Fehlentwicklungen, Verzerrungen oder sogar Diskriminierungen automatisiert werden – und dass die Verantwortung für Planungsentscheidungen zunehmend ins Technische verschoben wird.

Auch die Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern und proprietären Plattformen birgt Gefahren. Wenn Hypernetze als Closed-Source-Lösungen in Städten eingesetzt werden, droht die Kommerzialisierung urbaner Infrastrukturmodelle – mit allen Risiken für Transparenz, Datenhoheit und öffentliche Kontrolle. Offene Standards, Open-Source-Ansätze und eine starke öffentliche Governance sind daher essenziell, um die Potenziale der Technologie im Sinne des Gemeinwohls zu nutzen.

Schließlich wirft der Einsatz von Hypernetzen auch ethische Fragen auf. Sie können bestehende Machtstrukturen verstärken, wenn sie etwa auf verzerrten Datensätzen trainiert werden oder bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen. Sie können Planungsprozesse beschleunigen, aber auch entmenschlichen. Die zentrale Aufgabe für Städte, Planer und Politik ist deshalb: Die Technologie so zu gestalten, dass sie nicht nur effizient und innovativ, sondern auch gerecht, inklusiv und nachhaltig wirkt.

Fazit: Hypernetze als Gamechanger für die urbane Zukunft

Hypernetze markieren einen radikalen Sprung in der Entwicklung künstlicher Intelligenz – und damit auch in der Art und Weise, wie Städte, Landschaften und urbane Systeme geplant, gestaltet und gesteuert werden. Indem sie KIs ermöglichen, andere KIs zu entwerfen, schaffen sie eine neue Ebene der Intelligenz, die weit über klassische Automatisierung und Digitalisierung hinausgeht. Für die urbane Praxis bedeutet das: Komplexeste Herausforderungen, von Verkehrsflüssen über Klimaresilienz bis zur Bürgerbeteiligung, könnten künftig mit maßgeschneiderten, selbstlernenden Systemen gelöst werden. Planer, Architekten und Verwaltungen müssen sich darauf einstellen, dass die Gestaltung der Stadt von morgen nicht nur eine Frage des Designs, sondern auch eine der intelligenten Architektur von Algorithmen wird.

Gleichzeitig sind die Risiken real: Erklärbarkeit, Kontrolle, Transparenz und Ethik müssen von Anfang an mitgedacht und gestaltet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Hypernetze nicht zu intransparenten Machtmaschinen werden, sondern ihr Potenzial im Sinne des Gemeinwohls entfalten. Die Chance liegt darin, die Technologie offen, partizipativ und verantwortungsvoll zu gestalten – und so die Transformation zur lernenden, resilienten und nachhaltigen Stadt aktiv zu prägen.

Fest steht: Hypernetze sind kein ferner Zukunftstraum mehr. Sie sind dabei, urbane Planung und Landschaftsarchitektur grundlegend zu verändern. Wer heute versteht, was Hypernetze leisten können – und welche Herausforderungen sie mitbringen –, kann morgen zu den Pionieren einer neuen, intelligenten Urbanität zählen. Und damit nicht nur Städte smarter machen, sondern lebenswerter, gerechter und zukunftsfähiger gestalten. Willkommen in der Ära der selbstlernenden Stadtmodelle – und der intelligenten Planung von übermorgen.

Mike Davis, 1946 bis 2022
Mike Davis, 1946 bis 2022, Foto: archinect.com via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Mike Davis schrieb „City of Quartz“, eines der wichtigsten Bücher über die Stadtgeschichte von Los Angeles. Nun ist der kalifornische Urbanist und Marxist im Alter von 76 Jahre gestorben.

In Amerika gibt es wenige echte Linke, aber Mike Davis war einer von ihnen. Der Mann mit dem weißen Bart, der aussah wie ein Trucker, formte das Image seiner Heimatstadt Los Angeles durch sein Buch „City of Quartz“. Nun starb er mit 76 Jahren in San Diego an Krebs. Als er von seiner Erkrankung erfuhr, sagte er, er bereue es, dass er im Bett sterben werde und nicht auf der Barrikade. Er hinterlässt seine fünfte Frau Alessandra Moctezuma und vier Kinder aus zwei Ehen.

Mike Davis – Autor und Aktivist

Davis war eine Ausnahmeerscheinung unter US-Autor*innen, nicht eitel, nicht an dem Literaturzirkus interessiert, sondern an der Sache. Der politischen Sache. Er wurde in einer Stahlarbeiterstadt im ländlichen Kalifornien geboren. Die Familie war von der Armut der Großen Depression geprägt, als seine Mutter Milch stahl, um die Kinder zu ernähren. Sein Vater starb früh, und Davis arbeitete als Teenager in der Großschlachterei seines Onkels. Danach hatte er verschiedene Jobs als LKW- und Busfahrer.

Während der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre studierte er an der University of California in Los Angeles, wo er sich dem SDS (Students for a Democratic Society) anschloss. Er protestierte gegen den Vietnamkrieg und wurde einmal auf einer Demo verhaftet und mit dem Polizeilastwagen ins Gefängnis gebracht. Er trat damals auch der kommunistischen Partei von Kalifornien bei und führte deren Buchladen.

Mike Davis sah früh Zusammenhänge, die heute Allgemeingut sind

Von der intellektuellen Linken aber wandte er sich bald ab. Einmal gefragt, warum es in Amerika keine echte Linke gebe, sagte er: „Die gibt es; es sind die Afro-Amerikaner. Die werden nur von der Gesellschaft nicht wahrgenommen.“ Er selbst sah die anders: Er lud schwarze Gangmitglieder der Crisp in sein Haus ein. Und als 1992 das schwarze Ghetto von South Central LA brannte, fuhr er hin und sprach mit den Aufständigen.

In den siebziger Jahren lebte er eine Zeitlang in Großbritannien und Irland. Zurück in L.A. fing er wieder an, als Lastwagenfahrer zu arbeiten, schrieb aber gleichzeitig an „City of Quartz“, das 1990 erschien. Unglaublich detailreich ist das Buch, es hatte ihn selbst gewundert, dass es so viele Leser*innen fand. „City of Quartz“ ist fast 500 Seiten lang, voll mit Details über Superblocks, reiche und arme Nachbarschaften und deren Beziehungen, mit marxistischen Referenzen (Herbert Marcuse hatte großen Einfluss auf ihn) und den Namen derer, die Macht haben in L.A.; Developer, Politiker*innen, Polizeichefs. Er schrieb auch über die de-fakto-Apartheid, die L.A. in schwarz und weiß, arm und reich trennt. Und er sah schon früh Zusammenhänge, die erst heute Allgemeingut sind.

Liebesbriefe an L.A.

L.A. blieb die Stadt, von der er zeitlebens besessen war. Sein Buch „Set the Night on Fire“ (zusammen mit Jon Wiener) handelt von den Rassenkrawallen in der kalifornischen Metropole in den sechziger Jahren. Das war gefolgt von „Ecology of Fear: Los Angeles and the Imagination of Disaster“. Davis warnt darin nicht nur vor Umweltkatastrophen – Fluten, Erdbeben, Seebeben, Dürren, gewaltigen Waldbränden –, sondern auch vor Pandemien. Heute wurde er bestätigt; damals wurde ihm vorgeworfen, zu übertreiben und L.A. zu hassen. Er hingegen hielt seine Bücher für Liebesbriefe an die Stadt.

Davis forderte in „Ecology of Fear“ auch dazu auf, die Villen der Reichen in Malibu und auf den Hügeln um L.A brennen zu lassen, anstatt öffentliche Gelder zum Schutz von Palästen zu verwenden, die – ignorant oder willentlich – in Tornado- oder Waldbrand-Gebieten gebaut wurden. Auch das brachte ihm Attacken des Establishments ein.

Mike Davis veröffentlichte seine Bücher bei dem britischen Verleger Verso. Seiner Zeit im Großbritannien verdankt sich auch das Buch „Late Victorian Holocaust“, das von den Völkermorden des britischen Imperiums handelt, von Indien bis Irland, auch das ein Bestseller. Er wehrte sich darin gegen die oft vertretene Ansicht, dass es in irgendeinem Land Millionen von Hungertoten geben könne, weil eine Naturkatastrophe stattgefunden hatte. Dahinter, versicherte er, steckten immer politische Entscheidungen.