Oyster Card: 20 Jahre Erfolgsgeschichte

Reklameschild der Londoner Underground vor Clarence House mit dem Hinweis, dass die Oyster Card seit 20 Jahren das Reisen in London ermöglicht. Foto: © Transport for London via flickr
Reisen in London bedeutet seit 20 Jahren auch Reisen mit der Oyster Card. Foto: © Transport for London via flickr

Die Öffentlichen Verkehrsbetriebe in London haben etwas zu feiern. Denn vor genau 20 Jahren führte Großbritanniens Hauptstadt im öffentlichen Nahverkehr die Oyster Card ein. Und ganz nach Shakespeares berühmten Zitat steht den Nutzer*innen durch die Oyster Card zwar nicht die Welt – aber doch zumindest der Londoner Nahverkehr seit 20 Jahren mit allen Möglichkeiten offen.

Die Oyster Card in Kürze

Die Oyster Card ist eine elektronische Fahrkarte zum Aufladen, die eine schnelle und unkomplizierte Nutzung ermöglicht. Der einmalige Erwerb kostet Nutzer*innen rund 5 Pfund. Danach kann sie einfach an diversen Verkaufsstellen, Ticketschaltern oder per Kreditkarte mit entsprechendem Saldo aufgeladen werden. Die Nutzung von Bus und Bahn wird danach zum Kinderspiel. Denn statt für jede Fahrt jeweils ein Ticket zu lösen, genügt es die Oyster Card am Anfang und am Ende der Reise zu scannen. Dabei wird automatisch der korrekte Fahrpreis abgebucht. Überlegungen wie beispielsweise im Münchner Nahverkehr, wo Zonen und Streifen nicht immer einfach zu ergründen sind, entfallen auf diese Weise. Weiterhin gibt es die Karte in mehreren Varianten zu kaufen. So kann sie sowohl registrierungsfrei übertragbar oder personengebunden erworben werden. Und nicht nur Anwohner*innen, auch Tourist*innen können mit der Visitor Oyster Card von dem System profitieren. Die Einführung vor 20 Jahren war ein großer Erfolg. 

Vorteile des Systems

Allein in den letzten 12 Monaten wurden 16,7 Millionen Oyster-Karten im Londoner Verkehrsnetz benutzt. Und seit der Einführung des Systems haben gar mehr als 125 Millionen Menschen aus der ganzen Welt von der Möglichkeit einer bequemeren Reise durch London profitiert. Amir Dawoodbhai, Mitglied des TfL’s Youth Panel betont die herausragende Reputation der Oyster Card: „It is admired across the world, inspiring and setting the standard for world-class public transport networks.“ Denn die Karte bietet viele Vorteile, welche bei den Nutzer*innen gut anzukommen scheinen. So verflüssigt sie beispielsweise die Passagier*innen-Ströme enorm, da die Fahrgäst*innen die Fahrkartenschranken schnell passieren können. Laut Londoner Verkehrsbetrieben sind es mit der Oyster Card etwa 40 Personen pro Minute und damit 15 mehr als mit regulären Papierfahrkarten. Außerdem laufen Oyster-Karten nie ab. Sie können nach einer beliebigen Zeitspanne wieder verwendet werden. Auch das Guthaben kann bei Rückgabe der Karte jederzeit zurückerstattet werden.

Die Oyster Card – eine Erfolgsgeschichte

Aus dem Londoner Alltag ist die Oyster Card kaum mehr wegzudenken. Michael Roberts, Hauptgeschäftsführer von London TravelWatch, geht sogar einen Schritt weiter und betont, die Oyster Card sei heutzutage in London zum Synonym für Reisen geworden und mit dem schwarzen Taxi oder den roten Bussen gleichzusetzen. Grund genug für die Londoner Verkehrsbetriebe das 20-Jährige nun zu feiern. Dabei begannen erste Versuche eines Smartcard-Ticketsystems sogar noch früher. Bereits im Jahre 1991 gab es in Großbritannien erste Versuche auf der Buslinie 212 in Walthamstow und drei Jahre später folgte ein umfassenderer Versuch in Harrow.

Das System setzte sich bis heute durch und wurde über die letzten zwei Jahrzehnte stetig weiterentwickelt. Im Jahr 2005 wurde beispielsweise eine Tageskarte eingeführt, mit der die Kund*innen so viele Fahrten machen können, wie sie möchten, ohne mehr zu zahlen als mit der entsprechenden Tageskarte. Weiterhin gibt es seit 2008 die Oyster Card-Marke Zip für ermäßigte Fahrten für Personen unter 18 Jahren. Und im Jahre 2010 wurde die Abrechnung mit Oyster auf alle Nahverkehrszüge im Großraum London ausgeweitet.

Das Königspaar Charles und Camilla feiern mit Transport for London das 20-Jährige Bestehen der Oyster Card. Foto: © Transport for London via flickr
Das Königspaar Charles und Camilla feiern mit Transport for London das 20-Jährige Bestehen der Oyster Card. Foto: © Transport for London via flickr

Limitierte Edition

Zum Jubiläum legen die Verkehrsbetriebe nun eine limitierte Oyster Card Edition auf. Das limitierte Design steht in einer Reihe mit anderen Entwürfen zu bedeutsamen Ereignissen in London. So hatten die Verkehrsbetriebe in den vergangenen Jahren etwa zur Einführung der Elizabeth-Linie, zu den Olympischen und Paralympischen Spielen 2012 in London und zum diamantenen Thronjubiläum von Königin Elisabeth II bereits limitierte Auflagen herausgebracht.

https://www.instagram.com/reel/CuHLbsFgw-H/

Ein Vorbild für die Welt

Die Verantwortlichen sind durchweg stolz auf ihre Erfolgsgeschichte: „We’re excited to be celebrating 20 years of the Oyster card as a world leading innovative way to travel“, sagte Shashi Verma, der Chief Technology Officer bei TfL. Dabei beschränkt sich der Einfluss der Oyster Card nicht allein auf die Verkehrsmittelsituation in London. Denn der Erfolg von Oyster inspirierte andere Städte der Welt dazu, ähnliche Technologien für das Bezahlen von Reisen einzuführen. Weiterhin gilt die Oyster Card als einer der größten Treiber für das kontaktlose Bezahlen. So führt auch Shashi Verma es weiter aus: „It [Oyster card] has cemented TfL’s reputation for being at the forefront of innovation and paved the way for the use of contactless payments on public transport – not only in London, but across the world.“

Und Ben Curtis, Campaigns Officer bei Campaign for Better Transport, geht noch einen Schritt weiter: „The Oyster card changed the game for urban transport systems worldwide, and its legacy remains the envy of the world. Over the years, the Oyster card has not only transformed the way residents and visitors alike navigate London but has served as symbol of London’s success in creating an inclusive and supportive public transport network for all.“ In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch und auf die nächsten 20 Jahre.

Ein ähnliches System wie die Oyster Card kommt mit der Smartphone-App Fairtiq aus der Schweiz. Auch andere Länder und Apps nutzen diese Idee, wie München und Regensburg mit dem Pilotprojekt „Swipe + Ride“. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Digitales Crowdmanagement für städtische Events

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Grünes Feld und moderne Stadt treffen auf schneebedeckte Alpen – aufgenommen von Daniele Mason.

Stadtfeste, Marathonläufe, Weihnachtsmärkte – sie bringen Leben in die Städte, aber auch Herausforderungen. Wer hat das Gedränge noch im Griff, wenn Straßenschluchten zur Menschenlawine werden? Digitales Crowdmanagement ist die neue Disziplin, die urbanen Raum und digitale Technologien zu einem intelligenten Schutzschild für Veranstaltungen verschmelzen lässt. Wie funktioniert das? Wer ist in Deutschland Vorreiter? Und warum sind Sensoren, Algorithmen und urbane Planung plötzlich unzertrennlich?

  • Definition und Bedeutung von digitalem Crowdmanagement für urbane Events
  • Technologische Grundlagen: Sensorik, Datenplattformen, KI und Simulation
  • Praktische Einsatzbeispiele aus Deutschland, Österreich und international
  • Rechtliche, ethische und planerische Herausforderungen
  • Integration in bestehende Stadtplanung und Synergien mit Urban Digital Twins
  • Partizipation, Akzeptanz und der Einfluss auf Stadtgesellschaft und Behörden
  • Risiken: Datenschutz, technologische Abhängigkeit und soziale Auswirkungen
  • Zukunftsausblick: Adaptive Städte und resiliente Veranstaltungen

Was ist digitales Crowdmanagement? Vom Bauchgefühl zur Echtzeitintelligenz

Jahrzehntelang war Crowdmanagement oft eine Mischung aus Erfahrung, Fingerspitzengefühl und improvisiertem Absperrband. Doch mit der wachsenden Komplexität städtischer Events und immer dichter besiedelten Innenstädten reicht das längst nicht mehr. Digitales Crowdmanagement bezeichnet den datengestützten Ansatz, Menschenströme bei Veranstaltungen in Echtzeit zu erkennen, zu analysieren und zu steuern. Es geht dabei nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Komfort, Teilhabe und nachhaltige Nutzung des öffentlichen Raums.

Das Herzstück modernen Crowdmanagements sind Sensoren und Datenquellen. Kameras, WLAN-Tracker, Bluetooth-Beacons, Mobilfunkdaten, aber auch Wetter- und Umweltsensoren liefern ein detailliertes Echtzeitbild der Bewegung und Dichte von Menschenmengen. Die Daten landen auf urbanen Plattformen, wo sie durch Algorithmen und Künstliche Intelligenz ausgewertet werden. So erkennen Systeme nicht nur, wo es voll wird, sondern können auch vorhersagen, wann und wo es kritisch werden könnte.

Die Echtzeitanalyse ermöglicht es, Maßnahmen dynamisch zu steuern – etwa Wegeführungen anzupassen, temporäre Leitsysteme zu aktivieren, Absperrungen zu öffnen oder mobile Einsatzkräfte gezielt zu dirigieren. Die Zeiten, in denen Sicherheitsdienste nach Bauchgefühl agierten, sind damit vorbei. Softwaregestützte Entscheidungsfindung bringt ein neues Maß an Präzision und Schnelligkeit in die Eventsteuerung.

Doch digitales Crowdmanagement ist mehr als reine Technik. Es ist ein Paradigmenwechsel in der urbanen Planung: Die Stadt wird zum lernenden System, das sich flexibel an wechselnde Situationen anpassen kann. Das schärft nicht nur den Blick für Risiken, sondern eröffnet auch Chancen für eine effektivere Flächennutzung, inklusive Partizipation und nachhaltigere Eventkonzepte. Wer heute innovativ steuern will, muss digitale Instrumente beherrschen – und sie auch kritisch reflektieren.

Die Bedeutung von digitalem Crowdmanagement wächst mit jedem Großevent, jedem Klimaprotest und jedem Stadtfest. Es ist die Königsdisziplin für alle, die Stadt als Bühne für Gemeinschaft und Innovation begreifen – und Verantwortung für das große Ganze übernehmen wollen.

Technologien und Methoden: Sensorik, Künstliche Intelligenz und urbane Plattformen

Der Werkzeugkasten für digitales Crowdmanagement ist so vielfältig wie die Städte selbst. Im Zentrum stehen Sensoren, die Menschenströme erfassen. Moderne Kamerasysteme liefern anonymisierte Bewegungsdaten, sodass Datenschutz und Sicherheit vereinbar bleiben. WLAN- und Bluetooth-Tracking erkennen mobile Endgeräte, natürlich unter strengen Auflagen zur Privatsphäre. Mobilfunkanbieter stellen aggregierte Standortdaten bereit, die helfen, Hotspots und Verlagerungen von Menschenmengen frühzeitig zu identifizieren.

Die eigentliche Magie entsteht jedoch erst, wenn diese Datenströme auf urbanen Datenplattformen zusammenfließen. Diese Plattformen sind die digitalen Schaltzentralen, in denen alle Informationen in Echtzeit verarbeitet und visualisiert werden. Hier kommen Algorithmen und maschinelles Lernen ins Spiel: Sie erkennen Muster, prognostizieren Engpässe und geben Handlungsempfehlungen aus. So lassen sich beispielsweise Zuflüsse steuern, Fluchtwege optimieren oder sogar das Programm eines Events anpassen, um eine gleichmäßigere Verteilung der Besucher zu erreichen.

Simulation ist ein weiteres zentrales Element. Mit digitalen Zwillingen – also virtuellen Abbildern von Städten oder Veranstaltungsarealen – werden Szenarien durchgespielt: Was passiert, wenn ein Unwetter droht? Wie reagieren Menschen auf geänderte Wegeführungen? Welche Auswirkungen hat eine kurzfristige Sperrung? Solche Simulationsmodelle erlauben es, Maßnahmen im Voraus zu testen und die Auswirkungen auf Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit zu bewerten.

Die Integration in bestehende Systeme der Stadt – etwa Verkehrsmanagement, Notfalldienste oder Umweltüberwachung – bringt zusätzliche Synergien. So können zum Beispiel Verkehrsströme umgeleitet, Rettungsdienste gezielter eingesetzt oder Umweltbelastungen während Großveranstaltungen minimiert werden. Die Stadt wird als ganzheitliches, vernetztes System betrachtet – ein Ansatz, der weit über die klassische Eventplanung hinausgeht.

Doch jede technische Lösung steht und fällt mit der Akzeptanz und Kompetenz der Anwender. Schulungen für Behörden, Einsatzkräfte und Veranstalter sind ebenso essenziell wie eine transparente Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit. Nur wenn alle Beteiligten verstehen, wie und warum digitale Tools eingesetzt werden, können sie ihr volles Potenzial entfalten – und das urbane Eventerlebnis auf ein neues Level heben.

Praxis: Wo digitales Crowdmanagement heute Realität ist

Während in vielen deutschen Städten noch Pilotprojekte laufen, gibt es bereits beeindruckende Beispiele für den erfolgreichen Einsatz digitalen Crowdmanagements. In Düsseldorf werden bei Karnevalsumzügen Sensorik und Datenanalyse eingesetzt, um die Besucherströme gezielt zu lenken und Engpässe zu vermeiden. Die Plattform sammelt und visualisiert Daten in Echtzeit, sodass Polizei und Ordnungsamt flexibel reagieren können – sei es durch temporäre Straßensperrungen oder die gezielte Information von Besuchern über Apps und Anzeigetafeln.

Auch in München, wo jährlich das Oktoberfest Millionen Menschen anzieht, ist digitales Crowdmanagement längst Standard. Hier werden Mobilfunk- und WLAN-Daten genutzt, um Besucherströme zu analysieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Planung von Zugängen, Fluchtwegen und Rettungskonzepten ein. Im Falle von Überfüllung können die Verantwortlichen gezielt Abschnitte schließen oder Besucherströme umlenken, bevor kritische Situationen entstehen.

Ein weiteres Vorzeigebeispiel kommt aus Wien. Die Stadt setzt auf eine offene Datenplattform, die Echtzeitinformationen zu Mobilität, Wetter und Besucherströmen bündelt. Bürger und Veranstalter können sich live über die Situation informieren und erhalten Handlungsempfehlungen. Das fördert nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Transparenz und Akzeptanz der Maßnahmen.

International setzt Singapur Maßstäbe: Mit seinem „Urban Digital Twin“ wird das gesamte Stadtgebiet in Echtzeit abgebildet und simuliert. Für Großevents wie das Formel-1-Rennen werden Besucherflüsse, Verkehr, Wetter und Notfallkapazitäten in einem System integriert. So lassen sich Maßnahmen nicht nur reagieren, sondern auch proaktiv steuern. Die Resultate: weniger Unfälle, höhere Zufriedenheit, effizientere Abläufe.

Doch auch kleine und mittlere Städte profitieren: In Ulm etwa wird bei Stadtfesten ein Mix aus Sensorik, KI-gestützter Analyse und Bürgerbeteiligung getestet. Hier zeigt sich, dass digitales Crowdmanagement nicht nur für Megacitys relevant ist – sondern für jede Kommune, die urbane Lebensqualität, Sicherheit und Innovation miteinander verbinden will.

Herausforderungen: Datenschutz, Ethik und der Wandel der Planungskultur

So überzeugend die Erfolge des digitalen Crowdmanagements auch sind – sie werfen neue Fragen auf. Datenschutz steht dabei ganz oben auf der Liste. Die Erfassung und Analyse von Bewegungsdaten muss höchsten rechtlichen Standards genügen. Anonymisierung und Pseudonymisierung sind Pflicht, ebenso wie transparente Kommunikationsstrategien gegenüber der Öffentlichkeit. Aufklärung ist essenziell, damit das Vertrauen in die Systeme erhalten bleibt.

Aber auch ethische Fragen gewinnen an Bedeutung: Wer entscheidet, welche Daten erfasst und wie sie genutzt werden? Welche Algorithmen kommen zum Einsatz, und wie wird sichergestellt, dass sie keine sozialen Gruppen benachteiligen? Hier braucht es klare Governance-Strukturen und unabhängige Kontrolle, um Machtasymmetrien und Diskriminierung zu vermeiden. Digitale Systeme dürfen nicht zu Black Boxes werden, die jenseits demokratischer Kontrolle operieren.

Nicht zu unterschätzen ist die Herausforderung, digitale Lösungen in die urbane Planungskultur zu integrieren. Stadtplaner, Behörden und Veranstalter müssen lernen, mit neuen Tools zu arbeiten – und Planung als dynamischen, datengetriebenen Prozess zu verstehen. Das erfordert Weiterbildung, Austausch und Offenheit für Innovation. Gleichzeitig darf die Technik nicht zum Selbstzweck verkommen: Im Mittelpunkt stehen immer die Menschen und ihr Erleben von Stadt.

Ein weiteres Risiko liegt in der technologischen Abhängigkeit. Wer kritische Infrastrukturen und Entscheidungsprozesse an externe Softwareanbieter delegiert, muss sich der damit verbundenen Risiken bewusst sein. Offene Standards, Interoperabilität und langfristige Strategien sind notwendig, um Abhängigkeiten und Monopolstellungen zu vermeiden. Die Stadt der Zukunft muss souverän bleiben – auch im digitalen Raum.

Schließlich geht es um Akzeptanz und Teilhabe: Digitale Crowdmanagement-Systeme bieten die Chance, Bürger frühzeitig einzubinden und Mitgestaltung zu ermöglichen. Doch das gelingt nur, wenn Prozesse transparent, nachvollziehbar und partizipativ gestaltet werden. Offenheit ist der Schlüssel, damit aus Technik Vertrauen wird – und aus Innovation echte Lebensqualität.

Zukunftsperspektiven: Adaptive Städte und resiliente Events

Digitales Crowdmanagement steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Mit dem Vormarsch von 5G, Internet of Things und Künstlicher Intelligenz werden die Möglichkeiten noch vielfältiger. In Zukunft könnten Städte nicht nur auf Besucherströme reagieren, sondern sie proaktiv gestalten: durch adaptive Infrastruktur, flexible Verkehrssteuerung und personalisierte Informationsangebote.

Die Integration mit Urban Digital Twins wird zum Gamechanger. Städte, die ihre Infrastruktur, Mobilität und Events in einem digitalen Spiegel abbilden, können Szenarien nicht nur simulieren, sondern in Echtzeit optimieren. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Erlebnisqualität. Die Stadt wird zum lernenden Organismus, der sich kontinuierlich verbessert.

Auch die Rolle der Bürger wird sich wandeln. Mit digitalen Partizipationstools und offenen Datenplattformen können sie sich nicht nur informieren, sondern aktiv an der Gestaltung urbaner Events mitwirken. Das fördert Identifikation, Innovation und soziale Kohäsion – und macht aus dem Besucher einen Mitgestalter.

Die Herausforderungen werden dabei nicht kleiner. Technologischer Fortschritt muss mit sozialer Verantwortung und rechtlicher Klarheit einhergehen. Städte müssen ihre Planungs- und Entscheidungsstrukturen anpassen, Kompetenzen aufbauen und Allianzen mit Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft schmieden. Nur so entsteht eine resiliente, zukunftsfähige Eventkultur.

Wer heute die Weichen stellt, kann Städte zu Vorreitern einer neuen urbanen Intelligenz machen. Digitales Crowdmanagement ist dabei weit mehr als ein Trend – es ist der Schlüssel zu einer Stadt, die nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Und das macht sie zu einer Bühne, auf der Sicherheit, Erlebnis und Innovation Hand in Hand gehen.

Fazit: Digitales Crowdmanagement – das Betriebssystem für die urbane Eventzukunft

Die Steuerung von Menschenmengen bei städtischen Events ist längst keine Frage des Bauchgefühls mehr. Digitales Crowdmanagement verbindet Sensorik, Datenanalyse und urbane Intelligenz zu einem neuen Betriebssystem für die Stadt von morgen. Wer es klug einsetzt, schafft nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Lebensqualität, Teilhabe und Nachhaltigkeit.

Die Technik ist dabei Mittel zum Zweck – im Zentrum steht das Erleben von Stadt als Gemeinschaftsraum. Wer die Herausforderungen von Datenschutz, Ethik und Governance meistert, kann Innovation mit Verantwortung verbinden und urbane Events als Motor für eine lernende, resiliente Stadtgesellschaft nutzen. Die Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Welt zeigen: Die Zukunft ist digital, vernetzt und partizipativ.

Digitales Crowdmanagement wird die Stadtplanung nicht ersetzen, aber sie grundlegend verändern. Es ist das neue Werkzeug für alle, die urbane Räume nicht nur gestalten, sondern verstehen und weiterentwickeln wollen. Wer heute beginnt, den Wandel aktiv mitzugestalten, wird morgen Teil einer zukunftsfähigen, intelligenten und lebenswerten Stadt sein, die Events nicht nur ermöglicht, sondern zelebriert.

Ireland Glenkeen Garden

Glenkeen Garden ist ein 100 000 Quadratmeter großes Areal an der Roaring Water Bay im irischen West Cork. Das Grundstück erwarben 1990 die Wella-Miterbin Ulrike Crespo und ihr Mann Michael Satke. Seitdem sind sie damit beschäftigt, daraus einen ausgedehnter Garten mit abwechslungsreichen Gartenräumen, gliedernden Strukturen und zahlreichen Kunstwerken zu schaffen. Nun hat Michael Satke im Hirmer Verlag ein neun Bände umfassendes Werk über den Garten herausgegeben.

Fünf Fotografen zeigen darin ihren ganz persönlichen Blick auf Glenkeen Garden. Ireland Glenkeen Garden ist allerdings keine Dokumentation des Gartens und auch kein Fachbuch, ja man muss sogar konstatieren, dass die wenigen fachlichen Inhalte, etwa im Pflanzenregister, ziemlich unprofessionell zusammengestellt wurden. Bei aller Liebe zum Garten, Satke hätte gut daran getan, nochmals einen Experten über die Pflanzliste blicken zu lassen.
Man hält sich deshalb lieber an die Bilder, die den Garten in Tag- und Nachtaufnahmen, im Wechsel der Jahreszeiten und mit vielen Details zeigen. Alle Bilder sind matt gedruckt, was die Brillianz zwar einschränkt, jedoch gut zum grafischen Konzept mit teilweise viel Weißraum und üppig großen Buchstaben passt. Das Buch orientiert sich nicht am Massengeschmack, was bei einem Preis von 389 Euro ohnehin nicht der Fall sein kann. Es richtet sich an unbedingte Liebhaber von Glenkeen Garden, an grafisch Interessierte, an Menschen, die viel Wert auf das Besondere legen. Dies beginnt bei der Schmuckbox, dem Querformat, Fadenbindung und Altarfalz und endet bei der limitierten Auflage von 999 Exemplaren. Künstliche Verknappung soll hier Begehrlichkeiten wecken. Das Buch erhielt den Deutschen Gartenbuchpreis 2015 für das beste Gartenportrait.

Michael Satke (Hrsg): Ireland Glenkeen Garden. Fotoarbeiten von Ulrike Crespo, Oliver Jiszda, W. Michael Satke, Kurt-Michael Westermann, Gerald Zugmann. Deutsch | Englisch. 9 Bände in einer Schmuckbox, limitiert auf 999 Exemplare, nummeriert. 546 Seiten, 581 Fotografien überwiegend in Farbe. Broschur. Schmuckbox 38 × 30 × 9 cm. Hirmer Verlag München 2015, 389 Euro