Kopenhagen: Der Regen kann kommen

In Kopenhagen und Umgebung treffen neue Ideen für das Regenwassermanagement mit dem Trend zusammen, das junge Image der Region hervorzuheben. Planungen wie das Musicon Viertel in Roskilde und die Initiative Vandplus in Kopenhagen kombinieren Regenwasserschutz mit städtischem öffentlichen Raum, der auf sportliche Aktivitäten ausgelegt ist.

Roskilde: Skater und Wasserschutz vereint

Starke Regenfälle und Überschwemmungen haben in den vergangenen Jahren die Dänen auf die Probe gestellt und gleichzeitig die Schwachpunkte der existierenden Wasserinfrastruktur offengelegt sowie die Notwendigkeit, das Regenwassermanagement besonders in den Städten zu überdenken. Am 6. September 2014 wurde Kopenhagen von starken Regenfällen heimgesucht, die an kritischen Punkten die städtische Kanalisation lahmlegten. So wurde etwa die Unterführung einer Hauptverkehrsader in die Stadt und weite Teile des Stadteils Østerbro überflutet. Autos schwammen im Wasser. Die Starkregenereignisse der vergangenen Jahre haben in Kopenhagen zu einem Umdenken geführt. Dem Problem soll nicht nur unterirdisch begegnet werden, sondern auch an der Oberfläche.

Bevor wir uns den schwimmenden Autos in Østerbro zuwenden, werfen wir einen Blick auf neue Projekte, die Gedanken zu Regenwassermanagement und öffentlichen Freiflächen vereinen. Ein solches Projekt ist der Skaterpark in Roskilde rund 30 Kilometer westlich von Kopenhagen. Dort entstand auf dem Gelände einer früheren Betonfabrik das neue Viertel Musicon. Es richtet sich an junge Menschen und wird Bildungs- und Kultureinrichtungen beherbergen, ein Rockmuseum (das Roskilde Festival ist eines von Europas größten Open-Air-Musikfestivals), billigen Arbeitsraum für Künstler und neue Wohnquartiere.

Vernunft und Spaß

Es ist ein Versuch, eine städtische Entwicklung zu lenken, die traditionell von unten nach oben stattfindet: Zuerst ziehen Studenten und Künstler in Stadtteile, die früher von der Industrie dominiert waren, und schaffen ein Viertel mit avantgardistischem Flair – in diesem Fall rund um die Musik. Teil des Projekts ist ein großer öffentlicher Park, Rabalder, der mit einer Reihe von Betonbecken den Skatern gute Möglichkeiten bietet, andererseits aber auch große Mengen an Regenwasser aufnehmen kann. Die Idee ist so einfach wie bemerkenswert, denn wie Søren Nordal Enevoldsen, einer der Architekten, erläutert: „Skater fahren nicht bei Regen, und Regenwasserkanäle sind per Definition nicht in Verwendung, wenn es trocken ist … Durch die Kombination dieser beiden Nutzungsmöglichkeiten wird das Projekt weit billger, als wenn man ein konventionelles Drainagesystem und einen konventionellen Skaterpark errichten müsste.”

Der Park aus dem Jahr 2012 wurde zu einem viel beachteten Vorzeigeprojekt. Allerdings drängt sich die Frage auf, ob der Fokus auf die „Jugendkultur” und Skater das Projekt nicht sehr spezifisch macht und zu sehr auf junge Männer ausgerichtet ist. Obwohl Parks und diverse andere Einrichtungen für Skater derzeit in vielen Städten Thema sind, und der Park an sich auch andere Formen der Nutzung zulässt, handelt es sich bei dem 25 Millionen Dänische Kronen (etwa 3,4 Millionen Euro) teuren Projekt um eine große Investition, die nur einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zugute kommt.

Es geht hier um die Idee, eine städtischen Entwicklung auf Basis einer Interpretation von Avantgardismus zu steuern. Oder vielleicht ging es nie darum, avantgardistisch
zu sein, sondern eine urbane Kultur aufzugreifen, die im jungen 21. Jahrhundert zum Mainstream geworden ist. Wer weiß, wie lange junge, hippe Männer skaten wollen. Und trotzdem werden die Becken immer ihre zweite Nutzung erfüllen, nämlich Regenwasser zu sammeln. Das Projekt ist daher ein sehr gutes Beispiel dafür, wie eine Doppelnutzung erfolgreich und pointiert kommuniziert werden kann. Die Zeit wird zeigen, ob es die Erwartung erfüllen und sich einer heterogenen Urbanität unterschiedlichen Nutzungen öffnen kann.

Da der Rabalder Park als technischer und funktionaler Erfolg gesehen wurde, entstand 2013 die Initiative Vandplus. Dazu schlossen sich Regierungsorganisationen und private Gruppen zusammen, um ein Projekt ins Leben zu rufen, das ebenfalls auf eine Doppelnutzung abzielt. Der Ausgangspunkt ist pragmatisch. Da der Begriff „Klimaadaptierung” verwendet wird, werden kritische Stimmen zum Thema Nachhaltigkeit zum Verstummen gebracht. Der Fokus liegt auf der Fusion von Wassermanagement mit urbaner Entwicklung, ein aktiver Lebensstil und Sport sollen im Mittelpunkt stehen. Die Frage lautet: Ist es möglich, die klimatischen Herausforderung als Ausgangspunkt zu nehmen, gleichzeitig für Spaß in den Städten zu sorgen – und noch dazu Geld zu sparen? Vandplus liegt ein Wettbewerb zugrunde, bei dem Teilnehmer zeigen mussten, wie viel es billiger käme, beides zu kombinieren.

Vier Projekte wurden ausgewählt, eines ist Lindevang Park in Frederiksberg. Frederiksberg ist eine eigenständige Kommune in Kopenhagen, die mit Kopenhagen in Bezug auf Wasser kooperieren muss. Lindevang Park ist aus den 1930ern und daher aus einer Zeit, in der die Idee eines guten Lebens und des daraus resultierenden Fokus auf Aktivitäten im Freien die Planer beeinflusst hat. Das Projekt ist in der Nutzung sehr vielfältig. Da es sich in einem existierenden Viertel befindet, das nicht ohne soziale Probleme ist, arbeitet es mit dem Begriff der Aktivität in einem weiteren Sinne als in Roskilde, wenngleich es einen ähnlichen Ansatz hat: Der funktionelle Gedanke wird mit Spaß verbunden.

Viertel mit grünem Anstrich

Die Projekte könnten nicht nur vor dem Hintergrund von sich ändernden klimatischen Bedingungen gesehen werden, sondern es geht auch um Verdichtung – die meist bedeutet, dass Oberflächen versiegelt werden. Überflutungen gibt es nur gelegentlich, daher ist es logisch, dass die unterirdischen Abwasserkanäle die Wassermassen nicht allein abtransportieren können. Diese Projekte entstehen in einer Zeit, in der die dänischen Städte – besonders Kopenhagen – stark wachsen und als lebenswert gelten. Der Diskurs rund um die Projekte ist exemplarisch: städtisches Leben muss Spaß machen, um Wirtschaftswachstum zu bringen, alles „Grüne” wird als progressiv gesehen. Die Frage der Nachhaltigkeit tritt in diesem Fall aber eher in den Hintergrund.

In Østerbro, der Gegend, wo vor einigen Wochen die Autos in einer Unterführung schwammen, wurde ein Viertel Klimakvarter (Klimaviertel) genannt. Dieser Teil der Stadt war besonders von den sintflutartigen Regenfällen betroffen, sodass die Stadt Kopenhagen experimentelle Programme in Betracht zieht, um diese Probleme zu beseitigen. Der äußere Teil von Østerbro, einer Mischung aus alten Industriearealen und Arbeiterquartieren aus dem späten 19. Jahrhundert, wird unabhängig vom „inneren” Østerbro gesehen. Und so kommt es in Kopenhagen sicherlich zur Fortsetzung von der in Roskilde bereits so erfolgreich eingesetzten Strategie: „Spaß-Städte” werden die urbane Gentrifizierung ankurbeln. Gleichzeitig werden Anliegen des Wassermanagements auf einem funktionalen Level mit einem „grünen” Anstrich umgesetzt.

Erschienen in Garten+Landschaft 11/2014 – Wassermanagement.

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Klimabäume für Kleine Gärten: Auswahl, Standort und Pflanzplanung

Eine durchdachte Pflanzung im Freiraum zum Thema Klimabäume für Kleine Gärten
Luftaufnahme eines Dorfes inmitten tropischen Regenwaldes. Foto: jeswinthomas / Unsplash

Klimabäume für kleine Gärten sind kein Kompromiss, sondern eine planerische Disziplin für sich. Wer auf begrenztem Raum einen Baum pflanzt, der Hitze puffert, Schatten spendet, Regenwasser verdunstet und gleichzeitig die räumliche Qualität eines Außenraums definiert, muss Standort, Wuchsform, Wurzelraum und Klimaleistung mit einer Präzision aufeinander abstimmen, die im großen Stadtpark oder im weitläufigen Landschaftsgarten schlicht nicht nötig ist. Dieser Artikel zeigt, wie das gelingt.

  • Was Klimabäume sind und welche Funktionen sie im kleinen Außenraum übernehmen
  • Welche Auswahlkriterien für klimaresistente Bäume auf engem Raum wirklich entscheidend sind
  • Wie Standortanalyse, Bodeneignung und Wurzelraumplanung zusammenhängen
  • Welche Baumarten und Sorten für kleine Gärten und beengte Verhältnisse besonders geeignet sind
  • Wie Wuchsform, Kronenarchitektur und Beschattungseffekt gezielt eingesetzt werden
  • Welche Pflanzplanung und welche Pflanzabstände normativ und fachlich geboten sind
  • Wie Anwachspflege, Bewässerung und Langzeitmanagement die Klimaleistung sichern
  • Welche typischen Fehler bei der Planung und Pflanzung von Klimabäumen in kleinen Gärten entstehen

Was Klimabäume sind: Definition, Funktion und Einordnung

Der Begriff Klimabaum hat sich in der Fachsprache der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung als Sammelbezeichnung für Baumarten und Sorten etabliert, die unter den veränderten thermischen und hydrologischen Bedingungen des Stadtklimas und des sich wandelnden Regionalklimas dauerhaft vital bleiben und dabei messbare ökosystemare Leistungen erbringen. Klimabäume für kleine Gärten sind also nicht einfach robuste Bäume, sondern Gehölze, die Hitze, Trockenheit, Staunässe nach Starkregenereignissen und urbane Stressfaktoren wie Bodenversiegelung, Streusalzeintrag und Wurzelraumkonkurrenz tolerieren, ohne ihre Vitalität und damit ihre ökologische Wirksamkeit einzubüßen.

Die ökosystemaren Leistungen, die Fachleute heute unter dem Begriff Ökosystemdienstleistungen zusammenfassen, sind vielfältig. Ein Baum kühlt seine Umgebung durch Evapotranspiration, also die kombinierte Verdunstung aus Bodenfeuchte und Blattoberfläche. Er beschattet Flächen, Fassaden und Aufenthaltsbereiche und reduziert damit die Aufheizung von Oberflächen erheblich. Er hält Regenwasser zurück, verlangsamt den Abfluss und gibt Wasser zeitverzögert an den Boden und die Atmosphäre ab. Er bietet Lebensraum für Insekten, Vögel und Mikroorganismen und trägt zur Biodiversität auch im kleinen Maßstab bei. All diese Leistungen sind an die Vitalität des Baumes gebunden: Ein gestresster, trockenheitsgeschädigter oder durch Wurzelraumverdichtung geschwächter Baum erbringt sie nur eingeschränkt oder gar nicht.

Im kleinen Garten, also auf Privatgrundstücken mit begrenzter Fläche, in Reihenhausgärten, Innenhöfen, Vorgärten oder kleinen Gemeinschaftsgärten, stellt die Auswahl von Klimabäumen eine besondere planerische Herausforderung dar. Die räumliche Enge erzwingt eine präzise Abstimmung zwischen Wuchsgröße, Kronenform, Wurzelraumtiefe und Standortbedingungen. Gleichzeitig ist gerade hier die Klimawirkung eines einzelnen Baumes relativ zur Gesamtfläche besonders hoch: Ein gut gewählter und vital wachsender Baum kann die thermische Situation eines kleinen Gartens grundlegend verändern.

Standortanalyse: Boden, Licht, Wurzelraum und Mikroklima

Bevor eine Baumart ausgewählt wird, steht die Standortanalyse. Diese ist in kleinen Gärten besonders sorgfältig durchzuführen, weil Fehler kaum korrigierbar sind: Ein zu groß werdender Baum, ein Baum mit flachem Wurzelsystem auf befestigtem Untergrund oder eine Art, die mit dem Bodentyp nicht zurechtkommt, verursacht langfristig Schäden an Bausubstanz, Leitungen und Belägen und muss im schlechtesten Fall gefällt werden. Die Standortanalyse umfasst mindestens vier Dimensionen: Bodenbeschaffenheit, Lichtverhältnisse, verfügbarer Wurzelraum und mikroklimatische Besonderheiten.

Die Bodenbeschaffenheit bestimmt maßgeblich, welche Baumarten dauerhaft vital bleiben. Verdichtete, nährstoffarme oder stark versiegelte Böden, wie sie in städtischen Gärten häufig vorkommen, schränken die Artenwahl erheblich ein. Für solche Standorte kommen vor allem Arten in Frage, die mit Staunässe nach Starkregen ebenso umgehen können wie mit sommerlicher Trockenheit, also Arten mit einer breiten ökologischen Amplitude hinsichtlich Bodenfeuchte und Bodenstruktur. Der pH-Wert des Bodens ist ein weiterer relevanter Parameter: Kalkhaltige, alkalische Böden, die in städtischen Lagen durch Bauschutt und Mörtelreste häufig auftreten, schließen säureliebende Arten wie Magnolien oder Rhododendren als Unterpflanzung aus, können aber für mediterran geprägte Klimabäume wie Gleditschien oder Felsenbirnen durchaus günstig sein.

Der verfügbare Wurzelraum ist in kleinen Gärten oft der kritischste Faktor. Als Faustregel gilt in der Baumpflanzplanung, dass ein Baum pro Zentimeter Stammumfang etwa einen Liter durchwurzelbaren Bodenraum benötigt. Für einen mittelgroßen Baum mit einem Stammumfang von dreißig Zentimetern bedeutet das einen Mindestbedarf von dreißig Kubikmetern durchwurzelbarem Bodenvolumen. In kleinen Gärten mit Belägen, Fundamenten und Leitungen ist dieses Volumen selten ohne planerische Maßnahmen verfügbar. Substratbaumgruben, Wurzelführungssysteme oder Baumscheiben mit speziell aufgebautem Skelettsubstrat können helfen, den effektiven Wurzelraum zu vergrößern, auch wenn der oberflächlich sichtbare Pflanzbereich klein ist.

Das Mikroklima des Standorts beeinflusst die Artenwahl ebenfalls erheblich. Südexponierte, von Mauern begrenzte Gärten können sommers extreme Hitze akkumulieren, bieten aber auch mediterran angepassten Arten günstige Bedingungen. Nordexponierte, schattige Lagen schränken die Wahl auf schattentolerante Arten ein, die gleichzeitig klimaresilient sind. Windexponierte Lagen erfordern Arten mit hoher mechanischer Stabilität und geringer Windwurfgefahr. Diese mikroklimatischen Faktoren sind in der Standortanalyse zu kartieren und in die Artenwahl einzubeziehen.

Klimabäume für kleine Gärten: Welche Arten und Sorten eignen sich?

Die Auswahl klimaresistenter Baumarten für kleine Gärten hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich erweitert. Neben heimischen Arten, die an regionale Bedingungen angepasst sind, stehen heute zahlreiche nicht heimische Arten und züchterisch selektierte Sorten zur Verfügung, die für beengte Verhältnisse und urbanen Stress besonders geeignet sind. Die Diskussion über heimische versus nicht heimische Arten ist dabei fachlich differenziert zu führen: Heimische Arten bieten in der Regel einen höheren Wert für die Biodiversität, insbesondere für spezialisierte Insekten und Vögel. Nicht heimische Arten können jedoch in Bezug auf Trockenheits- und Hitzetoleranz Vorteile bieten, die unter veränderten Klimabedingungen relevant werden.

Für kleine Gärten besonders geeignet sind Arten und Sorten mit säulenförmigem, schmalem oder klar definierbarem Wuchs, die auch ohne regelmäßigen Schnitt ihre Größe im Rahmen halten. Die Felsenbirne (Amelanchier lamarckii und Amelanchier x grandiflora) ist eine der empfehlenswertesten Arten für beengte Verhältnisse: Sie bleibt in der Regel unter acht Metern, verträgt sowohl trockene als auch wechselfeuchte Böden, bietet im Frühjahr reiche Blüte, im Sommer angenehmen lichten Schatten und im Herbst attraktive Laubfärbung. Ihre ökologische Wertigkeit für Insekten und Vögel ist trotz nicht heimischer Herkunft beachtlich.

Der Zierapfel (Malus-Sorten) bietet in kleinen Gärten eine Kombination aus Blütenreichtum, Fruchtschmuck und relativ kompaktem Wuchs. Sorten wie Malus ‚Evereste‘ oder Malus ‚Red Sentinel‘ bleiben in Höhe und Kronenbreite überschaubar, sind robust gegenüber Trockenheit und zeigen eine gute Resistenz gegenüber Schorf und Mehltau. Die Hainbuche (Carpinus betulus) und ihre Sorten, insbesondere die Säulenhainbuche (Carpinus betulus ‚Fastigiata‘), eignen sich für kleine Gärten, die eine klare räumliche Struktur und dichten Sichtschutz benötigen. Die Hainbuche ist heimisch, ökologisch wertvoll und toleriert Schnitt ausgezeichnet, was eine langfristige Größenkontrolle ermöglicht.

Für sehr trockene, sonnige Standorte in kleinen Gärten kommen Arten wie der Lederhülsenbaum (Gleditsia triacanthos) in seinen dornenarmen Sorten, der Blasenbaum (Koelreuteria paniculata) oder die Robinie (Robinia pseudoacacia) in kompakten Sorten in Betracht. Diese Arten sind ausgesprochen trockenheitstolerant und erbringen auch unter Hitzestress gute Klimaleistungen. Allerdings sind bei der Robinie die invasiven Eigenschaften zu berücksichtigen: Sie breitet sich über Wurzelausläufer und Samen aggressiv aus und ist in naturnahen Lagen problematisch. In versiegelungsdominierten Kleingärten ohne Anschluss an naturnahe Flächen ist dieses Risiko geringer, aber nicht zu ignorieren.

Folgende Kriterien sollten bei der Artenwahl für Klimabäume in kleinen Gärten systematisch geprüft werden:

  • Maximale Wuchshöhe und Kronenbreite im Alter (nicht nur im Jungwuchs)
  • Trockenheits- und Hitzetoleranz, belegt durch Erfahrungswerte oder Prüfprogramme wie das Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“
  • Toleranz gegenüber Bodenverdichtung, Staunässe und urbanen Schadstoffen
  • Ökologischer Wert für Insekten, Vögel und andere Tiergruppen
  • Schnittverträglichkeit und Möglichkeit zur langfristigen Größenkontrolle
  • Abstandsanforderungen gegenüber Gebäuden, Leitungen und Grundstücksgrenzen nach Nachbarschaftsrecht
  • Allergenpotenzial des Pollens, relevant für Hausgärten mit empfindlichen Nutzern

Pflanzplanung: Abstände, Pflanzgrube, Substrat und Einbindung

Die Pflanzplanung für Klimabäume in kleinen Gärten folgt fachlichen Standards, die in der Praxis häufig unterschätzt werden. Die FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau) sowie die ZTV-Baumpflege (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen für Baumpflege) geben Mindeststandards für Pflanzgrubengröße, Substratqualität und Anwachspflege vor. Diese Standards sind nicht für Privatgärten verbindlich, aber fachlich unbedingt empfehlenswert, weil sie auf umfangreicher Praxiserfahrung beruhen.

Die Pflanzgrube sollte mindestens das Dreifache des Ballendurchmessers in der Breite und das Eineinhalbfache in der Tiefe aufweisen. Wichtiger als die Grubengröße ist jedoch die Qualität des Bodens im Umfeld der Grube: Eine große Pflanzgrube mit gutem Substrat, umgeben von hartem, verdichtetem Boden, bringt wenig, weil die Wurzeln früher oder später auf das schlechte Umgebungssubstrat treffen und in ihrer Ausdehnung gehemmt werden. In kleinen Gärten mit schlechtem Bodenaufbau ist daher eine großflächige Bodenverbesserung oder der Einsatz von Baumsubstraten nach FLL-Richtlinie sinnvoller als eine punktuelle Pflanzgrube.

Der Pflanzabstand zu Gebäuden, Mauern und Leitungen ist rechtlich und fachlich bindend. Die landesrechtlichen Nachbarschaftsgesetze schreiben Mindestabstände vor, die je nach Bundesland und Baumgröße variieren. Fachlich empfehlen Planer für mittelgroße Bäume einen Mindestabstand von drei bis vier Metern zur Gebäudeaußenwand, um Schäden durch Wurzeldruck an Fundamenten und Leitungen zu vermeiden. Bei Bäumen mit aggressivem Flachwurzelsystem, wie Pappeln oder bestimmten Weidensorten, sind größere Abstände geboten. Für Klimabäume in kleinen Gärten sind Arten mit tiefgehendem oder kompaktem Wurzelsystem daher bevorzugt einzusetzen.

Die Pflanzzeit beeinflusst den Anwachserfolg erheblich. Containerware kann grundsätzlich ganzjährig gepflanzt werden, sofern Frost und extreme Hitze vermieden werden. Ballenpflanzen und wurzelnackte Ware werden traditionell im Herbst oder im zeitigen Frühjahr gepflanzt, wenn die Verdunstungsansprüche der Pflanze gering sind. Für Klimabäume in kleinen Gärten, die oft auf trockenen, schnell aufheizenden Standorten stehen, ist eine Herbstpflanzung häufig vorteilhaft, weil der Baum vor dem ersten Sommer bereits eine gewisse Wurzelverankerung aufbauen kann.

Anwachspflege, Bewässerung und langfristiges Baummanagement

Die Anwachsphase eines Baumes, die je nach Art und Standort zwei bis fünf Jahre dauern kann, ist die kritischste Phase für die spätere Klimaleistung. Ein Baum, der in den ersten Jahren durch Trockenstress geschwächt wird, entwickelt ein eingeschränktes Wurzelsystem und bleibt dauerhaft anfälliger für Hitze, Trockenheit und Schädlingsbefall. Die Bewässerung in der Anwachsphase ist deshalb keine optionale Pflegemaßnahme, sondern eine Investitionsabsicherung.

Für die Bewässerung von Klimabäumen in kleinen Gärten gilt das Prinzip: selten, aber tiefgründig. Häufiges, oberflächliches Gießen fördert ein flaches Wurzelsystem, das den Baum langfristig anfälliger für Trockenstress macht. Tiefgründiges Wässern, also das langsame Einbringen größerer Wassermengen in den Wurzelbereich, fördert die Tiefenwurzelung und damit die Trockenheitstoleranz. Bewässerungssäcke, die langsam über mehrere Stunden Wasser abgeben, haben sich als praktisches Hilfsmittel für die Anwachspflege bewährt. Eine Mulchschicht aus Rindenmulch oder Holzhäcksel von zehn bis fünfzehn Zentimetern Stärke auf der Baumscheibe reduziert die Bodenverdunstung erheblich und hält die Bodentemperatur stabiler.

Nach der Anwachsphase benötigen gut gewählte Klimabäume in kleinen Gärten in der Regel keine regelmäßige Bewässerung mehr, sofern der Standort artgerecht ist. Ausnahmen bilden extreme Trockensommer, in denen auch etablierte Bäume von einer Zusatzbewässerung profitieren. Kronenpflegeschnitte sollten von qualifizierten Baumpflegern nach den Regeln der ZTV-Baumpflege durchgeführt werden. Topping, also das pauschale Kappen von Kronenteilen, ist fachlich abzulehnen: Es schwächt den Baum, fördert Fäulnis und reduziert die Klimaleistung dauerhaft.

Langfristig ist das Baummanagement in kleinen Gärten eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Ein Baum, der seinen Standort dauerhaft überfordert, also Leitungen beschädigt, Fundamente gefährdet oder die Nachbarschaft durch Wurzelausbreitung beeinträchtigt, verliert seinen Wert als Klimaelement. Regelmäßige Kontrollen der Baumvitalität, der Standsicherheit und der Wurzelentwicklung gehören deshalb zum professionellen Umgang mit Klimabäumen, auch im privaten Kleingarten.

Typische Planungsfehler und wie sie sich vermeiden lassen

Der häufigste Fehler bei der Planung von Klimabäumen für kleine Gärten ist die Unterschätzung der Endgröße. Viele Baumarten, die im Handel als „kleinbleibend“ oder „kompakt“ angeboten werden, erreichen im Alter Dimensionen, die für beengte Verhältnisse nicht mehr geeignet sind. Die Angaben in Katalogen beziehen sich oft auf den Wuchs nach zehn Jahren, nicht auf die Endgröße nach dreißig oder fünfzig Jahren. Fachleute empfehlen, grundsätzlich die Angaben zur maximalen Wuchshöhe und Kronenbreite aus botanischen Referenzwerken heranzuziehen und nicht aus Handelskatalogen.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Pflanzung ohne ausreichende Standortanalyse. Bäume, die auf verdichteten, nährstoffarmen oder chemisch belasteten Böden gepflanzt werden, ohne dass der Boden vorbereitet oder verbessert wurde, entwickeln sich schlecht und erbringen keine nennenswerte Klimaleistung. Die Kosten einer Bodenverbesserung vor der Pflanzung sind gering im Vergleich zu den Kosten einer späteren Nachpflanzung nach Baumverlust.

Schließlich wird die Bedeutung der Anwachspflege regelmäßig unterschätzt. Bäume, die nach der Pflanzung sich selbst überlassen werden, ohne Bewässerung, ohne Mulchung und ohne Kontrolle des Anwuchserfolgs, sterben in trockenen Sommern häufig ab oder entwickeln dauerhaft eingeschränkte Vitalität. Die Investition in einen Klimabaum zahlt sich nur aus, wenn die Anwachsphase professionell begleitet wird.

Klimabäume im kleinen Garten als Teil der grünen Infrastruktur

Klimabäume für kleine Gärten sind mehr als eine ästhetische oder individuelle Entscheidung. Sie sind Teil eines stadtweiten Netzwerks grüner Infrastruktur, das in seiner Gesamtheit die Resilienz urbaner Räume gegenüber Hitzeereignissen, Starkregen und Biodiversitätsverlust stärkt. Jeder einzelne Baum in einem Kleingarten, einem Innenhof oder einem Vorgarten trägt zu diesem Netzwerk bei, indem er Verdunstungskühlung erzeugt, Regenwasser zurückhält, Kohlenstoff bindet und Lebensraum bereitstellt.

Die Summe vieler gut geplanter, vital wachsender Klimabäume in kleinen Gärten kann auf Quartiersebene messbare Effekte auf die Oberflächentemperatur und das Lokalklima haben. Kommunale Förderprogramme für Baumpflanzungen auf Privatgrundstücken, wie sie in verschiedenen deutschen Städten existieren, erkennen diesen Zusammenhang an und versuchen, private Eigentümer zur Pflanzung klimaresistenter Bäume zu motivieren. Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ergibt sich daraus die Aufgabe, auch im kleinen Maßstab mit derselben Sorgfalt zu planen wie im öffentlichen Raum, weil die kumulativen Effekte erheblich sind.

Die Auswahl, der Standort und die Pflanzplanung von Klimabäumen für kleine Gärten sind keine Routineaufgabe, sondern eine Fachaufgabe, die Kenntnisse in Baumsortimentskunde, Standortökologie, Bodenphysik und Planungsrecht erfordert. Wer diese Dimensionen konsequent berücksichtigt, schafft nicht nur einen schöneren Garten, sondern einen dauerhaft wirksamen Beitrag zur klimaresilienten Stadt.

Sebastian Scheel, wie bewältigen wir Flächendruck?

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Berlin wuchs von 2011 bis 2016 um rund 245 000 Menschen. Das ­entspricht der Einwohner*innenzahl der Stadt Kiel. Die ehemalige ­Bau­­senatorin Katrin Lompscher reagierte mit dem „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030“ auf das massive Stadtwachstum in der Hauptstadt. 200 000 neue Wohn­einheiten sollten geschaffen werden. Und dann? Dann meldete das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg vergangenen August den ersten Einwohner*innenrückgang in Berlin seit 2003. Eine Trendwende? Nein, sagt Berlins neuer Bausenator Sebastian Scheel. Für die Januarausgabe 2021 hat sich G+L-Chefredakteurin Theresa Ramisch mit ihm über den Umgang mit Flächenkonkurrenz unterhalten – am Beispiel Berlin.

Bausenator Sebastian Scheel im Interview

Sebastian Scheel, im August 2020 meldete das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg den ersten Einwohner*innenrückgang in Berlin seit 2003. Was bedeutet das für Ihre Arbeit und den erst 2019 ­verab­schiedeten Stadtentwicklungsplan?

Berlin ist attraktiv und wird es bleiben, insofern gehe ich davon aus, dass wir hier eine Momentaufnahme sehen und keine Trendwende. Der leichte Rückgang der Einwohnerzahl hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen gelten corona­bedingte Beschränkungen, die einen ­dämpfenden Einfluss auf nationale und internationale Migrationsbewegungen haben. Zum anderen wurde das Berliner Melderegister bereinigt.

Beides zusammen sorgt für eine sinkende Einwohner*innenzahl im ersten Halbjahr 2020. Unmittelbare Auswirkungen auf den „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030“ ergeben sich daraus nicht. Und wir sehen vor allem keinen Anlass, die ­Anstrengungen beim Wohnungsbau zurückzufahren, denn beim gemeinwohlorientierten Wohnungsbau für die Berliner*innen ist der Bedarf weiterhin hoch.

“Unser Ziel ist es, Flächen zu schonen.”

In Stadtteilen wie Mitte, Kreuzberg oder Neukölln konkurriert der steigende Bedarf an Wohn- und Gewerbeflächen mit dem Bedarf an Grün- und Freiflächen, die aber für eine klimaresiliente Stadtentwicklung dringend nötig sind. Hinzu kommt, dass Gründerzeitquartiere wie Friedrichshain, Prenzlauer Berg oder Kreuzberg über nur wenige Parks verfügen, die aber für das Stadtklima dringend notwendig wären. Wie stellen Sie sicher, dass dort – trotz steigender Nachfrage nach Wohnraum – das für das Mikroklima erforderliche Stadtgrün erhalten wird? 

Unser Ziel ist es, Flächen, die bislang nicht bebaut sind und nicht im Siedlungs­zusammenhang liegen, möglichst zu schonen. Für die klimaverträgliche bauliche Entwicklung im Bestand empfehlen wir möglichst viele Fassaden zu begrünen. Gefordert und gefördert wird außerdem, schattenspendende Straßenbäume zu pflanzen sowie die Nutzung von Dächern für Solaranlagen und Grünbepflanzung. Damit soll sowohl Energie gewonnen als auch die Speicherung von Wasser er­möglicht werden.

Mit dem „1000-grüne-Dächer-Programm“ verfügt Berlin über ein gutes Instrument dafür. Vor allem die baulichen Entwick­lungen im Bestand erfordern passgenaue Konzepte, die die individuellen Rahmen­bedingungen berücksichtigen und nutzen. Dabei kommt es auf die Eigentümer*innen genauso an wie auf die öffentliche Hand und die Stadt­gesellschaft, die diese ­Ver­änderung gemeinsam tragen und gestalten müssen.

“Grün- und Freiflächen sind wichtige Orte des Miteinanders.”

Grün- und Freiflächen können ein Schlüssel für die städtebauliche Aufwertung und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts sein. Welche Freiraum-Strategien fahren Sie in Berlins sozial benachteiligten Stadtquartieren wie Reinickendorf, ­Gropiusstadt oder Falkenhagener Feld, Sebastian Scheel??

Quartiere mit besonderem Entwicklungs­bedarf befinden sich in allen Teilen Berlins. Randstädtische Quartiere wie das ­Märkische Viertel in Reinickendorf, das Falkenhagener Feld in Spandau und die Gropiusstadt in Neukölln sind nicht durch Grünunterversorgung gekennzeichnet – im Gegensatz zu den dicht bebauten innenstadtnahen Quartieren. Deshalb sind auch hierbei unterschiedliche Maßnahmen für unterschiedliche Gegebenheiten notwendig.

Es ist uns bewusst, dass Grün- und Freiflächen als Begegnungsorte im Quartier wichtige Orte des Miteinanders sind. Die bauliche Qualifizierung und Aufwertung dieser Orte ist ein wichtiger Bestandteil der Städtebauförderung. 

Meine Verwaltung unterstützt Beteiligungsgremien, wie zum Beispiel Quartiersräte im Quartiersmanagementverfahren, damit Anwohner*innen über Umweltbelange mitentscheiden können. Berlin nutzt auch das 2017 temporär aufgelegte Städte­­bau­förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“, um Grün- und Freiflächen sowie das Wohn­umfeld aufzuwerten. Eine der umfangreichsten Maßnahmen aus dem Programm Zukunft Stadtgrün ist in Berlin die Gropiusstadt mit dem Leitbild „Die Gropiusstadt bewegt! – durchgrünt, nachbarschaftlich, umweltfreundlich sowie sport- und gesundheitsorientiert“. Auch nach Beendigung dieses Förderprogramms werden Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung gefördert.

Im Rahmen der Ressortübergreifenden Gemeinschafsinitiative zur Stärkung sozial benachteiligter Stadtquartiere sollen in
13 Handlungsräumen in Berlin Förde­rungen vieler Senatsverwaltungen gebündelt werden. Dies bietet neue Chancen und eine bessere Abstimmung für die Qualifizierung von Grün- und Freiflächen.

“Unser Ziel ist, Stadtplätze und Grün­anlagen mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen.”

Wie steht es um die Verkehrsflächen? Wäre es nicht auch in Berlin dringend notwendig, Straßen- bzw. Verkehrsfläche wieder in begrünte Plätze umzuwandeln? 

Unser Ziel ist, Stadtplätze und Grün­anlagen mit hoher Aufenthaltsqualität und inklusiver Gestaltung zu schaffen. Mit dem Plätzeprogramm unterstützen wir Berliner Bezirke dabei finanziell. Schwerpunkt ist die Schaffung verkehrsberuhigter Bereiche. So wird derzeit im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Straßenkreuzung ­Horstweg/Wundtstraße zu einer Platzfläche umgestaltet, wodurch der Autoverkehr reduziert werden soll. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der für Verkehr zuständigen Verwaltung.

“Berlin und Brandenburg bemühen sich, den schienengebundenen Nahverkehr zu verbessern.”

Berlin feierte vergangenes Jahr „100 Jahre Groß-Berlin“. Bernd Albers, Vogt Landschaft und Arup gewannen gemeinsam den an das Jubiläum gekoppelten städtebaulichen Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070. Der Wettbewerbs­beitrag schlägt einen dritten Eisenbahnring rund um Berlin vor, durch den neue räumliche Beziehungen nach Brandenburg entstehen. Es ist die Rede von Wohnraum für eine Million Einwohner*innen und einer Hochbahn. Welche Bedeutung hat das Berliner Umland künftig für die Flächen­entwicklung der Hauptstadt? Wird man sich ihm nun wieder mehr zuwenden, nachdem jahrelang eher die innerstädtische Nachverdichtung im Fokus stand?

Berlin hat das Umland nie aus den Augen verloren. Die Siedlungsentwicklung Berlins und der Umlandgemeinden erfolgt auf der Grundlage des sogenannten Siedlungssterns, wie es im Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion festgelegt ist. Seit 1994 tauscht sich Berlin im Kommunalen Nachbarschaftsforum regelmäßig mit allen Nachbargemeinden, Landkreisen und Regionalen Planungsgemeinschaften aus. In dieser Zeit wurden viele gemeinsame Projekte umgesetzt, wie zum Beispiel bei der Radwegeplanung, der Projekt­finanzierung der Regionalparks und bei der Gestaltung der Bahnhofsumfelder.

Schon seit vielen Jahren unterstützt die Berliner Stadtgüter GmbH die Nachbarkommunen und andere Akteur*innen durch die Bereitstellung von Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Seit wenigen Jahren besteht auch Einvernehmen darüber, dass die Berliner Stadtgüter GmbH die Siedlungsentwicklung der Nachbargemeinden unterstützt, zum Beispiel durch Überlassung von Bauland für landeseigene Berliner Wohnungs­­­bau­gesellschaften. Die Ergebnisse all dieser Abstimmungen werden von Berlin und den Nachbarkommunen im Rahmen der Wahrnehmung der Kommunalen ­Planungshoheit umgesetzt.

Berlin steht wie jede andere Gemeinde auch in der Verantwortung, seine ­Aufgaben auf dem eigenen Territorium nachhaltig und gemeinwohlorientiert im Interesse des Ganzen zu bewältigen. Berlin unterstützt mit dem Land ­Brandenburg durch die Gemeinsame Landesplanungsabteilung GL die ­Entwicklung im beiderseitigen Stadt-­Umland-Raum zum Beispiel durch Achsenentwicklungskonzepte und Interkommunale Kooperationsvorhaben zur Gestaltung von Wachstum. Besondere Bedeutung haben dabei auch die An­strengungen beider Länder, den schienengebundenen Nahverkehr zu verbessern.

“Ich freue mich auch über immer mehr Ge­bäude, die in Holzbauweise errichtet werden.”

Werfen wir abschließend noch einen Blick in die Zukunft der Hauptstadt. Ob „Neue Siemensstadt“ oder „Neue Mitte Tempelhof“ – die Stadt Berlin arbeitet aktuell an zahlreichen spannenden Stadtent­wicklungsprojekten …

Von den vielen spannenden großen und kleinen Stadtentwicklungsprojekten in Berlin nur eines hervorzuheben, fällt mir schwer. Beeindruckt mich bei der Ent­wicklung des Dragonerareals im Bezirk ­Friedrichshain-Kreuzberg vor allem das gemeinsame Gestalten mit bürgerschaftlich engagierten Partner*innen, so begeistert mich bei der Entwicklung des Schumacher Quartiers auf dem ehemaligen Flugfeld in Tegel vor allem der geplante kompakte und gleichzeitig grüne Städtebau mit gemeinwohlorientiertem Wohnungsbau über­wiegend durch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften. Ich freue mich auch über immer mehr Ge­bäude, die in Holzbauweise errichtet werden; sei es im Wohnungsbau oder auch im Schul- und Kitabau, wo wir das Baumaterial Holz bereits erfolgreich einsetzen und weiterhin einsetzen werden.

Flächendruck ist nur eine der vielen Herausforderungen, mit denen sich die Planung auseinandersetzen muss. Hier lesen Sie, womit Planer*innen in Zukunft sonst noch fertig werden müssen.

Dieses Interview mit Bausenator Sebastian Scheel erschien in der G+L 01/21 zum Thema Zukunft Planung.