07.05.2021

Projekt

Kreativquartier 2.0 für Münchner Norden

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Die Stadt München plant für den Norden der Stadt eine Generalüberholung. Das Gewerbe- und Industriegebiet am Frankfurter Ring soll schöner werden. Schöner, das heißt: mehr Grün, bessere Verkehrsbedingungen für Fußgänger*innen und Radlfahrer*innen, aber auch mehr Hochhäuser. Das Projekt soll sich das Kreativquartier am Leonrodplatz in München zum Vorbild nehmen – aber bitte ohne Gentrifizierung auskommen.

MVRDVs WERK12 im Münchner Werksviertel-Mitte hat eine ausdrucksstarke Fassade (Foto: Ossip)

Subkultur in der bayerischen Hauptstadt

 

Es ist noch nicht lange her, seit MVRDV mit ihrem „WERK12“ den DAM-Preis 2021 gewonnen haben – im Januar waren die Gewinner*innen bekannt gegeben worden. Das Gebäude mit seiner expressiven Fassade und dem überaus hohen Wiedererkennungswert steht für Flexibilität: So planten MVRDV ein Gebäude, in dem nicht nur ein Kindergarten, sondern auch ein Nachtclub einziehen könnte.

WERK12 steht mitten im Münchner Werksviertel-Mitte – dem ehemaligen Fabrikstandort von Pfanni im Osten der bayerischen Hauptstadt. Das Areal neben dem Ostbahnhof hat in den letzten Jahren mit verschiedensten Projekten von sich reden gemacht. Da wäre zum Beispiel das WERK3, auf dessen Dach sich ein großflächiger Garten für die Almschule des Werkviertels findet. Auf 2 500 Quadratmetern Fläche gibt es genügend Platz für eine Wiese mit Blumen und Wildkräutern, Hochbeeten, einem Bienenstock und einem Ameisenhotel. Das wahre Highlight ist aber der Stall: Auf dem Dach leben Hühner und Schafe. Die Garten+Landschaft berichtete in der G+L 05/18. Durch das Projekt, getragen von der Baywa-Stiftung und der Stiftung Otto Eckart, sollen Kinder und Jugendliche den ressourcenschonenden Umgang mit der Natur erlernen und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeits- und Umweltthemen entwickeln. Gleichzeitig setzt es ein Zeichen für mehr Grünflächen in der Stadt. Es zeigt, wie Städte grüner funktionieren können.

Das WERK12 von MVRDV befindet sich in direkter Nähe zum WERK3 (links) und dem Container Collective (rechts) (Foto: Ossip)

Kreativquartier 1.0 in München

 

Ebenfalls beachtenswert ist das Container Collective – eine sogenannte „Pop-up City“ auf 500 Quadratmetern. Das Kollektiv baut – der Name ist Programm – mit Container, seine eigene Stadt, wie sie ihm gefällt. Darin locken verschiedene Nutzungen, wie Handel, Handwerk, Dienstleistung sowie Gastronomie und Events Münchner*innen aus allen Stadtteilen an. Inmitten der kreativen und erfrischend unperfekten Atmosphäre weht Besucher*innen ein Hauch Subkultur um die Nase, wie er in München nicht an jeder Ecke zu finden ist.

Ähnliche Ambitionen hat das Kreativquartier auf der Fläche der ehemaligen Luitpoldkaserne beim Leonrodplatz in München. Das Areal hat eine Fläche von rund 20 Hektar und liegt in den Bezirken Neuhausen-Nymphenburg und Schwabing-West. Auf dem ehemaligen Gewerbe- und Kasernenareal haben sich Zwischennutzer*innen aus der Kunst- und Kulturszene angesiedelt. Mithilfe einer prozessualen Entwicklungsstrategie gestalten die Nutzer*innen das Quartier wesentlich mit.

Teil des Kreativquartiers am Leonrodplatz in München: Das Eventlokal Import-Export. (Foto: Monacoporter/Wikimedia Commons)

Modellprojekt mit Werkstattcharakter

Im städtebaulichen Ideenwettbewerb zum Kreativquartier überzeugten 2012 das Berliner Architekturbüro Teleinternetcafe mit Treibhaus Landschaftsarchitekten. Sie teilten das Areal in vier Teilquartiere auf: Kreativpark, Kreativplattform, Kreativfeld und Kreativlabor. Diese sind zwar untereinander vernetzt, entwickeln sich aber unabhängig voneinander. Neben kulturellen, kreativwirtschaftlichen, sozialen und gewerblichen Nutzungen entstehen über 800 Wohnungen, eine Schule und öffentliche Freiflächen. (Die G+L berichtete zu dem Kreativquartier hier und hier.)

Die Bemühungen von Stadt und Immobilienentwickler*innen, lebhafte und attraktive urbane Stadtviertel zu kreieren, scheint aufzugehen. So gut sogar, dass man sich in München überlegt, das Rezept auch auf andere Stadtteile anzuwenden: Als nächstes soll der Frankfurter Ring im Münchner Norden eine Generalüberholung erhalten.

Wer sich – beispielsweise auf der Suche nach einem Baumarkt im Euro-Industriepark – schon einmal in den Münchner Norden begeben hat, weiß: Das Areal um den Frankfurter Ring sprüht nicht gerade vor Charme. Lichtblicke sind der Dogmagkpark und der Grünzug in Richtung Petuelpark, aber sonst gibt es vor allem: viel BMW, viele Büros, viel Industrie, wenig Gastronomie. Das blühende Quartierleben findet weiter südlich statt.

Charmante Gegend: Der Frankfurter Ring in Münchens Norden (Foto: Bjs/Wikimedia Commons)

Kreativquartier 2.0 in München: Rahmenplan bis 2023

 

Genau das soll sich jetzt ändern: Für ein fünf Kilometer langes Gewerbeband soll ein Entwicklungskonzept entstehen. Das entschied der Planungsausschuss des Münchner Stadtrats Mitte April 2021. Dafür erarbeitet das Referat für Stadtplanung und Bauordnung einen Rahmenplan. Ziel ist es, den Gewerbestandort zu erhalten, aber ihn auch für die Zukunft zu rüsten. Dafür sind etwa höhere Bürogebäude (bis 80 Meter!) geplant, bessere Verkehrsverbindungen (mit besonderem Augenmerk auf Fuß- und Radverkehr sowie dem ÖPNV) und ein Fokus auf Grünflächen – sowohl auf neuen als auch bestehenden. Wie die Rathaus Umschau berichtet, soll in München eine Planung entstehen, die „vergleichbar mit dem Kreativquartier am Leonrodplatz und seinem ‚Werkstattcharakter‘“ ist. So solle das Gewerbeband zu einem Modellprojekt für ein neues Miteinander von Industrie- und Bürofläche werden.

In der Abendzeitung München ist zu lesen, dass der Bebauungsplan laut SPD-Stadträtin Simone Burger nicht zu Gentrifizierung führen solle. Der Münchner Norden solle als Standort für Handwerker*innen erhalten bleiben. Aber gerade die Nähe zum Handwerk mache das Gebiet eben optimal für die Club- und Kreativszene – schließlich hätten beide mit Lärmbeschwerden zu kämpfen. Die fehlende Absicht hinter einem neuen Bebauungsplan hat Gentrifizierung leider bisher noch nie davon abgehalten, stattzufinden. Während der Münchner Norden – gerade das Gebiet um den Frankfurter Ring – etwas Liebe vertragen könnte, sollte man dennoch nicht außer Acht lassen, dass immer mehr Münchner*innen aus der Stadt in die Agglomeration verdrängt werden.

In einem nächsten Schritt wird sich das Planungsreferat an die Arbeit machen. Stadtbaurätin Elisabeth Merk rechnet damit, dass bis 2022 ein Entwurf für den Rahmenplan vorliege. In etwa zwei Jahren soll er fertig sein.

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