Bürger*innen gestalten Klimaschutzkonzept Dresden

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Mithilfe von Öffentlichkeitsbeteiligung will die Stadt Dresden bis Sommer 2022 den Weg zum neuen Energie- und Klimaschutzkonzept ebnen. Das mittelfristige Ziel: Dresden soll schon vor 2050 klimaneutrale Stadt sein. Kann das funktionieren? Lesen Sie es hier.

„Seit Jahren stellen wir fest, dass wir mit der Umsetzung unserer Ziele hinterher hängen und damit in Dresden weiterhin viel zu viel Treibhausgase ausstoßen“, so konstatiert es Ina Helzig, die Leiterin des Dresdner Klimaschutzstabs. Eigentlich wurde im Februar 2013 mit dem „Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept Dresden 2030“ (IEK) vom Stadtrat beschlossen, die CO2-Äquivalente pro Jahr und Einwohner*in in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr bis 2030 auf 5,8 Tonnen zu reduzieren. Tatsächlich wurde aber schon bei der letzten Bilanzierung von 2016 ein Ausstoß von 9,9 Tonnen statt der damals angestrebten 7,8 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person und Jahr festgestellt.

Klimaschutzkonzept DresdenDas Wetter in Dresden wird extremer

 

Immer öfter, so zeigen es Prognosen, müssen sich die Dresdner Bürger*innen in den kommenden Jahren auf Extreme einstellen. Wenn die Klimaerwärmung so fortschreitet, wie bisher, kommt es sowohl zu extremen Dürreereignisse, als auch zu extremen Starkregenereignisse und Hochwasser der Elbe. Der Frühling 2020 war mit 70 Millimeter Regen, also weniger als der Hälfte der normalen Niederschlagsmenge, Dresdens trockenster Frühling seit 1961. Das gesamte Niederschlagsdefizit, dass sich zwischen November 2017 und Mai 2020 angesammelt hat, beträgt etwa 500 Millimeter (zur Verdeutlichung: das entspricht 500 Litern Regen pro Quadratmeter). Unter anderem führen Trockenperioden in der Region auch dazu, dass die Elbe mitunter fast verschwindet und das Grundwasserniveau absinkt – es lag im Sommer 2020 fast einen Meter tiefer, als durchschnittlich in den Jahren zuvor.

Im Mai 2020 erreichte sie mit einem Wasserstand von 68 Zentimetern den niedrigsten Pegelwert seit 1964. Zwei der Folgen: Die Dresdner Elbufer trocknen tiefgründig aus und verwandeln sich in Steppe. Die Elbschifffahrt muss temporär eingestellt werden. Vor nicht allzu langer Zeit, nämlich in den Jahren 2002 und 2013, trat die Elbe hingegen derart über die Ufer, dass man von Jahrhundertfluten sprechen musste. Im Jahr 2002 erreichte der Pegel einen Wert von viereinhalb Metern und damit den höchsten Wert seit 1845. 2013 waren es knapp vier Meter.

Dresden muss Klimaschutzbemühungen verstärken

 

Dresden ist sich bewusst, dass dringend mehr als bisher getan werden muss, um die selbstgesteckten Emissionsziele zu erreichen und die Stadt lebensfreundlich zu erhalten. So beschloss der Stadtrat im Januar diesen Jahres die städtischen Klimaschutzziele fortzuschreiben. Das Energie- und Klimaschutzkonzept Dresden soll überarbeitet werden und neue Ideen zum Klimaschutz wollen gefunden werden. Bis zum Sommer 2022 soll das neue IEK fertig sein und dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt werden. Die Zielsetzung: Klimaneutralität deutlich vor 2050.

Die Stadt wendet sich an ihre Bürger*innen

Ein Schwerpunkt bei der Ideenfindung wird eine Bürger*innenbeteiligung mit öffentlichem Klimaschutzforum in diesem Sommer sein. Dresdner Bürger*innen, Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung sollen mit ihren Vorschlägen dabei helfen, die Ziele aus dem Klimaschutzkonzept Dresden zu erreichen.

Darüber hinaus wird die Fortschreibung des Dresdner IEKs von einem wissenschaftlichen Beirat und einem Runden Tisch begleitet. Sie sollen ihre Ansichten und Ideen zum Klimaschutz aus verschiedenen Bereichen einbringen. Dazu versammeln sie sich einmal im Quartal.

Die Themenschwerpunkte, die beim IEK untersucht werden sollen sind:

Klimaschutz von jeder und jedem Einzelnen erforderlich

 

Klar ist, dass ein effektiver Klimaschutz nur klappen kann, wenn jede einzelne Person ihren Beitrag dazu leistet. Dieses Bewusstsein kann die Öffentlichkeitsbeteiligung durchaus fördern. Die notwendigen Veränderungen in unseren Gewohnheiten werden vielen von uns aber unbequem vorkommen. Sie berühren unter anderem lang gelebte Mobilitäts- und Ernährungsgewohnheiten. Es ist zu begrüßen, wenn die Verwaltung ihre Bürger*innen nach ihrer Meinung fragt. Letztendlich ist aber entscheidend, wie beherzt die Vorschläge von der Verwaltung dann auch umgesetzt werden.

Dass Klimaschutz jede*n von uns angeht und auch Aufgabe jedes oder jeder Einzelnen ist, macht auch Ina Helzig deutlich: „Bringen Sie sich ein! Der Beitrag jedes Dresdners zählt! Folgendes können Sie schon jetzt tun: öfter mal das Auto stehen lassen und zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein, regionale Produkte bevorzugen, weniger Fleisch essen, insgesamt das Konsumverhalten überdenken und die Heizung etwas herunter drehen – jeder kann sein Verhalten für ein Mehr an Klimaschutz verändern.“

Mehr Informationen zum Klimaschutz in Dresden können Sie hier finden.

Was außerhalb der Stadt Dresden passiert: Der „Bürgerrat Klima“ will auf Bundesebene die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommen retten. Wie ausgewählte Bürger*innen des „Bürgerrat Klima“ erreichen wollen, lesen Sie hier.

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Nidda Ufer: Wettbewerb entschieden

Der Siegervorschlag von Gerko Schröder sieht vor, die Nidda wieder zu den Bürger*innen der Stadt zu bringen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg
Der Siegervorschlag von Gerko Schröder sieht vor, das Nidda Ufer wieder zu den Bürger*innen der Stadt zu bringen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg

Der Wettbewerbssieger für die Neugestaltung des Nidda Ufers in der gleichnamigen hessischen Stadt ist entschieden: Der Entwurf von Gerko Schröder von Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg hat gewonnen. Wie die Nidda wieder zu einem identitätsstiftenden, sichtbaren und zugänglichen Element im Stadtbild werden soll, lesen Sie hier.

Ein sichtbarer, erlebbarer Fluss

Fünf Büros haben am freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb der Stadt Nidda teilgenommen und Vorschlage zur Integration der Gewässerflächen sowie zur Stärkung und Aufwertung des Naherholungsbereichs am Fluss gemacht. Am 27. Juni 2023 fand die Preisverleihung statt, bei der Gerko Schröder, Inhaber von Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg, den ersten Preis für seinen Entwurf erhielt. Die Ergebnisse des Wettbewerbs sollen nun als Grundlage für die weiteren Planungsschritte dienen.

Das Ziel der Stadt Nidda besteht darin, den gleichnamigen Fluss in der Stadt wieder erlebbar zu machen, und zwar am besten schon zur Landesgartenschau. Diese ist für das Jahr 2027 in Oberhessen geplant. Aufgrund begrenzter Haushaltsmittel ist dafür ein abschnittsweises Vorgehen nötig.

Der Siegerentwurf wurde vom Preisgericht für seine gestalterische Umsetzung gelobt, zu der unter anderem eine Landschaftsbrücke mit Pergola, Sitzstufen am Wasser, eine Kneipp-Anlage, ein Café und ein Spielplatz gehören. Dadurch wird die Nidda wieder sichtbar und erlebbar. Club L94 Landschaftsarchitekten GmbH aus Köln und bierbaum aichele Landschaftsarchitekten Part.GmbB aus Mainz erhielten jeweils einen zweiten Preis. Insgesamt betrug das Preisgeld 45 000 Euro.

Visualisierung der Neugestaltung am Nidda-Ufer. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg
Visualisierung der Neugestaltung am Nidda-Ufer. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg

„Nidda an die Nidda“

Im Jahr 2019 erstellte die Stadt Nidda ein neues städtebauliches Entwicklungskonzept mit dem Leitbild „Nidda – Stadt am Fluß, Erschließung der Potenziale“. Darin geht es darum, die Stadt in baulicher, energetischer, funktionaler und gestalterischer Hinsicht an heutige und zukünftige Anforderungen anzupassen. Eine Aufwertung und Neugestaltung der Freiräume soll die Attraktivität der Region steigern und das Gewässer in das städtische Leben integrieren. Das Wettbewerbsgebiet umfasste daher etwa 2,8 Hektar, wobei es im städtebaulichen Teil insbesondere um mögliche Raumkanten ging.

Derzeit ist der Fluss, der die Stadt eigentlich prägt, durch Mauern und private Flächen sowie nicht zugängliche Uferbereiche geprägt. Nach dem Wettbewerb soll die Nidda künftig zwischen der Krötenburgstraße bis zur Höhe der Berufsschule anders aussehen. Unter dem Titel „Nidda an die Nidda“ schlägt Gerko Schröder vor, die Bürger*innen der Stadt ans Wasser zu holen. Dabei teilte er die Bereiche entlang des Flusses in die Abschnitte Park, urbaner Bereich und Landschaft ein.

Sitzstufen am Ufer sollen die Nidda wieder erlebbar machen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg
Sitzstufen am Ufer sollen die Nidda wieder erlebbar machen. Bildquelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg

Abwechslungsreiches Gegenüber der Nidda Ufer

Der Kernbereich vor der historischen Brücke am Eingang zur Altstadt ist heute vorwiegend ein Parkplatz. Sein Potenzial ist im Entwurf von Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg realisiert, etwa mit Sitzstufen am Wasser, einer Landschaftsbrücke mit Pergola und einem Spielplatz. Ein Fitnessbereich für Erwachsene, eine Kneipp-Anlage und ein Café sowie eine neue Mühlterrasse mit Mühlenpanorama sollen den Park attraktiver machen. Dafür ist es nötig, weniger erhaltenswerte Gebäude abzureißen und eine neue städtebauliche Ordnung zu schaffen.

In Niddas Zentrum soll so ein lebendiger, öffentlicher Ort entstehen, der es möglich macht, den Flussbereich am Nidda Ufer in seiner ganzen Vielfalt zu erleben. Auch eine ökologische Aufwertung ist geplant. Zugleich soll Parkraum zurückgebaut werden, um das Verhältnis zwischen Autos und Fußgänger*innen neu zu ordnen. Laut Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg soll die Neugestaltung des Flussufers zudem die deutsche Fachwerk- und die deutsche Alleenstraße mit der hessischen Apfelweinroute verknüpfen. Ebenso soll das abwechslungsreiche Gegenüber der beiden Flussufer durch attraktive Aufenthaltsräume erlebbar gemacht werden.

Apropos: Derzeit findet in Fulda die hessische Landesgartenschau 2023 statt.

Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com
Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com

Mit dem Xiaoxita Forest Park ist in der chinesischen Millionenstadt Yichang ein herausragendes Beispiel für zukunftsweisende Landschaftsarchitektur entstanden. Das vom Planungsbüro HID Landscape Architecture entwickelte Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich ein bestehender Stadtwald durch behutsame Eingriffe ökologisch aufwerten und zugleich als hochwertiger öffentlicher Freiraum neu erschließen lässt. Statt einer umfassenden Neugestaltung stand der respektvolle Umgang mit der vorhandenen Natur im Mittelpunkt – ein Ansatz, der international zunehmend als Vorbild für resiliente Stadtlandschaften gilt.

Stadtwald wird zum nachhaltigen Erholungsraum

Der rund 89 Hektar große Xiaoxita Forest Park liegt im Zentrum des Stadtteils Yiling in Yichang, entlang des Huangbai-Flusses. Über Jahre hinweg litt das Waldgebiet unter unübersichtlichen Wegen, veralteter Infrastruktur und einer zunehmenden Zerschneidung der Landschaft. Ziel der Neugestaltung war es daher, den Wald als wichtige ökologische Grünfläche zu erhalten und gleichzeitig seine Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern.

Das Planungsteam folgte dabei konsequent der Leitidee Touching the Earth Lightly“ – die Landschaft sollte möglichst schonend weiterentwickelt werden, ohne ihre natürlichen Strukturen zu beeinträchtigen.

100 Prozent Baumerhalt als Planungsgrundsatz

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der vollständige Erhalt des vorhandenen Baumbestands. Sämtliche heimischen Bäume blieben während der Bauarbeiten erhalten. Neue Wege und Aufenthaltsbereiche wurden ausschließlich in bereits vorhandene Lichtungen integriert, wodurch umfangreiche Erdarbeiten vermieden werden konnten.

Auch bei den verwendeten Materialien setzte das Büro konsequent auf Nachhaltigkeit. Wasserdurchlässige Beläge aus regional gewonnenem Naturstein sowie begrünte Pflasterflächen ermöglichen die natürliche Versickerung von Regenwasser und unterstützen den lokalen Wasserkreislauf.

Renaturierung statt versiegelter Flächen

Ein wesentlicher Bestandteil der Umgestaltung war die ökologische Wiederherstellung zuvor technisch geprägter Bereiche. In enger Abstimmung mit den beteiligten Akteuren wurden ein stillgelegtes Pumpenhaus sowie kaum genutzte Parkplatzflächen zurückgebaut.

Dadurch konnten mehr als 1.200 Quadratmeter versiegelte Fläche wieder in durchlässige Grünflächen umgewandelt werden. Gleichzeitig entstand ein neuer Lebensraumkorridor für Tiere, während sich die Sichtbeziehungen zwischen Stadt und Wald deutlich verbesserten.

Architektur schont Wurzeln und Lebensräume

Auch die neu geschaffenen Bauwerke folgen dem Prinzip minimaler Eingriffe. Besonders markant ist die Mid-Hill Rest Stop, eine erhöhte Aussichtsplattform, die auf schlanken Punktfundamenten ruht. Dadurch werden Bodenverdichtungen vermieden und die empfindlichen Wurzelbereiche der Bäume dauerhaft geschützt.

Von der Plattform eröffnet sich den Besucherinnen und Besuchern ein weiter Blick über die bewaldete Tallandschaft. Selbst die Beleuchtung übernimmt mehrere Funktionen: Die Leuchten wurden zugleich als Nisthilfen für heimische Vogelarten gestaltet und fördern so die Artenvielfalt im Park.

Regionale Natursteine prägen darüber hinaus Wege, Sitzmauern und weitere Gestaltungselemente und stärken die Identität des Ortes.

Ein Park für Natur, Bildung und Gemeinschaft

Heute präsentiert sich der Xiaoxita Forest Park als vielschichtiger Landschaftsraum mit Uferpromenaden, Waldlichtungen und erhöhten Aussichtspunkten. Über 95 Prozent der Vegetation bestehen aus heimischen Pflanzenarten, wodurch die ökologische Qualität des Stadtwaldes langfristig gesichert wird.

Mit mehr als 2.000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag erfüllt der Park zugleich wichtige soziale Funktionen. Spaziergänge, Freizeitaktivitäten und Naturerlebnisse finden hier ebenso Platz wie Umweltbildung. Informationstafeln wurden dezent in Natursteinmauern integriert und vermitteln Wissen über Flora, Fauna und ökologische Zusammenhänge, ohne das Landschaftsbild zu beeinträchtigen.

Modellprojekt für resiliente Stadtlandschaften

Der Xiaoxita Forest Park verdeutlicht, dass hochwertige Landschaftsarchitektur nicht zwangsläufig durch spektakuläre Neubauten entsteht. Vielmehr zeigt das Projekt, wie sich vorhandene Naturräume durch sensible Planung, minimale Eingriffe und konsequenten Ressourcenschutz nachhaltig weiterentwickeln lassen.

Mit seinem ganzheitlichen Ansatz verbindet der Park Biodiversität, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität auf beispielhafte Weise. Damit liefert HID Landscape Architecture ein überzeugendes Modell für die Zukunft urbaner Grünräume – eine Landschaft, in der menschliche Nutzung und ökologische Prozesse nicht im Widerspruch stehen, sondern sich gegenseitig stärken.