09.05.2021

Projekt

Nürnberg bekommt sein Volksbad wieder

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Der Stadt Nürnberg fehlen Schwimmbäder. Nur gut, dass das Volksbad am Plärrer nach knapp einem Vierteljahrhundert ohne wirkliche Nutzung saniert wieder öffnen soll. Nicht nur Bewohner*innen und Politiker*innen der Stadt Nürnberg freuen sich darauf und kurbeln das Revitalisierungsprojekt an. Auch das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ fördert zum zweiten Mal in Folge das Comeback der Badeanstalt.

Optisch ein Hingucker, über hunderte Jahre alt und seit 1994 als Schwimmhalle ungenutzt: Das Volksbad in Nürnberg, ein Baujuwel der Jugendstil-Epoche. Nach knapp einem Vierteljahrhundert Stille wird es jetzt im Westen von Nürnberg erstmal laut und dann lebendig. Durch Sanierungsmaßnahmen soll das Bad zurück zu seiner Ursprungsnutzung finden. Voraussichtlich noch diesen Winter sollen die Arbeiten im Volksbad am Plärrer, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt Nürnberg, beginnen. 2024 will die Stadt die Türen der Badeanstalt für Gäste und Schulen wieder öffnen.

Schwimmen soll wieder möglich werden im Volksbad in Nürnberg. So könnte die ehemalige erste Männerschwimmhalle, das Schmuckstück der drei Hallen, nach der Sanierung aussehen. (Visualisierung: Stadt Nürnberg)

Revitalisierung Volksbad: Klappe, die Zweite!

Die Kosten der Revitalisierungsmaßnahme belaufen sich auf 55,6 Millionen Euro. Politiker*innen aus Stadt und Land sind sich dabei einig, dass die Geldsumme in die Sanierung der Badeanstalt gut angelegt ist. Die Entscheidung ist gefallen, trotz hoher finanzieller Last und technischer Herausforderungen. Der massive Mangel an Schwimmmöglichkeiten, vor allem für Schulschwimmunterricht, drängt zur Handlung. Zudem ist die Wiederbelebung des Volksbades für den Westen von Nürnberg ein großer Zugewinn. Laut der Stadt Nürnberg gibt es dort noch kein Hallenbad.

Dabei ist der städtische Haushalt seit der Corona-Pandemie stark gebeutelt und Investitionen müssen gut überlegt sein. Bei diesem Bauvorhaben erhält die Stadt Nürnberg finanzielle Unterstützung. Etwa die Hälfte der derzeit geplanten Gesamtkosten der Sanierung werden über Fördergelder gedeckt. Der Freistaat Bayern fördert das Projekt mit 18 Millionen Euro. Das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ setzt sich zum zweiten Mal für die Wiederbelebung des Volksbads ein und vergibt erneut eine Bezuschussung in Höhe von vier Millionen Euro. Die Notwendigkeit mehr öffentliche Hallenbäder in einer wachsenden Großstadt den Anwohner*innen und Besucher*innen anzubieten und die Belebung des architektonischen Baudenkmals ist somit von großem Interesse. Und das nicht nur seitens der lokalen Kräfte.

Von der Schwimmhalle zur Technobühne

Bei seiner Eröffnung 1914 war das Volksbad in Nürnberg eine der größten und modernsten Badeanstalten Deutschlands. Das repräsentative Bauwerk beträgt eine Gesamtfläche von etwa 62 000 Quadratmeter und ist heute ein denkmalgeschütztes Prachtexemplar der Jugendstil-Baukultur. Ausgestattet war das Bad mit drei Schwimmhallen: eine für Frauen und zwei für Männer. Zudem verfügte das Volksbad über eine Dampf- und Schwitzbäderabteilung, 66 Wannenbäder und 14 Brausebäder. Sogar ein Hundebad fand Platz im Gebäude.

Ehemalige erste Männerschwimmhalle
Ehemalige erste Männerschwimmhalle
Ehemalige zweite Männerschwimmhalle
Ehemalige Frauenschwimmhalle
Ehemalige Frauenschwimmhalle
Die Eingangshalle - von hier aus geht es in alle drei Schwimmhallen und ins Obergeschoß.
Tauchbecken und Kneippbecken Anfang des 20. Jahrhunderts
Ruheräume Anfang des 20. Jahrhunderts

Morgens planschen, abends tanzen

Alle Bilder: Stadt Nürnberg

Finanzielle Engpässe, ein Luftangriff im Zweiten Weltkrieg, der Konkurrenzdruck durch neugebaute, moderne Hallenbäder und der Rückgang der Besucher*innenzahlen stellten die Badeanstalt immer wieder vor neue Herausforderungen. Trotz Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten Ende der 80er-Jahre stand 1992 nur noch eine Halle den Schwimmgästen zur Verfügung. 1994 erfolgte die endgültige Schließung. Seitdem fand hier viel Zwischennutzung statt. Das imposante Jugendstilbad war temporär Veranstaltungsort für Kunst, Kultur und Technopartys und auch Kulisse für Fotografien und Videoaufnahmen.

Hier ein Einblick in die leerstehenden Hallen und die Umgebung des Volksbads in Nürnberg.

Es vergingen zwei Jahrzehnte der Diskussionen und Verhandlungen im Stadtrat. Neben Vorschlägen zur Wiedereröffnung als orientalisches Museum, Reha-Klinik, Seniorenwohnanlage oder als Supermarkt hat sich die Ursprungsnutzung durchgesetzt. Nach voraussichtlich einer 30-monatigen-Bauphase öffnet die Jugendstil-Perle am Plärrer seine Türen für Bade- sowie Wellnessgäste, Schwimmklassen und Schulen sowie Vereine.

So könnte das neue Volksbad von außen aussehen.
Die ehemalige zweite Männerschwimmhalle wird zur Schulschwimmhalle nach der Sanierung.
Der integrierte Hubboden funktioniert das Schulschwimmbecken zu einer Veranstaltungshalle um.
Aus der ehemaligen Frauenschwimmhalle wird ein Wellness-Bereich.
Das Kinderbecken

Alle Bilder: Stadt Nürnberg

Das neue, sanierte Volksbad soll ein modernes und multifunktionales Gebäude werden. Neben einer öffentlichen Schwimmhalle für Besucher*innen, ist ein Wellnesbereich, ein Kinderbecken, ein Schulbecken, Gastronomie, ein Gesundheits-Fitness-Studio und eine Physiotherapie-Praxis für die Umsetzung geplant. Die Schulschwimmhalle ist zudem mit einem Spezialeffekt ausgestattet: Ein integrierter Hubboden funktioniert das Schulschwimmbecken zu einer Veranstaltungshalle für Events und Tagungen um.

Das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ fördert insgesamt 24 Projekte dieses Jahr. Lesen Sie hier, wie sich die insgesamt 75 Millionen Euro auf die Projekte und Standorte aufteilen.

Auch das Haus der Statistik in Berlin ist eines der geförderten Projekte. Nach zehn Jahren Leerstand kommt jetzt die Veränderung. Mehr dazu lesen Sie hier.

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