LED-sanierter Tunnel in Mainz

Dunkelheit und archaisch anmutende Wand- und Deckenflächen auf 120 Metern: So erlebten die Mainzer in den vergangenen Jahrzehnten den schon 130 Jahre alten Goethetunnel. Als Verbindung zwischen der Neustadt und dem Stadtteil Hartenberg-­Münchfeld ist er ein wichtiges und stark frequentiertes Einfallstor in die Innenstadt. Nachdem das Geld für eine Generalüberholung fehlte, konzentrierten die Architekten sich auf die Verbesserung von zwei Aspekten: Barrierefreiheit und Beleuchtung.

Auf das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels müssen sich die Mainzer nun nicht mehr verlassen. Für ein Budget von 177.000 Euro gestaltete das Mainzer Architekturbüro Syra_Schoyerer die Tunnelwände mit LED-Elementen, die für eine DIN-gerechte Ausleuchtung sorgen. Das besondere an den Leuchten: Diese sind mit einer sogenannten Radiant-Folie versehen.

Die Folie streut das von den Lampen emittierte Licht und erzeugt je nach Betrachtungswinkel verschiedene Lichtfarben. Beim Passieren des Tunnels changiert das Lichtband demnach in allen Farben des Regenbogenspektrums. Die Oberflächen der Tunnelwände blieben unverändert.

Weitere 60.000 Euro investierte die Stadt Mainz in die Barrierefreiheit des Goethetunnels. Um diese zu erreichen, wurden die Fahrbahnbreiten reduziert, so dass beidseitig Gehwege mit 1,8 Meter Breite entstanden. Auf diesen können sich nun problemlos zwei Rollstühle oder Kinderwägen begegnen. Komplettiert wurde die Barrierefreiheit, indem auf der Westseite des Tunnels, an der Mombacher Straße, die Bordsteine abgesenkt wurden.
Fotos: Stefan Klomfass

 

Revitalisierung Goethetunnel, Mainz

Auftraggeber: Stadtverwaltung Mainz, Amt 51 – Soziale Stadt und Stadtplanungsamt
Architekten: Syra_Schoyerer Architekten, Mainz
Lichtinstallation: Klostermann GmbH, Gelsenkirchen
Länge: 120 Meter
Fertigstellung: 2012
Kosten: 237.000 Euro

Das könnte Sie auch interessieren
Illustration eines Gehirns mit neuronalen Strukturen – Symbol für künstliche Intelligenz und das Training neuronaler Netze.
Was ist eine Trainings- und Validierungsstrategie bei KI?
Südkoreanische Pflanzenbibliothek
Das Projekt "Neue Ufer Überlingen" von relais Landschaftsarchitekten wurde 2021 im Rahmen der Landesgartenschau Überlingen realisiert. Bildquelle: ©Hanns Joosten
Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2023 vergeben
luftbildaufnahme-plaza-mit-baumen-und-gebauden-_NpSkRaTy0A
Stadt der kurzen Wege – aber wie plant man das richtig?
Durch verschiedene Projekte und Maßnahmen hat sich Dresden einen Namen gemacht als Stadt, die der Hitze mutig entgegensteht. Credit: Michael Treu via pixabay
Dresden: smart gekühlt
Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Hoai Grundlagenermittlung
Hoai Grundlagenermittlung: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt
Bow-Wow in München
Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com
Xiaoxita Forest Park
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Smart Contracts für Bauaufsicht und Genehmigung
welcher von großen Bäumen und Hecken umrandet ist
Inklusions-Spielplatz in Regensburg eröffnet

Aktuelles aus der Planung: Dezember 2022

Sieben Personen springen gleichzeitig in nebeneinander liegende Schwimmbahnen eines Pools. Es sind nur noch die Beine zu sehen. Foto: Serena Repice Lentini via Unsplash
Foto: Serena Repice Lentini via Unsplash

Fehlt Ihnen manchmal der Überblick? Das passiert uns auch. Deswegen finden Sie hier News, Diskussionen sowie Projekte aus der Planung gut sortiert. Der Dezember 2022 im Rückblick.

In der G+L haben wir uns im Dezember angeschaut, was Stadtplätze heute können müssen. Einen Einblick ins Heft gibt Theresa Ramisch im Editorial.

Preise und Wettbewerbe

2023 vergibt die Initiative New European Bauhaus zum dritten Mal Preise an nachhaltige und inklusive Projekte sowie Konzepte. Noch bis zum 31. Januar 2023 können online Bewerbungen eingereicht werden. Mehr zu der Auslobung und den vorherigen Gewinnerprojekten hier: New European Bauhaus

Zum 4. Dezember 2022 hat die Stadt Kiel eine ihrer aktuell wichtigsten stadtgestalterischen Fragen mit einem Wettbewerb entschieden: die Neugestaltung ihrer bekannten Kiellinie. Welche Planungsgemeinschaft den Zuspruch erhalten hat und was der Entwurf vorsieht, lesen Sie hier: Kiellinie

Im Oktober 2022 erhielt die Stadt Wuppertal die mündliche Zusage für die BUGA 2031. Daraufhin begannen die Beteiligten mit den Vorbereitungen, und ein Schwerpunkt kristallisiert sich heraus – die Mobilitätswende. Mehr zur BUGA 2031 in Wuppertal hier.

Die IGA Metropole Ruhr 2027 ist die erste dezentrale Internationale Gartenausstellung. Deren Leuchtturmprojekt ist das Kohlenbunkerensemble im Nordsternpark von Gelsenkirchen. Es soll zu einem symbolischen Ort für Transformation entwickelt werden. Mehr zu den Entwürfen und der IGA 2027 lesen Sie hier.

Neues aus der Planung

Nach der Schließung der historischen Osram-Glasfabrik im Berliner Bezirk Spandau planen David Chipperfield Architects hier ein neues Stadtquartier. Das Luxwerk ist Teil der Siemensstadt und zeigt die Suche nach einer zeitgemäßen Industriearchitektur. Lesen Sie mehr über den Masterplan für das Luxwerk.

Unism und Arup haben in Polen eine unterirdische Fabrik für das Lebensmittelverpackungsunternehmen EcoPet entworfen. Die EcoPet Flagship Fabrik soll als Musterbeispiel für groß angelegte Entwicklungen in ländlichen Gebieten dienen. Was geplant ist, gibt es hier zu lesen: EcoPet Flagship Fabrik

Das sechsspurige Adlergestell wird um eine Spur erweitert – mit einer neuen Brücke für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Diese soll die längste Straße Berlins auf Höhe der Sonnenallee überqueren. Erfahren Sie mehr über die Plänen für die Adlergestell-Brücke.

Was die Gesellschaft bewegt

Die Stadt München führt ab Februar 2023 ein weitreichendes Diesel-Fahrverbot ein, dass die Nutzung sehr vieler, auch moderner, Diesel-Fahrzeuge kaum noch gestattet. Auch der Mittlere Ring ist betroffen. Wie es dazu kam, lesen Sie in unserem Beitrag zum Diesel-Fahrverbot.

Seit Jahrzehnten diskutiert die Stadt Zürich über die Nutzung des Globus-Provisoriums beim Hauptbahnhof. Das Dialogverfahren „Forum Papierwerd“ thematisierte nicht nur den ursprünglich temporär gedachten Bau, sondern umfassend die künftige Nutzung des Papierwerd-Areals. Die zentralen Aussagen finden Sie hier.

Bei der COP15 in Montreal ging es um Biodiversität. Das Ziel der UN-Konferenz war, ein neues Regelwerk zum verbesserten Schutz der Biodiversität weltweit zu entwickeln. Hier können Sie noch einmal nachlesen, welche Erwartungen an die COP15 gestellt wurden: COP15

Wie an vielen Orten ging auch Grünheide Anfang des Jahres das Wasser aus. Ein Problem, das Elon Musk für seine entstehende Tesla Gigafactory kennt – und verschärfen könnte. Der Elektroautobauer Tesla will jetzt nach Wasser in Brandenburg pumpen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Teslas Wassersuche in Brandenburg.

Der Chemiekonzern BASF will seinen Strombedarf stärker aus erneuerbaren Energien decken. Dazu muss jedoch das Stromnetz im eigenen Werk in Schwarzheide modernisiert und erweitert werden – für mehr als 100 Millionen Euro. Wie BASF sich das vorstellt und mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier: BASF Schwarzheide

Zum Lesen

Das Buch „Transformation und Mischung: Städtebau im Wandel“ präsentiert die Ideen und Konzepte von RHA REICHER HAASE ASSOZIIERTE zur Gestaltung des Strukturwandels auf verschiedenen Ebenen. Worum es geht, erfahren Sie in unserer Buchrezension.

Laut einer Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung Gütersloh studierten im Wintersemester 2021/22 erstmals mehr Frauen als Männer an deutschen Universitäten. In der Architektur sieht die Entwicklung nicht anders aus. Dort schließen bereits seit 2006 mehr weibliche als männliche Absolvent*innen das Studium ab. Trotzdem sind sie anschließend in Büros und an Hochschulen unterrepräsentiert. Die vielen Facetten der systemischen Benachteiligung, die in der Branche Gang und Gebe seien, zeigt Karin Hartmanns Buch „Schwarzer Rolli, Hornbrille“ auf.

Und wenn Ihnen einmal der Lesestoff ausgeht: Hier haben wir alle Bücher, zu denen bei G+L Rezensionen erschienen sind, für Sie zusammengestellt: Bücher

Zum Schauen und Besuchen

Ein internationales dreijähriges Projekt untersuchte die Auswirkungen neuer Rauschmittel auf den städtischen öffentlichen Raum in Europa zwischen 1600 und 1850. Die Online-Ausstellung „Intoxicating Spaces“ konzentriert sich auf Amsterdam, Hamburg, London und Stockholm. Was genau die Ausstellung zeigt, erfahren Sie hier: Intoxicating Spaces.

Die Ausstellung KLIMA_X beschäftigt sich damit, wie Menschen mit Klimafakten umgehen und wie die Klimakommunikation in den letzten fünf Jahren aussah. Bis 27. August 2023 ist KLIMA_X im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main zu sehen. Was Sie dort erwartet, lesen Sie hier.

In der Reihe “the Secret History of the British Garden” führt der britische Fernsehmoderator und Garten-Enthusiast Monty Don durch die Geschichte der britischen Gärten und der Gartenkunst vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Dabei besichtigt er die wichtigsten Gärten und schaut hinter ihre Kulissen, spricht mit Gärtnern und Historikern und bekommt Einblick in Jahrhunderte alte Pläne und Aufzeichnungen.

Im 18. Jahrhundert erfährt die Gartengestaltung eine radikale Wandlung, die exakten Planungen weichen den scheinbar natürlichen, scheinbar endlosen Landschaften. Die Folge stellt auch Arbeitsweisen und -anleitungen des berühmten Gartenkünstlers Capability Brown vor, die der Moderator am eigenen Leib testet.

Monty Don ist in Großbritannien als Fernsehmoderator besonders für Dokumentationen und Serien über Garten und Gartenkultur bekannt, darunter für die Produktion “Around the World in 80 Gardens”.

Teil 1: Das 17. Jahrhundert
Teil 3: Das 19. Jahrhundert