Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf entwarfen ein kommunikatives und nachhaltiges Quartier für das von Flächendruck geplagte Freising.
Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf entwarfen ein kommunikatives und nachhaltiges Quartier für das von Flächendruck geplagte Freising.

Im bayerischen Freising herrscht Flächendruck. Die Anzahl vorhandener Bauflächen ist überschaubar, der Wohnungsmarkt ist ausgeschöpft. Das stellt die Stadt, die als eine von acht Musterkommunen für das Pilotprojekt „Klimagerechter Städtebau“ ausgewählt wurde, vor Herausforderungen. Wo, mit welcher Dichte und unter welchen klimarelevanten Aspekten sollen neue Stadtquartiere entstehen? Für die Studierenden der Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wurde die erste Frage beantwortet – die anderen Lösungen mussten sie selbst finden. Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl stellen ihren Entwurf für ein klimagerechte Quartier im Lerchenfeld, Freising, vor.

Lerchenfeld, Freising: Projektgebiet und Analyse

Es ist das vierte Semester des Studiengangs Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan. Im Rahmen des Kurses „Planen und Entwerfen“ hat es sich die Projektgruppe, bestehend aus vier Studierenden (Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli, Laura Michanickl), zur Projektaufgabe gemacht, den freien Bereich Stadtteil Lerchenfeld in Freising, in unmittelbarer Nähe zum neuen Freibad „fresch“ sowie dem nicht weit entfernten Lerchenfelder Zentrum, in einen kommunikativen Wohnkomplex zu verwandeln. Wichtiger Eckpfeiler ist dabei die Berücksichtigung des klimagerechten Städtebaus. Ebenfalls von immenser Bedeutung für dieses Projekt sind Nachhaltigkeit und die modernen städtebaulichen Prinzipien.

Ein zeitgemäßer Wohnkomplex beinhaltet eine differenzierte Zielgruppe. Für ein gemeinschaftliches Zusammenleben empfindet es die Projektgruppe als essenziell, dass auch sogenannte „Kombinationsmöglichkeiten“ wie zum Beispiel Lebensmittelläden und gemeinschaftliche Einrichtungen in den Wohnkomplex integriert sind. Genauso wichtig ist der Projektgruppe auch ein bewusster Umgang mit der Zonierung der Öffentlichkeit sowie der Funktionalität bis hin zur Multifunktionalität. Bei der Erschließung der Räume zwischen den Häusern sollte auf ein Zusammenspiel mit dem kommunikativen Wohnkonzept geachtet werden.

Das Projektgebiet befindet sich in der Stadt Freising in Bayern und hat eine Fläche von rund 18 500 Quadratmetern. Zu den Anwohner*innen gehören Familien, Ehepaare und Rentner*innen. Südlich des Planungsgrundstücks sieht man die räumlich nächste Kirchturmspitze der katholischen Kirche St. Lantpert. Nach Nord-Westen hat man einen außergewöhnlichen Blick auf die Domtürme von St. Maria und St. Korbinian und das Freisinger Erlebnis Schwimmbad gleich um die Ecke. Zwar gibt es nur wenige kleine Grün- oder Parkflächen in der näheren Umgebung, dafür aber größere Freianlagen in guter Fahrraddistanz.

Der erste Schritt vor der Planungsphase ist die Analyse des Gebietes. Dies geschieht in verschiedenen Gruppen nach bestimmten Themen. Ziel dieser Analyse ist es, sich mit dem Gebiet vertraut zu machen, um vor der Planung wichtige Grundlagen zu sammeln.

Städtebauliches Konzept für Lerchenfeld, Freising

Um den städtebaulichen Prinzipen zu entsprechen, hat die Projektgruppe den modernen Wohnkomplex aus einer seitlichen Parallelen des Angerbachs entwickelt. Entstanden sind dabei zwölf Gebäude, die sich in ihren Nutzungen, Höhen sowie Formen unterscheiden. Die unterschiedlichen Gebäudeformen ergeben eine abwechslungsreiche und moderne Struktur des Wohngebietes. Durch die sorgfältige Analyse der Umgebung ergeben sich verschiedene Gebäudehöhen, durch die sich das Projekt wie eine Hügelkette in das Gebiet einpasst.

Zur wohnlichen Nutzung bestehen acht Gebäude, die zum Teil auch wirtschaftlich genutzt werden können, etwa für einen Unverpackt- oder Fahrradladen. Die Dächer sind alle multifunktional geplant, beispielsweise als Dachgarten, Ruhezone oder zur grünen Energiegewinnung.

Lerchenfeld, Freising: Projektgebiet und Analyse

 

Es ist das vierte Semester des Studiengangs Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan. Im Rahmen des Kurses „Planen und Entwerfen“ hat es sich die Projektgruppe, bestehend aus vier Studierenden (Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli, Laura Michanickl), zur Projektaufgabe gemacht, den freien Bereich Stadtteil Lerchenfeld in Freising, in unmittelbarer Nähe zum neuen Freibad „fresch“ sowie dem nicht weit entfernten Lerchenfelder Zentrum, in einen kommunikativen Wohnkomplex zu verwandeln. Wichtiger Eckpfeiler ist dabei die Berücksichtigung des klimagerechten Städtebaus. Ebenfalls von immenser Bedeutung für dieses Projekt sind Nachhaltigkeit und die modernen städtebaulichen Prinzipien.

Ein zeitgemäßer Wohnkomplex beinhaltet eine differenzierte Zielgruppe. Für ein gemeinschaftliches Zusammenleben empfindet es die Projektgruppe als essenziell, dass auch sogenannte „Kombinationsmöglichkeiten“ wie zum Beispiel Lebensmittelläden und gemeinschaftliche Einrichtungen in den Wohnkomplex integriert sind. Genauso wichtig ist der Projektgruppe auch ein bewusster Umgang mit der Zonierung der Öffentlichkeit sowie der Funktionalität bis hin zur Multifunktionalität. Bei der Erschließung der Räume zwischen den Häusern sollte auf ein Zusammenspiel mit dem kommunikativen Wohnkonzept geachtet werden.

Das Projektgebiet befindet sich in der Stadt Freising in Bayern und hat eine Fläche von rund 18 500 Quadratmetern. Zu den Anwohner*innen gehören Familien, Ehepaare und Rentner*innen. Südlich des Planungsgrundstücks sieht man die räumlich nächste Kirchturmspitze der katholischen Kirche St. Lantpert. Nach Nord-Westen hat man einen außergewöhnlichen Blick auf die Domtürme von St. Maria und St. Korbinian und das Freisinger Erlebnis Schwimmbad gleich um die Ecke. Zwar gibt es nur wenige kleine Grün- oder Parkflächen in der näheren Umgebung, dafür aber größere Freianlagen in guter Fahrraddistanz.

Der erste Schritt vor der Planungsphase ist die Analyse des Gebietes. Dies geschieht in verschiedenen Gruppen nach bestimmten Themen. Ziel dieser Analyse ist es, sich mit dem Gebiet vertraut zu machen, um vor der Planung wichtige Grundlagen zu sammeln.

Städtebauliches Konzept für Lerchenfeld, Freising

Um den städtebaulichen Prinzipen zu entsprechen, hat die Projektgruppe den modernen Wohnkomplex aus einer seitlichen Parallelen des Angerbachs entwickelt. Entstanden sind dabei zwölf Gebäude, die sich in ihren Nutzungen, Höhen sowie Formen unterscheiden. Die unterschiedlichen Gebäudeformen ergeben eine abwechslungsreiche und moderne Struktur des Wohngebietes. Durch die sorgfältige Analyse der Umgebung ergeben sich verschiedene Gebäudehöhen, durch die sich das Projekt wie eine Hügelkette in das Gebiet einpasst.

Zur wohnlichen Nutzung bestehen acht Gebäude, die zum Teil auch wirtschaftlich genutzt werden können, etwa für einen Unverpackt- oder Fahrradladen. Die Dächer sind alle multifunktional geplant, beispielsweise als Dachgarten, Ruhezone oder zur grünen Energiegewinnung.

Wohnungsangebot, Erschließung und ruhender Verkehr

Eine Kita, ein Café, eine Bar und eine Mosterei unterstützen den Quartier-Charakter. Das Café mit der Rooftop-Bar ist das nördliche Eingangstor zum Wohnviertel. Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick in das Quartier, auf den Anger und auf die grünen Freiräume. Der östliche Eingang ist von einer Streuobstwiese geprägt, deren Früchte die quartiereigene Mosterei zu schmackhaftem Saft oder Kompott verarbeitet.

In den acht Wohngebäuden entstehen unterschiedliche Wohnungen auf zwei bis vier Stockwerken, die auf die Zielgruppen angepasst sind. Dabei wurde beachtet, dass alle Wohnungen barrierefrei mit einem Lift erreichbar sind. Es entstehen dabei 74 Wohnungen mit Flächen zwischen 60 und 140 Quadratmetern. Maximal 282 Bewohner*innen finden im Quartier Platz.

Das gesamte Gebiet ist autofrei, wobei Zubringer*innen und Rettungsdiensten die Durchfahrt ermöglicht wird. Die Gebäude und Freiräume sind über ein einfach erreichbares Wegenetz fußläufig erschlossen. Das neu geplante Wegenetz verbindet die beiden Ost- und Nordseiten Lerchenfelds stärker miteinander. Im Norden entsteht ein Autohotel mit 20 Stellplätzen für die Anwohner*innen und 200 Quadratmetern Stellfläche für Fahrräder, Behinderten- und Car-Sharing-Parkplätzen. Auch im Osten kann ein Parkfeld realisiert werden, das 17 weitere Stellplätze bietet. Somit gibt es im Quartier einen halben Stellplatz pro Wohnung. Dazu kommen zwischen den einzelnen Wohngebäuden kleine, einstöckige Schuppen, die als Stellflächen für Fahrräder, Gartengeräte oder Mülltonnen dienen.

Freiraum und Ökologie, Nachhaltigkeit

Der Anger zwischen den Gebäuden ist mit Bäumen gesäumt. Die Retentionsflächen fungieren zugleich als Liegewiesen. Entlang der öffentlichen Wege laden zahlreiche Angebote zu Spiel und Erholung ein. Der Angerbach ist für alle zugänglich und bietet beispielsweise einen Wasserspielplatz für Kinder. Jedes Wohngebäude besitzt seinen eigenen Gemeinschaftsgarten sowie jeweils einen Dachgarten. Somit besteht unter anderem genügend Rückzugsraum für alle Bewohner*innen. Die neuen Gebäude sind nach höchstem ökologischem Standard geplant. Dies beinhaltet sowohl den Einsatz nachhaltiger Baustoffe wie auch ein Energiekonzept.

Streuobstwiese in Lerchenfeld, Freising, stärkt Artenvielfalt und kontrastiert City

Denn einer der wichtigsten Aspekte bei der Planung des Projekts ist die Nachhaltigkeit. Schon während des Planungsprozesses hat die Projektgruppe immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, nachhaltige Elemente einfließen zu lassen, ohne von dem ursprünglichen Konzept abzuweichen. Die Gebäude sind so platziert, dass sie eine Durchlüftung des Angers begünstigen. Damit ist gewährleistet, dass die Luft in Nord-Süd und Ost-West Richtung ohne große Widerstände hindurchwehen kann.

Die Gebäudematerialien bestehen aus nachhaltigen Ressourcen. Die Grundlage aller Gebäude ist eine Holzständerbauweise mit Hanf-Kalk-Ziegeln. Dadurch erübrigt sich eine zusätzliche thermische und akustische Isolierung. Ein positiver Effekt dieser Ziegel besteht darin, dass sie sich, ähnlich wie Lehm, positiv auf die Luftreinheit und Feuchtigkeit auswirken. Zusätzlich fällt bei dieser Bauweise besonders wenig nicht recyclebarer Abfall an.

Alle nicht direkt vom Menschen genutzten Flächen stellen wichtige Faktoren im Klimaschutz dar. Die nicht intensiv oder extensiv genutzten Flächen auf den Dächern der Hauptgebäude und der Schuppen sind als Photovoltaikstandorte gestaltet. An den Außenwänden, die zum Garten ausgerichtet sind, hilft Fassadenbegrünung das Gebäudeklima mit natürlichen Mitteln zu regulieren und die Umgebungstemperatur zu senken.

Durch das sehr präsente Wasser-Management wird aufgezeigt wie fließendes, eingestautes und versickerndes Wasser Teil einer Stadtnatur, die nah an natürlichen Systemen gebaut wurde, sein kann. Die Grünflächen des Angers dienen als Retentionsflächen und damit der Hitze- sowie Versickerungsregulation. Sie können das Wasser lokal aufnehmen und speichern, wodurch das neue Wohngebiet als Element der Schwammstadt fungiert und besser an den Klimawandel angepasst ist.

Eine Streuobstwiese am westlichen Ausgang des Angers stärkt die Artenvielfalt, lässt einen zusätzlichen Kohlenstoffspeicher entstehen und stellt einen angenehmen Kontrast zur Stadt her.

Für uns Studierende war das Projekt eine großartige Gelegenheit, nachhaltige, gemeinschaftliche und moderne Elemente zu vereinen. Wir lernten dabei viel neues über Städtebau, Nachhaltiges Bauen und die Verbindung zwischen Architektur und Landschaftsarchitektur.

Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl studieren an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Landschaftsarchitektur. In ihrem vierten Semester, dem Sommersemester 2021, besuchten sie den Kurs „Planen und Entwerfen“ unter der Leitung von Prof. Sonja Hörster und Prof. Christoph Jensen. Dabei entstand der Entwurf „Wohnen am Anger(bach)“ unter dem Aspekt „Kommunikatives Wohnen“.

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Cortenstahl Rost Beschleunigen: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Cortenstahl Rost Beschleunigen
Verrostete Metalloberfläche mit starker Korrosionsbildung – ein Zeichen des Verfalls im urbanen Raum. Foto: citylop/Unsplash

Cortenstahl gehört zu den wenigen Materialien im Außenraum, die ihren endgültigen Zustand erst durch Witterung erreichen. Die charakteristische rotbraune Oxidschicht, die sogenannte Patina, ist kein Mangel, sondern das Ziel: Sie bildet eine dichte, selbstschützende Deckschicht, die das darunter liegende Metall vor weiterer Korrosion bewahrt. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, greift in diesen natürlichen Prozess ein, um planbare Ergebnisse zu erzielen, Ausblutungen auf angrenzende Materialien zu minimieren und die Schutzwirkung der Patina früher zu aktivieren. Das setzt fundiertes Wissen über Metallurgie, Detailplanung und Anwendungstechnik voraus.

  • Was Cortenstahl metallurgisch auszeichnet und wie die Patina entsteht
  • Warum das gezielte Beschleunigen der Rostbildung planerisch und technisch sinnvoll ist
  • Welche chemischen und mechanischen Methoden zur Beschleunigung eingesetzt werden
  • Welche Detailpunkte im Entwurf über Erfolg oder Misserfolg der Patinabildung entscheiden
  • Wie Ausblutungen auf Beton, Naturstein und Pflaster vermieden werden
  • Welche Normen, Gütebezeichnungen und Produktnormen für Cortenstahl relevant sind
  • Wie die Pflege und Kontrolle der Patina im laufenden Betrieb aussieht
  • Wo Cortenstahl im Außenraum nicht verwendet werden sollte und warum

Was Cortenstahl ist: Werkstoff, Norm und Metallurgie

Cortenstahl ist kein Markenname mehr, sondern ein eingebürgerter Gattungsbegriff für wetterfeste Baustähle, die durch gezielte Legierungszusätze eine schützende Oxidschicht ausbilden. Die normative Bezeichnung lautet wetterfester Baustahl; die europäische Produktnorm EN 10025-5 regelt die Gütegruppen S235J0W, S355J0W und S355J2W sowie weitere Varianten. Der Zusatz „W“ steht für „weathering“, also Bewitterung. Im Sprachgebrauch der Landschaftsarchitektur und des Ingenieurbaus hat sich „Cortenstahl“ als Kurzform etabliert, auch wenn der ursprüngliche Handelsname „COR-TEN“ der US Steel Corporation entstammt.

Die schützende Wirkung beruht auf Legierungselementen wie Kupfer, Chrom, Nickel und Phosphor, die in kleinen Anteilen dem Stahl beigemischt werden. Diese Elemente fördern die Bildung einer amorphen, dichten Oxidschicht, die sich von gewöhnlichem Rost grundlegend unterscheidet. Normaler Rost auf unlegiertem Stahl ist porös, wasseraufnahmefähig und treibt die Korrosion kontinuierlich voran. Die Patina des wetterfesten Stahls hingegen ist kompakt, haftet fest am Grundmaterial und wirkt als Diffusionsbarriere gegen Sauerstoff und Wasser. Dieser Unterschied ist der Kern der Materialphilosophie.

Die Patinabildung setzt voraus, dass das Material regelmäßig dem Wechsel von Befeuchtung und Austrocknung ausgesetzt wird. Dauerhaft nasse oder dauerhaft trockene Bedingungen verhindern die Ausbildung der stabilen Schutzschicht. In sehr feuchten, schlecht belüfteten Einbausituationen, etwa in Bodenkontakt ohne Drainage oder in dauerhaft beschatteten Mulden, kann sich die Patina nicht vollständig schließen, und der Stahl korrodiert weiter als erwartet. Das ist ein wesentlicher Planungshinweis, der in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Cortenstahl rost beschleunigen: Warum und wann es sinnvoll ist

Frisch gelieferter Cortenstahl zeigt zunächst eine silbrig-graue, walzfrische Oberfläche oder eine erste, noch ungleichmäßige Anlaufoxidation. Die natürliche Patinabildung dauert je nach Klimazone, Exposition und Bauteilgeometrie zwischen einem und mehreren Jahren. In dieser Übergangsphase ist das Material optisch unfertig, und vor allem: Es blutet aus. Die wasserlöslichen Eisenoxide der frühen Rostphase werden durch Regen abgewaschen und hinterlassen auf angrenzenden Materialien, also auf Betonpflaster, Naturstein, Kies oder Holzdecks, intensiv rotbraune Verfärbungen, die sich kaum entfernen lassen.

Cortenstahl rost beschleunigen dient daher primär zwei Zielen: dem ästhetischen Ziel einer gleichmäßigen, reifen Patina vom ersten Tag der Inbetriebnahme an, und dem technischen Ziel, die Phase intensiver Ausblutung zu verkürzen oder zu verlagern, bevor das Bauteil eingebaut wird. Wer ein Cortenstahl-Pflanzgefäß, eine Stützwand oder ein Fassadenelement bereits mit vorgewitterter Oberfläche liefert, vermeidet Reklamationen und Folgeschäden am Bestand. Für Planer bedeutet das: Die Frage nach der Vorbehandlung gehört in die Ausschreibung und in die Werkplanung, nicht erst in die Abnahme.

Ein weiterer Grund für die gezielte Beschleunigung liegt in der Gleichmäßigkeit. Natürliche Bewitterung erzeugt eine Patina, die von Exposition, Verschmutzung, Wasserführung und Geometrie abhängt. Flächen mit unterschiedlicher Neigung, Verschattung oder Wasserablauf patinieren ungleichmäßig. Wer eine homogene Oberfläche anstrebt, muss entweder lange warten und auf günstige Bedingungen hoffen, oder er beschleunigt den Prozess kontrolliert. Für hochwertige Gestaltungsaufgaben, etwa bei skulpturalen Objekten, Brückengeländern oder Fassadenverkleidungen, ist die kontrollierte Vorbehandlung die professionellere Wahl.

Methoden zur Beschleunigung der Patinabildung: Chemie, Mechanik und Witterung

Die gebräuchlichsten Methoden lassen sich in drei Gruppen einteilen: chemische Behandlung, mechanische Vorbehandlung der Oberfläche und gezielte Exposition unter kontrollierten Witterungsbedingungen. In der Praxis werden diese Methoden häufig kombiniert.

Die chemische Behandlung arbeitet mit sauren Lösungen, die den Oxidationsprozess unmittelbar auslösen. Verdünnte Salzsäure, Phosphorsäure oder spezielle Beizpasten für wetterfeste Stähle werden auf die gereinigte Stahloberfläche aufgetragen, reagieren mit dem Eisen und erzeugen innerhalb von Stunden eine erste Oxidschicht. Anschließend wird die Fläche gründlich mit Wasser abgespült, um Säurereste zu entfernen, die sonst die Patina destabilisieren würden. Mehrere Behandlungszyklen, jeweils mit Trockenphasen dazwischen, bauen die Schicht sukzessive auf. Kommerzielle Produkte für das Cortenstahl rost beschleunigen sind im Fachhandel erhältlich; sie enthalten in der Regel Phosphorsäure in Kombination mit Eisensalzen und Netzmitteln und sind für den handwerklichen Einsatz formuliert.

Die mechanische Vorbehandlung zielt darauf ab, die walzfrische Oberfläche aufzurauen und damit die reaktive Oberfläche zu vergrößern. Strahlen mit Korund oder Stahlgrit, Schleifen oder Bürsten mit Stahlbürsten entfernen die Walzhaut und schaffen eine gleichmäßige, mikroraue Struktur, auf der die Oxidation schneller und gleichmäßiger ansetzt. Wichtig ist, dass dabei kein Fremdstahl in die Oberfläche eingetragen wird, weil unlegierter Stahl als Kontaminant die Patinabildung lokal stört und zu Flecken führt. Werkzeuge und Strahlmittel müssen deshalb ausschließlich für wetterfeste Stähle verwendet und nicht mit anderen Stählen in Kontakt gewesen sein.

Die dritte Methode ist die kontrollierte Freibewitterung vor dem Einbau. Dabei werden die Bauteile auf dem Werksgelände oder auf einer geeigneten Freifläche so gelagert, dass sie intensiver Bewitterung ausgesetzt sind: freistehend, geneigt für guten Wasserablauf, ohne Abdeckung. Regelmäßiges Besprühen mit Wasser, idealerweise leicht gesalzenem Wasser, beschleunigt den Prozess zusätzlich. Diese Methode ist kostengünstig, aber zeitaufwendig und witterungsabhängig. Sie eignet sich gut für große Serien gleichartiger Bauteile, die mit ausreichend Vorlauf gefertigt werden.

Salzlösungen und Essig: Grenzen der Hausmittel

In verschiedenen Quellen kursieren Empfehlungen, Cortenstahl mit Essig, Salzwasser oder Wasserstoffperoxid zu behandeln. Diese Mittel erzeugen tatsächlich eine schnelle Oxidation, die jedoch nicht zwingend der stabilen Patina eines wetterfesten Stahls entspricht. Essig (Essigsäure) kann die Oberfläche angreifen und eine lockere, nicht haftfeste Oxidschicht erzeugen, die beim ersten Regen abgewaschen wird. Salzwasser beschleunigt die Korrosion, kann aber bei ungleichmäßiger Anwendung zu Lochfraß führen, besonders an Schnittkanten und Schweißnähten. Für professionelle Anwendungen im Außenraum sind diese Methoden nicht empfehlenswert. Sie mögen für kleine Objekte im privaten Bereich funktionieren, erfüllen aber nicht die Anforderungen an Gleichmäßigkeit, Haftfestigkeit und Langzeitstabilität, die im Planungskontext gelten.

Detailplanung: Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Einbausituationen

Die Qualität der Patina hängt nicht allein von der Oberflächenbehandlung ab, sondern maßgeblich von der konstruktiven Detailplanung. Schnittkanten, die durch Plasmaschneiden, Laserschneiden oder Sägen entstehen, zeigen eine andere Mikrostruktur als gewalzte Flächen und patinieren zunächst ungleichmäßig. Kanten, die dauerhaft Wasser halten, also nach oben offene Hohlprofile, horizontale Flächen ohne Gefälle oder Taschen in der Geometrie, sind kritische Punkte. Stehendes Wasser verhindert die notwendigen Trocknungsphasen und fördert statt der stabilen Patina eine fortschreitende Lochkorrosion.

Schweißnähte sind besonders sensibel. Die Wärmeeinflusszone verändert das Gefüge des Stahls lokal, und Schweißzusätze müssen zwingend auf den Grundwerkstoff abgestimmt sein. Für wetterfeste Stähle nach EN 10025-5 sind spezifische Schweißzusätze vorgeschrieben, die ebenfalls wetterfeste Eigenschaften aufweisen. Werden Standard-Schweißzusätze verwendet, entstehen an den Nähten Bereiche, die nicht patinieren, sondern weiter korrodieren. Das Ergebnis sind sichtbare, dunkle Streifen entlang der Schweißnähte und ein erhöhtes Korrosionsrisiko an diesen Stellen. Schweißnähte sollten nach dem Fügen geschliffen und entschlackt werden, um Zunderschichten zu entfernen, die die Patinabildung behindern.

Die Entwässerung ist ein zentrales Planungsthema. Cortenstahl-Bauteile müssen so konstruiert sein, dass Regenwasser schnell und vollständig ablaufen kann. Gefälle von mindestens zwei Prozent auf horizontalen Flächen, Tropfkanten an Unterkanten, Entwässerungsöffnungen in Hohlprofilen und ausreichende Abstände zu angrenzenden Materialien sind konstruktive Mindestanforderungen. Besonders kritisch ist der Bodenkontakt: Cortenstahl, der dauerhaft in feuchtem Boden steht, korrodiert ungehindert weiter, weil die Trocknungsphasen fehlen. Die Unterkante von Stützen, Pfosten und Wandelementen muss entweder durch Sockel aus Beton oder Edelstahl vom Boden abgehoben oder durch eine geeignete Beschichtung im Erdbereich geschützt werden. Viele Hersteller empfehlen für den Erdbereich eine Bitumenbeschichtung oder eine Epoxidgrundierung, die den Übergang zur Patina-Zone überbrückt.

Im Bereich von Fugen und Anschlüssen zu anderen Materialien ist besondere Sorgfalt geboten. Cortenstahl darf nicht in direktem Kontakt mit Aluminium, Zink oder verzinkten Bauteilen stehen, da die unterschiedlichen Elektrodenpotenziale zu galvanischer Korrosion führen. Trennlagen aus Kunststoff, Gummi oder beschichteten Blechen sind in solchen Anschlusssituationen zwingend erforderlich. Auch der Kontakt mit Beton ist kritisch, weil der alkalische Zementleim die Patinabildung lokal beeinflusst und Verfärbungen an der Betonoberfläche verursacht.

Ausblutungen vermeiden: Schutz angrenzender Materialien

Die Ausblutung von Eisenoxiden auf angrenzende Materialien ist das häufigste ästhetische Problem beim Einsatz von Cortenstahl im Außenraum. Besonders betroffen sind helle Betonoberflächen, Kalkstein, Sandstein, Kies und Holzdecks. Die rotbraunen Verfärbungen entstehen durch wasserlösliche Eisenverbindungen, die in der frühen Rostphase aus dem Stahl ausgewaschen werden und in die porösen Oberflächen angrenzender Materialien eindringen. Einmal eingedrungen, lassen sich diese Verfärbungen kaum vollständig entfernen; Oxalsäure oder spezielle Rostentferner können die Oberfläche aufhellen, aber selten vollständig reinigen.

Präventive Maßnahmen beginnen beim Entwurf. Cortenstahl-Elemente sollten so positioniert werden, dass das ablaufende Wasser nicht auf empfindliche Materialien trifft. Rinnen, Kiesbetten aus dunklem Basalt oder Schotter, Betonelemente aus Grau- oder Dunkelzuschlag oder Abstandshalter, die das Wasser gezielt ableiten, sind gestalterische und technische Mittel, um die Ausblutungszone zu kontrollieren. Wer Cortenstahl-Pflanzgefäße auf hellem Pflaster aufstellt, muss entweder Untersetzer oder Entwässerungsrinnen vorsehen, oder er nimmt die Verfärbung als gestalterisches Element bewusst in Kauf.

Vorgewitterte oder chemisch vorbehandelte Bauteile bluten deutlich weniger aus als frisch gelieferter Stahl, weil die stabile Patina die Menge der wasserlöslichen Oxide stark reduziert. Das ist ein weiteres, praktisches Argument für das Cortenstahl rost beschleunigen vor dem Einbau: Es schützt nicht nur die Optik des Bauteils selbst, sondern auch die Umgebung. Für Projekte mit hohen Anforderungen an die Sauberkeit angrenzender Materialien, etwa bei Denkmalpflege, Museumsaußenanlagen oder repräsentativen Stadtplätzen, ist die Vorbehandlung keine Option, sondern eine Pflicht.

Pflege, Kontrolle und Langzeitverhalten der Patina

Eine vollständig ausgebildete, stabile Patina auf wetterfestem Stahl ist weitgehend wartungsfrei. Sie regeneriert sich bei mechanischen Beschädigungen selbst, solange die Witterungsbedingungen stimmen. Dennoch erfordert Cortenstahl im Außenraum eine regelmäßige Sichtkontrolle, besonders in den ersten Jahren nach dem Einbau und an konstruktiv kritischen Stellen. Schäden an der Patina, die durch mechanische Einwirkung, Graffiti oder Reinigungsmaßnahmen entstehen, sollten dokumentiert und bei Bedarf durch erneute Behandlung mit geeigneten Mitteln nachgebessert werden.

Graffiti auf Cortenstahl ist ein besonderes Problem, weil aggressive Lösungsmittel die Patina angreifen können. Für die Reinigung empfehlen Fachleute mechanische Methoden wie Niederdruckwaschen oder Bürsten gegenüber chemischen Lösungsmitteln. Schutzanstriche gegen Graffiti sind auf Cortenstahl nur bedingt geeignet, weil sie die Patinabildung behindern und optisch verändern. In vandalismusgefährdeten Bereichen ist die Materialwahl grundsätzlich zu überdenken.

Langfristig, über Jahrzehnte, verändert sich die Patina weiter. Sie wird dunkler, dichter und in ihrer Textur feiner. In städtischen Umgebungen mit Luftverschmutzung kann sich die Patina schneller aufbauen, aber auch ungleichmäßiger werden. In Küstennähe, wo Chloride in der Luft vorhanden sind, ist wetterfester Stahl nur bedingt geeignet: Chloride destabilisieren die Patina und können zu Lochkorrosion führen. Die einschlägigen Normen und Fachinformationen der Stahlinstitute geben Grenzwerte für die Chloridbelastung an, ab denen ein Einsatz nicht mehr empfohlen wird. Für Meeresküsten und chloridbelastete Industriestandorte ist Cortenstahl grundsätzlich ungeeignet.

Cortenstahl im Kontext der Freiraumplanung: Potenzial und Grenzen

Cortenstahl hat sich in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau als eigenständige Materialsprache etabliert. Seine Stärken liegen in der Robustheit, der Wartungsarmut nach vollständiger Patinabildung, der gestalterischen Ausdruckskraft der lebendigen Oberfläche und der Fähigkeit, sich in natürliche Materialumgebungen aus Stein, Holz und Vegetation einzufügen. Pflanzgefäße, Stützwände, Brückengeländer, Zaunelemente, Skulpturen, Wegeinfassungen und Fassadenverkleidungen sind typische Anwendungsfelder.

Die Grenzen liegen dort, wo die Voraussetzungen für eine stabile Patinabildung nicht gegeben sind: in dauerhaft feuchten oder dauerhaft trockenen Einbausituationen, in chloridbelasteten Umgebungen, im direkten Erdkontakt ohne Schutzmaßnahmen und in Bereichen, wo Ausblutungen auf empfindliche Materialien nicht toleriert werden können. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, um diese Übergangsphase zu verkürzen, handelt planerisch klug, löst aber nicht alle konstruktiven Probleme. Die Detailplanung bleibt entscheidend.

Die professionelle Auseinandersetzung mit wetterfestem Stahl setzt voraus, dass Planer die Werkstoffeigenschaften, die normativen Grundlagen und die handwerklichen Anforderungen kennen. Cortenstahl rost beschleunigen ist kein Trick, sondern ein Teil des Qualitätsmanagements für ein anspruchsvolles Material. Wer diesen Schritt bewusst in die Planung integriert, wer Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Anschlussmaterialien von Anfang an mitdenkt, und wer die Grenzen des Materials kennt und respektiert, erhält ein Baumaterial, das mit der Zeit schöner wird und das seinen Platz im Außenraum mit Würde behauptet.

Seit jeher hat er der Rhein in der trinationalen Agglomeration Basel einen besonderen Stellenwert. Dort, wo die drei Länder Deutschland, Frankreich und Schweiz aufeinandertreffen, ist er mehr als ein Handelsweg: Er ist Park, Schwimmbad und Touristenattraktion. Doch administrative Planungsgrenzen haben nie zugelassen, dass der Rhein als ein verbindendes landschaftliches Element über alle Grenzen hinweg entwickelt wird. Dies möchte die IBA Basel 2020 ändern. Seit 2010 arbeitet sie mit der Projektgruppe Rheinliebe daran, den Rheinabschnitt zwischen Bad Bellingen im Osten und den beiden Rheinfelden im Westen grenzüberschreitend gemeinsam zu transformieren.

Wichtiges Projekt: Rheinuferweg St. Johann
Ein zentrales Projekt der Gruppe Rheinliebe ist der „Rheinuferweg St. Johann Basel“. Aufgrund der Hafennutzung im Basel Stadtteil St. Johann war es bisher nicht möglich, entlang des Rheinufers von Basel ins französische Huningue zu gelangen. Mit dem Rückbau des Hafens ergab sich für die beiden Länder die einmalige Chance, eine länderübergreifende Wegverbindung zu schaffen. Seit April 2016 verbindet der Fuß- und Radweg Frankreich mit der Schweiz.

Mehr zum Projekt Rheinliebe gibt’s hier!

Mehr zur IBA Basel 2020 gibt’s hier!