Der neue Bahnhof von Arnheim in den Niederlanden und sein Vorplatz bestechen durch ein beeindruckendes Zusammenspiel von Architektur und öffentlichem Raum. Die Lichtplanung trägt wesentlich dazu bei, dass der neue Komplex eine überwältigende Wirkung entfaltet.

Das Besondere am Hauptbahnhof der niederländischen Großstadt Arnheim ist seine Lage. Zwei Landschaftsformationen treffen hier aufeinander: die höhergelegenen, meist sandigen Flächen des De Hoge Veluwe und die Niederungen der unterrheinischen Flusslandschaft. Daher weist das Bahnhofsgelände ein beträchtliches Gefälle auf.

 

Eine Herausforderung für Architekten und Landschaftsarchitekten wie das neue Bahnhofsgebäude von UNStudio und der öffentliche Raum von Bureau B+B unter Beweis stellen. Auch für Lichtgestalter ist ein Gefälle innerhalb des zu beleuchtenden Areals eine anspruchsvolle Aufgabe. Fließende Übergänge sind bei der Orchestrierung von Licht schwer zu handhaben. Das Atelier LEK, das für Lichtgestaltung des öffentlichen Raums verantwortlich war, hat einen Entwurf vorgelegt, der die ikonische Qualität des Bahnhofsgeländes betont und zugleich Passagiere und Besuchern hilft, sich zu orientieren. Für die Lichtplanung des Bahnhofs selbst zeichnet sich das Büro Arup verantwortlich.

Der Hauptbahnhof von Arnheim und seine komplette Umgebung sind in den vergangenen zehn Jahren grundlegend umgestaltet worden. UNStudio, das auch für den Masterplan für den gesamten Bereich verantwortlich ist, hat aus einem eher bescheidenen Bahnhof einen Gebäudekomplex geformt, dessen Architektur mit der im 3D-Design gestalteten Oberfläche sofort ins Auge fällt.

Zentrales Prinzip des Entwurfs war es, das Tageslicht bestmöglich zu nutzen. Das durch die großen Öffnungen in den Fassaden einfallende Licht erleichtert Besuchern den Weg durch das Gebäude, sei es auf dem Weg zum Eingang oder zu den Haltestellen der Oberleitungsbusse (O-Bus) vor dem Bahnhof. Dort pulsiert das Leben: An Wochentagen strömen täglich etwa 55.000 Menschen über das 45.000 Quadratmeter große Areal, das die Bahnhofshalle mit dem Busbahnhof und der Arnheimer Innenstadt verbindet.

Licht war von Anfang an ein wichtiger Aspekt beim Entwurf, daher ist es nur konsequent, dass die Experten von LEK, die das Bureau B+B hinzugezogen hatte, später einen eigenständigen Entwurfsauftrag erhielten. Eine richtige und wichtige Entscheidung. […]

Arnhem Central Transfer Terminal
Bauherr: ProRail B.V., Utrecht
Architektur: United Network Studio, Amsterdam
Landschaftsarchitektur: Bureau B+B
Lichtplanung Landschaft: Atelier LEK, Rotterdam 
Lichtplanung Bahnhof: Arup, Amsterdam
Zeitraum: 2007-2015
Fläche: 45.000 Quadratmeter

Lesen Sie mehr über die Herausforderungen der Lichtplanung und warum die Planer auf bläuliches LED-Licht setzten in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

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Was sind Hypernetze – wenn KIs andere KIs entwerfen

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Stadtansicht aus der Vogelperspektive, aufgenommen von Markus Spiske mit einer Canon 5d Mark III und Leica Summicron-R 2.0/50mm Objektiv (1981).

Wenn künstliche Intelligenz nicht nur Probleme löst, sondern selbst zum Architekten neuer, noch intelligenterer Systeme wird – dann sprechen wir von Hypernetzen. Diese revolutionären Strukturen könnten die Zukunft der Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und urbanen Transformation grundlegend verändern. Was steckt hinter dem Konzept der Hypernetze, und was bedeutet es, wenn KIs andere KIs entwerfen? Ein Blick in eine Welt, in der Maschinen nicht nur rechnen, sondern kreativ werden – und in der das urbane Morgen vielleicht schon heute beginnt.

  • Definition und Grundlagen von Hypernetzen in der Künstlichen Intelligenz
  • Wie Hypernetze funktionieren: KI-Architekturen, die andere KI-Modelle entwerfen
  • Potenziale für urbane Planung, Landschaftsarchitektur und nachhaltige Stadtentwicklung
  • Beispiele und Anwendungsfälle: Von der Verkehrssteuerung bis zum Resilienzmanagement
  • Herausforderungen: Erklärbarkeit, Kontrolle, Governance und ethische Aspekte
  • Stand der Forschung und internationale Entwicklungen
  • Deutsche Perspektive: Innovationschancen und regulatorische Hürden
  • Ausblick: Wie Hypernetze das Selbstverständnis von Planung und Gestaltung verändern

Hypernetze: Wenn Künstliche Intelligenz zur Architektin ihrer eigenen Zukunft wird

Hypernetze klingen erst einmal nach Science-Fiction – vielleicht nach neuronalen Superhirnen, die sich selbst replizieren und verbessern. Doch das Konzept ist längst Teil der internationalen KI-Forschung und beginnt, ganz reale Auswirkungen zu entfalten. Ein Hypernetz ist, vereinfacht gesagt, ein neuronales Netzwerk, das nicht nur klassische Aufgaben löst, sondern selbst als Generator und Designer anderer neuronaler Netzwerke agiert. Das heißt: Ein Hypernetz entwirft, optimiert und trainiert andere KIs – und zwar oft deutlich effizienter, kreativer und anwendungsspezifischer, als es von Menschenhand möglich wäre.

Die technische Grundlage dazu liegt in der sogenannten Meta-Learning-Architektur. Hierbei werden nicht nur einzelne Modelle für eine konkrete Aufgabe trainiert, sondern ein übergeordnetes System lernt, wie man optimale Modelle für beliebige Aufgaben und Datenstrukturen generiert. Das Hypernetz fungiert somit als eine Art übergeordneter Architekt, der ständig neue KI-Strukturen entwirft und verfeinert. Während klassische neuronale Netze eine starre Struktur mit festen Parametern aufweisen, generiert das Hypernetz dynamisch die Parameter für andere Netzwerke oder gar deren Architekturen selbst. Das Ergebnis sind hochspezialisierte, adaptive Systeme, die sich perfekt an spezifische Anforderungen anpassen.

Für urbane Planung und Landschaftsarchitektur eröffnet das völlig neue Horizonte. Denn die Komplexität städtischer Systeme – sei es das Verkehrsmanagement, die Steuerung von Energieflüssen oder die Simulation nachhaltiger Wasserinfrastrukturen – übersteigt längst die menschliche Modellierungskapazität. Hypernetze versprechen hier eine neue Qualität: Sie könnten beispielsweise eigenständig KI-Modelle entwickeln, die speziell für die Optimierung von Grünflächen, die Vorhersage von Hitzeinseln oder die Steuerung von Verkehrsflüssen maßgeschneidert sind. Und sie lernen aus jedem neuen Datensatz, aus jeder Veränderung in der Stadt in Echtzeit dazu.

Das revolutionäre Potenzial der Hypernetze liegt in ihrer Fähigkeit, über klassische Automatisierung hinauszugehen. Sie machen aus „Smart Cities“ tatsächlich lernende Städte, in denen urbane Systeme nicht nur auf Daten reagieren, sondern sich selbstständig weiterentwickeln. Für Planer, Architekten und Verwaltungen stellt sich damit nicht mehr die Frage, wie man bestehende Algorithmen sinnvoll nutzt – sondern wie man die richtigen Algorithmen überhaupt erst entstehen lässt.

Natürlich wirft das Konzept der Hypernetze auch viele Fragen auf – insbesondere, was Kontrolle, Transparenz und ethische Implikationen betrifft. Doch es steht außer Zweifel: Die Fähigkeit von KIs, andere KIs zu entwerfen, wird die Grundlagen der Stadtplanung und des urbanen Designs tiefgreifend verändern. Sie eröffnet nicht nur neue technologische Spielräume, sondern stellt auch das Selbstverständnis von Planung und Gestaltung auf den Prüfstand.

Wie Hypernetze funktionieren – und warum sie so radikal anders sind

Um zu verstehen, warum Hypernetze so vielversprechend sind, lohnt sich ein Blick auf die technologische Basis. Im klassischen maschinellen Lernen wird ein Netzwerk direkt auf eine Aufgabe oder einen Datensatz trainiert. Die Architektur – also die Anordnung der Schichten, die Art der Aktivierungsfunktionen und die Zahl der Parameter – wird von Menschen vorgegeben und bleibt im Trainingsprozess unverändert. Das Hypernetz bricht mit diesem Paradigma: Es ist selbst ein neuronales Netzwerk, dessen Output nicht eine Vorhersage, sondern die Parameter oder sogar die gesamte Struktur eines anderen Netzwerks ist.

Stellen Sie sich vor, das Hypernetz ist ein Architekturbüro, das auf Basis von Anforderungen, Daten und Kontext automatisch Baupläne für neue KI-Gebäude erstellt. Je nach Aufgabe – zum Beispiel Verkehrsprognose, Klimasimulation oder Bewässerungsmanagement – entwirft das Hypernetz ein maßgeschneidertes Subnetz, das optimal auf die jeweilige Herausforderung zugeschnitten ist. Das Subnetz wird dann trainiert, eingesetzt und kontinuierlich von seinem Hypernetz-„Architekten“ weiterentwickelt.

Ein zentrales Konzept dabei ist das sogenannte Meta-Learning. Das Hypernetz analysiert nicht nur, was funktioniert, sondern lernt auch, wie man lernt. Es erkennt Muster in den Aufgabenstellungen, versteht, welche Netzwerkarchitekturen für welche Probleme besonders geeignet sind, und kann dieses Wissen auf neue Herausforderungen übertragen. In komplexen urbanen Systemen mit tausenden Variablen – von Feinstaubwerten bis zu Bewegungsmustern im öffentlichen Raum – ermöglicht das eine bislang unerreichte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

In der Praxis bedeutet das: Hypernetze könnten in Echtzeit neue Modelle für Verkehrsströme entwerfen, sobald sich die Bedingungen ändern – etwa nach einem Großereignis, bei Wetterumschwüngen oder durch bauliche Veränderungen. Sie könnten automatisch Simulationsmodelle für die Ausbreitung von Hitze in städtischen Quartieren generieren und dabei neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder aktuelle Sensordaten integrieren. Für die Landschaftsarchitektur könnten Hypernetze individuelle Modelle entwickeln, die Pflanzenauswahl, Bewässerung und Mikroklimasteuerung optimal aufeinander abstimmen – und das pro Standort, in jeder Saison und unter Berücksichtigung von Klimawandel und Biodiversität.

Der Clou: Hypernetze machen Schluss mit starren, einmalig trainierten KI-Modellen. Sie schaffen eine neue Ebene, auf der sich das System selbst verbessert, neue Tools erfindet – und damit weit über die klassischen Grenzen von Automatisierung und Digitalisierung hinausgeht. Sie lernen nicht nur aus Daten, sondern auch aus ihrer eigenen Entwicklung und Anwendung. Das macht sie zum perfekten Werkzeug für die dynamische, resiliente und nachhaltige Stadt von morgen.

Hypernetze in der Anwendung: Chancen für urbane Planung und Landschaftsarchitektur

Was bedeutet das nun konkret für die Praxis? Die ersten Pilotprojekte und Forschungsarbeiten zeigen: Hypernetze eröffnen neue Wege, urbane Systeme ganzheitlich zu denken – und in Echtzeit zu steuern. Nehmen wir das Beispiel Verkehrsmanagement: In einer typischen Großstadt ändern sich Verkehrsströme permanent. Bauarbeiten, Wetter, Großveranstaltungen, neue Mobilitätsangebote – all das beeinflusst, wie Menschen und Fahrzeuge sich bewegen. Klassische KI-Modelle sind hier oft überfordert, weil sie auf historische Daten und feste Annahmen angewiesen sind. Ein Hypernetz hingegen kann für jede neue Situation ein passgenaues Vorhersagemodell generieren und dieses sofort operationalisieren.

Noch spannender wird es bei komplexen Aufgaben wie dem Klimamanagement oder der Planung klimaresilienter Quartiere. Hypernetze könnten beispielsweise Modelle entwerfen, die aus Satellitendaten, lokalen Sensorwerten und Wetterprognosen gezielt Simulationen für Hitzeinseln, Luftzirkulation und Wassermanagement erstellen. Sie könnten für jedes Straßenzugsegment, jeden Park und jedes Gebäude individuelle Handlungsempfehlungen berechnen – und das dynamisch, basierend auf aktuellen und prognostizierten Bedingungen.

Für die Landschaftsarchitektur eröffnen sich ebenfalls völlig neue Spielräume. Pflanzplanungen, Pflegekonzepte und Biodiversitätsstrategien könnten mithilfe von Hypernetzen automatisiert, angepasst und laufend verbessert werden. Statt starre Pflegepläne zu erstellen, könnten adaptive Modelle entstehen, die saisonale Schwankungen, Klimaextreme und ökologische Wechselwirkungen kontinuierlich berücksichtigen. Der Planer wird damit zum Dirigenten eines gesamten Orchesters selbstlernender Systeme – ein Paradigmenwechsel, der die klassische Rolle der Disziplin radikal erweitert.

Ein weiteres Feld: Bürgerbeteiligung und Partizipation. Hypernetze könnten Simulationen und Szenarien automatisch an die Interessen unterschiedlicher Nutzergruppen anpassen, sodass Beteiligungsprozesse nicht mehr auf generischen Modellen, sondern auf maßgeschneiderten, verständlichen und interaktiven Darstellungen basieren. Das macht Beteiligung nicht nur transparenter, sondern auch wirksamer – und hebt die demokratische Qualität der Planung auf ein neues Level.

Schließlich bieten Hypernetze die Chance, urbane Systeme robuster gegen Krisen zu machen. Im Katastrophenfall – etwa bei Hochwasser oder Hitzewellen – könnten sie in Echtzeit neue Modelle generieren, die Gefährdungslagen prognostizieren und optimale Reaktionsstrategien vorschlagen. Sie könnten aus vergangenen Ereignissen lernen und dieses Wissen unmittelbar auf neue Situationen übertragen. Das bedeutet: Städte werden nicht nur „smarter“, sondern auch widerstandsfähiger und anpassungsfähiger – und zwar auf eine Weise, die mit klassischen Methoden kaum erreichbar wäre.

Herausforderungen und Risiken: Kontrolle, Erklärung, Ethik

So vielversprechend Hypernetze auch sind – sie bringen erhebliche Herausforderungen mit sich. Allen voran steht die Frage nach der Erklärbarkeit. Wenn KIs andere KIs entwerfen, entstehen hochkomplexe Systeme, deren Entscheidungsfindung selbst für Experten schwer nachvollziehbar ist. Das berühmte „Black-Box-Problem“ verschärft sich: Nicht nur das Verhalten eines Modells ist schwer zu interpretieren, sondern auch die Art und Weise, wie das Hypernetz überhaupt zu diesem Modell gekommen ist.

Für die urbane Planung und die öffentliche Hand ist das ein dickes Brett. Denn demokratisch legitimierte Entscheidungen dürfen nicht von intransparenten Algorithmen getroffen werden. Es braucht Mechanismen, um die Funktionsweise von Hypernetzen verständlich zu machen, Entscheidungspfade zu dokumentieren und Modelle im Zweifel auditieren zu können. Forschung an sogenannten „explainable AI“-Ansätzen ist hier dringend notwendig – und eine enge Zusammenarbeit zwischen Informatik, Planungswissenschaften und Ethik unabdingbar.

Ein weiteres Risiko liegt in der Kontrolle und Governance der Systeme. Wer entscheidet, welche Daten in die Hypernetz-Architekturen einfließen? Wer definiert die Ziele, nach denen sie neue Modelle entwerfen? Und wer überprüft die Ergebnisse? Ohne klare Regeln besteht die Gefahr, dass Fehlentwicklungen, Verzerrungen oder sogar Diskriminierungen automatisiert werden – und dass die Verantwortung für Planungsentscheidungen zunehmend ins Technische verschoben wird.

Auch die Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern und proprietären Plattformen birgt Gefahren. Wenn Hypernetze als Closed-Source-Lösungen in Städten eingesetzt werden, droht die Kommerzialisierung urbaner Infrastrukturmodelle – mit allen Risiken für Transparenz, Datenhoheit und öffentliche Kontrolle. Offene Standards, Open-Source-Ansätze und eine starke öffentliche Governance sind daher essenziell, um die Potenziale der Technologie im Sinne des Gemeinwohls zu nutzen.

Schließlich wirft der Einsatz von Hypernetzen auch ethische Fragen auf. Sie können bestehende Machtstrukturen verstärken, wenn sie etwa auf verzerrten Datensätzen trainiert werden oder bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen. Sie können Planungsprozesse beschleunigen, aber auch entmenschlichen. Die zentrale Aufgabe für Städte, Planer und Politik ist deshalb: Die Technologie so zu gestalten, dass sie nicht nur effizient und innovativ, sondern auch gerecht, inklusiv und nachhaltig wirkt.

Fazit: Hypernetze als Gamechanger für die urbane Zukunft

Hypernetze markieren einen radikalen Sprung in der Entwicklung künstlicher Intelligenz – und damit auch in der Art und Weise, wie Städte, Landschaften und urbane Systeme geplant, gestaltet und gesteuert werden. Indem sie KIs ermöglichen, andere KIs zu entwerfen, schaffen sie eine neue Ebene der Intelligenz, die weit über klassische Automatisierung und Digitalisierung hinausgeht. Für die urbane Praxis bedeutet das: Komplexeste Herausforderungen, von Verkehrsflüssen über Klimaresilienz bis zur Bürgerbeteiligung, könnten künftig mit maßgeschneiderten, selbstlernenden Systemen gelöst werden. Planer, Architekten und Verwaltungen müssen sich darauf einstellen, dass die Gestaltung der Stadt von morgen nicht nur eine Frage des Designs, sondern auch eine der intelligenten Architektur von Algorithmen wird.

Gleichzeitig sind die Risiken real: Erklärbarkeit, Kontrolle, Transparenz und Ethik müssen von Anfang an mitgedacht und gestaltet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Hypernetze nicht zu intransparenten Machtmaschinen werden, sondern ihr Potenzial im Sinne des Gemeinwohls entfalten. Die Chance liegt darin, die Technologie offen, partizipativ und verantwortungsvoll zu gestalten – und so die Transformation zur lernenden, resilienten und nachhaltigen Stadt aktiv zu prägen.

Fest steht: Hypernetze sind kein ferner Zukunftstraum mehr. Sie sind dabei, urbane Planung und Landschaftsarchitektur grundlegend zu verändern. Wer heute versteht, was Hypernetze leisten können – und welche Herausforderungen sie mitbringen –, kann morgen zu den Pionieren einer neuen, intelligenten Urbanität zählen. Und damit nicht nur Städte smarter machen, sondern lebenswerter, gerechter und zukunftsfähiger gestalten. Willkommen in der Ära der selbstlernenden Stadtmodelle – und der intelligenten Planung von übermorgen.

Seeing Trees, Cover: Yale University Press London
Seeing Trees, Cover: Yale University Press London

aus dem Englischen von Anna Arndt

Können Stadtbäume umstritten sein? In „Seeing Trees“, ausgezeichnet mit dem John Brinckerhoff Jackson Book Prize, ergründet die Professorin für Landschaftsgeschichte Sonja Dümpelmann die Geschichte der Bäume in New York City und Berlin im späten 19. und 20. Jahrhundert. Die Autorin beleuchtet ihre historische Funktion im städtischen Umfeld. In diesem Buch spielen Straßenbäume sowie unterschiedliche Interessengruppen eine zentrale Rolle.

Seeing Trees: Inhalt und Aufbau

Das Buch gliedert sich in zwei Hauptteile mit jeweils vier Kapiteln. Die Teile widmen sich den jeweiligen Metropolen und ihren Geschichten. In den Kapiteln über New York City wird aufgezeigt, wie der öffentliche und private Aktivismus die Stadtlandschaft verändern wollte. In der zweiten Hälfte werden die Berliner Bäume betrachtet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf die Bemühungen zur „Wiederanpflanzung“ in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch ideologische Unterschiede zwischen den Planungsstrategien des Ost- und des Westsektors spielen eine Rolle.

Beiden Teilen gemeinsam ist die „Wiederentdeckung“ der Bäume durch die Gesellschaft. Die 318 Seiten des Buches decken ein breites Spektrum an Themen ab, wie zum Beispiel die Entstehung der städtischen Forstwirtschaft, die Anfänge systematischer Planungsprozesse und die aus ästhetischen Erwägungen und gesundheitspolitischen Bedenken resultierenden Lobbybewegungen.

Obwohl die Geschichten der beiden Städte sehr unterschiedlich sind, werden in dem Buch Gemeinsamkeiten hervorgehoben. Dabei geht es der Autorin weniger um einen Vergleich der beiden Städte. Vielmehr ist das Buch eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ansätze und Fortschritte in Bezug auf den städtischen Baumbestand.

Mit historischen Plänen und Fotografien illustriert

Die Geschichten um die Bäume sind fesselnd. In ihnen stecken Hinweise auf die Identität einer Stadt. Die Lektüre von „Seeing Trees“ bedeutet in der Tat, in sehr detaillierte Berichte über öffentliches und privates Engagement einzutauchen, die nach und nach das Bewusstsein der Bürger*innen für Bäume geprägt haben. Das Buch ist weit davon entfernt, einen „bloßen“ Überblick zu geben. Stattdessen lässt es den*die Leser*in in die sich wandelnde Bedeutung von Bäumen im Laufe der letzten Jahrhunderte eintauchen und in die Feinheiten der verschiedenen Moden und Entwicklungen, die sich auf die städtischen Bäume ausgewirkt haben. Die sorgfältige Auswahl historischer Pläne, Fotografien und Illustrationen, die durch eine umfangreiche Bibliografie ergänzt werden, spiegeln die gründliche Arbeit der Autorin wider. Währenddessen ist der Schreibstil, wenn auch formal, klar und prägnant.

Das Buch bietet eine überzeugende Alternative zum traditionellen Ansatz der Dichotomie „Natur versus Kultur“. Stattdessen stellt Dümpelmann Straßenbäume als einen integralen Bestandteil des städtischen Gefüges dar. Fachleute aus den Bereichen Forstwirtschaft, Stadtentwicklung und Landschaftsarchitektur sowie Leser*innen mit einem ausgeprägten Interesse an der Geschichte der Stadtlandschaft werden dieses Buch aufschlussreich finden.

Der Text entstand in der „wissenschaftlichen Schreibwerkstatt Landschaftsarchitektur“ am TUM-Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und Transformation bei Prof. Udo Weilacher. Im Rahmen des Seminars wählen Student*innen Fachliteratur aus und erarbeiten gemeinsam individuelle Buchrezensionen.

Ebenfalls interessant ist Dorothee Rummels Buch „Unbestimmte Räume in Städten“. Lesen Sie hier unsere Rezension.