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„Eine ganz schöne Hausnummer“

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Herr Heck, das Motto der Landesgartenschau in Burg lautet „Von Gärten umarmt“ – was steckt dahinter?

Das geht auf die zwei großen, denkmalgeschützten Anlagen der Stadt Burg zurück: den Goethepark hier und den Flickschupark am anderen Ende der Stadt – beides Parks des Gartenarchitekten Hans Schmidt. Sie umarmen die historische Kernstadt, daher das Motto.

Was erwartet uns zwischen den beiden Parkanlagen?
Die Schau ist unterteilt in vier fußläufige Segmente: Das größte Segment macht den Auftakt mit dem Goethepark und dem Bahnhofsvorplatz. Es folgen das Areal des Weinbergs sowie die Ihlegärten und zuletzt der Flickschupark. Die Altstadt bildet die Verbindung zwischen den vier Arealen. Jeder einzelne Teilbereich hat seine Highlights. Neues und Altes wurde zu einem Ganzen verbunden.

Alle Fotos: Hanns Joosten.

Wie sind Sie mit dem historischen Erbe der Gartendenkmäler und den Relikten der DDR-Zeit verfahren?

Im Goethepark führten wir zum Beispiel das formal gestaltete Gartendenkmal mit den beiden historischen Ehrenfriedhöfen und das ehemalige Bauhofareal aus der DDR­Zeit, das neu als Parkteil hinzugewonnen wurde, zusammen. Der Park von 1900/1920 wird dabei komplementär zum wilderen Bereich des neu gestalteten „Spielwäldchens“ gesetzt.

Sie haben außerdem die Ehrenmäler saniert …

Dabei ging es um das Sowjetische Ehrenmal mit dem T34­Panzer vom Anfang der 1970er­ Jahre und das gegenüberliegende Deutsche Ehrenmal aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Stadt Burg entschied sich für ein gemeinsames Gedenkareal für Kranzniederlegungen als versöhnendes Element zwischen den beiden. Zusätzlich entwarfen wir bodenbündige Stahlplatten, auf denen Besucher Erklärungen zur Geschichte des Gedenkortes und zu Burger Persönlichkeiten finden.

In einem späteren Abschnitt beginnen die Ihlegärten, die sich entlang des kanalisierten Flusses erstrecken. Wie verwandelten Sie die Ufer mit Industriebrachen und kleinteiligen Rudimenten ehemaliger Häuser in erlebbare und begehbare neue Grünbereiche?
Wir haben diese ehemals bebaute Struktur, die Parzellen der Häuser, über eine Heckenstruktur aufgegriffen. Diese bildet die sogenannten Parzellengärten. In Terrassen führen sie zur Ihle hinunter. In begrenzenden Trockenmauern haben wir alte Materialien, wie Steinreste aus der ehemaligen Bebauung, integriert, um auf die innerstädtische Lage hinzuweisen. Die neue Brücke nimmt mit der fließenden Silhouette ihres Geländers das Wassermotiv auf und verbindet die auf einer Insel gelegenen Ihlegärten mit dem Ufer.

Folgen wir der Ihle, erreichen wir den Flickschupark. Wie konzipierten Sie das Ende der Schau?
Mittelpunkt der Anlage ist der vor rund 100 Jahren künstlich erschaffene und durch uns denkmalgerecht sanierte Teich. Ein neuer steinerner Steg inszeniert den ersten Blick in die Tiefe des Flickschuparks. Wir greifen die historische Raumkonzeption von Hans Schmidt wieder auf. Er hatte am nördlichen Ufer mit einem Seebalkon eine mehr architektonische Gestaltung vorgesehen. Das südliche Ufer bildet mit Stauden­ und Wasserpflanzen die eher landschaftliche Zone des kleinen Sees.

Der Abschluss des Geländes setzt einen kräftigen Akzent gegen die in den 1970ern in Dammlage gebaute B1 …
Das Problem des Flickschuparks war bislang, dass die B1 die landschaftliche Sichtbeziehung zur Ihle­Aue abgeschnitten hat. Wir sind dieser „Störung“ mit der Aufschüttung eines sechs Meter hohen Hügels begegnet, der nun Sicht-, Aussichtspunkt und Spielhügel zugleich ist.

War dieses Gestaltungsmoment das Schwierigste bei der Planung in Burg?
Jeder der vier Teilbereiche hatte seine eigenen Herausforderungen. Aber die Sonderelemente wie der Hügel hier im Flickschupark, die Brücke in den Ihlegärten oder der Rosen­pavillon im Goethepark haben uns gestalterisch sicherlich mehr gefordert. Insofern hängt unser Planerherz an diesen vielleicht ein bisschen mehr.

Was nehmen Sie aus der Arbeit in Burg mit?
Mit der Gestaltung einer Landesgartenschau übernimmt man Verantwortung. Vor rund hundert Jahren wurden die zwei heute denkmalgeschützten Parkanlagen geschaffen. Hundert Jahre später durften wir mit der Gestaltung der Landesgartenschau das Grün­ und Freiraumsystem einer Kleinstadt im Ganzen aufrollen und dabei neue Akzente setzen, die diese Stadt – vielleicht – wieder für die nächsten hundert Jahre prägen werden. Das ist schon eine ziemliche Hausnummer.

Zum Interviewpartner: Gero Heck studierte Landschaftsarchitektur in Hannover sowie Manchester und ist Träger des Peter-Joseph-Lenné-Preises.

 

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AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022: Auslobung

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AIV-Schinkel-Wettbewerb-2022 Auslobung: Überblick über Wettbewerbsgebiet in Rüdersdorf (Foto: Elisa Mado Lenius)

AIV-Schinkel-Wettbewerb-2022 Auslobung: Überblick über Wettbewerbsgebiet in Rüdersdorf (Foto: Elisa Mado Lenius)

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Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) hat Ende September die Auslobung des Schinkel-Wettbewerb 2022 veröffentlicht. Junge Planer*innen und Künstler*innen bis 35 Jahre können an dem Ideen- und Förderwettbewerb teilnehmen. Der bekannte Schinkel-Wettbewerb 2022 läuft unter dem Titel „Ressource Rüdersdorf – neu aufgemischt.“ Die Widersprüche und Maßstabssprünge machen die Brandenburger Gemeinde reizvoll für die Aufgabenstellung.

Auslobung AIV-Schinkel-Wettbewerb: Ab nach Rüdersdorf

Es ist Herbst – und das heißt, es ist wieder Zeit für den AIV-Schinkel-Wettbewerb. Wie jedes Jahr veröffentlicht der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) kurz vor Semesterbeginn die Auslobung für seinen Ideen- und Förderwettbewerb. Dabei handelt es sich um einen Nachwuchspreis – einer der bekanntesten und ältesten in Deutschland.

Junge Planer*innen bis 35 sind dazu aufgerufen, ihre Ideen und Visionen zu präsentieren. Darunter fallen Angehörige aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung. Aber auch freie Künstler*innen sind im Aufruf eingeschlossen. Sie alle bewerben sich mit ihrer Teilnahme um Preisgelder im Gesamtwert von bis zu 30 000 Euro. Dafür reichen sie einen Entwurf ein, der das diesjährige Thema des AIV-Schinkel-Wettbewerbs bearbeitet: „Ressource Rüdersdorf – neu aufgemischt“.

Warum gerade Rüdersdorf? Gesche Erber und Ernst Wolf Abée, die Vorsitzenden des AIV-Schinkel-Ausschusses erklären die Entscheidung wie folgt: „Auf Rüdersdorf waren wir sehr neugierig. Nach dem ersten Gespräch mit der Bürgermeisterin und nach den Erkundungstouren waren wir schnell sicher, spannende Themen für unseren Wettbewerb zu finden. Neben dem Kalksteinbruch, den historischen Brennöfen und dem modernen Zementwerk haben sich Betriebe der Baustoff- und Logistikbranche angesiedelt. So hat sich eine Agglomeration vitaler Ortschaften entwickelt, durchsetzt mit Stätten industrieller Fertigung, teils hochaktiv, teils aufgegeben und ruinös. Und genau diese Widersprüche und Maßstabsprünge machen Rüdersdorf mit seinen verschiedenen Ortsteilen so reizvoll für unsere Aufgabenstellung.“

Aufgabengebiet vielleicht schon vor Ende des Wettbewerbs abgerissen

In Rüdersdorf gab es früher eine Futterphosphatfabrik. Seit diese stillgelegt wurde, ist mit dem Areal jedoch nur wenig passiert. Alle Materialien, bei denen die Möglichkeit bestand, sie wiederzuverwerten, wurden außerdem demontiert und entfernt. Die einst imposanten Gebäude und Strukturen stehen verlassen und als leere Hüllen da. Dennoch regen sie die Fantasie an: Volumen, Struktur und die Raumordnung der Hallen und Siloanlagen erinnern an die Gemälde von Giorgio De Chirico. Der italienische Maler prägte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Strömung der „Metaphysischen Malerei“. Hier können Sie einige Beispiele betrachten.

Der Zustand bleibt aber vielleicht nicht bestehen. Laut Gerber und Abée steht der Abriss der Betonstrukturen zur Diskussion, um Baufläche zu schaffen. Das bedeutet, dass es unsicher ist, dass das Ensemble so noch steht, wenn die Teilnehmer*innen des AIV-Schinkel-Wettbewerbs 2022 ihre Entwürfe einreichen. Dennoch meinen die beiden AIV-Vorsitzenden: „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse noch rechtzeitig kommen, um die Diskussion über die Zukunft des Standorts zu bereichern.“

Auslobung AIV-Schinkel-Wettbewerb: Aufgabenstellung

Wie immer spricht die Auslobung des AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022 auch dieses Jahr die verschiedenen Fachsparten mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen an. Unter anderem sind folgende Entwürfe gefordert:

Die genauen Auschreibungsunterlagen der Auslobung des AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022 finden sich hier. Die Anmeldung zum Wettbewerb erfolgt schließlich über die Plattform von „Wettbewerbe aktuell“. Hier finden Sie die entsprechende Seite.

Hier können Sie das Bildmaterial zur Wettbewerbsregion herunterladen.

AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022: Weitere Termine

Dies sind die weiteren Termine des AIV- Schinkel-Wettbewerb 2022:

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV)

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg hat das Ziel, die Berliner und die Brandenburger Baukultur zu fördern. D.h. zum Selbstverständnis seiner Aufgaben gehört es unter anderem, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen. Damit möchte der Verein Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen Teilen der Metropolregion Berlin nehmen. Dafür analysiert der AIV Etappen und Projekte und liefert eine Einschätzung dazu. Außerdem stellt er Diskussionsansätze für die zukünftige Stadt- und Metropolenentwicklung vor. So begleitet er die Bau- und Kulturgeschichte von Berlin und Brandenburg kritisch. Jedes Jahr schreibt der AIV den Schinkel-Wettbewerb aus. Übrigens: Der AIV ist der älteste noch bestehende Verein Berlins.

AIV-Schinkel-Wettbewerb 2021 – Sieger Kategorie Städtebau

Auf dem Berliner Großmarkt werden Lebensmittel und andere Waren umgeschlagen und an Supermärkte und Gastronomiebetriebe verteilt. Berliner*innen finden sich ohne berufliche Beweggründe kaum auf dem Areal ein. Und das, obwohl es genügend Fläche für dringend benötigte Freiräume bieten würde. Aus diesem Grund wählte der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg den Großmarkt als Projektgebiet für den diesjährigen Schinkel-Wettbewerb aus. Jonathan Hertling, Arne Markuske (BTU Cottbus-Senftenberg) und Robert Ritzel (TU Berlin) überzeugten mit ihrer städtebaulichen Vision und erhielten den Schinkelpreis in der Kategorie Städtebau. Hertling, Markuske und Ritzel stellen in der G+L 09/21 ihren Entwurf vor und erklären, wie sie das Gebiet mit Hochstegen und einem neuen Warenverteilsystem zugänglich gestalten.

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Setzen wir die Impulse oder verschlafen wir sie wieder?

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Der zentrale Schlüssel: Wasser

Die Redaktion hat Herbert Dreiseitl gefragt: Wie kann sich die Profession über das Thema Klimawandel stärker in der Öffentlichkeit positionieren? Hier ist seine Antwort. 

Als ich Anfang dieses Jahres in Boston, USA vor unser neu gegründetes Büro trat, stand das Meerwasser einen halben Meter über der Uferstraße. Doch nicht nur das: Es war so kalt, dass stehen gebliebene Autos im Meerwasser einfroren. Diese Bilder gingen um die Welt und der Präsident der USA twitterte polemisch „Jetzt könnten wir Global Warming gebrauchen“. Die Wärme wurde im Laufe des Jahres leider zu viel – neue Hitzerekorde, Feuer und Dürre gingen dieses Mal durch die Presse. Und nicht nur in Kalifornien, auch hier in Deutschland. Wer meint diese Wetterextreme seien ein einmaliges Ereignis gewesen, ignoriert alle Beobachtungen und Forschungsergebnisse. Doch welche sind die Handlungsräume der Landschaftsarchitektur und wie nutzen wir diese?

Seit nunmehr vier Jahrzehnten arbeite ich mit internationalen Kollegen an einer nachhaltigen und resilienten urbanen Landschaftsarchitektur. Wasser ist bei allen Fragen des Klimaausgleiches der zentrale Schlüssel. Sowohl in überregionalen Maßstäben als auch in scheinbar zu vernachlässigenden kleinen Details. Wir wissen in unserer Profession, wie grüne und blau-grüne Infrastruktur wirkt. Und wir wissen, dass es notwendig ist, diese bereits sehr früh durch multifunktionale Abstimmungsprozesse in den Städten und im Landschaftsbau zu integrieren.

Schläft die grüne Branche?

Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Gerade jetzt wo die Konjunktur auf Hochtouren läuft und der Bausektor boomt – im Wohnungsbau, Gewerbe und in Infrastrukturen der Mobilität und Energieversorgung – werden viele Chancen den Wasserhaushalt zu stabilisieren und Vegetation in neuen Formen einzubringen vergessen, vertan und nicht genutzt. Ist die Branche der grünen Berufe trotz einiger Aktiven wiedermal unfähig, zu leise, zu spät, zu verschlafen? Es ist beschämend, wenn das Thema von anderen Berufsgruppen wie Tiefbauingenieuren, Hochbauarchitekten, Stadtplanern, Soziologen oder Ärzten vermehrt aufgegriffen wird und sich in öffentlichen Debatten eher Vertreter aus Wissenschaft, Politik und aus den „Grauen Berufen“ zu Wort melden.

Wir hätten die besten Argumente zur Veränderung.

Dabei hätten gerade Landschaftsarchitekten, Ökologen und Gestalter der Grünbereiche die besten Argumente. Wenn, ja wenn, sie die Wertgewinne und die Kapitalbildung resilienter und als ökologisch nachhaltige Maßnahmen herausstellen. Es geht darum in der Herausforderung, eine Chance zu sehen. Eine Chance für einen gesellschaftlichen Gewinn. Kaum einer weiß, dass wir durch Maßnahmen wie Forest Bathing und Biophilia-Effekte auch die Gesundheit der Menschen fördern, zu mehr Bewegung animieren sowie zur Prävention von Burn-out und Depression beisteuern können. Wir als Landschaftsarchitekten aber wissen es. Würden wir den regenerativen Mehrwert grüner Projekte besser kommunizieren, würden wir mehr gehört und hätten einen größeren Impact. Das betrifft ebenso Kostenvergleiche. Denn die Kosten steigen extrem, wenn wir jetzt nicht handeln.

Wir müssen Farbe bekennen. Das heißt, sich öffentlich zu äußern, aber auch fachlich besser aufgestellt sein und gut gebaute Zeichen setzen, die Vertrauen schaffen und Mut machen. Dazu zählt auch die Ausbildung der nächsten Generationen in kreativer Adaption an den Klimawandel sowie die Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen zu verbessern. Letztendlich geht es darum, statt Bürokratie und Normenverwaltung die Bürger mitzunehmen und den gesunden Menschenverstand wieder zu fördern.

Mehr Meinungen zu dem Thema Klimaanpassung in der Landschaftsarchitektur finden Sie in der Januarausgabe 2018 der G+L.

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