Fritz (Guido Hammesfahr) und die Nachbarskinder Emmi (Ellis Drews) und Lou (Benedikt Jenke) sind stolz auf ihr Modell der neuen Schule. Copyright: ZDF/Zia Ziarno

Fritz (Guido Hammesfahr) und die Nachbarskinder Emmi (Ellis Drews) und Lou (Benedikt Jenke) sind stolz auf ihr Modell der neuen Schule. Copyright: ZDF/Zia Ziarno

Diese Folge der ZDF-Kinderserie „Löwenzahn” ist nicht nur etwas für die Jüngeren unter uns. Denn: Bärstadt bekommt eine neue Schule und alle können durch die Beteiligung an einem Ideenwettbewerb mitentscheiden, wie diese aussehen soll. Mehr dazu hier.

Löwenzahn und der Ideenwettbewerb in Bärstadt

„Wer hat am meisten Ahnung, was gut ist für die Kinder?“, fragt der listige Kontrahent des freundlichen Bauwagenbesitzers Fritz Fuchs am Ende der Episode Löwenzahn. „Na, die Kinder!“, antwortet diese ohne Zögern, während im Hintergrund Schüler*innen und Schuldirektorin ihren Entwurf für den Schulneubau feiern. Die Folge, die in der ZDFmediathek verfügbar ist, befasst sich auf amüsante Weise mit dem Architekt*innenberuf und dem Wesen von Ideenwettbewerben. Das Setting ist folgendes: In der Kleinstadt Bärstadt soll ein neues Schulgebäude errichtet werden. Die Direktorin ruft daraufhin einen offenen Ideenwettbewerb aus. Der gekürte Entwurf soll anschließend Realisierung finden. In der Folge treten zwei Bewerber*innenteams an. Der engstirnig und uninspiriert dargestellte Lehrer Herr Kluthe intrigiert dabei gegen das junge, kreative Trio um die Schüler*innen Emmy und Lou unter Beihilfe von Bauwagenbesitzer Fritz Fuchs. Als diese sich zur Teilnahme bewerben möchten, reagiert Lehrer Kluthe pikiert und hinterfragt, was ein Mann aus einem Bauwagen denn von Architektur verstehe. Die den Wettbewerb entscheidende Antwort: Fritz, Emmy und Lou haben Fantasie.

Vom Sinn und Zweck eines Bauwerks

So machen sich die drei munter ans Werk. Ihre erste Prämisse lautet dabei, dass der Neubau nicht langweilig werden solle. Daran schließen sich aber die ersten Schwierigkeiten an. Wie kann der Entwurf für eine unkonventionelle Schule im Detail aussehen? Eine Zwischensequenz in der Löwenzahn-Folge erklärt, wie wichtig bei der Gestaltungsfindung die Definition von Zweck und Aufgabe des geplanten Bauprojekts ist. Die Pyramiden des alten Ägyptens verfügen zum Beispiel weder über Fenster noch Türen. Als Grabstätten benötigen sie diese jedoch auch nicht. Und die Ritterburgen im Mittelalter sind unwirtlich mit hohen Zinnen und dicken Mauern. Kalt und dunkel im Inneren, aber standhaft nach außen. Die Schule soll nun also ein Platz zum Lernen und Entdecken sein. Emmy und Lou finden Inspiration in Fritz Fuchs‘ Bauwagen. Sie wünschen sich eine bunte Umgebung. Weiterhin erhoffen sie sich eine Verknüpfung mit der Natur. Und die Schaffung gemütlicher Orte. Gleichzeitig soll das Gebäude zweckmäßig sein.

Den Bestand achten und die Anforderungen erfüllen

Auf dem ausgeschriebenen Bauplatz für den Neubau steht ein alter, großer Baum. Die zu bebauende Fläche wird dadurch begrenzt. Aber auch hier findet das Team Inspiration in Vorbildern aus der Realität. Wenn der Platz zum Bauen immer kleiner wird, wachsen die Gebäude verdichtet in die Höhe. Um den Bestand zu achten, entwickeln sie die Idee eines Baumhauses. Schnell bringt sie das Raumprogramm jedoch auf den Boden der Tatsachen zurück. Nicht nur die Klassenzimmer, auch eine Aula, eine Mensa, ein Musikzimmer und eine Turnhalle sind unterzubringen. Der Baum auf dem Gelände kann diese Last unmöglich tragen. Doch der nächste Geistesblitz lässt nicht lange auf sich warten. Statt den Bestandsbaum als tragendes Element zu nutzen, entwerfen sie einen Bau in Form eines Baumes. Ein kreativer Einfall mit Potential. Bis der Konkurrent Kluthe auf das Reglement hinweist. Und die Zuschauer*innen von Löwenzahn lernen, dass die Leistung der Architekt*innen weit mehr beinhaltet als nur die schöne Idee.

Bauen in der realen Welt

Fluchtwege, die Feuerwehrzufahrt, Blitzschutz, Statik und Sicherheit sind zu beachten. Auch an die Unterbringung von Sanitäranlagen hat das junge Team bisher nicht gedacht. Plötzlich erscheint die Aufgabe gar nicht mehr so frei und einfach. So entwickeln Architekt*innen zwar räumliche Ideen am kleinen Modell. Details und Einzelheiten müssen jedoch präzise am Computer gezeichnet und geplant werden. Manche statischen Entscheidungen werden gar am Schütteltisch 1:1 überprüft, um Erdbebensicherheit zu garantieren. Die auf den Millimeter exakt gezeichneten, finalen Pläne sind elementar auf der Baustelle. Laut den Redakteur*innen der Serie hat die Devise, gut geplant ist halb gebaut, nicht von ungefähr ihre Berechtigung. Hinterfragt wird im Format aber die Einstellung des konkurrierenden Designers Herrn Kluthe. Sein Modell zeigt einen eckigen, grauen Bau. Mit der Begründung, nur eine ordentliche Schule bringe ordentliche Kinder hervor, will er den Entwurf durchsetzen. Glücklicherweise geben Emmy, Lou und Fritz in der Serie Löwenzahn aber noch nicht auf.

Offene Wettbewerbe zur Inklusion

Sie kreieren eine Vision, in der Kinder mit eigenen Augen und Ohren die Welt erkennen und entdecken sollen. Statt ewigen Sitzens im Klassenzimmer, fordern sie mobilen Unterricht unter freiem Himmel auf Terrassen. Dort angebautes Gemüse und Kräuter könnten in einer schuleigenen Gemeinschaftsküche verarbeitet werden. Ein Baumwipfelpfad und eine Sternwarte ergänzen das Programm. Und die überdachte Mensa würde bei gutem Wetter zum Freiluftatrium, indem das Glasdach abgenommen wird. In der Kinderserie wird der Entwurf trotz wiederholter Sabotage durch den Konkurrenten, prämiert. Und die Schuldirektorin sieht sich in der Ausrufung eines offenen Ideenwettbewerbs für den Neubau bestätigt. So zeigt die Löwenzahn-Folge auf einfache, aber charmante Art die Vorteile des Wettbewerbswesens und die Herangehensweisen im Architekturberuf. Die Erwiderung der Rektorin an den kritischen Kontrahenten am Ende ist eine Aufforderung, alle Akteur*innen – in diesem Falle, die Schüler*innen – zu beteiligen, denn: „Es wäre doch interessant zu sehen, wie Kinder selbst ihre Zukunft gestalten würden.“

Auch interessant: In der Märzausgabe 2022 der G+L diskutieren wir Lern- und Bildungsräume des 21. Jahrhunderts. Mehr zu den neusten Schulhöfen erfahren Sie im Editorial von Chefredakteurin Theresa Ramisch.

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Eine crossmediale Ausstellung im Besucherzentrum der IGA Berlin ergänzt den Gartenschau-Tag mit kurzweiligen Informationen.

“Please think!” Diese sehr deutliche Botschaft des Landschaftsarchitekten Tom Stuart-Smith (Großbritannien) macht sich auch die Ausstellung im Besucherzentrum der IGA zu eigen, in der die Dokumentation über dessen „Landscape out of nothing“ zu sehen ist. Im Video spricht der Gestalter eines der Gartenkabinette der IGA über seine Ansprüche und die Rolle der Besucher.

Eine crossmediale Ausstellungsskulptur ermöglicht es jedem IGA-Besucher, einen individuellen Parcours zu den historischen und kreativen Entstehungsprozessen der Gärten – von der 1987 eröffneten Berliner Gartenschau bis zur IGA 2017 – zu gestalten. Organisiert auf drei Ebenen, ergänzt diese Skulptur für Groß und Klein das, was man beim IGA-Besuch gesehen hat.

Videos, Fotos, Memotafeln und Originalobjekte dokumentieren den gestalterischen Ansatz, die Entwicklung der gesamten Anlage und auch die Kunst auf der IGA. Gelungen ist die Mischung unterschiedlicher Ausstellungsformen wie zum Beispiel das Video zum chinesischen Mondfest (wieder am 23. September 2017 auf der IGA), die japanischen Bauarbeiterschuhe, das Modell zum „Los Angeles Garden“ des deutschen Künstlers Martin Kaltwasser oder die Künstler- und Planerprofile. Erläuterungen zu religiös und kulturell bedingten Symbolen, die in den Gärten zu finden sind, ergänzen alles gekonnt.

Aus dieser Interaktion ist eine Ausstellung entstanden, die es schafft, Landschaftsarchitektur auf einfache, verständliche Weise und zugleich feinsinnig zu vermitteln. Sie wurde sehr kurzweilig sowohl graphisch als auch inhaltlich von der Berliner Agentur Moniteurs in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin und Filmemacherin Susanne Isabel Yacoub aufbereitet. Diese Form der Präsentation ist nachahmenswert, bedenkt man die langjährigen Anstrengungen, eine breite Öffentlichkeit für die Profession zu erreichen.

Bedauerlich ist, dass diese kleine, sehr gelungene Ausstellung im Besucherzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den kommerziellen Angeboten der IGA ihre Wirkung nicht angemessen entfalten kann, trotz Frontverglasung, die zeitgleich den Ausblick in den Park ermöglicht.

Mit der Städtebauförderung werden – trotz der Benennung – auch Dörfer und Kleinstädte gefördert, erklärt Klara Geywitz im Interview. Die verschiedenen Förderprogramme zeigen, dass man sowohl Städte als auch ländliche Regionen im Blick habe, so die Bundesministerin. Credit: BMWSB / Henning Schacht

Es ziehen wieder mehr Menschen aufs Land – diesen Trend beobachtet Bundesministerin Klara Geywitz. Und ihrer Meinung nach, selbst vom Dorf kommend, lohnt sich das. Die Wohnungsnot in den Großstädten solle damit aber nicht gelöst werden. Was stattdessen notwendig ist, welche Herausforderungen auf dem Land bereits angegangen werden und warum Landleben nicht nur Bullerbü ist, erklärt Klara Geywitz im Interview.

Politische Präsenz des ländlichen Raums

Es brauche mehr Krach aus dem ländlichen Raum – das sagten Sie beim Kommunaldialog im Berliner Tagungswerk Mitte Januar. Aufmerksamkeit sei ein wichtiger Faktor im Streit um Ressourcen. Sie haben den direkten Einblick: Wie präsent sind die Interessen des ländlichen Raums und seiner Bevölkerung im politischen Berlin?

Die sind wirklich immer präsent. In jedem Ministerium finden Sie Themen, Strukturen und Initiativen, die sich allein auf den ländlichen Raum fokussieren. Das haben Sie auch auf dem Kommunaldialog gesehen – den haben wir ganz bewusst gemeinsam mit den Bundesministerien für Landwirtschaft, für Inneres und Heimat sowie für Verkehr und Digitalisierung organisiert. Bei uns denken wir wirklich jedes Thema mit der Stadt-Land-Brille mit. Ich weiß, wenn Menschen auf dem Dorf oder in der Kleinstadt von Nachverdichtung und Dachausbau auf dem Mehrfamilienhaus hören, dann ist das erst mal weit weg. Dort stellt sich eher die Frage, kann ich auf meinem ausreichend vorhandenen Grundstück meine Kinder und Enkelkinder bauen lassen. Das werden wir mit der Hinterlandbebauung jetzt zum Beispiel ermöglichen. Oder Stichwort Klima und Extremwetterereignisse: Unser Programm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ fördert nicht nur den Stadtpark, sondern ganz gezielt Umbaumaßnahmen in den Gemeinden. Wir haben bei diesem Programm den ländlichen Raum bewusst neu mit rein­ genommen. In der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra, die im Regenschatten des Harzes liegt und schon heute mit Trockenheit zu kämpfen hat, geht es zum Beispiel um die Revitalisierung von Biotopen oder auch ganz einfach nur um die Verschattung von Wegen und siedlungsnahen Flächen. Und zu guter Letzt, es schadet glaube ich auch nicht, dass gleich mehrere Minister, so wie ich, vom Dorf kommen und das im Herzen tragen.

Lebensqualität auf dem Land

Insbesondere Familien mit Kindern böte der ländliche Raum eine hohe Lebensqualität, sagten Sie im März 2023 derFunke-Mediengruppe. Können Sie dieseAussage konkretisieren? Von welcher Lebensqualität sprechen Sie? Wie stellt sich diese für Sie – selbst „Dorfkind“ – dar?

Wo fange ich an? Die Luft ist besser. Man kennt sich. Die Kinder gehen einmal um die Ecke und können da gut und sicher spielen. Der Zusammenhalt ist ein ganz anderer, und auf dem Land wächst man mit so viel lebenspraktischem Wissen auf, das einen durchs ganze Leben trägt. Landleben ist eine Menge Arbeit und hat wenig mit Bullerbü zu tun, aber es wird einem vielfach zurückgegeben, was man an Schweiß reinsteckt. Im vergangenen Jahr haben wir übrigens die Kleinstadtakademie in Wittenberge gegründet. Sie wird den Austausch zwischen den kleinen Städten in Deutschland befördern und ihnen eine Stimme in Politik und Gesellschaft geben. Neben den Kleinstädten selbst wird dabei sicherlich auch der ländliche Raum eine Rolle spielen, der eng mit diesen Ankerorten verbunden ist.

Umzug aufs Land – Was hält Familien ab?

Und: Was hält Ihrer Meinung nach Familien derzeit ab umzuziehen? Was sind die Hauptgründe?

Sie meinen, wieder aufs Land zu ziehen? Die Zahlen geben seit Beginn der Corona-Pandemie ja eigentlich einen anderen Trend vor. Viele sind in der Zeit rausgezogen. Nicht alle sind geblieben, aber viele, und es ziehen weiter mehr Menschen weg. Das übrigens nicht nur in die berühmten Vororte der Großstädte bei uns, sondern auch in Kleinstädte. Homeoffice macht es möglich. Ich bin Volker Wissing sehr dankbar dafür, dass er wie lange schon kein Verkehrsminister mehr davor, die Verkehrswege inklusive der Schiene so in den Blick nimmt. Infrastruktur zu verbessern und zu erneuern, ist tatsächlich noch langwieriger und schwieriger als Wohnungsbau.

Stärkung des ländlichen Raumes als Lösung für urbane Herausforderungen

Sie sind der Überzeugung, die Stärkung des ländlichen Raumes könnte die Herausforderungen der Städte – insbesondere die urbane Wohnungsnot – lindern. Nehmen wir an, der Großteil der Großstadtfamilien folgt Ihrer Idee und zieht nach und nach aufs Land – ist es nicht gefährlich im Sinne einer bunten Stadtbevölkerung, wenn künftig hauptsächlich „nur“ noch junge, gutverdienende Singles in den Städten leben?

Also ich würde immer ein Fragezeichen an gutverdienend machen, denn gerade, wenn die Leute jung sind, sind sie in Ausbildung, studieren oder starten gerade ins Berufsleben. Aber ich weiß, was Sie meinen. Wichtig ist mir, noch mal deutlich zu sagen: Damit soll nicht die Wohnungsnot in der Großstadt gelöst werden. Ich beschreibe einen faktisch vorhandenen Trend und kann nur jedem sagen: Land lohnt sich. Aber die Wohnungsnot in Ballungsgebieten müssen wir schon bitte mit neuen Wohnungen lösen. Nach mehr Wohnungen, die die Not lösen, kommt ja der Markt, der ein breiteres Angebot für viele hat, damit wir von der Not in eine entspannte und damit vorteilhafte Angebotssituation für Wohnungssuchende kommen. Zugegeben, das wird nicht sehr schnell passieren, aber wir sind wirklich mit viel Förderung und weniger Belastungen für die Wirtschaft jeden Tag dran. Mit anderen Bundesressorts arbeiten wir derzeit an einer Handlungsstrategie Leerstandsaktivierung, um strukturschwache Regionen auf dem Land als Wohnstandorte attraktiver zu machen und dort Leerständen entgegenzuwirken.

Maßnahmen zur Förderung des Landlebens

Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, das Leben auf dem Land einfach zu machen. Welche Möglichkeiten haben Sie hier als Bundesbauministerin, dies zu fördern?

Da verweise ich auf meine Antwort zuvor.Leben wird nicht einfach, weil man morgens in den Garten tritt und nur Grün sieht. Schöner für die meisten vielleicht, aber der Alltag ist überall für viele herausfordernd. Ich könnte Ihnen jetzt viele Maßnahmen und Programme aufzählen, angefangen von der Wohneigentumsförderung für Familien, die bestimmt auch im ländlichen Raum auf Interesse stößt, über die Städtebauförderung, die bereits seit 50 Jahren so heißt, aber genauso viele Dörfer und Kleinstädte miteinschließt. 47 Prozent der Mittel der Städtebauförderung gehen allein in die ländlichen Räume. Als Beispiel sei hier die Stadt Pößneck in Thüringen genannt, die für die Sicherung und Sanierung städtebaulich markanter Gebäude Mittel aus dem Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ erhält. Wir haben eine Reihe weiterer Förderprogramme aufgesetzt, die ich hier nicht alle aufzählen kann, die aber verdeutlichen, dass wir die Städte genauso im Blick haben wie die ländlichen Regionen. Abschließend sei der Hinweis vom Anfang noch mal hervorgeholt: In Deutschland hat das Dorf in jedem Ministerium seinen Platz.

 

Mehr über das Thema Dorfleben, lesen Sie in unserer Juli Ausgabe.