Ein Rückblick: MakeCity Festival

Die Preise für Grundstücke in der Berliner Innenstadt sind in den letzten zwei Jahren um 800 Prozent gestiegen. Das hat zur Folge, dass die Berliner Mischung zurück geht. Die zweite Ausgabe des Berliner MakeCity Festival für Architektur und Andersmachen zeigt Modelle, wie Berlin trotzdem durchmischt bleiben kann.

Das MakeCity Festival lief zum ersten Mal 2015. Dieses Jahr war das Thema: „Stadt Neu Gemischt“. Anstoß dafür war ein internationales Problem, was exemplarisch an Berlin aufgezeigt wurde. Die städtische Mischung aus Arbeiten, Wohnen und Leben geht zurück, da Städte ihre Grundstücke an Spekulanten verkaufen. Mehrere Projekte:

Terrassenhaus

Mehrere Gebäude demonstrierten, wie sich Architektur und Landschaft vermischen können. Das neue Terrassenhaus Lobe Block von Arno Brandlhuber in Berlin-Wedding zeigt, wie Nachverdichtung offene und freiräumliche Nutzungen integrieren kann. Statt Gewinne zu maximieren, möchte das Projekt ein Teil der offenen Stadt sein, indem es Nutzungen mischt und den Freiraum mitgestaltet.

Der Lobe Block von Brandlhuber+ Emde, Burlon mit Muck Petzet wird im September eröffnet. Die Baukosten liegen bei 6 Millionen Euro. Foto: Olivia Reynolds

Von zwei Künstlerinnen beauftragt, ist Lobe Block eines der typologisch spannendsten neuen Architekturprojekte Berlins. Das multifunktionale Zentrum, als Stufenpyramide mit sechs Meter breiten Terrassen angelegt, haben Brandlhuber + Emde, Burlon mit Muck Petzet entworfen. Lobe Block vereint Veranstaltungsräume, Studios, Co-Working Spaces und eine Artist Residency auf 3 000 Quadratmetern, verteilt auf fünf Etagen. Das Erdgeschoss mit Doppeletage und das erste Geschoss sind öffentlich zugänglich. Im Rohbau können Mieter die Räume selbst ausbauen.

Um die Fläche auszunutzen und eine öffentliche Nutzung des Außenraums zu erreichen, sind die Eingänge auf zwei äußere Treppen verlegt. Die Vision ist es, die Treppen und Terrassen zu begrünen. Lobe Block folgt damit dem Ansatz von Brandlhuber, die Stadt gleichzeitig zu verdichten und zu verlandschaftlichen.

Stadt als Freibad

Natur spielt ebenso eine zentrale Rolle beim Stadtentwicklungsprojekt Flussbad Berlin, das den Spreekanal in Berlins historischer Mitte in ein sauberes Gewässer transformieren will. Das Projekt dreht sich sowohl um das Baden im großteils ungenutzten Spreekanal als auch die angrenzenden Freiflächen durch Freitreppen und Renaturierung zu bespielen. Der MakeCity-Event Flussbad Pokal bot die Möglichkeit im Spreekanal zwischen Bodemuseum und Schlossbrücke zu schwimmen.

Parlamentarisches Frühstück BWE
Flussbad Berlin will den Spreekanal reaktivieren und seine Ufer besser mit der Stadt verbinden. Foto: Axel Schmidt

 Bunte Straßenräume

In Berlin soll die Monofunktionalität der autodominierten Straßen aufgebrochen und die Fahrbahnflächen wieder für öffentliches Leben zugänglicher gemacht werden, unter anderem durch neue Begegnungszonen. A24 Landschaft, die zwei solcher Begegnungszonen – in der Maaßenstraße und in der Bergmannstraße – konzipieren und entwerfen, lud zum Studio Talk ein, um eine Vision für eine neue Stadt zu diskutieren. Was machen wir mit dem Platz, der durch Parkplatzabbau entsteht? Die Veranstaltung illustrierte, dass Straßenräume als mehrfachcodierte Räume funktionieren können: gleichzeitig als Sozialraum, um sich aufzuhalten und auszutauschen, als ökologisches Biotop, ökonomischer Raum, Mobilitätsraum, Ort politischer Manifestation und Repräsentation.

Die Landschaft und ihre Nutzungen verschmelzen in A24 Landschafts Kohlelager in Landau. Foto: Hanns Joosten

 Willkommensorte

Wie flexibel und aufnahmefähig die Stadt ist, untersucht das Festival daran, wie Migranten den Stadtraum nutzen. Eine der Führungen durch die Arrival City ging in den Thaipark. Seit mehr als 20 Jahren veranstalten Thailänder und andere Südostasier auf der Wiese des Preußenparks in Berlin-Wilmersdorf einen nicht autorisierten, aber geduldeten Street-Food-Markt. Mittlerweile ist eine eigene Form von Gesellschaft mit sehr gemischtem Publikum entstanden. Von den Stadtbewohnern produziert, zeigt der Thaipark, wie der Freiraum mit relativ wenigen Mitteln neu interpretiert werden kann. Somit wurde bei der Führung klar, dass die gemischte Stadt im Freiraum von unten improvisiert werden und prima funktionieren kann.

 Strukturen im Freiraum sind offener als in der Architektur

Die oben genannten Beispiele zeigen, wie sowohl Gebäude als auch Freiräume versuchen mit Offenheit umzugehen. Berlin hat in den letzten Jahren an Freiheit verloren, aber es leben auch viele Formen von Natur weiter, erweitern sich oder haben Potenzial sich zu entfalten. Das MakeCity Festival verdeutlicht, dass offene Strukturen, einfache Zugänge und neue soziale Gruppen sich schneller im Freiraum als im gebauten Raum etablieren. Die urbane Mischung fordert, dass Räume neu interpretiert und umgenutzt werden können. Diese Qualität, dass Freiräume nicht so prädisponiert wie Gebäude sind, sollten sich Landschaftsarchitekten bewusst machen, wenn sie erforschen, was in der Stadt möglich ist.

 

Das MakeCity Festival für Architektur und Andersmache fand in Berlin vom 14. Juni bis 1. Juli 2018 statt.