Landschaftsvertrag

Bedenkt man die Verkaufszahlen von Magazinen wie „Landlust“, muss man konstatieren, dass eine Millionenleserschaft alte Bauernhäuser, Obstsorten und Haustierrassen, Einweck-Rezepte und alles, was mit Selbstversorgung zu tun hat, für mindestens so wichtig hält wie die dringenden Fragen der globalisierten Welt, also Klimawandel, Migration oder Digitalisierung. Was steckt dahinter? Die Macht der Nostalgie? Verlusterfahrung als Antrieb der Landschaftsliebe?

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Sören Schöbel (Hg.) Landschaftsvertrag. Zur kritischen Rekonstruktion der Kulturlandschaft Jovis Verlag, Berlin 2018

Drei Probleme

Im deutschen Raumordnungsgesetz heißt es, gewachsene Kulturlandschaften seien zu erhalten im Sinne erfahrbarer Eigenart und regionaler Identität. In der europäischen Kulturlandschaftskonvention ist dagegen die Rede davon, dass Landschaft sich in der Wahrnehmung durch ihre Bewohner konstituiere und in einem Prozess partizipatorischer Planung zu entwickeln sei. Möglicherweise kann man sich darauf verständigen, dass Landschaft ein offener Prozess kommunikativen Handelns sein soll. Dabei reicht es mitnichten aus, in ihr (nur) das zu sehen, was Stadt nicht ist. Zumal weder das Urbane noch der Freiraum heute noch den hergebrachten Begriffen entsprechen. Drei der zentralen Ursachen dafür sind die dichtere Verkehrserschließung, die Auslagerung von bestimmten städtischen Funktionen (zum Beispiel Logistikcenter) und der Strukturwandel der Landwirtschaft (zum Beispiel die Extensivierung von Grenzertragsböden). Dieser Entwicklung begegnet die Landschaftsplanung bisher in der Regel mit Behinderungs- und Verzögerungsstrategien sowie Reparaturmaßnahmen.

Dialektik von Stadt und Landschaft

Wenn nun Sören Schöbel, Professor für Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume an der TU München, – im Anschluss an Rousseau und unter der Prämisse, dass sie ein „immanenter Strukturgeber“ sei – so etwas wie einen Gesellschaftsvertrag zur Landschaft ausgehandelt wissen will – und dafür eine illustre Runde interdisziplinärer Kombattanten einbezieht –, dann ist das nicht wohlfeil oder disziplinärer Selbstüberschätzung geschuldet, sondern ein wichtiger Beitrag für die Zukunftsdebatte. Wer bereit ist, in der Tiefe zu tauchen oder auf den Strudeln der Theorie zu surfen, der liest den aktuellen Aufsatzband „Landschaftsvertrag“ mit Gewinn. Denn der Band denkt Dialektik von Stadt und Landschaft hier neu.

Der Artikel „Mit Landschaft Land machen“ von Sören Schöbel finden Sie in der Septemberausgabe der Garten+Landschaft.