Mauerpark Berlin – Auf der Reise vom Tod zum Leben

Steinkreis Mauerpark © Frank Sleegers
Steinkreis Mauerpark © Frank Sleegers

„Die größte gestalterische Herausforderung ist das Schaffen eines leeren Raumes.“ Dieses Zitat von Gustav Lange bildet die Grundlage zum Verständnis eines seiner prominentesten Projekte, dem Berliner Mauerpark. Wie kaum ein anderes spiegelt der Mauerpark die Entwurfsphilosophie und die Haltung seines Schöpfers wider. Es war das Streben nach der Leere, dem Zwischenraum und dem Zufall, welches immer wieder deutlich wurde in Langes Planungen. Lange war bis zuletzt an der Realisierung des letzten Bauabschnitts, der 2020 eröffnet wurde, involviert. Gustav Lange ist am 7. März 2022 in seiner Schleswig – Holsteinischen Wahlheimat gestorben. Anlass genug, den Mauerpark als Gesamtwerk zu würdigen.

Vom Grenzraum zum Freiraum

Für Lange war es grundlegend, die Offenheit des ehemaligen „Todesstreifens“ innerhalb der geschliffenen Grenzanlagen der Berliner Mauer in seiner Entwurfsplanung zu erhalten. An der Schnittstelle zwischen den zwei ehemaligen politischen Systemen sollte somit eine Lichtung in der Stadt erhalten bleiben. Auf dem Weg „vom Grenzraum zum Freiraum“ sollte ein Ort zum Leben und Leben lassen entstehen. Die Verwandlung eines negativ besetzten Freiraumes in einen positiv besetzten, öffentlichen Park war dabei die zentrale Fragestellung. Die Besucher*innen hatten in Langes Entwurf die Schlüsselstellung dieser prozesshaften Transformation. Denn die Planung stellte lediglich den Rahmen für den ästhetischen Überbau und die materielle Bühne bereit. An dieser Stelle können sich Menschen entfalten, um den historischen Ort neu zu artikulieren und interpretieren.

Gustav Lange erhielt die Offenheit des ehemaligen „Todesstreifens“, der so auch weiterhin lesbar war. An der Schnittstelle zwischen den zwei ehemaligen politischen Systemen sollte eine Lichtung in der Stadt erhalten bleiben und wurde “vom Grenzraum zum Freiraum“. © Frank Sleegers
Gustav Lange erhielt die Offenheit des ehemaligen „Todesstreifens“, der so auch weiterhin lesbar war. An der Schnittstelle zwischen den zwei ehemaligen politischen Systemen sollte eine Lichtung in der Stadt erhalten bleiben und wurde “vom Grenzraum zum Freiraum“. © Frank Sleegers

Der Mauerpark von Nord nach Süd

Die kontaminierte Sandfläche des ehemaligen „Todesstreifens“ wurde abgetragen, durch Oberboden ersetzt und somit zur fruchtbaren Grundlage für einen weitläufigen „Rasenteppich“. Das historische Pflaster der „Schwedter Straße“ wurde freigelegt und zur zentralen Parkachse von Nord nach Süd gemacht. Am Eingang Eberswalder Straße begrüßt ein Hain aus Zitterpappeln und winkt freundlich mit den säuselnden Blättern im Licht: „Komm herein!“ Am anderen Ende fängt ein Birkenwäldchen den Wind und zitiert ferne sibirische Weiten. Dazwischen – ein leeres Feld und viel Himmel. In der Ferne kann man sogar den Berliner Fernsehturm am Alex erkennen.

Die Ostseite des Parks – ein zehn Meter hoher Hang aus Weltkriegstrümmerschutt. Hier blüht der Wilde Salbei unter Wildäpfeln. Oben steht die Hinterlandmauer, die schnell zur ständig wechselnden Graffitigalerie wurde. Dort warten fünf große Schaukeln und laden ein zum Flug in die Berliner Abendsonne. Weiter nordwärts findet sich in den Hang eingebettet ein Amphitheater. Im Schatten der säulenförmigen Eichen und Pappeln spielt die Musik – und das nicht nur zum sonntäglichen Karaoke. Kein anderer Ort im Park macht ein stärkeres Bekenntnis zur Offenheit und Toleranz – ein Treffpunkt der Kulturen und Generationen.

„die Natur schaffe Kompositionen, die kein Mensch jemals kreieren könne“

Entlang der Schwedter Straße reihen sich zudem klar gesetzte kleine Plätze in geometrischen Grundformen. Als gekippte Rechtecke überlappen sie den Straßenraum. Die kreisförmige Bühne des Amphitheaters durchschneidet gar den Bordstein der Schwedter Straße und wird von den größeren Bögen der Sitzstufen umarmt. Spaltraue Granitblöcke verleihen dabei Fassung. In den großen Fugen zwischen den Blöcken ist trotzdem noch Raum für wild vagabundierende Pflanzen. Lange sagte hierzu, dass „die Natur Kompositionen schaffe, die kein Mensch jemals kreieren könne“.

Das Amphitheater am Hang versprüht eine mediterrane Atmosphäre und ist ein beliebter Ort für Aufführungen und Konzerte. © Frank Sleegers
Das Amphitheater am Hang versprüht eine mediterrane Atmosphäre und ist ein beliebter Ort für Aufführungen und Konzerte. © Frank Sleegers

Wettbewerb zum Mauerpark

Die Ursprünge des Mauerparks gehen auf die Zeit direkt nach dem Fall der Mauer zurück. Dieselben Bagger, die nach dem Gebietstausch 1988 an der Bernauer und Eberswalder Straße zum Einsatz kamen, nahmen die geraden errichteten Mauerelemente am 10. November 1989 wieder heraus. Ab Juni 1990 erfolgte dann der Abbau der Mauer. Der geharkte Sandstreifen zwischen Prenzlauer Berg und Wedding diente als Ort für Begegnung zwischen Ost und West und für spontane Aktivitäten.

Unter dem öffentlichen Druck, die Flächen auch zukünftig als öffentliche Freiflächen zu sichern, lobte der Senat Berlin im Rahmen der 2000er-Olympiabewerbung Anfang 1992 einen Wettbewerb „Sportstadt Berlin“ aus. Dieser umfasste den Mauerpark und die zukünftige Max-Schmeling-Halle neben dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Der in Hamburg tätige Landschaftsarchitekt Gustav Lange gewann in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Schweger und Partner den landschaftsplanerischen Teilbereich. Schon 1993 wurde durch Mitfinanzierung der Allianz-Umweltstiftung mit den Baumaßnahmen auf der östlichen, sieben Hektar großen Teilfläche begonnen. Im Herbst 1994 konnte der erste Bauabschnitt eröffnet werden.

Mauerpark – alt und neu

Es dauerte lange, bis die Planungsmaßnahmen am westlichen, acht Hektar großen Teil des Mauerparks schließlich in Angriff genommen wurden. Ohne das bürgerschaftliche Engagement und Einflussnahme bei Politik und Verwaltung in den Jahren seit 2003 wäre die Fertigstellung des Parks nicht umgesetzt worden. Der entscheidende politische Beschluss im Jahr 2009 machte den Weg frei für die Überlassung des Grundstücks aus der Hand der Eigentümer*innen. Andernfalls wäre hier der Bau von hochwertigen Wohnungen zu Lasten des quartiersverbindenden Parks erfolgt. In den Jahren 2012 bis 2016 nahm Lange aktiv an der Bürgerwerkstatt „Mauerpark Fertigstellen” teil. Im Dialog mit den Beteiligten passte er seinen schon historischen Entwurf von 1993 an. Die Ansprüche der Nutzer*innen an einen öffentlichen Raum, die Entwicklung des etablierten Parks und auch die Einflussnahme der städtischen Institutionen waren eine Herausforderung.

Linie der Ungleichen Dinge

Der Ort stellte sich zum einen Teil als Industriebrache dar, wurde zum anderen Teil aber auch durch erhaltungswürdige Zwischennutzungen geprägt. Dazu gehörten die interkulturellen Gemeinschaftsflächen der Mauergärten im nördlichen Bereich des Parks, die Biergärten an der Eberswalder Straße und der wöchentliche Flohmarkt. Auch wurden Flächen für Kinderspiel eingeplant und ein zukünftiges Kulturzentrum am kleinen Industriebau „Kartoffelhalle“ einbezogen. Insgesamt sollte die Erweiterung des Parks als Gegenpol zum regen genutzten, östlichen Teil gelten und zusätzliche Räume für ruhigere Nutzungen anbieten. Auch dies war der direkt angrenzenden Wohnbebauung geschuldet.

Bei unterirdischen Bauarbeiten am Stauraumkanal an der Eberswalder Straße wurden zudem Artefakte der Berliner Mauer und eines Fluchttunnels gefunden. Im Winter 2017/2018 wurde daher auch der Eingangsbereich an der Eberswalder Straße umgeplant und Teil der „Gedenkstätte Berliner Mauer“. Der Bestandsverlauf des Mauerabschnittes aus den Jahren 1961 bis 1989 wurde im Park an der Schnittstelle von „altem“ und „neuem“ Park, der von Lange bezeichneten „Linie der Ungleichen Dinge“, markiert. Für die Ausführungsplanung und die Bauüberwachung wurde das Berliner Büro BBS beauftragt, während Gustav Lange weiterhin für die künstlerische Oberleitung verantwortlich war.

Die Mauergärtner im nördlichen Bereich des Parks definieren sich als interkulturelle Gruppe. Für sie ist der Mauerpark ein „Mitmachpark“ der für Vielfalt und Integration einsteht. © Frank Sleegers
Die Mauergärtner im nördlichen Bereich des Parks definieren sich als interkulturelle Gruppe. Für sie ist der Mauerpark ein „Mitmachpark“ der für Vielfalt und Integration einsteht. © Frank Sleegers

Ein Park für alle

Im Erweiterungsteil des Mauerparks setzt sich Langes formbetonte Entwurfssprache etwas dezenter fort. Eine Ausnahmestellung hat hier der Quartierstreffpunkt am Steinkreis. Unter einem Hain aus den brandenburgischen Kiefern und Wildkirschen findet gerne auch mal spontan ein Kindergeburtstag statt. Der mit doppelseitiger Granitbank gefasste Kreis markiert dabei die Kreuzung zwischen Wedding und Prenzlauer Berg. Die weiter nördlich gelegenen Wiesenquadrate mit den kleinen Spielflächen sind ein beliebter Treffpunkt für lokale Yogaklassen im lockeren Schatten der Birken geworden. Auch die Mauergärtner haben einen hier ihren Platz gefunden. Der neue Parkteil wirkt insgesamt kleinteiliger, was nicht nur ein Ergebnis der diversifizierten Planungskultur ist. Es ist eine behutsame Melange aus Spuren des ehemaligen Güterbahnhofes mit Gleisresten und Grosssteinpflaster Patchwork und robusten Ruderalgehölzen.

Die vierreihige Platanenpromenade nimmt die 30- bis 40-jährigen, krummgewachsenen Ahornbäume wie selbstverständlich auf. Die Allee schafft eine Verbindung vom Eingang an der Bernauer Straße bis an die „Kartoffelhalle“ und streift die multifunktional genutzte, asphaltierte Fläche des Flohmarkts. Dort kann man unter dem weiten Raster aus Sophoren Basketball spielen oder Runden mit den Rollerblades drehen. Der Spielplatz wurde in Zusammenarbeit mit Kindern entwickelt, doch von anderer Hand geplant. Eingegrenzt mit einem Funktionszaun und bestückt mit glänzenden Edelstahlgeräten, strahlen sie einen gänzlich anderen Charakter aus.  „Freiheit gegen Ordnungsvision – Schafft das Design ab“, postulierte Journalist Niklas Maak und kritisierte, dass die Freiheit mit Dingen und Räumen immer mehr zum Ausnahmefall in der Gestaltung von Städten wird.

Nahe am Zeitgeist

Gustav Lange hingegen verfolgte eine Entwurfsphilosophie, die in einem formgebenden und lesbaren Rahmen prozessorientierte Offenheit ermöglichte. Dies ist im Mauerpark auch auf der Detailebene lesbar. Grobe Fugen, flexible Zwischenräume, rohe Granitblöcke, stellenweise macht sich der Eindruck des Unfertigen breit. Die über Jahre mangelhafte Pflege des Parks verstärkt diesen Eindruck bisweilen. Doch ist es Ausdruck für sich wandelnde Momente und Motivation für selbstbestimmtes, spontanes Handeln und wechselnde Aktionen nahe am Zeitgeist. In gewisser Hinsicht verkörpern Lange und der Mauerpark damit einen lebendigen, lustvollen Widerstreit zwischen Formalem und Zufälligem.

Der Steinkreis im neuen Parkteil steht für das Zusammenwachsen der beiden Stadtteile Prenzlauer Berg und Wedding. Hier wird auch mal spontan ein Kindergeburtstag gefeiert. © Frank Sleegers
Der Steinkreis im neuen Parkteil steht für das Zusammenwachsen der beiden Stadtteile Prenzlauer Berg und Wedding. Hier wird auch mal spontan ein Kindergeburtstag gefeiert. © Frank Sleegers

Restaurierung des Mauerparks

Jetzt, da der letzte Bauabschnitt fertiggestellt ist, konzentriert sich die Stadt auf die Restaurierung des „alten“ Mauerparks. Der Maßnahmenkatalog wurde in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert und er beschränkt sich nicht nur auf das Nachpflanzen aller ursprünglich geplanter Bäume, der Instandsetzung der schon seit länger Zeit defekten Schaukeln oder ein nach aktuellen Richtlinien behindertengerecht zugänglicher Hang. Dies sollte auch für die handwerklichen Qualitäten der Steinarbeiten gelten, die Lange als gelernter Steinmetz immer eingefordert hat und die im Erweiterungsteil nicht immer erfüllt waren.

Die Balance zwischen dem ausgeführten Originalentwurf von 1993 und den Transformationen durch Menschen und Pflanzen im Park verlangen nach einer Wertung und Lesbarkeit der einzelnen Bedeutungsschichten und einer Haltung im Sinne des Entwurfsverfassers Gustav Lange. Es ist zu hoffen, dass hier mit Augenmaß vorgegangen wird und der Freigeist und die Offenheit des Ortes nicht einem inadäquaten Perfektionismus geopfert wird. Autor David Wagner in seiner Liebeserklärung an den Park: „Ach Mauerpark, ich liebe deine Wiese, die jetzt, im Spätsommer gar keine Wiese mehr ist, englischer Rasen sieht anders aus. Mauerpark, du bist eine kleine Steppe, ein Stück Berlin-Prärie, sieht aus, als ob Büffelherden über dich hinweg getrampelt wären.“

Unter dem Schirm eines formgeprägten und klarlesbaren Gestaltungsgerüsts brauchte es Brüche, Fugen und Zwischenräume für Spontanes, Prozesshaftes – sei es Vegetation oder menschliche Aneignung.

Ich bedanke mich bei Susanne Brehm, Jan Gustav Fiedler und Bernd Krüger für ihre Anregungen und die kritische Durchsicht.

Referenzen:

Niklas Maak, „Freiheit gegen Ordnungsvision: Schafft das Design ab!“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2020, https://headtopics.com/de/freiheit-gegen-ordnungsvision-schafft-das-design-ab-10543421

David Wagner, „Jede Woche Woodstock. Krähen, Kinder, Kiffer und natürlich Karaoke: Eine Liebeserklärung an den Mauerpark.“, Der Tagesspiegel, 01.09.2012, https://www.tagesspiegel.de/themen/umziehen-nach-berlin/mauerpark-jede-woche-woodstock/7083406.html

Die ehemalige GSW-Hauptverwaltung soll eine neue Fassadengestaltung erhalten. Lesen Sie mehr dazu bei unseren Kolleg*innen von BAUMEISTER: Rocket Tower Berlin

Außerdem: Was es im Berliner Mauerpark mit den sogenannten „Acoustic Shells“ lesen Sie hier.

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Lärmschutzschalen für Berliner Mauerpark

„Acoustic Shells“

Die Acoustic Shells sind 5

Die sogenannten „Acoustic Shells“ sollen musikalische Einlagen verbessern und gleichzeitig den Lärmpegel im Berliner Mauerpark reduzieren. Der Verein Freunde des Mauerparks e.V. und das Bezirksamt Pankow stellten die Lärmmuscheln nun vor. Alles zum Konzept lesen Sie hier.

Erste “Acoustic Shell” im Berliner Mauerpark aufgestellt

Sie sieht aus wie eine kleine Konzertmuschel aus Birkenholz und soll den umliegenden Anwohner*innen des Berliner Mauerparks endlich akustische Linderung verschaffen. Seit Jahren nämlich klagen die über die laute Musik der Feiernden, vor allem wenn es nachts oder Sonntag ist.

Die Form der Acoustic Shells nähert sich einem Parabolspiegelausschnitt von 5,75 Metern Breite und drei Metern Höhe. Damit soll diese gleich zwei Dinge bewirken, um die Schallemissionen auf die Nachbarschaft im Mauerpark zu reduzieren. Die Konstruktion kann die nach hinten gerichteten Schallwellen folglich reflektieren und Richtung Publikum bündeln, was den Schalldruck auf die Gebäude hinter der Muschel verringert. Gleichzeitig sollen sich die Musiker durch einen Rebound-Effekt in der Acoustic Shell besser hören können, wodurch diese leiser spielen könnten.

Lärmschutzschalen sollen Akzeptanz erhöhen

 

Die Acoustic Shell entstand auf Initiative des Vereins Freunde des Mauerparks und in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Pankow. Fast 19 000 Euro der Gesamtkosten von 23 000 Euro steuerte die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr in Form einer Förderung bei. Die Konzertmuschel ist zerlegbar und der Mauerpark testet die Schale künftig “an geeigneten Tagen” und an verschiedenen Stellen auf dem Gelände.

Gegen nächtliche Ruhestörungen werden die Shells so zwar nichts ausrichten können, es ginge laut den Verantwortlichen aber auch vielmehr darum, zunächst unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen und die Akzeptanz der Straßenmusik zu erhöhen. Wie sich die akustischen Auswirkungen der Shells bemerkbar machen, das soll nach Ende der Saison ausgewertet werden. Für das Jahr 2022 ist dann geplant, weitere der mobilen Akustikmuscheln im Mauerpark aufzustellen.

Wenn sich das Konzept bewährt, sei nicht ausgeschlossen, dass auch eine feste Installation im Mauerpark zum Einsatz komme. Und die Idee soll Schule machen. Alexander Puell, der Vorsitzende des Vereins Freunde des Mauerparks e.V. dazu: „Wir zeigen mit den Acoustic Shells wie innovativer Lärmschutz und Kulturförderung in Pankow zusammengeht und hoffen, dass das Konzept nicht nur im Mauerpark erfolgreich ist, sondern dass dieser innovative Ansatz auch in anderen Parks und Städten Schule macht”

Mehr Informationen zu der Acoustic Shell im Berliner Mauerpark finden Sie auf der Webseite des Freunde des Mauerparks e.V.

Noch mehr Neuigkeiten rund um die Hauptstadt und ihre Parks? Der Spreepark in Berlin wird nicht nur gebaut sondern zusammen mit Bürger*innen und Interessent*innen entwickelt. Mehr zu den Beteiligungsprozessen erfahren Sie bei uns.

Landesgartenschau Wangen im Allgäu: Seit 26. April 2024 eröffnet

Vom 26. April bis zum 6. Oktober 2024 öffnet die Landesgartenschau in Wangen ihre Tore. Credits: Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024
Vom 26. April bis zum 6. Oktober 2024 öffnet die Landesgartenschau in Wangen ihre Tore. Credits: Landesgartenschau Wangen im Allgäu 2024

Schon zum 30. Mal findet in Baden-Württemberg eine Landesgartenschau statt, dieses Mal in Wangen. Die Stadt im Allgäu geht dabei weit über Blumenmeere hinaus: Sie zeigt, wie sich ein altes Industrieviertel zu neuem Leben erwecken lässt.

Am 26. April 2024 hat die Landesgartenschau in Wangen im Allgäu eröffnet. Bereits über 100.000 Besucher*innen waren nach 16 Tagen vor Ort, die höchste Besucherzahl auf einer Landesgartenschau innerhalb der letzten zehn Jahre. Geschäftsführer Karl-Eugen Ebertshäuser erklärt sich diesen Rekord einerseits durch die hohe Anzahl an Gästen mit Dauerkarten und andererseits durch das gute Wetter Ende April und Anfang Mai. Als Ziel hat sich das Organisationsteam eine Marke von 600.000 Besucher*innen gesetzt.

Bis zum 6. Oktober ist es möglich, die Landesgartenschau Wangen zu besuchen. Das Gelände umfasst 46 Hektar, wovon sechs Hektar die neuen Stadtquartiere ERBA und Auwiesen umfassen. Die Revitalisierung des Flusses Argen ist ein Höhepunkt der Landesgartenschau Wangen, ebenso wie die Revitalisierung des Industrieviertels ERBA, die neuen Parks sowie zahlreiche Sport- und Bewegungsangebote und Spielplätze. Hinzukommen Schaugärten, Blumenschauen, ein Aussichtsturm und insgesamt 2.000 Veranstaltungen.

Wangen als touristische Destination

Die Eröffnungsfeier fand auf der Sparkassen-Kulturbühne in der ERBA statt. Sie war öffentlich und begann um 11 Uhr. Lokale Prominenz aus Kultur und Politik sowie viele Wangener Talente waren vor Ort, um zu feiern, dass die Schau nach gut 14 Jahren Planung nun beginnen konnte. Besucher*innen sind dazu angehalten, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Ein kostenloser Landesgartenschau-Shuttlebus fährt alle 20 Minuten vom Bahnhof zu den verschiedenen Eingängen.

Mit der Landesgartenschau erhofft sich Wangen nicht nur eine Revitalisierung der Stadt, sondern auch mehr Tourismus im Allgäu. In Zusammenarbeit mit der Stadt Rottweil, die 2028 eine Landesgartenschau ausrichten wird, sowie unterstützt von vielen Gemeinden der Umgebung, zeigt Wangen, warum sich eine Reise ins Allgäu lohnt.

Als „das längste Sommerfest im Allgäu“ wartet die Landesgartenschau Wangen auch mit über 2.000 Veranstaltungen auf. Dazu gehören unter anderem Rockkonzerte, Pop, Klassik, Hiphop, Lesungen, Fachvorträge zu Gartenthemen, Sportangebote wie Tanz und Yoga, Thementage und Bildungsangebote wie das Grüne Klassenzimmer. Für Kinder bis 14 Jahre ist der Eintritt zur Landesgartenschau frei, für Erwachsene kostet die Tageskarte 19 Euro.

Kinderspielplätze, wie etwa dieser hier rund um das Thema Wasser, machen Wangen künftig attraktiver und lassen den Fluss erlebbar werden.
Kinderspielplätze, wie etwa dieser hier rund um das Thema Wasser, machen Wangen künftig attraktiver und lassen den Fluss erlebbar werden.

Wasser in der Stadt wieder erlebbar machen

Städtebaulich hat die Stadt viel erreicht, denn im Zuge der Landesgartenschau Wangen hat sie einem alten Industrieareal neues Leben eingehaucht. Im ERBA-Areal, einer früheren Weberei und Spinnerei, sind Wohnungen für rund 1.500 Menschen sowie etwa 500 Arbeitsplätze und Kulturräume entstanden. Mehrere hundert Menschen sind bereits eingezogen, wobei die Neubauten in nachhaltiger Bauweise entstehen. Eine neue Reithalle, ein Kletterturm und ein Sportpark bieten sportliche Attraktionen. Und in den Auwiesen neben dem ERBA-Gelände entsteht unter anderem ein städtischer Kindergarten.

Das zweite wichtige Revitalisierungsprogramm der Landesgartenschau Wangen konzentriert sich auf den Fluss Argen, der in den Bodensee mündet. Er hat im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten mehr Raum für eine natürliche Entwicklung erhalten. Nun verbindet er das mittelalterliche Stadtzentrum von Wangen mit der Landesgartenschau und den neuen Wohnquartieren auf dem ERBA-Gelände. Fünf neue Brücken unterstützen die Verbindung, die auch im Logo der Landesgartenschau Wangen sichtbar ist.

Die revitalisierte Obere Argen sowie der Argenpark als grünes Band mit Zugängen zum Fluss machen das Wasser in der Stadt wieder erlebbar. Entlang des Flussufers gibt es neue Parks mit blühenden Landschaften und vielen Angeboten für Spiel, Bewegung und Erholung. Dazu gehören auch Abenteuerspielplätze sowie ein hölzerner Aussichtsturm, der einen Blick über das ganze Gartenschaugelände und bei gutem Wetter sogar bis in die Alpen bietet.

Das Münchner Büro lohrer-hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner GmbH gemeinsam mit Löhle und Neubauer Architekten aus Augsburg haben den Wettbewerb zur Planung und Umsetzung der Landesgartenschau Wangen gewonnen.
Das Münchner Büro lohrer-hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner GmbH gemeinsam mit Löhle und Neubauer Architekten aus Augsburg haben den Wettbewerb zur Planung und Umsetzung der Landesgartenschau Wangen gewonnen.

Floristenspinnerei

Die textile Geschichte von Wangen geht bis ins Mittelalter zurück und umfasst beispielsweise Rosshaar-Spinnereien. Im Jahr 1992 wurde der Betrieb der Weberei und Spinnerei ERBA eingestellt. Die üppigen Blumenmeere der Landesgartenschau 2024 werden auf die Textilindustrie eingehen. Wie bunte Bänder ziehen sie sich über das Gelände und erinnern an die Muster und Fäden der Weberei ERBA. Insgesamt zwölf Blumenausstellungen werden im Baumwolllager stattfinden. Unter dem Titel „Floristenspinnerei“ kommen regionale und überregionale Florist*innen zusammen.

Als Wangen im Jahr 2010 den Zuschlag für die Landesgartenschau 2024 erhielt, begannen die Vorbereitungen sofort. Um Ziele wie die Nutzungsvielfalt im Gebiet ERBA/Auwiesen, die Stärkung der Wohnnutzung und die Erlebbarmachung der Oberen Argen umzusetzen, lobte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz gemeinsam mit der Stadt einen EU-weiten, offenen landschaftsarchitektonischen und städtebaulichen Realisierungswettbewerb aus. Der Zuschlag ging 2014 an das Münchner Büro lohrer-hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner GmbH gemeinsam mit Löhle und Neubauer Architekten aus Augsburg, die die Pläne seither umsetzen.

Bunte Blumenbänder erinnern an die Muster und Fäden der früheren ERBA-Weberei in Wangen.
Bunte Blumenbänder erinnern an die Muster und Fäden der früheren ERBA-Weberei in Wangen.

Gartenschauen als nachhaltige Stadtentwicklungsmaßnahmen

Die Landesgartenschau in Wangen ist bereits die 30. baden-württembergische Landesgartenschau. 164 Tage lang wird das Großereignis stattfinden. Gefördert wird es vom Landesprogramm „Natur in Stadt und Land“, das die Grün- und Freiraumgestaltung in Gartenschaustädten in Baden-Württemberg vorantreibt und unterstützt. Das zentrale Förderprogramm ist daran interessiert, auch die soziale Komponente zu fördern, indem es etwa eine Beteiligungskultur schafft. Außerdem sollen Gartenschaustädte das Stadtklima verbessern und einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten. Für Städte wie Wangen sind Gartenschauen ein Jahrhundertereignis, das gebührend gefeiert wird.

„Gartenschauen sind keine Strohfeuer für ein halbes Jahr, sondern nachhaltige Stadtentwicklungsmaßnahmen. Wangen hat diese große Chance mit der Realisierung einer vorbildhaften Landesgartenschau hervorragend genutzt und wird noch lange von ihr profitieren“, so Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk. Das Land Baden-Württemberg ist mit einem Forstpavillon sowie dem „Cantilever“-Pavillon zur Holzbau-Offensive vertreten. Dabei zeigt das Bundesland die vielfältigen Aufgaben seiner Wälder und wie diese als Klimaschützer, Rohstofflieferanten und Lebensraum erhalten werden.

Weiterlesen: Eine Übersicht der drei Gartenschauen im Jahr 2024 finden Sie hier.