15.09.2022

Gesellschaft

Fennpfuhl – 50. Jubiläum der Ostberliner Großsiedlung

von Laura Puttkamer
Blick von der Vulkanstraße auf die Großbausiedlung Fennpfuhl
Blick von der Vulkanstraße auf die Großbausiedlung Fennpfuhl, Foto: Angela M. Arnold, Berlin, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Der Lichtenberger Ortsteil Fennpfuhl feiert 50. Jubiläum. Welche Entwicklungen in der Ostberliner Großsiedlung geplant sind, erfahren Sie hier

Fennpfuhl: Die erste Großsiedlung in der DDR

Im Osten Berlins liegt der Ortsteil Fennpfuhl als Teil des Bezirks Lichtenberg. Dieser Ortsteil ist für seine Großsiedlungen und Plattenbauten bekannt, die einst als Vorreiter galten. Mehr als 20 Stockwerke hoch sind einige der Plattenbauten um den zentralen Anton-Saefkow-Platz. Durch die hohen Häuser hat Fennpfuhl eine hohe Einwohnerdichte und ist der zweitgrößte Kiez Berlins. Rund 33 000 Menschen wohnen hier.

Seit Januar 2022 feiert Fennpfuhl sein 50-jähriges Jubiläum. Am 1. Dezember 1972 nahm die Siedlung ihren Anfang als Pionierprojekt in der DDR. Es handelte sich um den ersten großen Aufschlag zum Wohnungsbauprogramm, das auf dem Parteitag von 1971 beschlossen wurde. Innerhalb eines Jahres entstand die erste zusammenhängende Plattenbau-Großsiedlung der DDR, die eine autarke Siedlung für rund 50 000 Menschen darstellen sollte. Schulen, Kitas, Versorgungseinrichtungen, eine Schwimmhalle, eine Sporthalle sowie ein See entstanden hier. Der See wurde aus zwei kleineren Tümpeln zusammengelegt und gab der Siedlung ihren Namen.

Nicht alle der ambitionierten Pläne für den Komplex konnten realisiert wurden, was unter anderem an mangelnden finanziellen Mitteln und fehlenden Baukapazitäten lag. So fehlen bis heute Fußgängerbrücken über die Landsberger Allee sowie ein Kulturzentrum. Darüber hinaus lag ab Beginn der 1980er Jahre der Fokus der Bauaktivitäten auf Berlin-Marzahn. Eigentlich sollte Fennpfuhl im Jahr 1985 abgeschlossen sein, aber noch 1989 war die Parkanlage nicht fertig.

Das Jubiläum von Fennpfuhl im Jahr 2022

Der Bürgerverein von Fennpfuhl war federführend für die Organisation der Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahr 2022. Dazu gehören unter anderem Kiezspaziergänge, Lesecafés, gemeinsame Reinigungsaktionen sowie ein Quiz. Am 16. September ist das große Fennpfuhl-Fest geplant. Dazu hat sich auch Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst von der Linken angemeldet. Laut Grunst hat Fennpfuhl den Vorteil, dass hier zuerst eine Straßenbahn gebaut wurde, um Bauarbeiter*innen und Bewohner*Innen in den Ortsteil zu bringen. „Wenn ich mir heutige Vorhaben ansehe, dann läuft bei denen die ganze Infrastruktur dem Wohnungsbau nur hinterher“, sagte er zu nd-aktuell. Diese Erfahrungen lassen sich laut dem Bezirksbürgermeister an die anderen Großsiedlungen in Lichtenberg weitergeben.

In Fennpfuhl sind zwei neue Schulbauten geplant. Auch der Park soll weiter aufgeräumt werden. Zuletzt erfreute er sich großer Beliebtheit, da es hier möglich war, zu grillen. Der Bürgerverein experimentiert zudem mit sogenannten Parkläufer*innen, die bei Konflikten in der Grünanlage vermitteln sollen.

Weitere Veranstaltungen im Jubiläumsjahr waren die Erzählcafé-Reihe „Verliebt in Fennpfuhl“, Putzaktionen unter dem Titel „Die Putzengel von Fennpfuhl“, die Aufstellung von Tafelbildern zu Geschichte und Entwicklung von Fennpfuhl, Konzerte der Schostakowitsch-Musikschule sowie Foto-Ausstellungen.

Kinder spielen in einer der vielen Freiflächen von Fennpfuhl. Bildquelle: Angela M. Arnold, Berlin (=44Pinguine), CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons
Kinder spielen in einer der vielen Freiflächen von Fennpfuhl. Foto: Angela M. Arnold, Berlin (=44Pinguine), CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Ein multikultureller Stadtteil

Lichtenberg ist heute einer der besonders multikulturellen Stadtteile Berlins. Viele Menschen ziehen aus anderen Stadtteilen hierher, angelockt von den günstigeren Mieten. Dabei blickt Lichtenberg auf eine sehr wechselhafte Geschichte zurück. Vor der Wende nahm der Stadtteil viele Geflüchtete aus Chile auf. Auch Zugezogene aus der ehemaligen Sowjetunion sowie aus Vietnam leben bis heute hier.

Nun steht ein Generationenwechsel an. Denn viele ältere Menschen in Lichtenberg, und insbesondere im Ortsteil Fennpfuhl, wohnen seit DDR-Zeiten in großen Wohnungen. Wenn sie versterben, folgen meist junge Familien. Daraus hat sich bereits ein Mangel an Schulplätzen und Kitas ergeben. Schwierig ist hier auch der Umgang mit den vielen Grünflächen, wie etwa dem Fennpfuhl-Park, die zunehmend verschmutzt werden.

Auch die bauliche Qualität der Plattenbauten steht im Fennpfuhl, wie in vielen ähnlichen Großsiedlungen Berlins, in Frage. Die Gebäude haben zwar eine robuste, langlebige Fassade, sind aber nicht immer optimal gedämmt. Die kleinen Räume sowie der identische Aufbau aller Wohnungen sind weitere Kritikpunkte, was unter anderem die Vermarktung freiwerdender Wohnungen angeht.

Die künftige bauliche Entwicklung von Lichtenberg

Das Jubiläum von Fennpfuhl gibt laut Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Anlass dafür, über den Umgang mit Berliner Großsiedlungen nachzudenken. Viele Wohngebiete im Stadtteil stehen am Scheideweg und müssen sich entscheiden, wie sie durchmischte, lebenswerte Viertel schaffen können. Dabei soll es um einen sozialen Ausgleich gehen. Die Partei Die Linke ruft dazu auf, sich zu den Großsiedlungen zu bekennen.

Als Teil des Festes am 16. September plant das Museum Lichtenberg für September und Oktober 2022 ein Projekt mit dem Titel „Wie wollen wir leben? Wohnen gestern – heute – morgen“. Zudem ist für den 1. Dezember eine Fachkonferenz zur städtebaulichen und sozialen Entwicklung von Großsiedlungen vorgesehen. Der Bürgerverein plant eine Bürgerbefragung, um herauszufinden, wie die Bewohner*innen von Fennpfuhl das Leben vor Ort bewerten.

Auch interessant: Lesen Sie hier, wie sich die Großsiedlungen in Berlin außerhalb des S-Bahn-Rings in Zukunft entwickeln sollen.

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