Leberecht Migge-Ausstellung in Hamburg

Gartenarchitekt, Reformer und Autor des „Grünen Manifests“: Leberecht Migge gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts. 320 seiner Pläne wurden im Buch „Leberecht Migge – The original landscape designs. Die originalen Gartenpläne. 1910–1920“ veröffentlicht. Bis zum 13. Juli zeigt die galerie renate kammer in Hamburg sensationelle Original-Gartenpläne und Fotos von seinem Spätwerk.

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Die Ausstellung "Spartakus in Grün" läuft noch bis zum 13. Juli

 

Der Gartenarchitekt Leberecht Migge (1881–1935) positionierte sich spätestens 1913 mit der Herausgabe seiner Publikation „Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts“ als Reformer der Gartenkultur. Inhaltlich thematisierte er vor allem den städtischen Planungsraum, für den er eine ausreichende Freiraumversorgung vorsah. Dementsprechend entwarf er zwar auch großzügige Villengärten, entwickelte aber vor allem Konzepte für Volksparks und Siedlungen beziehungsweise Laubengärten, die den sozial Schwächeren zugutekommen sollten: Sie boten Ausgleich zum Arbeitsalltag und versprachen eineVerbesserung der mitunter prekären Ernährungslage.

Selbstversorgung, effiziente Bodennutzung, Kreislaufwirtschaft und ein maximaler Ernteertrag durch technische Hilfsmittel zählen zu seinen Schwerpunktthemen. Mit seinen direkten Forderungen gilt er als bedeutender Vertreter der sozialen Freiraumplanung. Ein Konvolut seines Schaffens von 1910 bis 1920 mit rund 320 Plänen befindet sich im Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur (ASLA). Es wurde nun als Buch „Leberecht Migge – The original landscape designs. Die originalen Gartenpläne. 1910–1920“ zusammengefasst und am 14. Mai 2019 an der Hochschule für Technik in Rapperswil zusammen mit einer begleitenden Ausstellung präsentiert.

Spartakus in Grün

Vor dem Hintergrund der Urban-Gardening- Bewegung, dem Erfolg von städtischen Garteninitiativen, den Misskrediten in der Intensivlandwirtschaft sowie der hohen Nachfrage nach ökologisch und regional produzierten Nahrungsmitteln sind die Ansätze Migges wieder hochaktuell. Das zeigte auch die Veranstaltung in Rapperswil, die genau diese Punkte diskutierte.

Eine weitere Ausstellung zu Leberecht Migge, „Spartakus in Grün“, ist noch bis 13. Juli 2019 in Hamburg zu sehen. Sie zeigt Original-Gartenpläne von Migge aus den Jahren 1910 – 1920. Diese stammen aus dem Nachlass seines ehemaligen Mitarbeiters Walter Leder im Archiv für Schweizer Landschaftsarchitekten, das sie leihweise zu Verfügung stellt. Migges gesamte Hinterlassenschaft war als zerstört betrachtet worden, was den Plänen eine sensationelle Bedeutung verleiht. Die galerie renate kammer, in jener die Ausstellung stattfindet, zeigt außerdem Fotos von Migges Spätwerk: den zwischen 1930 und 1933 entstandenen Gartenanlagen der Villa Reemtsma in Altona-Othmarschen.

Im Rahmen der Ausstellung finden zudem diverse Vorträge statt. Hier finden Sie das Programm.

galerie renate kammer | Münzplatz 11, 20097 Hamburg | Di-Fr 12h-18h, Sa 11h-15h

Dieser Beitrag erschien in der G+L 07/2019 mit dem Thema Prozesse.