Zwei Länder, verbunden durch eine Straßenbahn. Von Kehl aus fährt eine Tram über den Rhein – bis nach Straßburg. Eine direkte Verbindung zur europäischen Hauptstadt, die Grenzen überschreitet. Da kann die neue Endhaltestelle in Kehl von J.MAYER.H schon mal etwas außergewöhnlicher daherkommen. Das französische Pendant von Zaha Hadid Architects entstand schon 2001 und steht dieser in keiner Weise nach. 

Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs gehören zu den städtischen Infrastrukturen, die wir Stadtbewohner als selbstverständlich betrachten. Sie erhalten kaum Aufmerksamkeit. Ganz anders die neue Tramhaltestelle am Rathausplatz in Kehl von J.MAYER.H. Helle Sichtbetonscheiben definieren ihre auffällige Struktur, inspiriert von den für die Gegend typischen Rheinkieseln. Die Skulptur drückt Dynamik und Gleichgewicht aus, Labilität und Mobilität. Eine gewisse Symbolik? Schließlich verbindet die Haltestelle auf sechs Kilometer Schienenlänge das deutsche Kehl mit dem ranzösischen Straßburg. Eine Verbindung, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war, um die aber auch heute immer wieder – im positiven Sinne – gerungen werden muss. Die Tramhaltestelle auf der anderen Seite kann mit dem Entwurf von J.MAYER.H mithalten. Zaha Hadid Architects konzipierten die Station in Straßburg. Zwei einzigartige Endhaltestellen aus der Feder großer Architekturbüros – und dazwischen pendelt täglich der Grenzverkehr.

Dieser Beitrag erschien in der G+L 07/2019. Hier geht´s zum Shop.

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Grundvoraussetzungen fürs Leben

240 000 Spielplätze gibt es in Deutschland, und es werden immer mehr. Franz Danner vom TÜV Süd hat viele von ihnen mitentwickelt und testet regelmäßig, wie viel Spaß sie machen. Dazu rutscht er selbst – und ärgert sich, wenn alles zu weich gepolstert ist. Ein Interview.

Herr Danner, gibt es für unsere Spielplätze zu viele Vorschriften? In Teilen ja, aber häufig werden Normen falsch interpretiert und schränken Kreativität unnötig ein. Nehmen Sie die Hangrutsche: Die ist sehr beliebt. Aber sie braucht an der Seite stabile Oberflächen, damit das Erdreich nicht wegrutscht, wenn die Kinder hochlaufen. Harte Oberflächen gelten oft als Risiko, weil man darauf fallen und sich wehtun kann. Liegt die Rutsche aber direkt auf dem Boden auf, gibt es keine Fallhöhe und Sie könnten sogar Stein an den Seiten platzieren, wenn er nicht scharfkantig ist. Viele verbauen aber Kunststoff, der dann bei Regen zur gefährlichen Rutschpartie wird. Wir schaffen also neue Gefahren.

Wie wird ein Spielplatz spannend? Indem er etwas für viele Altersgruppen bietet, sodass sich Kinder auch nach Jahren selbst herausfordern können. Viele bauen in einem Neubaugebiet einen Spielplatz, der sich vor allem an Kleinkinder wendet, weil junge Familien dort leben. Doch was ist, wenn die Kinder nicht mehr zwei, sondern fünf Jahre alt sind? Dann sollten sie immer noch etwas finden – zum Beispiel einen Turm, den sie erklettern müssen und nicht einfach durch eine Leiter erreichen. Ein guter Spielplatz muss immer wieder einen Reiz auf Kinder ausüben – und auf die Eltern am besten auch.

Rutsche, Schaukel und Sandkasten reichen nicht mehr?
 Alle drei sind Grundbedürfnisse, die wichtig sind. Aber sie alleine machen keinen guten Spielplatz. Balancieren, Klettern, sich vielfältig bewegen und sich wohlzufühlen sind genauso entscheidend. Aber zunehmende Regulierungen machen es schwer, neue Spielsituationen zu schaffen. Dabei muss man eigentlich nur Umdenken.

Wie zum Beispiel? Mit der Dietmar Hopp Stiftung haben wir auf 19 Spielplätzen senkrechte Kletterstangen mit sechs Metern Höhe gebaut. Erlaubt ist eine Fallhöhe von vier Metern. Aber die Stangen sind mit 60 Millimeter Durchmesser deutlich dicker; man kann also nur bis nach oben klettern, wenn man wirklich fit ist und Erfahrung hat. Kleine Kinder schaffen das nicht – sie können also auch nicht fallen. Inzwischen kommen Turnvereine auf den Platz, um zu trainieren.

Welche Anforderungen an Spielgeräte gibt es noch? 
Sie müssen günstig sein. Ein vernünftiger Mix aus Anschaffungskosten, Pflegeaufwand und Dauerhaftigkeit, da die Kassen der Kommunen leer sind. Gefragt sind zurzeit Parcours. Dabei lernen Kinder Balancieren, Springen und Fallen – alles Grundvoraussetzungen fürs Leben.

Welche Materialien sind gerade im Trend? HPL-Materialien als farbige Oberfläche, weil sie länger halten als Holz. Als tragendes Element werden gerne Rubine, Eiche oder Lärche eingesetzt, die nicht chemisch imprägniert sind. Beliebt ist auch Edelstahl, weil er sich meistens gut an die Umgebung anpasst.

Es gibt immer mehr Kitas in Deutschland – wie sollte so ein Spielplatz aussehen? Kleinkinder brauchen viele kleine Angebote. Ein niedriger Balken zum Balancieren, eine kleine Stufe, dazu Wasser, Laub, Matsch, Sand – die Haptik fördert die Sinne. Wichtig ist, dass es nicht nur gepolsterte Flächen gibt, sondern, dass man sich auch mal wehtut. Das gehört zum Spielen, sonst denkt das Kind, wenn ich vom Garagendach springe, lande ich auch weich.

Unfälle passieren, wenn ein Spielplatz öde ist

Was sind die klassischen Fehler bei der Planung? 
Die Nachbarn nicht einzubinden, zum Beispiel beim Lärmschutz. Wird ein Spielplatz einfach hingesetzt, führt das immer zu Streit. Der Platz sollte auch für alle zugänglich sein: für den Senior mit Rollator, für die Mutter mit dem Kinderwagen, für Gehbehinderte. Das heißt nicht, dass jedes Spielgerät für einen Rollstuhlfahrer geeignet sein muss – das ist gar nicht möglich. Aber man sollte alle Bevölkerungsgruppen einbinden, sich an diesem Ort zu begegnen.

Was ist Ihr liebstes Spielgerät? Die Schaukel. Wenn sie sehr lang aufgehängt ist, dann ist sie ein Erlebnis, das alle Sinne berührt.

 

Der Artikel erschien erstmals in der Ga+La 12/2017. Hier geht es zum Shop.

Natur für ein Naturmuseum ist ähnlich herausfordernd, wie eine Architektur für die Präsentation von Architektur zu entwerfen. Wie stellt man sich also der Aufgabe, eine Landschaftsarchitektur für ein Museum zu schaffen, das zum Ziel hat, die Vielfalt der Naturgeschichte darzustellen und die Zusammenhänge zu erklären? Ein Annäherungsversuch am Beispiel des Parks für das Naturmuseum St. Gallen von Studio Vulkan Landschaftsarchitektur.

Bereits im 2009 ausgelobten Wettbewerb für den Neubau eines Naturmuseums, der von der Arbeitsgemeinschaft Armon Semadeni Architekten GmbH mit Michael Meier, Marius Hug Architekten AG umgesetzt wurde, war die Landschaftsarchitektur Teil des Wettbewerbsbeitrags. Es ist per se ein Paradoxon, Architektur oder in diesem Fall Natur ausstellen zu wollen. Denn was wir als Landschaft wahrnehmen, besteht in Wahrheit aus einer komplexen Überlagerung von verschiedenen Ebenen, sei es die Natur an sich, die funktionale und kulturgeschichtliche Prägung oder die eigene Interpretation. Wo die Einordnung in klare Begrifflichkeiten durch das Fehlen eindeutiger Grenzen im Zusammenwachsen von Stadt und Land schwierig wird, bewegen wir uns zunehmend in einer Übergangsphase zwischen Natur, natürlicher Künstlichkeit und künstlicher Natürlichkeit. Der Standort offenbart ein zusätzliches, typisches Paradoxon der Schweizer Landschaft: Infrastrukturen und Stadtraum verweben sich auf engstem Raum. Somit findet die Bauaufgabe, die Gestaltung eines Parks, direkt über einem Autobahntunnel, umgeben von heterogenem Zwischenstadtraum statt. Wie kann also Natur an einem solchen Ort aussehen? Bestimmt nicht wie ein museumspädagogisch linear verlaufender didaktischer Lehrpfad …

Dialog zwischen den Welten

Als Abschirmung zum gewachsenen Umfeld, aber auch als Synonym zum schnelllebigen Alltag wird eine natürliche Sichtbarriere als eine Art Filterzone zwischen den Welten mit einheimischen Pflanzen – Hainbuchen, Farnen und Stauden – geschaffen. 75 Prozent der Bepflanzung stammt aus heimischen Gewächsen. Für die restlichen 25 Prozent fiel die Wahl zum Beispiel auf exotische Hortensien. Irgendwann könnten die aufgrund des Klimawandels auch in hiesigen Klimazonen heimisch werden. Auch die Nachbarschaft eines Ginkgobaums zu einer Lärche gehört zu den Rätseln der Natur. Die Pfarrkirche St. Maria Neudorf setzt einen städtebaulichen Akzent, auf den sowohl die Architektur als auch die Landschaftsgestaltung Bezug nimmt. Weniger in der Festlegung von Bezugskanten, sondern auf einer philosophischen Ebene: Der Dialog zwischen den zwei Theorien zur Entstehung der Welt wird auf einer poetisch-sakralen und wissenschaftlichen Ebene geführt und funktioniert über Trittsteine, die zugleich als Informationsträger der weltlichen und religiösen Zitate dienen.

Katalysator für die Vorstellungskraft

Unabhängig von der Materialität der Fassade des Naturmuseums wurde auch im zugehörigen Park der Werkstoff Beton eingesetzt. Als artifizielles Produkt steht der Beton in gewolltem Kontrast zu dem für die Ostschweiz bekannten Naturwerkstein Nagelfluh. Die Trittsteine wirken als Katalysator für die Vorstellungskraft. Sie sind mit Artefakten aus der Naturgeschichte bis zu Bearbeitungsspuren von Menschen mit Mustern von Jute, Dränplatten oder Dachlatten versehen. Und noch einmal werden Sehgewohnheiten auf die Probe gestellt: Anstelle elegant an der Fassade von Kirchen oder Sehenswürdigkeiten zu wirken, findet sich der grünliche Ostschweizer Sandstein grob geschottert wieder. Da es keine Wegeführung gibt, ist man frei, sich seinen eigenen Zugang zum Ort, aber auch zur Gedankenwelt zu suchen. Damit schließt sich der Kreis zum Naturmuseum wieder.

Ein Interview mit Lukas Schweingruber vom Studie Vulkan finden Sie in der Dezemberausgabe 2018 der G+L.