Mut zur Farbe in Chile

Weltweit nutzen immer mehr Städte ihre Fußgängerzonen, um die innerstädtische Lebensqualität aufzuwerten. Ein neues und farbenfrohes Beispiel zu dieser Herangehensweise ist Santiagos Bandera Street. Sie wurde nicht nur von einer überfüllten Hauptstraße in eine Fußgängerzone transformiert, der Künstler Dasic Fernández verwandelte die Straße auch in eine 365 Meter lange Kunstausstellung. Zahlreiche Gemälde und Kunstwerke schmücken derzeit eine der kultigsten Straßen der chilenischen Hauptstadt. Ursprünglich planten die Behörden, die Bandera Street Ende August 2018 wieder für den Verkehr zu öffnen, dagegen wird aber ein breiter Widerstand erwartet.

Von Straßensperre zum Kunstwerk

Als die Behörden beschlossen, einen Teil der Straße für die Bauarbeiten an der U-Bahn von Santiago zu schließen, hatten sie eine brillante Idee: Sie engagierten den Architekten Juan Carlos López und den Streetartkünstler Dasic Fernández für die Umgestaltung der Bandera Street. Nachdem sie den Bürgermeister überzeugen konnten, dauerte es nur drei Monate das Konzept zu realisieren. Die Idee der Transformation besteht darin, beide Disziplinen, Kunst und Architektur, für die Aufwertung eines Stadtraums zu vereinen. Mit Hilfe von 120 Künstlern realisierte Fernández das Projekt in nur 30 Tagen. Das Kunstwerk ist in drei Abschnitte unterteilt: Der erste Teil spiegelt die vorspanische Vergangenheit Chiles wider, der zweite Abschnitt ist von der aktuellen Vielfalt des Landes inspiriert, die Zuwanderung und kulturelle Entwicklungen hervorriefen, und das dritte zeigt ein futuristisches Thema.

Ungewisse Zukunft

Trotz breiter Unterstützung der Öffentlichkeit und des Bürgermeisters bleibt die Zukunft einer verkehrsberuhigten Bandera Street ungewiss. Das chilenische Verkehrsministerium gab aufgrund eines möglichen Verkehrskollapses an, dass sie die Straße nach Abschluss der Bauarbeiten wieder für den Verkehr freigegeben müssen. Beispiele wie die Londoner Oxford Street zeigen jedoch die grundsätzliche Möglichkeit eine überlastete Straße in eine Fußgängerzone umzuwandeln. Insbesondere wenn Pendler auf Alternativen wie öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen können.