31.08.2023

Projekt

Non Hotspots – Entwurfsstudio „Into the Wild“

von Jannes Klipp
Auf dem Plateau mit Dachterrasse entsteht ein Treffpunkt mit Aussicht und lauem Lüftchen. Grafik: Jannes Klipp
Auf dem Plateau mit Dachterrasse entsteht ein Treffpunkt mit Aussicht und lauem Lüftchen. Grafik: Jannes Klipp
Ein wenig Abkühlung inmitten der Metropole Berlin – darauf zielt der Entwurf von Jannes Klipp für die Umgestaltung des Volksparks Prenzlauer Berg ab. Für Kühle soll dabei nicht nur Wasserverdunstung sorgen, sondern auch ein Aussichtspunkt und eine Schneise. Wie genau, erläutert Jannes Klipp im Folgenden in der Vorstellung seiner Arbeit selbst. Das Projekt entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch auf unserer Webseite stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor – zum Beispiel in diesem Beitrag. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.


Das Regenwasser effizient sammeln

Der Entwurf stellt sich der Herausforderung, den Volkspark Prenzlauer Berg in Anbetracht des immer heißer werdenden Klimas zu qualifizieren. Als landschaftsarchitektonische Instrumente zur Schaffung kühler Orte werden dazu insbesondere Schatten, Wasser und Luft in Betracht gezogen. Da ein Großteil des Parks bereits dicht mit Bäumen bestanden ist, gilt es, diese Qualität für die Zukunft zu sichern. Abgängige Bäume müssen durch zukunftsfähige Bäume ersetzt werden, vitale Bäume müssen erhalten werden. Absterbende Bäume können als Totholz weitergenutzt werden.

Da der Park fast vollständig auf einem Trümmerberg errichtet wurde, versickert das ohnehin in Berlin zunehmend seltene Regenwasser schnell und steht kaum zur Erzeugung von Verdunstungskühle zur Verfügung. Infolgedessen werden Asphaltwege erhalten und die Plateaus auf den Hochpunkten versiegelt. So kann das Regenwasser effizient gesammelt und gezielt dem Tiefpunkt des Parks zugeleitet werden, der im Halbschatten zum Aufenthalt am Wasser einlädt.

Konzeptplan mit den sogenannten „Non-Hotspots“, die mithilfe von Schatten, Wasser und Luft dem zunehmend heißeren Klima angepasst werden, Grafik: Jannes Klipp
Konzeptplan mit den sogenannten „Non-Hotspots“, die mithilfe von Schatten, Wasser und Luft dem zunehmend heißeren Klima angepasst werden, Grafik: Jannes Klipp
Die Formgebung der Aussichtspunkte referenziert die Schuttberge, auf denen der Park einst errichtet wurde. Grafik: Jannes Klipp

Eine Dachterrasse als Landmarke des Parks

Die Möglichkeit sich bei hohen Temperaturen durch ein laues Lüftchen abzukühlen ist im Park bisher nicht gegeben. Die dichten Gehölze verhindern, dass die exponierten Lagen auf den Hochpunkten und der offene Bereich im Osten des Parks vom Wind erreicht werden. Da der Wind in den Sommermonaten in Berlin konstant aus dem Westen weht, bietet es sich an, zwischen den Erhebungen eine Schneise freizustellen, die auch eine Belüftung des offenen Parkbereiches erzielt.

Das behutsame Freistellen der Kuppen ermöglicht, dass auf den neu konzipierten Plateaus ein luftiger Aussichtspunkt entsteht, von dem aus wichtige Sichtbeziehungen wieder wahrnehmbar werden. Die Plateaus erinnern in ihrer räumlichen Konzipierung an die Form von Schuttbergen und die charakteristischen schneckenförmigen Wege ihrer Erschließung und sind somit eine Hommage an die Geschichte des Ortes. Während das Plateau im Norden als „Berghain“ mit Kiefern Schatten spendet, befindet sich auf der südlichen „Dachterrasse“ eine Überdachung, die innerhalb des Parks als eine Art Landmarke fungiert.

Das neugestaltete Plateau besteht aus langlebigem und wiederverwendbarem Naturstein und wird mit beweglichem Mobiliar akzentuiert. Grafik: Jannes Klipp
Das neugestaltete Plateau besteht aus langlebigem und wiederverwendbarem Naturstein und wird mit beweglichem Mobiliar akzentuiert. Grafik: Jannes Klipp
Die Dachterrasse im Schnitt, Grafik: Jannes Klipp
Die Dachterrasse im Schnitt, Grafik: Jannes Klipp

Ein metaphorischer Schnitt durch den Boden

Innerhalb der freigestellten Schneise befindet sich der sogenannte „Windkanal“. Hier wird eine neue Querverbindung geschaffen, die beim Durchschreiten eine besondere Erlebnisqualität vermittelt. Spazierende sind hier durch die hohen Mauern an vielen Stunden des Tages vor der Sonne geschützt. Man erlebt das Gefühl, von Erde umgeben zu sein, und die in der Erde gespeicherte Kühle.

Man spürt den Wind, der die Schneise entlang weht. Die Wände der Schneise sind mit Hilfe von Gabionen als Schwergewichtsmauern konzipiert. Sie können mit dem aufbereiteten Aushub der Schneise aufgefüllt werden. Da die Erhebungen im Park aus Trümmern aufgeschüttet wurden, kann so die Materialität und Geschichte des Ortes bei diesem metaphorischen „Schnitt durch den Boden“ referenziert werden.

Auftakt der Schneise. Die Gabionen werden mit aufbereitetem Aushub des Trümmerberges gefüllt. Grafik: Jannes Klipp
Auftakt der Schneise. Die Gabionen werden mit aufbereitetem Aushub des Trümmerberges gefüllt. Grafik: Jannes Klipp
Lageplan vom Kernbereich des Parks, Grafik: Jannes Klipp
Lageplan vom Kernbereich des Parks, Grafik: Jannes Klipp

Der Entwurf entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Mehr über die Hintergründe des Studios und den Volkspark Prenzlauer Berg lesen Sie hier, und weitere Entwürfe von Studierenden gibt’s hier zu entdecken.

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