Sigurd Henne – Ein Nachruf auf den Vater der Lehrgärten

Professor Sigurd Henne ist besonders bekannt für seine Lehr- und Versuchsgärten. Nun ist er im August verstorben – ein Nachruf. Foto: BHM Planungsgesellschaft mbH, R. Erb
Professor Sigurd Henne ist besonders bekannt für seine Lehr- und Versuchsgärten. Nun ist er im August verstorben – ein Nachruf. Foto: BHM Planungsgesellschaft mbH, R. Erb

Sein Vermächtnis waren die Lehr- und Versuchsgärten. Als deren wissenschaftlicher Leiter machte Professor Sigurd Henne die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen zu einem beliebten Ort für Besucher*innen, die auch von außerhalb der Region kamen, um die Standorte in Braike und Tachenhausen zu besuchen. Er hoffte auf eine neue Gartenkultur, ohne Dominanz des Menschen, zu der jeder etwas beitragen konnte. Nun trauert das Kollegium um den renommierten Planer und Professor, der seit 2007 an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt gelehrt hatte. Im Alter von 57 Jahren starb Henne unerwartet am 13. August 2023.

Studium und Werdegang

Seine Ausbildung begann Sigurd Henne 1988 mit einem Studium der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität München. 1995 schloss er es mit dem Diplom ab. Bevor er den akademischen Weg einschlug, betätigte er sich zunächst drei Jahre lang als Leiter der Freiraumplanung im Büro Jung & Partner, Landscape Architects & Consultants. 1998 begann er dann eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Peter Latz. Seinen Forschungsschwerpunkt legte er auf die Vegetationstechnik und das Vegetationsmanagement. Diese Zeit in München sollte seine berufliche Laufbahn prägen. Er bekam seinen eigenen Fachbereich und lehrte die „Technik der Landschaftsarchitektur“.

Wirken in Planungsbüros und Rückkehr zur Universität

Unter anderem schätzte das Kollegium an Henne seine Vielfältigkeit. Er arbeitete nicht die ganze Zeit an der Universität, sondern war zunächst von 1999 bis 2001 als Leiter der Freiraumplanung im Büro für Landschaftsentwicklung Bensheim und Oberhausen/Rheinhausen tätig, wo er von 2001 bis 2006 auch eine Partnerschaft mit Rainer Mühlinghaus einging. All diese Erfahrung brachte er in die Lehre und Forschung ein, als er als Professor in die Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt- und Stadtplanung eintrat, wie Professor Dr. Andreas Frey über seinen verstorbenen Kollegen in einem Nachruf schreibt. Dort heißt es weiterhin: „Mit Sigurd Henne verliert die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt einen Professor mit Leidenschaft, von dessen außerordentlichem Engagement in der Lehre und Forschung vor allem auch seine Studierenden profitierten. Er konnte Studierende motivieren und begeistern.“

Sigurd Hennes Lehr- und Versuchsgärten

Seinen Wissensschatz habe er humorvoll und mitreißend in Lehrveranstaltungen und auf Exkursionen geteilt, die Studierenden und Kolleg*innen unvergesslich bleiben werden. Als Professor brachte er neue Lehrinhalte, Strukturen und Lehrformen in die Vorlesungen ein. Als wissenschaftlicher Leiter der Lehr- und Versuchsgärten am Campus Braike und in Tachenhausen sorgte er dafür, dass die Lehrgärten nicht nur zu einem integralen Bestandteil der Lehre wurden, sondern auch zu einem Publikumsmagnet mit überregionaler Wirkung für die Hochschule. Ein weiteres Projekt, mit dem er öffentliche Wirkung erzielt habe, sei auch die Akademie für Vegetationstechnik und Landschaftsbau (avela) gewesen. Sigurd Henne hatte die Akademie mitbegründet und konzipiert, als ein Fachforum für den Wissenstransfer, in dem die HfWU mit Firmen und Verbänden zusammenarbeitet.

Verständnis neuer Gartenkultur

Als Experte im Garten- und Landschaftsbau bekam Sigurd Henne auch die Gelegenheit, zu aktuellen Fragen zur Stadtnatur Stellung zu nehmen. In einem Video wurde er zum Beispiel von „Green Creative Work“ nach seiner Meinung zu Schottergärten gefragt (siehe unten). Darin gab er Auskunft, er wünsche sich in Zukunft eine Gartenkultur, zu der jeder seinen Beitrag leiste, und die weniger von der Dominanz des Menschen geprägt sei.

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Was macht gute Beteiligung aus? – Kriterien für Qualität und Tiefe

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Eine verkehrsreiche Stadtstraße an modernen Hochhäusern in der Schweiz. Foto von Bin White.

Wer Beteiligung sagt, muss Qualität liefern – sonst bleibt Beteiligung bloß ein hübsches Feigenblatt. Doch was macht gute Beteiligung tatsächlich aus? Zwischen regulatorischem Pflichtprogramm und lebendiger Mitgestaltung klafft eine Welt voller Chancen, Fallstricke und Missverständnisse. Wir tauchen tief ein in die Kriterien, die Beteiligung in urbanen Planungsprozessen wirklich wertvoll und wirksam machen – und zeigen, warum oberflächliches Abnicken nichts mehr mit der Stadt von morgen zu tun hat.

  • Definition und Abgrenzung: Was ist Beteiligung – und was ist nur Information?
  • Die Qualitätskriterien für gelungene Beteiligung: Tiefe, Breite, Transparenz und Wirkung
  • Beteiligung in der Praxis: Aktuelle Herausforderungen und innovative Ansätze aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Die Rolle von Macht, Vertrauen und Partizipationskultur in Beteiligungsprozessen
  • Von der Pflichtübung zur Prozessarchitektur: Wie Beteiligung echte Stadtentwicklung gestaltet
  • Digitale Beteiligung: Chancen, Risiken und warum Zoom allein keine Beteiligung macht
  • Messbarkeit und Evaluation: Wie sich Qualität und Tiefe von Beteiligung bewerten lassen
  • Fazit: Beteiligung als Zukunftskompetenz für Planer, Verwaltungen und Stadtgesellschaft

Beteiligung – was sie ist, was sie kann, und warum sie mehr als nur „Mitreden“ bedeutet

Beteiligung hat längst mehr als einen festen Platz im urbanen Planungsvokabular. Doch trotz des inflationären Gebrauchs wird selten präzise gesagt, was sich eigentlich dahinter verbirgt – und was nicht. Im Alltag der Stadtentwicklung wird Beteiligung oft mit Öffentlichkeitsarbeit oder Bürgerinformation gleichgesetzt. Das ist bequem, trifft aber den Kern nicht. Denn Information ist Einbahnstraße, Beteiligung hingegen ein zweiseitiger Prozess, der auf Austausch, Aushandlung und Einflussnahme abzielt. Die Gretchenfrage lautet also: Wann reden wir von echter Beteiligung – und wann von Alibi?

Eine zentrale Unterscheidung, die Profis im urbanen Kontext nie aus den Augen verlieren sollten, ist die zwischen passiver und aktiver Beteiligung. Passive Beteiligung bedeutet, dass Menschen informiert werden, aber keinen echten Einfluss auf Entscheidungen haben. Aktive Beteiligung hingegen eröffnet Räume, in denen Akteure nicht nur gehört, sondern auch ernsthaft einbezogen werden – mit der Chance, Projekte zu gestalten und mitzuentscheiden. Dieser Unterschied mag semantisch erscheinen, ist aber in der Planungspraxis entscheidend. Denn wer Beteiligung verspricht, aber nur informiert, produziert Enttäuschung, Frustration und Misstrauen.

Das Beteiligungsspektrum reicht heute von klassischen Anhörungen über Planungswerkstätten und Runde Tische bis hin zu digitalen Beteiligungsplattformen. Doch egal, ob analog oder digital: Der Prozess muss so gestaltet sein, dass Beiträge nicht ins Leere laufen. Hier zeigt sich die wahre Qualität: Wie werden Rückmeldungen verarbeitet? Welche Wirkung haben sie auf den Entscheidungsprozess? Werden Alternativen ernsthaft geprüft oder dient Beteiligung nur als Legitimation für bereits getroffene Entscheidungen?

Qualität und Tiefe von Beteiligung sind keine Luxusfragen, sondern bestimmen darüber, ob Planung akzeptiert, unterstützt oder bekämpft wird. Besonders in Zeiten wachsender Komplexität und konfliktärer Interessen in der Stadtentwicklung ist Beteiligung ein elementares Steuerungsinstrument, um tragfähige, resiliente und innovative Lösungen zu finden. Sie ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zur besseren Stadt.

Die Herausforderungen sind groß: Wer darf mitmachen? Wie lassen sich unterschiedliche Interessen und Wissensstände in einen produktiven Dialog bringen? Und wie wird aus Beteiligung ein Wert, der über das Projekt hinaus Strahlkraft entfaltet? Fragen wie diese zeigen: Gute Beteiligung ist kein Nebenprodukt, sondern das Ergebnis bewusster Prozessgestaltung, Klarheit und Mut zur Offenheit.

Kriterien für Qualität und Tiefe: Was gute Beteiligung in der Stadtplanung wirklich ausmacht

Gute Beteiligung lässt sich nicht auf eine Einladung zum Bürgerabend oder das Auslegen eines Bebauungsplans im Rathaus reduzieren. Vielmehr ist sie ein komplexes Zusammenspiel aus Rahmenbedingungen, Methoden und Haltungen. Aber was sind die entscheidenden Kriterien, die Qualität und Tiefe ausmachen? Zuerst: Transparenz. Nur wer die Spielregeln kennt, kann sinnvoll mitspielen. Das bedeutet, dass Ziele, Ablauf und Einflussmöglichkeiten von Anfang an klar benannt werden müssen. Halbgare Versprechen oder intransparente Prozesse sind der Tod jeder Beteiligung – und führen unweigerlich zu Misstrauen.

Ein weiteres zentrales Kriterium ist die Wirkungsmächtigkeit des Beteiligungsprozesses. Gute Beteiligung muss sichtbar Einfluss auf die Planung nehmen können. Wenn Beiträge systematisch ignoriert oder verwässert werden, merken das die Teilnehmenden schneller, als man denkt. Besser ist es, offen mit den Möglichkeiten und Grenzen der Mitgestaltung umzugehen – und auch unbequeme Rückmeldungen ernsthaft zu prüfen. Die Tiefe der Beteiligung zeigt sich daran, wie viele Stufen der Einflussnahme tatsächlich durchlaufen werden: von der bloßen Information über Konsultation bis hin zur Mitentscheidung.

Doch nicht nur Tiefe, auch Breite zählt: Wer beteiligt sich eigentlich? Vielfach sind es die lauten, gut vernetzten Gruppen, die den Prozess dominieren. Qualität entsteht erst dann, wenn Beteiligung sozial, kulturell und altersmäßig breit aufgestellt ist. Das erfordert aktive Ansprache, niederschwellige Angebote und die Bereitschaft, auch ungewohnte Formate zuzulassen. Nur so entsteht ein Abbild der tatsächlichen Stadtgesellschaft und nicht bloß ein Echo der üblichen Verdächtigen.

Vertrauen ist ein weiterer Schlüsselbegriff. Beteiligung ist immer auch ein Machtspiel: Wer gibt Entscheidungsspielräume ab, wer bekommt sie? Gute Beteiligung schafft vertrauensvolle Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven auf Augenhöhe verhandelt werden. Das setzt voraus, dass Prozesse professionell moderiert, Konflikte nicht ausgesessen, sondern bearbeitet und Ergebnisse nachvollziehbar kommuniziert werden. Beteiligung braucht Zeit, Ressourcen und Kompetenz – das ist unbequem, aber unverzichtbar.

Schließlich ist Qualität in der Beteiligung auch eine Frage der Verbindlichkeit. Wer mitmacht, will wissen, dass sein Input zählt. Deshalb sollten Prozesse so gestaltet sein, dass Rückmeldungen dokumentiert, bewertet und öffentlich rückgespiegelt werden. Nur so entsteht das Gefühl, dass Beteiligung mehr ist als ein Ritual – nämlich ein echter Hebel für bessere, gerechtere und zukunftsfähige Städte.

Beteiligungspraxis im D-A-CH-Raum: Zwischen Experiment, Pflicht und neuer Prozesskultur

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Beteiligung längst kein reines Nischenthema mehr. Die Bandbreite reicht von gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren bis hin zu innovativen, dialogischen Formaten, die weit über das klassische Beteiligungsverständnis hinausgehen. Doch wie sieht die Praxis aus? In vielen Kommunen ist Beteiligung nach wie vor ein Pflichtprogramm, das vor allem dazu dient, rechtliche Vorgaben zu erfüllen und den Anschein von Offenheit zu wahren. Die berühmten Auslegungen von Plänen im Rathaus oder der Online-Beteiligung mit Kommentarfunktion sind Beispiele dafür, dass Beteiligung oft auf das Minimalmaß reduziert wird.

Gleichzeitig gibt es zahlreiche Kommunen und Planungsbüros, die neue Wege gehen und Beteiligung als integralen Teil der Stadtentwicklung begreifen. Quartierswerkstätten, urbane Labore, Zukunftsräte und ko-kreative Planungsprozesse zeigen, wie Beteiligung als kontinuierlicher, dialogischer Prozess gestaltet werden kann. Besonders spannend sind Projekte, in denen die Beteiligung nicht am Anfang steht und dann wieder verschwindet, sondern als roter Faden durch das gesamte Vorhaben verläuft. So entstehen Räume, in denen nicht nur Meinungen abgefragt, sondern gemeinsam Entscheidungen getroffen werden.

Ein Blick in die Praxis zeigt aber auch: Beteiligung steht und fällt mit der Haltung der Verwaltung und der politischen Entscheidungsträger. Wer Beteiligung als lästige Pflicht betrachtet, wird nie die Potenziale heben, die in partizipativen Prozessen stecken. Wo hingegen Wert auf Offenheit, Vielfalt und Innovation gelegt wird, entstehen oft überraschende Lösungen, die weit über das ursprüngliche Planungsziel hinausgehen. Es lohnt sich, Beteiligung als Lernprozess zu verstehen – für Verwaltung, Planer und Stadtgesellschaft gleichermaßen.

Ein weiteres Praxisfeld, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die digitale Beteiligung. Spätestens seit der Corona-Pandemie haben digitale Tools, Online-Dialoge und hybride Formate einen festen Platz im Beteiligungsrepertoire. Sie bieten die Chance, neue Zielgruppen zu erreichen, Prozesse zu beschleunigen und Transparenz zu erhöhen. Doch Vorsicht: Digitale Beteiligung ist kein Ersatz für echte Begegnung, sondern nur dann ein Gewinn, wenn sie klug mit analogen Formaten verknüpft wird.

Insgesamt zeigt sich: Die Beteiligungspraxis im deutschsprachigen Raum ist im Wandel. Immer mehr Akteure erkennen, dass Beteiligung mehr ist als ein regulatorischer Zwang – sie ist ein Zukunftsinstrument, das Planung besser, gerechter und nachhaltiger machen kann. Doch dazu braucht es Mut, Ressourcen und eine Kultur des Vertrauens. Nur so gelingt der Sprung von der Pflichtübung zur echten Mitgestaltung der Stadt von morgen.

Macht, Vertrauen und Prozessarchitektur: Die unsichtbaren Dimensionen der Beteiligung

Ein oft unterschätzter Aspekt von Beteiligung ist die Frage nach Macht und Einfluss. Beteiligung ist nie neutral, sondern immer auch ein Aushandlungsprozess zwischen unterschiedlichen Interessen, Ressourcen und Wissensständen. Wer sitzt am Tisch, wer bleibt draußen? Wer bestimmt, welche Themen verhandelt werden – und wie weit der Einfluss der Beteiligten reicht? Diese Fragen sind zentral, wenn es um die Qualität von Beteiligung geht. Gute Prozesse machen Machtverhältnisse transparent und schaffen Räume, in denen auch weniger privilegierte Stimmen Gehör finden.

Vertrauen ist das Schmiermittel jedes Beteiligungsprozesses. Es entsteht nicht durch schöne Worte, sondern durch konsequentes, nachvollziehbares Handeln. Planer und Verwaltungen müssen zeigen, dass sie bereit sind, Kontrolle abzugeben und sich auf echte Dialoge einzulassen. Das klingt harmlos, ist aber in der Praxis alles andere als selbstverständlich. Viele Akteure tun sich schwer, gewohnte Routinen aufzugeben und Unsicherheiten auszuhalten. Doch nur wer Vertrauen schafft, kann auch mit Konflikten und Widerständen produktiv umgehen.

Die Architektur des Beteiligungsprozesses ist ein weiterer, oft unterschätzter Erfolgsfaktor. Wer einfach eine Online-Abstimmung startet oder einen Workshop einberuft, ohne die Prozesslogik zu durchdenken, läuft Gefahr, Beteiligung zum Selbstzweck verkommen zu lassen. Gute Prozessarchitektur beginnt mit einer klaren Zieldefinition, umfasst die Auswahl passender Methoden, die Einbindung relevanter Akteure und die transparente Kommunikation der Ergebnisse. Sie ist flexibel genug, um auf unerwartete Entwicklungen zu reagieren – und robust genug, um Verbindlichkeit zu schaffen.

Eine besondere Herausforderung ist die Einbindung von Fachwissen und Alltagserfahrung. Beteiligung ist dann am wertvollsten, wenn sie unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt: das Expertenwissen von Planern, das Erfahrungswissen der Stadtbewohner und die Entscheidungskompetenz der Politik. Der berühmte „blinde Fleck“ – Dinge, die Planer übersehen, weil sie ihnen selbstverständlich erscheinen – kann durch klug gestaltete Beteiligungsprozesse sichtbar gemacht werden. So entstehen Lösungen, die passgenauer, kreativer und nachhaltiger sind.

Schließlich spielt auch die Evaluation eine wichtige Rolle für die Qualität von Beteiligung. Nur wer Prozesse regelmäßig überprüft, Feedback einholt und bereit ist, aus Fehlern zu lernen, kann Beteiligung als Lern- und Verbesserungsinstrument nutzen. Professionelle Evaluation bedeutet nicht nur, Teilnehmerzahlen zu zählen, sondern auch die Wirkung der Beteiligung auf die Planung zu messen. Das erfordert Mut zur Selbstkritik – und die Bereitschaft, Prozesse immer wieder zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Digitale Beteiligung: Zwischen neuen Möglichkeiten und altem Handwerk

Digitale Beteiligung gilt als das neue Heilsversprechen in der Stadtplanung. Online-Plattformen, digitale Karten, interaktive Abstimmungen und virtuelle Werkstätten sollen Beteiligung schneller, breiter und effektiver machen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Niedrige Zugangsschwellen, größere Reichweite und die Möglichkeit, Prozesse transparent zu dokumentieren. Gerade in großen Städten und in Zeiten, in denen physische Treffen schwierig sind, bieten digitale Tools echte Mehrwerte. Aber sie sind kein Selbstläufer.

Ein zentrales Problem der digitalen Beteiligung ist die sogenannte digitale Kluft. Nicht alle Bürger verfügen über die nötigen technischen Kompetenzen oder die passende Hardware, um sich online einzubringen. Die Gefahr ist groß, dass bestimmte Gruppen – etwa ältere Menschen oder sozial Benachteiligte – systematisch ausgeschlossen werden. Gute Beteiligungsprozesse setzen deshalb immer auf einen Mix aus digitalen und analogen Formaten. Nur so lässt sich echte Breite und Vielfalt sicherstellen.

Ein weiteres Risiko digitaler Beteiligung ist die Illusion von Tiefe. Schnell mal ein paar Likes oder Kommentare sammeln, eine Online-Abstimmung durchführen – fertig ist die Beteiligung? Mitnichten. Digitale Beteiligung braucht genauso viel Sorgfalt, Moderation und Nachbereitung wie klassische Formate. Nur wenn Rückmeldungen ernsthaft verarbeitet, Konflikte bearbeitet und Ergebnisse transparent kommuniziert werden, entsteht Qualität. Dafür braucht es gut ausgebildete Moderatoren, klare Spielregeln und eine professionelle technische Infrastruktur.

Doch digitale Beteiligung bietet auch Chancen, die analoge Formate nie erreichen könnten. Die Möglichkeit, Stadtmodelle in 3D zu visualisieren, Szenarien interaktiv durchzuspielen oder per Crowd-Mapping kollektives Wissen zu erschließen, eröffnet völlig neue Perspektiven. Die Kunst besteht darin, digitale Beteiligung nicht als Selbstzweck zu betreiben, sondern als integralen Baustein einer klugen Prozessarchitektur zu nutzen. So können digitale Tools dazu beitragen, Beteiligung transparenter, inklusiver und wirksamer zu machen.

Am Ende bleibt: Digitale Beteiligung ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug unter vielen. Sie verlangt nach klaren Zielen, professioneller Umsetzung und dem Willen, auch im digitalen Raum echte Dialoge zu führen. Wer sich dieser Herausforderung stellt, kann Beteiligung auf das nächste Level heben – und die Stadtentwicklung fit für die Zukunft machen.

Fazit: Beteiligung als Zukunftskompetenz – und als Schlüssel für die Stadt von morgen

Beteiligung ist kein Luxus, sondern eine Schlüsselkompetenz für die Urbanistik im 21. Jahrhundert. Gute Beteiligung schafft Vertrauen, verbessert die Qualität von Planungsprozessen und macht Städte resilienter gegenüber gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen. Doch Qualität und Tiefe entstehen nicht von selbst – sie sind das Ergebnis bewusster Gestaltung, klarer Regeln und einer offenen Haltung aller Beteiligten. Wer Beteiligung ernst nimmt, gewinnt nicht nur bessere Projekte, sondern auch eine lebendige, lernende Stadtgesellschaft.

Im deutschsprachigen Raum ist Beteiligung auf dem Weg vom Pflichtprogramm zur Prozessarchitektur. Immer mehr Akteure erkennen, dass Beteiligung nicht nur ein Werkzeug zur Konfliktvermeidung ist, sondern ein Motor für Innovation und Nachhaltigkeit. Digitale Tools eröffnen neue Möglichkeiten, stellen aber auch neue Herausforderungen an Inklusion und Prozessqualität. Entscheidend bleibt: Beteiligung ist dann gut, wenn sie transparent, wirkungsmächtig, vertrauensvoll und verbindlich ist – und wenn sie die Vielfalt der Stadtgesellschaft abbildet.

Für Planer, Verwaltungen und Politik gilt: Mut zur Offenheit, Bereitschaft zum Lernen und die Fähigkeit, Macht zu teilen, sind die Zutaten für gelingende Beteiligung. Wer diese Kompetenz beherrscht, gestaltet nicht nur Projekte, sondern prägt die Stadt von morgen. Gute Beteiligung ist kein Selbstzweck – sie ist der lackmustest moderner Stadtentwicklung. Und G+L bleibt die Adresse für alle, die mehr wollen als feige Feigenblätter, sondern echte Mitgestaltung auf höchstem Niveau.

Einer der größten Wettbewerbe für urbanes Lichtdesign ist entschieden: Der amerikanische Lichtkünstler Leo Villareal und das Team der Stadtplaner von Lidschutz Davidson Sandilands gewannen den internationalen Illuminated River Wettbewerb. 2017 werden sie Londons Brücken entlang der Themse in neues Licht hüllen.

Bürgermeister Sadiq Khan freute sich über das große Interesse am Wettbewerb: „Wir haben eine unglaubliche Rückmeldung auf den Wettbewerb erhalten. Es zeigt, dass London immer noch Kreative aus aller Welt inspiriert. Ich kann kaum erwarten, wie der Siegerentwurf umgesetzt aussieht.“

Fließend wie der Fluss
Leo Villareal gestaltete keine statische Beleuchtung, stattdessen ändern sich Farbe und Intensität ständig und nehmen das Gefühl von fließendem Wasser und somit der Themse selbst mit auf. Auch die Unterseite der Brücken soll beleuchtet werden. Das Team arbeitet nun an die Umsetzung.

Die Vorsitzende der Illuminated River Foundation Hannah Rotschild freut sich über das Siegerteam: „Leo Villareal zeigt, dass man wirklich mit Licht malen kann. Die Zusammenarbeit mit Lidschutz Davidson Sandilands, die viele der Londoner Brücken gebaut haben, war ein Glücksgriff.“ Rotschild lobte auch den sensiblen Umgang mit der Lichtintensität und Energieverbrauch.

Großes Interesse aus aller Welt
Illuminated River ist ein Designwettbewerb von besonderem Ausmaß mitten im Herzen der britischen Hauptstadt. Der Wettbewerbsprozess von der Auslobung bis zur Entscheidung nahm sieben Monate in Anspruch. 105 Teams aus 20 Ländern reichten ihre Entwürfe ein, die Konzepte der sechs Finalisten hingen seit November in der Royal Festival Hall in London aus und wurden von 10.000 Besuchern gesehen. Das Projekt wird über zehn Millionen Pfund kosten, die zu über 90 Prozent von privaten Spenden finanziert wird.

Leo Villareal ist vor allem für sein Projekt „The Bay Lights“ bekannt, dass zwei Jahre lang die San Francisco Bay Bridge erleuchtete. Wegen der hohen Beliebtheit wird die Installation zukünftig dauerhaft zu sehen sein. „Ich freue mich, dass sich die Jury für einen so künstlerischen Entwurf entschieden hat. Unser Team glaubt daran, dass Urban Design in diesem Maßstab die Stadtkultur voranbringt.“