Ob schwarze Kleider bei den Golden Globe Awards oder weiße Rosen zu den Grammy Awards: Statements gegen Frauenfeindlichkeit und für die Gleichberechtigung mehren sich. Berlin zieht mit: Im vergangenen Oktober setzte die Künstlerin Mia Florentine Weiss ein leuchtendes Zeichen.

Eine Kunstinstallation der Künstlerin Mia Florentine Weiss erstrahlte Ende Oktober vor dem Reichstag. Das Neon-Ambigramm sollte ein Zeichen für die aktuelle Thematik der Frauenrechte in Deutschland und weltweit setzen. Entstanden ist das Kunstwerk im Rahmen der Kampagne #wasfrauenfordern des Magazins Emotion. Dieses befragte 10 000 Frauen unter 60 Jahren zum Thema Gleichberechtigung. Das Ergebnis: 71 Prozent der Frauen empfinden keine Gleichberechtigung. Am 21. Oktober 2017 erstrahlte das Neon-Ambigramm Now-Won vor dem Berliner Reichstag zum ersten Mal (mehr hierzu erfahrt ihr im Video). Den Zeitpunkt der Kunstinstallation wählte Mia Florentine Weiss gezielt. Es sollte die Politiker der Sondierungsgespräche daran erinnern, sich jetzt für Frauenrechte in Deutschland und weltweit zu engagieren. Anschließend fuhr ein offener Truck die Neon-Buchstaben in das Urban Nation Museum of Contemporary Art in Berlin. Dort leuchten und erinnern sie bis jetzt.

Mehr zu der Aktion findet ihr hier!

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Das Quartett – Entwurfsstudio „Into the Wild“

Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Der Berliner Volkspark Prenzlauer Berg erscheint wild und robust – und bietet Platz für Aneignung. In ihrem Entwurf möchte Johanna König die vorhandenen Qualitäten des Parks weiterentwickeln. In ihrem Konzept beschreibt sie vier Bereiche für unterschiedliche Nutzungen. Wo neue Treffpunkte entstehen sollen und wo Besucher*innen mit Flora und Fauna in Kontakt kommen, erläutert Sie im Folgenden selbst in ihrer Projektvorstellung. Die Arbeit entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Dabei bearbeitete Johanna König von den drei im Studio vorgegebenen, zugespitzten Szenarien die Variante „Human Nature“.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch auf unserer Webseite stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor – zum Beispiel in diesem Beitrag. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Annäherung

Der Volkspark Prenzlauer Berg überzeugt besonders durch seinen wilden, ungepflegten sowie robusten Charakter. Durch die freien, offenen und scheinbar ungeplanten Flächen bietet er seinen Besucher*innen ungestörte Räume und ausreichend Platz für Aneignung. Diese Qualitäten machen den Park in Berlin einzigartig.

Lageplan, Grafik: Johanna König
Lageplan, Grafik: Johanna König

Vier Intensitäten. Ein Park.

Ziel meines Konzeptes ist es, die vorhandenen Qualitäten des Parks aufzunehmen, weiter zu denken und aus dem Bestand heraus zu entwickeln. Die zukünftigen Nutzungen sollen den Park wieder stärker erlebbar und sichtbar machen. Zudem sollen sie es besonders Kindern und Jugendlichen ermöglichen, den verwilderten und naturnahen Charakter dieses Ortes zu entdecken.

Um im Park dauerhaft Erfahrungsräume für Kinder und Jugendliche zu gewährleisten, muss die bestehende Vegetation geschützt und schonend genutzt werden. Dazu werden aus der bestehenden Vegetation vier Bereiche entwickelt, die sich in ihrer Nutzungsintensität unterscheiden. Der schattige, ruhigere Wald wird ausschließlich extensiv genutzt, während die zwei Plateaus und die neue Wiesenbühne zu bunten und stark frequentierten Treffpunkten im Park werden.

Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König
Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König

Der Wald.

Beobachten und Lauschen von Flora und Fauna steht im dichten Waldbereich im Vordergrund. Die Nutzung erfolgt hier ausschließlich auf und entlang der Waldwege, sodass der naturnahe Charakter weiterhin geschützt bleibt. Durch Nischen und Balkone entlang der Wege entsteht eine Waldgalerie, die zu einer Pause zwischen dem Schlendern einlädt, zeitgleich bewusste Blicke in den Wald zulässt und den Besucher*innen die Möglichkeit zur Umweltbildung bietet.

Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König
Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König

Im lichten Schatten.

Hier sind vor allem Kinder und Jugendliche explizit eingeladen, den Wald mit seiner Topografie und seinem verwilderten Unterholz zu erkunden und zu erforschen. Naturnahe Spielelemente aus Holz, Hangrutschen und Baumhäuser zum Klettern machen hier den Charakter der locker baumbestandenen Fläche aus.

Auf der blühenden Wiese.

Die offene Spiel- und Liegewiese lädt zum Sporttreiben, Frisbee- oder Ballspielen sowie zu jeglicher Form der Aneignung ein. Dieser Bereich soll bewusst offen und frei bleiben. Die blühenden Wieseninseln und vereinzelte lockere Gruppen von Sitz- und Liegemöbeln sowie Wiesenschaukeln bieten Möglichkeit zum längeren Verweilen.

Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König
Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König

Die bunten Plateaus.

Hier entstehen neue Treffpunkte im Park. Das laute Plateau verfügt über eine großzügige Rundbank, die Kommunikation nach innen und Aussicht nach außen vereint. Gemeinsam am Lagerfeuer dürfen hier bis in die Abendstunden Geschichten erzählt werden. Die neue Wiesenbühne gestaltet sich als Tribüne und Bühne zugleich, die frei für Performance, Musik oder Tanz angeeignet werden soll. Das leise Plateau ist ein grünes Klassenzimmer und liegt verborgen auf der Bergspitze, sodass beispielsweise Schulklassen dort ungestört lernen können.

Der Entwurf entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Mehr über die Hintergründe des Studios und den Volkspark Prenzlauer Berg lesen Sie hier, und weitere Entwürfe von Studierenden gibt’s hier zu entdecken.

Der Blick auf die Landschaft

F Rep. 290 Nr. 0083467 (Fotograf: Karl-Heinz Schubert)

Mit dem Hansaviertel wollte West-Berlin eine Alternative zu den dichten Gründerzeitvierteln bieten: Der Anteil an Grünflächen war um einiges höher als in den dicht bebauten Stadtteilen Berlins.

 

Der Blick auf die Stadt von einer Terrasse aus: In der Mitte fließt ein Fluss, seine Ufer gehören ganz der Natur und der Freizeit. Erst in gebührendem Abstand beginnt das städtische Leben. Autos, Lastkraftwagen, am Horizont die Hochhäuser für die neuen Städter, auch sie im Grünen. Menschen sieht man auf diesem Plakat mit der Überschrift „Die Stadt von morgen“ nur im Vordergrund. Sie stehen, als Zaunkönige, auf der Terrasse, ein kleiner Junge zeigt freudig auf das, was sich vor ihm ausbreitet.

Die Stadtlandschaft als Glücksmaschine: Die Zeichnung ziert eine Broschüre der Interbau von 1957. Mit der Westberliner Bauausstellung wollte der Senat der geteilten Stadt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Dem Zuckerbäckerprotz der Stalin­allee im Ostteil Berlins das kosmopolitische Bauen gegenüberstellen, sich vom unmensch­lichen Wohnungskapitalismus der Gründerzeit distanzieren – und die Landschaft ins neue Bauen integrieren. Das Hansaviertel im Stadtteil Tiergarten sollte das erste Areal sein, in dem „die Stadt von morgen“ realisiert sein würde.
Wer heute durch das Viertel spaziert, sieht vor allem eines: Anders als die gründerzeitlichen Quartiere, die den Sprung in die neue Zeit ­mühelos bewältigt haben (und entsprechend gentrifiziert sind), hat das Hansaviertel Mühe, den Anschluss zu finden. Zwar sind die Bewohner – meist Eigentümer – zufrieden mit den Wohnungen, doch das Umfeld lässt zu wünschen übrig. Die Infrastruktur, Kaufhalle, ­U-Bahnhof, sind verwahrlost. Nur die Vögel zwitschern wie eh und je.

Hansaviertel: Das noble Quartier, vor dem Krieg dicht bebaut mit herrschaftlichen Gründerzeithäusern, war bei einem Bombenangriff 1943 weitgehend zerstört worden. Anfang der fünfziger Jahre wurde daraus so etwas wie der Testfall moderner Stadtplanung. Der Westberliner Senat lud international renommierte Architekten, darunter Oscar Niemeyer, Alvar Aalto, Walter Gropius oder Max Taut ein, unter Beweis zu stellen, dass Baukunst und sozialer Wohnungsbau kein Gegensatz sein müssen. Bis 1960 entstanden im Tiergarten Punkthochhäuser und Wohnscheiben, eine Bibliothek, ein Ladenzentrum, eine Kita und die Akademie der Künste. Zum Interbaujahr 1957 strömte eine Million Menschen auf die Baustelle und den Pavillon, ein Provisorium, das heute noch steht. Viele von ihnen nutzten die neue Gondelbahn, die vom Bahnhof Zoo zum Gelände führte. Das neue Bauen und seine Landschaft, das zeigte schon das Plakat „Die Stadt von morgen“, ist aus der Vogelperspektive am besten zu bestaunen.

„Ein Stil wird im Bauen fraglos sichtbar“, urteilte bereits damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Willi Grohmann. „Er ist so international wie alle Kunst heutzutage, die Wurzeln stecken im Erdreich, aber die Krone geht frei über alle Grenzen hinweg.“ Das hübsche Bild, das zeigen soll, dass auch die in den Himmel stürmende Moderne durchaus bodenständig und ihren Traditionen verhaftet ist, war zugleich auch eine Metapher für die neue Landschaftsverbundenheit der Städte­bauer. Und die ließ sich auch in Zahlen messen. Betrug in der Gründerzeit das Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche das Verhältnis 1:1,5, wurde es im Hansaviertel auf 1:5,5 ausgeweitet. Was aber wird vom Hansaviertel und seiner Idee einer aufgelockerten, grünen Stadtlandschaft bleiben? Eine Alternative auch für künftige Architektengenerationen? Oder ein Irrtum der Baugeschichte, ein Auslaufmodell?

 

Den ganzen Beitrag lesen Sie in Garten + Landschaft 9/2015. Heft hier bestellen.