An einem Wintervormittag am Limmatufer rauscht der Fluss und ein paar Krähen rufen. Dazu gesellt sich das Rauschen des Verkehrs von der nahen Hardbrücke. Ganz still ist es nie vor dem Gemeinschaftszentrum Wipkingen. Dass ein solcher Ort mitten in der Stadt trotzdem Ruhe ausstrahlen kann, zeigt die dort angesiedelte Ausstellung “Orte der Ruhe in der Stadt”.
Im Freien präsentieren Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW ihre Forschungsergebnisse. Die angehenden Umweltingenieure haben im Stadtteil Zürich-West unterschiedliche Orte der Ruhe identifiziert. Die Ausstellung ist in die entsprechenden Themen gegliedert. Das sind einerseits die vielen kleinen Parks, der Wald und das Wasser. Dort Stellen zu finden, wo man innehalten kann, ist nicht besonders schwierig. Wer genauer hinschaut, entdeckt aber auch Ruheoasen entlang von Straßen und Wegen, oder innerhalb von Wohnüberbauungen: Zwischen den Ruinen ehemaliger Gewerbebauten im Klingenhof beispielsweise, oder auf den drei weißen Stühlen zwischen den Bäumen beim Hardturm.
Die Ausstellung “Orte der Ruhe in der Stadt” zeigt: Häufig reichen schon einfache Mittel, um einen Ort zu schaffen, der sich für eine Ruhepause eignet. Wie Zitate und Kurzinterviews darlegen, suchen die Quartierbewohner und Passanten an den dokumentierten Stellen nicht nach absoluter Stille. Verkehrsrauschen oder Fluglärm sind fast überall zu hören. Doch die Passanten nehmen die Geräuschkulisse weniger wahr, sobald natürliche Elemente wie Wasser, Bäume oder Grünflächen vorhanden sind.
Ausstellung «Orte der Ruhe in der Stadt» – Wann und wo?
Auf die Frage, wie man die Klanglandschaften urbaner Räume bewusst gestalten kann, gibt die Ausstellung keine genaue Antwort. Vielmehr dokumentiert sie in Wort und Bild das Vorhandene und regt dazu an, aufmerksam durch die Stadt zu gehen und dabei selber neue Orte der Ruhe zu entdecken.
Wann: 18. Januar bis 10. Februar 2019
Wo: Gemeinschaftszentrum Wipkingen
Breitensteinstrasse 19A, 8037 Zürich Jederzeit frei zugänglich (Im Freien)
Zuzüglich: Bilder und kurze Filmausschnitte im Café Tintenfisch: Mo bis Fr 10–18 Uhr; Sa und So 14–18 Uhr
Das könnte Sie auch interessieren
Flussbett im Museum
Hamburger Senat nimmt Rahmenplan zu Stadteingang Elbbrücken an
Städtebaupreis 2014 ausgelobt
Planung in der Polykrise – Multikrisen-Management in der kommunalen Praxis
Regenwasserversickerung Berechnung: Funktion, Vorteile und Umsetzung
Technik und Ästhetik im Einklang
Zuhause bei … nonconform
Baumartenwahl für Hitzestandorte – was pflanzt die klimaresiliente Stadt?
Die Ausstellung Nordic Urban Spaces in den Nordischen Botschaften Berlin zeigt nordische Architektur und Städtebau. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. September zu sehen.
Wie gutes skandinavisches Design fallen auch die Stadtgestaltungsprojekte der Ausstellung„Nordic Urban Spaces“ in Berlin durch zurückhaltende, markante Formen und pragmatische Ansätze auf. Es sind keine Zweckbauten. Ihre Planer haben die Herausforderung angenommen über den reinen Nutzwert hinaus Mehrwert zu schaffen, sei es gestalterisch, funktional, ökologisch, energetisch oder partizipativ. Ein simples Beispiel dafür ist die 2014 eröffnete „Cykelslangen”, eine 230 Meter lange und vier Meter breite Fahrradrampe. Die schlanke, stählerne Brücke schlängelt sich durch den Kopenhagener Hafen. Die Konstruktion des Kopenhagener Büros Dissing+Weitling architecture ermöglicht Radfahrern den Bereich am Fisketorvet-Einkaufszentrum zügig zu durchqueren, ohne dabei mit den Fußgängern in Konflikt zu geraten. Neben dem Erlebnis die Rampe komplett für sich zu haben, eröffnet sie Radfahrern dabei einen spektakulären Ausblick über den Hafen. Zwischen den modernen Gebäudefassaden und über der Wasserfläche liegt sie als ikonisches Gestaltungselement.
Best-Practice
Wesentlich eindrücklicher als die sparsam beschriebenen Fotos, Pläne und Schemata auf Tafeln vermitteln an eine Wand projizierte Videos die Projektinhalte. Sie erlauben, auch dank Kopfhörer, in die teils sehr atmosphärischen und gut erläuterten Imagevideos einzutauchen. Schade, mehr davon hätte der Ausstellung gutgetan, um die Essenz der Planungen schneller zu erfassen. Als aktuelle Sammlung skandinavischer Best-Practice-Beispiele ist die Projektschau aber unbedingt besuchenswert.
In Kooperation mit dem Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin zeigen die Nordischen Botschaften in Berlin noch bis 28. September 41 Projekte unterschiedlichen Maßstabs: städtebauliche Planungen, Parks und Uferpromenaden, Brücken, öffentliche Gebäude, Wohnungsbau und U-Bahnstationen sind darunter. Aber auch Beispiele für Partizipation und ökologische Initiativen für Erwachsene und Kinder. Gemeinsam haben sie, dass die Konzepte in Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark oder Island großteils schon realisiert wurden oder manche noch umgesetzt werden sollen.
Wichtige Antworten
Wo: Nordische Botschaften, Rauchstraße 1, 10787 Berlin
Wann: 6. Juni bis 28. September 2018, Montag bis Freitag 10–19.00 Uhr, Samstag und Sonntag: 11-16.00 Uhr
Rund um die ehemalige Sendlinger Betonfabrik im Münchener Südwesten befand sich bisher vor allem ein Industriegebiet. Doch mit dem geplanten Stadtquartier „Sugar Valley“ möchte die Stadt dies nun in Rekordzeit ändern. Jetzt gibt es erste architektonische Einblicke in das Fünf-Minuten-Quartier.
Das Sugar Valley, entwickelt von der Salvis Consulting AG, soll auf etwa 150.000 Quadratmetern Mietfläche und 20.000 Quadratmetern Freifläche als neues, stilbildendes Quartier in der bayerischen Hauptstadt entstehen. Angedacht ist eine „moderne Arbeits- und Lebenswelt, in der Architektur und Außenanlagen sowie Nachhaltigkeit, Mobilität, Digitalisierung, Nutzungsmix und New Work miteinander verbunden sind“, so die Salvis Consulting AG, ein Entwickler aus München.
Dabei soll Sugar Valley auch eines der nachhaltigsten Quartiere Deutschlands werden. Das Energiekonzept basiert ausschließlich auf natürlichen Ressourcen. Weder beim Bau noch beim Betrieb soll das Projekt zusätzliches CO2 ausstoßen und sich tatsächlich ganz auf erneuerbare Energien konzentrieren.
Besser als daheim
Die Stadt München zeigte von Anfang an viel Interesse für die Bebauung des Areals rund um die alte Sendlinger Betonfabrik. Der Aufstellungsbeschluss erfolgte im Mai 2019, gefolgt vom ersten stadtplanerischen Workshop für ein derartiges Projekt in der Stadt. Innerhalb kurzer Zeit konnte die Stadt einen Bebauungsplan verabschieden und so ihrem Ziel, die gut an den ÖPNV angebundene städtische Brache zu entwickeln, ein Stück näherkommen.
Das Sugar Valley soll laut Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk ein zukunftsfestes Stadtquartier werden, „welches Impulsgeber für die gesamte Stadt und für Obersendling ein identitätsstiftender und vielfältig nutzbarer Ort sein wird“.
Im ersten Bauabschnitt sollen bis 2027 drei Gebäude mit Büroflächen, öffentlichen Funktionen und eine Veranstaltungs- und Markthalle entstehen. Im Vergabeverfahren setzten sich die Architekturbüros J.MAYER.H und Partner, Architekten mbH aus Berlin und Cobe aus Kopenhagen gegen zehn andere internationale Büros durch. Laut Jury konnten beide Büros die Blaupause für eine positive Work-Life-Integration sehr gut umsetzen. Die beiden Entwürfe unterstützen damit das Motto von Sugar Valley: „besser als daheim“. Die Herausforderung wird darin bestehen, Menschen durch außergewöhnlich hohe Aufenthaltsqualität dazu einzuladen, ihr Homeoffice zu verlassen.
Das Sugar Valley ist ein Leuchtturmprojekt für München. Unter anderem macht es 20.000 Quadratmeter Grün- und Freifläche für die Bevölkerung zugänglich – an einem Ort, wo früher täglich 175 Lkws verkehrten. Die voll versiegelte, leerstehende Industriebrache mit ihren Ruinen wird zu einer blühenden, nachhaltigen Landschaft. Dies soll laut Ulrich O. Fischer, Vorstand der Salvis Consulting AG, ein „architektonisches Ausrufezeichen auf internationalem Niveau“ werden und den Münchener*innen zugleich mehr Freiraum mit über 150 neu gepflanzten Bäumen geben.
Angedacht ist eine Fünf-Minuten-Stadt innerhalb der bayerischen Hauptstadt. Möglich wird dies durch die durchdachte Mischnutzung mit Bereichen für Arbeiten, Wohnen und Freizeitgestaltung. Obersendling bietet gute Voraussetzungen: Der Stadtteil ist sehr gut an das ÖPNV-Netzwerk angebunden, befindet sich fußläufig zur Isar und punktet mit schönen Blicken auf die Alpen sowie die Stadtsilhouette von München.
Weiterlesen: München streitet darüber, wie hoch Neubauten in der Stadt sein dürfen. Der Knackpunkt: Sollen die Türme der Frauenkirche mit ihren 99 Metern die Obergrenze darstellen?
Zwischennutzungsaspekte werden weitergeführt
Zum Sugar Valley gehört auch der Sugar Mountain, eine Anspielung auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro. Rund um die alte Betonfabrik in Sendling befindet sich bereits dieses Areal, das im Rahmen einer Zwischennutzung zum Anwohnertreffpunkt für Kultur und Freizeit geworden ist. In Teilen soll diese Idee in das neue Konzept integriert werden.
Aber der beliebte bunte Turm, der derzeit den Sugar Mountain markiert, wird im September 2024 abgerissen. Danach beginnt der Neubau des neuen Quartiers Sugar Valley. Ein lachendes und ein weinendes Auge begleiten den geplanten Abriss. So erfreut sich etwa der bisherige Basketballplatz des Sugar Mountain einer intensiven Nutzung. Er könnte demnächst auf eines der neuen Dächer umziehen. Auch ein Pool sowie begrünte Dachterrassen sind auf den Türmen geplant. Denn die Aspekte Kunst, Kultur, Freizeit und Sport, die die Zwischennutzung definierten, sollen auch im Sugar Valley eine zentrale Rolle haben.
Insgesamt werden im Sugar Valley elf Gebäude entstehen, drei davon Hochhäuser mit Co-Working, Gastro, Fitness und Büros sowie Wohnungen. Über 30 Nutzungsarten aus allen Lebensbereichen und für alle Bevölkerungsgruppen sind vorgesehen. Dabei stehen die Mischnutzung und die Idee einer 5-Minuten-Stadt im Vordergrund. Soziale Begegnungsräume, Arbeitsplätze und direkte Einkaufsmöglichkeiten sollen leicht erreichbar sein.
Auch nachhaltig soll es zugehen: In einem 100-Punkte-Plan sind 100 Einzelmaßnahmen vorgesehen, die die Nachhaltigkeit des Projektes von Anfang an sichern sollen. Dazu gehören etwa Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, die Nutzung oberflächennaher Geothermie, Sonne und Wind, der Einsatz von Wärmepumpen sowie ein klimaneutraler Bau. So könnte das Sugar Valley Münchens erstes Quartier werden, das beim Heizen und Kühlen CO2-neutral vorgeht.
Das Mobilitätskonzept klingt sehr modern: Oberirdisch soll das Sugar Valley autofrei sein. Parken ist in einer neuen Tiefgarage möglich, die Platz für 1.200 Autos bietet und auch E-Ladesäulen hat. 1.500 Radstellplätze sowie ein Radweg mitten durch das Quartier, der bis an die Isar führt, bieten Alternativen. Und mit der U-Bahn ist der Marienplatz in 13 Minuten erreicht.
2027 sollen für einen Preis von 300 Millionen die ersten drei Gebäude, inklusive einem 80 Meter hohen Büroturm, stehen. Bis zum letzten Bauabschnitt des Vorhabens könnte es 2031 werden. Es braucht also noch etwas Geduld, um das ganze Ergebnis zu sehen. Die 250 geplanten Mietwohnungen, davon 80 gefördert und 170 frei finanziert, werden gegen Ende des Projektes fertiggestellt.