Wettbewerbsübersicht Januar 2019 (2/2)

Brassel

Rathausvorplatz Bayreuth, 1. Rang HAHN HERTLING VON HANTELMANN, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Neugestaltung Marktplatz und Bohl in St. Gallen, 1. Preis Lorenz Eugster, Zürich, mit Brassel Architekten, Zürich, und Flühler Architektur, St. Gallen

Die Prinzipien „fließender Raum“ und „Platz in Platz“ bilden die Basis des Siegerentwurfs von HAHN  HERTLING  VON HANTELMANN für den Rathausvorplatz in Bayreuth. Mit ersterem stärken sie die ursprüngliche Idee des Rathausquartiers als offene Stadtlandschaft mit fließenden Übergängen. Nur wenige grüne Setzungen brechen den Platzraum auf und schaffen eine durchlässige Raumbildung. Die ehemalige Raumkante zum Luitpoldplatz deuten die Planer durch Bäume an – Hochstämme mit lichter Krone, die mit wohldefinierter Lücke den Haupteingang zum Rathaus inszenieren. Die Pflanzenpolster schaffen einen Platz im Platz. Dieser Binnenraum nimmt die Lauf- und Blickbezüge nach außen auf und verzahnt sie mit dem Umfeld. Trotz der Durchlässigkeit der Polster, ordnen sie den Platzraum in verschiedene Bereiche. Die Vorder- und Rückseiten werden dabei aber nicht gewichtet. Der Platz erschließt sich erst nach und nach, was die Jury als reizvoll erachtet. Ebenso begrüßt sie, dass die Planer das verbindende Thema Wasser aufgreifen und einen weiteren „Wassertrittstein“ zwischen Rotem Main und Mühlengraben schaffen.

 

MORO „lebendige Regionen“, Region Stuttgart, 1. Preis SPACE4, Stuttgart, Daniel Schönle Architektur und Stadtplanung, Stuttgart

Marktplatz und Bohl bilden den Kern der St Gallener Altstadt und sind wichtige Halte- und Umsteigeorte des ÖPNV. Der Siegerentwurf stellt die bisherige verkehrsbedingte räumliche Trennung von Marktgasse, Marktplatz und Bohl infrage. Er rückt die ursprüngliche, nordsüdlich gerichtete Hauptachse, die Marktgasse, in den Mittelpunkt. Diese Achse steht als großer flexibel nutzbarer Raum für Feste und Markt zur Verfügung; Marktplatz und Bohl bilden die angrenzenden „Platznischen“ als Orte des lebendigen Alltags, so die Intention der Verfasser. Die Schnittstelle bildet einen offenen, großzügigen urbanen Raum, der flexible Szenarien für vielseitige Nutzungen zulässt. Dafür muss die in der Achse liegende „Rondelle“, ein Markt- und Imbisspavillon aus den 1950er Jahren, weichen. Ersatz bietet eine Pavillon-Doppelstruktur im nordwestlichen Bereich des Marktplatzes. Die Jury lobt den Siegerentwurf als „mutigen Befreiungsschlag“. Der Entwurf biete mit der neugeschaffenen Leere einen Mehrwert und damit das eigentliche „Kapital“ für ein wiederbelebtes Zentrum.

 

Mit einer „Landschaftsparkroute“ beteiligt sich die Region Stuttgart am Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) als eine von zwölf Modellregionen. Dafür will sie den bestehenden Museumsradweg von Weil der Stadt nach Nürtingen aufwerten, landschaftliche Zusammenhänge vermitteln, sowie die Heimatverbundenheit stärken. Die Szenographen SPACE4 und Daniel Schönle Architektur und Stadtplanung setzen auf emotionale und interaktive Themeninszenierung, taktile Elemente und digitale Vertiefung mit Hörbeiträgen. Der Radfahrer steht im Mittelpunkt, die Infostationen dienen als erlebnisorientierte Einstiegsorte. Die Gestaltung setzt dabei durch ihre Farbigkeit auf eine hohe Wiedererkennung. Die Elemente in Signalfarbe kennzeichnen das „Abholen“ an der Auftaktstation, das „Leiten“ in Form von Wegweisern und Bodenmarkierungen, sowie das „Orientieren“ an Haltestationen mit Karten- und Standortinformationen. Sogenannte „Ausblicke“ fokussieren als wegbegleitende Infoelemente Kultur, Kunst und Naturgeschichte der Region. Ein wiedererkennbares Zeichen entlang der Route bilden die Infostationen in archetypischer Hüttenform, die zugleich die Präsentation schützt.

 

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Ökosystemleistungen operationalisieren – wie Natur Teil der Stadtbilanz wird
der Wissensorte miteinander verbindet aussehen? (Bild: IBA Heidelberg 2017)

Neue Innovationen und Wissenstransfer steigern die Attraktivität von Standorten und wirken somit als Katalysator für die Stadtentwicklung. Die IBA (Internationale Bauausstellung) in Heidelberg setzt sich mit der positiven Dynamik von Wissenstransfer und Urbanisierungsprozessen auseinander. Unter dem Titel „Wissen|schafft|Stadt“ soll Heidelberg als Lern- und Bildungsort der Wandel hin zur Wissensstadt gelingen. Dabei spielt die Freiraumplanung eine maßgebliche Rolle. Grünräume werden nicht mehr nur als vernetzende Elemente von Freiräumen begriffen, sondern auch als Netzstruktur, die Wissensorte miteinander verknüpft.

Grünräume verbinden Wissensorte

Auf einer Konversionsfläche, den Campbell Baracks in Heidelberg soll ein identitätsstiftender Park zentrales Element für das wissensbasierte Stadtquartier werden. Der neu zu gestaltende Netzwerkpark nimmt eine gesellschaftliche Relevanz ein, indem er Wissenseinrichtungen über intelligent gestaltete Freiräume miteinander verknüpft. Das Freiraumspektrum reicht vom vielseitig nutzbaren Bürgerpark bis hin zum ruhigen Museumsgarten. Dazu lobt die Stadt Heidelberg einen nicht offenen freiraumplanerischen und städtebaulichen Planungswettbewerb aus.

Freiraumkonzept mit Modellcharakter

Das Projekt wurde vom Bundesministerium Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit in das Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen. Durch die Förderung mit knapp 6 Millionen Euro und durch das innovative Planungsverfahren im Dialog mit den Bürgern erhält das Projekt Modellcharakter.

Bewerbungsfrist: 6. April 2017

Abgabe der Wettbewerbsleistungen: 19. Juni 2017

 

Weitere Informationen zum Wettbewerb auf der IBA homepage:

http://iba.heidelberg.de

Oder auf competitionline:

https://www.competitionline.com/de/ausschreibungen/258774

Floriade Expo 2022
Foto: Floriade Expo 2022, Almere

Schon der Veranstaltungsort ist besonders. Die Floriade 2022 findet in Almere statt. Wo früher Wasser war, präsentieren die Niederlande in diesem Jahr Ideen für wachsende grüne Städte. Die Floriade Expo ist mehr als eine bunte Schau von Gärten. Hier wird thematisiert: Wie können unsere Städte trotz des Klimawandels lebenswerter, grüner und nachhaltiger werden? Alles was Sie zur Floriade wissen müssen lesen Sie hier. Mehr zum Konzept des Deutschen Pavillons vom studio grüngrau gibt es übrigens hier.

Auf sechzig Hektar Land bringt die Floriade 2022 vierzig inspirierende Länderpräsentationen, einen spektakulären Gewächshauskomplex und eine Seilbahn quer zusammen. Schon das macht die Veranstaltung zu einer der wichtigsten Gartenbauausstellungen der Welt. Seit den 1960er Jahren laden die Niederlande alle zehn Jahre zu einer Floriade ein. Jedes Mal an einem anderen Ort. In diesem Jahr ist die Stadt Almere an der Reihe. Sie bildet die Kulisse für eine zukunftsweisende, grüne Veranstaltung. Denn auf der Floriade Expo 2022 lautet das Motto: Growing Green Cities.

Growing Green Cities

Zum siebten Mal findet 2022 eine Floriade Expo in den Niederlanden statt. Dabei geht es nicht nur um Grün in und um Städte herum. Unter dem Motto Growing Green Cities präsentieren die Niederländer*innen ein Stück ihrer Auseinandersetzung mit klimaneutralen, grünen, gesunden, urbanen Strukturen. Die Floriade 2022 präsentiert dementsprechend neue Technologien, zukünftige Produkte und Lösungen für die globale Urbanisierung, für unsere Lebensmittelversorgung, Gesundheit und Energiegewinnung. In all diesen Bereichen sind Innovationen erforderlich, um unser Leben sicherer, gesünder und attraktiver zu machen. Von diesen innovativen Ideen präsentiert die Floriade 2022 zahlreiche. Sie alle fügen sich zu einer Entdeckungsreise zusammen, die die Besucher*innen herausfordert und dazu inspiriert, ein grüneres und bewussteres Leben zu führen.

Das breite Themenspektrum der Floriade Expo 2022 ist in folgende, vier Themenfeldern aufgeteilt: Greening the City, Feeding the City, Healthying the City und Energizing the City. Alle vier Themen tauchen nicht nur in den zahlreichen Pavillons und dem riesigen Gewächshauskomplex auf dem Gelände immer auf. Auf der Floriade Expo 2022 sind sie auch im Arboretum und dem reichen Kunst- und Kulturprogramm der Weltausstellung zu finden.

Almere als Kulisse der Floriade

Das Nachdenken über dicht bebaute Städte und deren Ausstattung mit Grün steht im Mittelpunkt der Floriade 2022. Wie diese urbanen Orte grüner, lebenswerter und nachhaltiger werden können, das sind Fragen, die die Niederländer*innen in Almere thematisieren. Dabei könnte kaum eine Stadt besser für die Auseinandersetzung mit nachhaltiger Grünflächenentwicklung taugen. Denn Almere ist auch ohne die Floriade 2022 bereits eine Art Living Lab, ein Ort der Experimente und des Neuentwickelns. Von April bis Oktober 2022 wird die Stadt nun zum Schauplatz für Innovationen aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Lebensmittelproduktion. Als Weltausstellung wird sie Akteur*innen aus der ganzen Welt zusammenbringen.

Floriade mit Nachhall

Die siebte Floriade in den Niederlanden ist anders als ihre Vorgängerinnen. Denn zum ersten ist sie nicht nur als Messe organisiert, die nach einem halben Jahr wieder abgebaut wird. Vielmehr wächst aus den Grundsteinen der Floriade 2022 ein neuer Stadtteil. Die gesamte Infrastruktur der Schau bleibt erhalten und wird auch langfristig ein Beispiel für Nachhaltigkeit sein. So sind die breiten Gehwege so angelegt, dass Regenwasser gut ablaufen kann. Auch das Arboretum, eine Art Pflanzen-Bibliothek voller Gerüche und Farben, ist von Nachhaltigkeit geprägt. Alle Bäume und Pflanzen stammen von einheimischen Züchtern. Darüber hinaus wurden sie ausgewählt, weil sie die Luftqualität verbessern, helfen, die Temperatur zu senken, Biodiversität fördern oder als Nahrungsquelle dienen.

Die Gärten der Welt

Das gesamte 60 Hektar große Gelände der Floriade 2022 ist in Quadrate aufgeteilt, die alphabetisch nach den botanischen Namen der dort angesiedelten Pflanzen benannt sind. Wie kann es in den Niederlanden anders sein, als dass das T für die Tulpe reserviert ist? Durch diese Strukturierung und Bepflanzung entsteht eine Patchworkdecke aus Gärten, die von Kanälen mit Brücken aus recycelten Materialien durchzogen ist. Das ist sozusagen die Basis für den neuen Stadtteil, der nach der Floriade Expo 2022 hier wachsen wird.

Neben den Vorbereitungen für das Entstehen einer neuen, zukunftsfähigen Stadt hat Almere die Welt eingeladen, sich zu präsentieren. Gut 30 Länder errichteten deshalb einen eigenen Pavillon, in dem sie ihre Ideen für die grüne Stadt der Zukunft vorstellen. In diesem Kontext zeigen zum Beispiel die Niederlande wie mit biologischen Produkten nachhaltig und klimaschonend gebaut werden kann. China hingegen lädt zu einem Rundgang durch einen wachsenden Bambusgarten ein. Im Pavillon von Indien gehen die Besucher*innen auf eine spirituelle Reise. Der Staat Katar zeigt auf der Floriade 2022, wie durch traditionelle Bauformen und moderne Technologien Wüsten ergrünen.

Deutschlands Ausstellungsbereich mit studio grüngrau

Gemeinsam mit gtp2 architekten und insglück hat studio grüngrau Landschaftsarchitektur 2021 den 1. Preis für die Gestaltung des deutschen Ausstellungsbereichs gewonnen. Ihr Konzept auf der Floriade Expo 2022 heißt BIOTOPIA – Growing Community. Schon von Weitem ist die Konstruktion des Pavillons aus hölzernen Kuben zu erkennen. Das zweistöckige Gebäude ist auch Teil eines Gartens. Dazu tragen insbesondere seine bepflanzten Fassaden bei, die sich wie ein lebendiges Ökosystem ständig verändern. Die Ideen für BIOTOPIA stammen von gtp2 architekten und insglück, die mit studio grüngrau Landschaftsarchitektur den Deutschen Garten in Almere gestalteten.

Wo einst Meer war, ist heute Almere

Neben den zahlreichen Pavillons bringt eine spektakuläre, 850 Meter lange Seilbahn die Besucher*innen zum Staunen. Ihre Höhe garantiert einen atemberaubenden Blick auf das Gelände der Floriade 2022 und reicht bis zur Skyline der Stadt Almere. Aber auch das Arboretum ist besonderer Natur. Es zieht sich wie ein grüner Faden durch das gesamte Gelände der Weltausstellung.

Nicht nur die Exponate der Floriade Expo 2022 sind innovativ. Schon der Veranstaltungsort, die Stadt Almere, ist besonderer Natur. Sie hat etwa 220 000 Einwohner*innen und gilt als die jüngste Stadt der Niederlande. Denn vor kaum 50 Jahren dominierte hier noch das Meer. Der Untergrund für die Stadt wurde dem Wasser regelrecht abgerungen. Damit ist Almere noch heute ein Symbol für den Kampf gegen die Naturgewalten oder vielmehr ein Zeichen für den geschickten Umgang mit der Natur.

Klassische niederländische Idylle hat Almere allerdings nicht zu bieten. Die Stadt wurde vielmehr auf dem Reißbrett entworfen und dann mit spektakulären Architekturen bestückt. Das geht weiter, denn Almere wächst. Vom City-Strand sind bereits Konturen des neuesten Stadtviertels zu erkennen. Hier entsteht ein verlockender, grüner Dschungel namens Hortus. Doch bevor hier die neuen Bewohner*innen das Viertel beziehen, kommen wahrscheinlich noch zwei Millionen Besucher*innen der Floriade 2022 vorbei.