Ein Grünstreifen mit Betonstufen zur rechten Seite und Holzdecks zur linken Seite. Daneben eine Promenade unter Bäumen.
Frühe Vision zum Ostpark Bochum, © Stadt Bochum, Referat für Kommunikation, Ramboll Studio Dreiseitl

In Bochum wird derzeit bis 2025 das Projekt Ostpark auf 43 Hektar umgesetzt. Dabei sind zwei unabhängige Quartiere geplant, die an die bestehende Bebauungsstruktur anknüpfen und durch den neu entstehenden Havkenscheider Park verbunden werden. Zudem entsteht eines der ersten autoreduzierten Quartiere der Stadt. Was den Park, das Quartier Feldmark im Westen und das Quartier Havkenscheider Höhe im Osten ausmachen, lesen Sie hier.


Ostpark Bochum ist derzeit größtes Bauprojekt der Stadt

Bochum steht wie viele Städte und Kommunen vor der gleichen, drängenden Frage: Wie kann die steigende Nachfrage nach hochwertigem und bezahlbarem Wohnraum bedient werden? Um diesem Problem nachzukommen, treibt Bochum derzeit vor allem ein Projekt an – den Ostpark. Es gilt als das derzeit größte Projekt zur Wohnbauflächenentwicklung in Bochum. Bis 2025 sollen hier rund 1 300 neue Wohneinheiten geschaffen werden. Auf insgesamt 43 Hektar entstehen gleich zwei voneinander unabhängige Quartiere – die Feldmark im Westen und die Havkenscheider Höhe im Osten. Diese wurden auf bisherigen Brachflächen und bereits überplanten Gebieten ausgewiesen. Die Lage bezeichnet die Stadt dabei als etwas Besonderes. Denn der Ostpark Bochum ermögliche einerseits die Schärfung der inneren Ränder der Stadt und eröffne anderseits neue Zugänge zur Landschaft. Auch auf den Baubestand soll das Projekt eingehen. Die neuen Wohngebäude werden jeweils an die bestehende Bebauungsstruktur der Stadtteile Altenbochum und Laer anknüpfen.


Gestaltung durch Ramboll Studio Dreiseitl

Das Quartier will mehr sein als ein Wohnprojekt. Dabei setzt die Freiraumkonzeption durch Ramboll Studio Dreiseitl neue Maßstäbe. Unter dem Motto „Urban, Grün und Nachhaltig“ entwickelten die Landschaftsarchitekt*innen in enger Abstimmung mit der Stadt Bochum qualitätsvolle Stadt- und Landschaftsräume. Besonderes Augenmerk liegt auf dem neu angelegten Bachlauf, der zur Naherholung für die angrenzenden Viertel dient und gleichsam den Niederschlag ableitet. Neben den Wasser- und Grünstrukuren fungiert außerdem das durchdachte Geh- und Radwegesystem als verbindendes Element.


Grün-blaues Rückgrat

Für das Quartier ist eine Mischung von Wohnkonzepten geplant. Neben Eigenheimen beziehungsweise Eigentumswohnungen, werden Mietwohnungen und Wohnungen im geförderten Wohnungsbau angeboten. Darüber hinaus sind im Quartier Feldmark zwei Bauabschnitte für selbstverwaltete Wohnprojekte vorgesehen. Neben der Architektur spielt bereits seit Beginn des Bauprozesses die Anlage von Grün- und Freiflächen durch Ramboll Studio Dreiseitl eine wesentliche Rolle. Von den 43 Hektar sind 14 Hektar als Nettobaufläche angesetzt. Der Großteil des neuen Quartiers bleibt dementsprechend unversiegelt. Vielmehr sind großzügige Grün- und Wasserflächen vorgesehen. Dabei bilden der zentrale Wasserlauf mit 2,2 Kilometern Länge samt angrenzender Naherholungsflächen das grün-blaue Rückgrat des Quartiers. Das lineare Freiraumelement wird zukünftig auch als Verbindungsglied der zwei Quartiere Feldmark und Havkenscheider Höhe fungieren. Diese unterscheiden sich in ihrer Disposition.

Rahmenplan Ostpark Bochum. credit: Stadt Bochum
Rahmenplan Ostpark Bochum © Stadt Bochum

Das Quartier Feldmark

Das Quartier Feldmark, westlich im Projektgebiet gelegen, entsteht auf den Flächen der ehemaligen Stadtgärtnerei in Altenbochum. Mit rund 700 neuen Wohneinheiten wird das Viertel zukünftig dem Großteil der neuen Anwohner*innen ein Zuhause bieten. Der Rahmenplan sieht dabei eine Blockrandstruktur vor. Um eine hohe bauliche Dichte zu sichern, sind fünfgeschossige Gebäude geplant. Der urbane Charakter wird weiterhin durch öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss gefördert. Sowohl Praxen, als auch Kanzleien, oder gastronomische Einrichtungen, wie eine Eisdiele oder ein Café, legen die Gestaltungsrichtlinien und den Bebauungsplan nahe. Auch das Stadtteilzentrum Altenbochum soll als urbaner Attraktor fungieren. Aus den bebauten Bereichen führen jeweils kurze Wege in die umgebenden Frei- und Aufenthaltsflächen. Weiterhin entstehen entlang eines offenen, oberirdischen Wasserlaufes ein Wasserspielplatz, eine Promenade und ein Quartiersplatz.


Entwässerungskonzept im Ostpark Bochum

Generell ist der Umgang mit Wasser für den gesamten Ostpark prägend. Ramboll Studio Dreiseitl plante dafür ein offenes Regen-Entwässerungskonzept. Dabei wird das anfallende Niederschlagswasser oberflächig in den bereits erwähnten neuen Wasserlauf geleitet. Dies soll nicht nur die klimatischen Verhältnisse der Stadtlandschaft verbessern, sondern zusätzlich als Gestaltungselement die Aufenthaltsqualität steigern. Dafür sieht die Planung der Landschaftsarchitekt*innen etwa einen Wasserspielplatz in der Feldmark sowie Sitzstufen entlang des Wasserlaufes vor. Von Westen aus nimmt der Kanal seinen Lauf gen Westen durch den Havkenscheider Park und das Quartier Havkenscheider Höhe und mündet schließlich im Harpener Bach.

 

 


Quartier Havkenscheider Höfe

Im östlichen Quartier entstehen die weiteren rund 600 Wohneinheiten. Neben einer Blockrandbebauung, wie sie auch im Quartier Feldmark vorgesehen ist, wird die Havkenscheider Höhe durch vielfältige Bautypologien ergänzt. Neben sogenannten Townhouses – Reihenhäusern mit einer geringen Grundfläche auf mehreren Etagen -, entstehen auch freistehende Einfamilienhäuser, außerdem einige Stadtvillen im Norden des Gebietes. Die Freiraumgestaltung der Havkenscheider Höfe ist landschaftlicher als jene der Feldmark. Ramboll Studio Dreiseitl gestaltet den Wasserlauf hier als sanft mäandernden Bachlauf mit landschaftlich gestalteten Rückhalte- und Versickerungsbecken. Über neu angelegte Wege wird die freie Landschaft aus dem Quartier heraus erschlossen. Auch eine Anbindung an das überregionale Radwegenetz mit dem „Parkway Emscher-Ruhr“ ist geplant. Daneben spielt die quartiersinterne Mobilität eine wichtige Rolle. Hier hält das Konzept ein Straßennetz aus verkehrsberuhigten Bereichen, eine Fahrradstraße sowie eine Quartiersgarage fest.

Die Luftaufnahme vom 19.04.2018 zeigt das Baugebiet Ostpark in Bochum. credit Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum
Die Luftaufnahme vom 19.04.2018 zeigt das Baugebiet Ostpark in Bochum, © Lutz Leitmann / Stadt Bochum

Havkenscheider Park als Verbindungsglied

Zwischen den beiden Quartieren entsteht der Havkenscheider Park. Als große Grünfläche will er Natur in unmittelbarer Nähe zur Stadt erfahrbar machen. Außerdem sind Kleingartenparzellen vorgesehen. Im Zentrum des Parks speist der von Westen kommenden Wasserlauf einen Landschaftssee. Während das südliche Ufer naturnah gestaltet wird, ist im Norden ein großer Platz für Veranstaltungen geplant. Schließlich öffnet der Park sich nach Nordosten zur freien Landschaft. Beziehungsweise zur Bundesautobahn A 43, die etwa einen Kilometer weiter östlich verläuft. Zukünftig können nicht nur die neuen Quartiere des Ostparks vom zentralen Naherholungsgebiet Havkenscheider Park profitieren. Auch die Nachbar*innen des Bestands aus Altenbochum oder Laer können den Park über Fußwege unkompliziert erreichen.


Ostpark Bochum - ein Modellquartier unter Kritik?

Generell sieht sich der Ostpark als ökologisches und klimapolitisches Modellquartier. Dies äußert sich nicht nur in der Anlage von Frischluftkorridoren, dem vielen Grün und den oberirdischen Wasserläufen. Auf Initiative des Forschungsprojektes Plan4Change sind weitere bauliche Anpassungen vorgesehen. Begrünte Dächer, Verschattungselemente und helle Farben an den Gebäuden sind vorgeschrieben. Weiterhin will das Mobilitätskonzept Individualverkehr vermeiden und klimaschonende Alternativen fördern. Für das Vorhaben laufen alle Prozesse bereits seit über zehn Jahren auf Hochtouren. Bereits 2009 begann die erste Entwurfswerkstatt unter Einbindung von Anlieger*innen, Gewerbetreibenden und Bürger*innen der Stadt. Rund 13 Jahre später starteten 2022 die Bauarbeiten zu den Freianlagen und zum Entwässerungslauf im Havkenscheider Park, sowie die Hochbauarbeiten auf verschiedenen Grundstücken. 

Kritik kam auf, weil für das neue Quartier rund drei Hektar Wald gerodet werden. Dieser bestand laut der Partei Die Grünen jedoch noch nicht, als die Flächen bereits im Jahr 2000 in Bauland umgewidmet wurden. Eine Kompensationspflanzung im Stadtgebiet Bochum ist nun vorgesehen. Auch müssten die zahlreichen Vorteile des Projektes für die Stadtentwicklung in Relation gesetzt werden. Wie sich der Ostpark als Quartier und Freiraumgefüge entwickelt, werden die nächsten Jahre und Jahrzehnte zeigen.

Auch ein spannendes Projekt in der Stadt: der Husemannplatz Bochum von Sinai.

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