Fürst Heinrich von Pückler-Muskau (1785–1871) war einer der wichtigsten Gartenkünstler Deutschlands. Die von ihm gestalteten Landschaftsparks in Bad Muskau, Babelsberg und Branitz zählen zu den Höhepunkten europäischer Landschaftsgestaltung des 19. Jahrhunderts – und teils sogar zum UNESCO Weltkulturerbe.
Das Dach der Bundeskunsthalle in Bonn wurde jetzt für die Parkomanie in einen Pleasure Garden verwandelt, der die wesentlichen Prinzipien des Fürst Pückler erlebbar macht. Gestaltet wurde die Dachlandschaft von Orel+Heidrich, die auch den Garten des Jahres 2016 gestalteten. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. September zu sehen. Christine Kowalski traf Christine Orel zum Interview.
Cord Panning, Parkdirektor und Geschäftsführer der Stiftung “Fürst Pückler-Park Muskau”, Renata Stachanczyk, Projektleiterin Nationales Institut für Kulturelles Erbe der Republik Polen, Claudius Wecke, Parkleiter Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Michael Rohde, Gartendirektor Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, und Agnieszka Lulinska, Kuratorin der Ausstellung “Parkomanie” stellen die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler in der Bundeskunsthalle in Bonn vor:
Der Urgroßneffe Hermann Graf von Pückler, Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle Bonn, und Gert Streidt, der Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Brantiz, sprechen im Video über die Person Fürst Pückler.
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Seit jeher prägt die Geologie eines Orts die Architektur und den öffentlichen Raum unserer Städte. Die regional verfügbaren Rohstoffe und eingeschränkte Transportmöglichkeiten bestimmten die Baumaterialien und damit das Stadtbild. Mit der Globalisierung der Märkte und uneingeschränkter logistischer Möglichkeiten wird die Materialwahl heute dagegen immer mehr zu einer Frage der Haltung. Die Projekte von Vogt Landschaftsarchitekten basieren auf einem klaren Bekenntnis zum Ort, seiner Geschichte, seiner Tradition und seinem Bezug zu der ihn prägenden Landschaft.
In der Schweiz tritt das geologische und geomorphologische Erbe, also die Struktur und Form eines Orts, auf kleinstem Raum besonders deutlich zutage. Denn das Land zeichnet sich durch drei unterschiedliche Landschaften aus: Die schroffen Alpen, das flache Mittelland und die sanfte Erhöhung des Jura. Alpen und Jura, mit völlig unterschiedlicher geologischer Genese und Gestalt, dazwischen der Erosionsschutt beider Landschaften. Beim Projekt Novartis Campus Park in Basel greift das Büro Vogt diese Vielfalt auf. Die Unterschiedlichkeit des entlang des angrenzenden Rheins gefundenen Gesteins zu wird dort einem Leitmotiv für die Gestaltung. Die geologische Karte der Schweiz gibt Hinweise auf die Ursprungsorte des gefundenen Gesteins. Denn der Rhein zusammen mit seinen Zuflüssen transportiert von der Quelle am Tomasee bis nach Basel unterschiedlich farbiges Gestein. Der zeitliche und räumliche Sedimentationsprozess des Rheindeltas wird in geschichteten Terrassen abgebildet. Auf dem Betondach der Tiefgarage unterhalb des Parks zeigt sich somit etwas, was als eine Form von anthropogener Erosion und Sedimentation beschrieben werden kann.
Novartis Campus, Basel: Leitmotiv für die Gestaltung ist das aufgrund seines Ursprungs sehr unterschiedliche durch den Rhein angespülte Gestein. Foto: Vogt Landschaftsarchitekten
Vorplatz Schweizer Landesmuseum
Die Idee des Fensters in die naturgeschichtliche Vergangenheit war der Ausgangspunkt beim Vorplatz des Schweizer Landesmuseums in Zürich. Während nur wenige Meter voneinander getrennt das klare Wasser der Limmat zwischen den gebauten Ufern kontrolliert aus dem Zürichsee fließt, spült die Sihl mit jedem Hochwasser braun-graue Sedimente aus der Landschaft in die Stadt. Die Ablagerungen des Geschiebes führten einst zur Bildung des Platzspitzes, einer Insel zwischen den beiden Flüssen, die seit 1898 das Schweizer Landesmuseum mit angrenzendem Park beheimatet.Im Zuge des Erweiterungsbaus der Basler Architekten Christ und Gantenbein entstanden ein urbaner Stadtplatz und ein neuer Eingang zum Museum in direkter Nachbarschaft zum Züricher Hauptbahnhof. Als Zuschlagsstoff, gebunden im Beton und durch Schleifen sichtbar gemacht, werden die angeschwemmten Sedimente zum Belag des Platzes verdichtet. Die mittig aufgeschnittenen, eingelegten Kiesel von bis zu 20 Zentimeter Durchmesser nehmen die antike Tradition des Terrazzos auf und überführen diese in eine neue Maßstäblichkeit.
Die halbierten, im geschliffenen Betonbelag des Vorplatzes verlegten Kiesel symbolisieren die von den Flüssen Limmat und Sihl angeschwemmten Sedimente. Foto: Vogt Landschaftsarchitekten
Versicherungskonzern, Zürich
Unweit vom Landesmuseum entfernt, reihen sich am westlichen Ufer des Züricher Seebeckens die Repräsentationsbauten verschiedener Versicherungskonzerne entlang der infolge des Stadtumbaus entstandenen Uferpromenade. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut, stehen drei Gebäude einer Konzernzentrale inzwischen unter Denkmalschutz. Die Fassaden spiegeln deren Tradition und Ambition wider. So stammt der Sandstein des Sockels vom oberen Zürichsee, wohingegen der Granit der repräsentativen Fassade jenseits der Schweizer Alpen im Tessin abgebaut wurde. Im Zusammenspiel mit den u-förmigen Glasfassaden des Erweiterungsbaus entsteht eine kammartige Struktur mit insgesamt drei gleich langen und unterschiedlich breiten Höfen. Ein Belag aus Bollinger Sandstein, analog zum Sockelmaterial, folgt in Zuschnitt und Verlegeart dem Prinzip einer Penrose-Parkettierung und fasst als raumgreifender Teppich die Höfe zu einem Ganzen zusammen. Liegt Wasser als dünner Film auf den rautenförmigen Platten, spiegeln sich Himmel und Wolken darin. Trocknen die Steinplatten langsam ab, verändert sich das Muster des Teppichs auf Grund der unterschiedlichen Oberflächenbehandlung der Platten. Das Wetter wird über den kurzen Moment des Betrachtens sichtbar. Dem geometrischen Bodenbelag wird in einem der Höfe ein ornamentales Element entgegengestellt: Einem zwölf Meter langem Wassertisch, als monolithischer Körper aus dem Steinbruch gehauen, wurde in Handarbeit ein Tischtuch in die Oberfläche eingraviert.
Für die Innenhöfe eines Züricher Versicherungskonzern wählten Vogt Landschaftsarchitekten Bollinger Sandstein verlegt in einer Penrose-Parkettierung. Foto: Vogt Landschaftsarchitekten.
In einem der Höfe wird dem geometrischen Bodenbelag ein ornamentales Element entgegengestellt: Ein zwölf Meter langer Wassertisch, als monolithischer Körper aus dem Steinbruch der Firma Müller Natursteinwerk gehauen.
Campusgelände Lübeck
Auch das Campusgelände in Lübeck verweist gleich mehrfach auf die lokale Geologie und ihre Naturgeschichte. Findlinge, als Zeugen der Ausdehnung der Gletscher wie von mystischen Riesen hingeworfen, berichten von ihrer Reise. Daneben schildert ein Belag aus zu Ziegeln geformtem und gebranntem Lehm die Transformation und Verfestigung einer anderen geologischen Schicht durch Erhitzung: den Lehm. Die Verlegung der Klinker mit wenigen Millimetern Differenz in der Höhe erzeugt ein Oberflächenrelief, das das Regenwasser zurückhält und Nischen für spontane Vegetation bietet. In den nur zum Himmel geöffneten Höfen wird dem lokalen Material Fremdes entgegengesetzt. Als Reisende aus fernen Ländern in die Hansestadt mitgebracht, erzählen Sumpfzypressen, Chilenische Sicheltannen und Japanische Hängelärchen von ihrer Herkunft und erinnern uns, dass vieles, was uns vertraut erscheint, erst mit den Gletschern und später mit dem globalen Handel zu uns kam.
Der mit wenigen Millimetern Höhendifferenz verlegte Klinker verweist auf regionale geologische Prozesse durch Erhitzung.
Der Superkilen in Kopenhagen ist gescheitert. Die Bürger in der Gesamtheit nutzen den Platz eher als Durchgangsraum statt zu verweilen, und das obwohl sie in den Planungsprozess durch Partizipation integriert waren – das ergibt eine langjährige Analyse von Studenten der Danish Institute for Study Abroad. Die Planer des Superkilen haben im Laufe des Entwurfs- und Entwicklungsprozesses die Bürger unter anderem gebeten, Artefakte aus ihren Herkunftsländern für den neuen Stadtplatz vorzuschlagen. Eine ganzheitliche Planung mit Co-Creation und Prototypen wäre ein Mittel gewesen, um die Akzeptanz für den Platz zu erhöhen.
Co-Creation
Co-Creation stammt ursprünglich aus der Wirtschaft, die in den 1990er Jahren begann, Konsumenten in den Entwicklungsprozess von Produkten einzubinden. Die Forschungsgruppe Leading Cities definiert Co-Creation in der Stadtentwicklung als „den aktiven Ideens- und Informationsfluss zwischen fünf Sektoren: Regierung, Wirtschaft, Wissenschaft, Non-Profit-Organisationen und Bürgern, die Teilhabe, Engagement und Entwicklung fördert.“
Was ist der Unterschied zu Bürgerbeteiligung? Bürgerbeteiligung ist für Planer ein Mittel um mehr über die Haltungen und Meinungen der Anwohner zu erfahren und neue Ideen zu entwickeln. Sie erhöhen die Akzeptanz für ein Projekt. Die Co-Creation bezieht hingegen von Anfang an die wichtigsten Sektoren der Gesellschaft gleichberechtigt ein.
Sie bietet daher für Bürger und Bürgerorganisationen eine bessere Möglichkeit, wirklich gehört zu werden und mehr Einfluss in Planungsprozesse zu gewinnen. Die Co-Creation betrachtet die Nutzer stärker als proaktive Bürger, denn als Konsumenten, und hat eher die langfristigen kulturellen Veränderungen und die gesamte Gemeinschaft, statt einzelner Benutzergruppen im Blick. Wo die Bürgerbeteiligung die Meinung der Bürger in ein bereits vorgeschriebenes Programm integrieren wollen, hilft Co-Creation den zukünftigen Nutzern, ihre eigenen Entscheidungen zu formen und durchzusetzen. Co-Creation ist im besten Sinne ein endloser Prozess, der Austausch zwischen den Beteiligten findet regelmäßig statt.
Von Co-Creation bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Die Öffentlichkeit liefert Input und fühlt sich gleichberechtigt, die Bürger fühlen sich ernst genommen. Sie werden ihre Lebensumgebung sehr viel aufmerksamer wahrnehmen. Die Regierung muss im Gegenzug sehr viel stärker auf die Bürger und die anderen Sektoren eingehen und reagieren. Sie spart im Gegenzug allerdings Kosten, denn es wird nur umgesetzt, was tatsächlich gebraucht und genutzt wird, das Risiko eines neuen Projekts ist dementsprechend gering.
Prototypen
In großen Design-Projekten wie dem Superkilen ist es enorm wichtig, die Ideen vorab zu testen, bevor sie ein fester Teil der Landschaft oder Stadt werden. Es ist ein langer Weg von der abstrakten Idee, Analyse und Bürgerbeteiligung bis hin zur konkreten Installation. Der Prototyp sollte als Lernwerkzeug verstanden werden, das im nächsten Schritt optimiert und verändert werden kann. Prototype sind ein demokratischer Weg, mit öffentlichem Raum umzugehen, sie verringern außerdem das Risiko eines gescheiterten Projekts und unnötigen Ausgaben.
Der ganzheitliche Ansatz
Vereint man die Co-Creation mit der Vorgehensweise der Prototypen, wird es leichter, die Potentiale eines Platzes auszuloten. Dieser ganzheitliche Ansatz führt zu nachhaltigeren und lebendigeren Plätzen in der Stadt. Der Superkilen jedoch mit einer Annahme gestartet, Co-Creation und Prototype hätten zu einem anderen Design geführt. Die Nutzer würden den Platz besser annehmen und ihn sich besser zu eigen machen. Vielleicht wäre auch eine kritischere Auseinandersetzung mit der Anfangsidee erreicht worden.
Die aktuelle Analyse des Platzes von Bianca Hermannsen lesen Sie hier.
Robert Schäfer besuchte den Superkilen 2012, direkt nach der Eröffnung. Seine Kritik zum neuen Stadtplatz in Kopenhagen lesen Sie hier. Wie BIG zusammen mit den Anwohnern in deren Herkunftsländer reist, um Artefakte für den Superkilen auszuwählen, sehen Sie hier im Video.