Parks entstehen schon lange nicht mehr nur in klassischen Top-Down-Verfahren. In unserer neuen Oktoberausgabe untersuchen wir Projekte im niederländischen Schiphol, in Wien oder auch in der hessischen Kleinstadt Lich, die durch die Kombination aus gutem Entwurf und innovativem Entwicklungsprozess auf sich aufmerksam machen.

Eine Bestandsaufnahme
Als Alltagsorte stehen Parks im Fokus des öffentlichen Interesses. Constanze A. Petrow diskutiert deren Stellung in unserer Gesellschaft, die zunehmenden Ansprüche, denen sie aufgrund von Beteiligungskultur und zunehmender Forderung nach Mitspracherecht gerecht werden müssen sowie welche Konsequenzen dies für die Arbeit des Landschaftsarchitekten hat.

Kleiner ist feiner
In der Hamburger HafenCity eröffnet der erste Park. Mit 47 000 Quadratmetern ist der Lohsepark flächenmäßig kein Riese. Doch die beauftragten Landschaftsarchitekten Vogt überraschen mit einer dreigeteilten Thematik in „Stadtebene“, „Parkebene“ und „historische Ebene“, in der sie aktuelle Trends wie Slacklinen respektvoll mit dem Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ verbinden.

Hügel bauen gegen den Lärm
Der Buitenschot Park liegt in unmittelbarerer Nähe zum Amsterdamer Flughafen Schiphol. Er ist mehr als nur Infrastruktur, denn er fungiert auch als Naherholungsgebiet. Dem Büro H+N+S ist es in Zusammenarbeit mit der angrenzenden Bewohnerschaft gelungen, durch den geschickten Einsatz von Erdwällen den Fluglärm um vier Dezibel zu minimieren.

Basis schafft Park
Wie erfolgreich ein Beteiligungsprojekt sein kann, lässt sich in der hessischen Kleinstadt Lich beobachten. In professioneller Begleitung durch das Landschaftsarchitekturbüro Matthias Burghammer bauten die Bürger an nur vier Wochenenden ihren Bürgerpark selber.
Das Rezept zum Erfolg? Die Vorsitzende des Verein Bürgerpark Lich e.V. verriet es uns im Interview.

Ensemblestück für Wien
Mit einer mutigen Interpretation der Wettbewerbsauslobung für den größten Park in der aspern Seestadt gewannen die Berliner Büros LAVALAND und Treibhaus Landschaftsarchitektur den nichtoffenen Realisierungswettbewerb 2011. Heute überzeugt in der Seestadt die Mischung aus starken Themen, Farben und Bildern.

Experimente auf Augenhöhe
Das Büro Treibhaus Landschaftsarchitektur, das sind Denis Dizici und Gerko Schröder. Die jungen Entwerfer leben den Netzwerkgedanken: Sie leben in Hamburg und Berlin und entwickeln – trotz räumlicher Distanz – ungewöhnliche Konzepte, die überzeugen.

Quo vadis, Park?
Tilman Latz kommentiert die neuen Herausforderungen, denen die Landschaftsarchitektur gegenwärtig beim Entwurf neuer Parkstrukturen begegnen muss. Eine bedeutende Rolle spielen hierbei die zunehmende Fixierung auf funktionale und technische Aspekte und das Problem, viele Einzelthemen im Entwurf unterzubringen zu müssen.

Frage: Wie finde ich neue Kunden? Welche Strategien in der Akquisition erfolgreich sind

Praxis: Bunt gegen Grau: Stadtmobiliar als Akzent im öffentlichen Raum

Lösungen: Boden + Editor’s Pick

Referenz: Heimischer Stein für Künzell

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Thermische Wegführung – wie wir Hitze im Alltag umleiten könnten

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Stimmungsvolle Ansicht einer schweizerischen Häuserreihe vor dramatischem Himmel, aufgenommen von Wolfgang Weiser.

Heiße Sommer, überhitzte Städte und schweißtreibende Wege: Die urbane Hitze wird zur zentralen Herausforderung der Stadtplanung. Doch was wäre, wenn wir Hitze nicht länger erdulden, sondern gezielt lenken könnten – so wie wir es mit Verkehr, Wasser oder Luft bereits tun? Willkommen in der Welt der thermischen Wegführung: ein radikaler Ansatz, der unsere Stadträume klimatechnisch aufmischt und das Potenzial hat, die Alltagsqualität in Mitteleuropa neu zu definieren.

  • Definition und Grundlagen der thermischen Wegführung im urbanen Kontext
  • Herausforderungen urbaner Hitzeinseln in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Technische, gestalterische und soziale Strategien zur gezielten Umleitung von Wärme
  • Pionierprojekte und internationale Fallstudien, die Hitze steuerbar machen
  • Relevanz für nachhaltige Stadtentwicklung, Mobilitätsplanung und Aufenthaltsqualität
  • Synergien mit grüner Infrastruktur, Wasserwirtschaft und digitalen Tools
  • Grenzen, Risiken und ethische Fragen der thermischen Wegführung
  • Innovative Entwurfswerkzeuge und Simulationen für Planer
  • Zukunftsperspektiven: Von der Experimentierkultur zur Standardpraxis in der Stadtplanung

Die Hitze lenken – Grundlagen und Vision der thermischen Wegführung

Die thermische Wegführung ist ein Begriff, der urbanen Planern bislang höchstens als vage Idee begegnet ist, aber zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Kern geht es darum, Wärme bewusst zu steuern, statt sie bloß zu ertragen. Man stelle sich vor, Hitze würde in der Stadt nicht zufällig verweilen, sondern gezielt umgeleitet werden – ähnlich wie es bei Regenwasser oder Verkehr bereits selbstverständlich ist. Die Vision: Aufenthaltsräume, Wege und Quartiere, die im Hochsommer nicht zur Sauna werden, sondern mit überraschender Frische aufwarten.

Thermische Wegführung basiert auf der Erkenntnis, dass Wärme in Städten nicht gleichmäßig verteilt ist. Asphaltwüsten, versiegelte Flächen und dichte Bebauung erzeugen sogenannte urbane Wärmeinseln, während Parks, Wasserflächen und beschattete Zonen als kühle Oasen dienen. Der Clou: Mit intelligenter Planung lassen sich diese Mikroklimata beeinflussen, sodass Hitze nicht nur verhindert, sondern regelrecht „umgeleitet“ werden kann. Das bedeutet, dass beispielsweise Gehwege, Plätze und Aufenthaltsorte so gestaltet werden, dass sie die kühlende Wirkung von Vegetation, Wasser oder Luftbewegungen gezielt nutzen und sich Wärmeflüsse lenken lassen.

Ein entscheidender Teil der thermischen Wegführung ist die Integration verschiedener Disziplinen: Stadtklimatologie, Landschaftsarchitektur, Bauphysik und soziale Stadtentwicklung müssen Hand in Hand arbeiten, um Lösungen zu entwickeln, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch städtebaulich und gesellschaftlich überzeugen. Dabei rücken Fragen wie Materialwahl, Oberflächengestaltung, Ausrichtung von Wegen, Begrünung und sogar die Steuerung von Luftströmen in den Mittelpunkt.

Die Vision der thermischen Wegführung reicht jedoch weit über klassische Klimaanpassung hinaus. Sie eröffnet die Möglichkeit, die Stadt als dynamisches, steuerbares System zu begreifen, in dem Wärme nicht nur als Problem, sondern auch als Ressource betrachtet werden kann. So könnten beispielsweise Abwärmequellen gezielt genutzt oder Wärme in weniger empfindliche Bereiche umgeleitet werden, während besonders schützenswerte Orte – wie Schulhöfe, Spielplätze oder Altenheime – aktiv von Hitze entlastet werden.

Doch so visionär die Idee klingt, so drängend ist der Handlungsbedarf. Die Klimaprognosen für Mitteleuropa sprechen eine deutliche Sprache: Immer mehr Hitzetage, längere Trockenperioden, steigende Belastungen für Gesundheit und Infrastruktur. Es ist höchste Zeit, die Möglichkeiten der thermischen Wegführung ernsthaft zu erforschen und in die Planungspraxis zu integrieren – nicht als technisches Gimmick, sondern als zentrales Element klimarobuster Städte.

Hitzeinseln, Alltag und Planung – das urbane Temperaturdilemma

Kaum ein Thema beschäftigt Stadtbewohner in den Sommermonaten so sehr wie die spürbare Überhitzung urbaner Räume. Was in der Klimaforschung als „Urban Heat Island“ bezeichnet wird, ist für viele schlicht Alltag: stickige Plätze, aufgeheizte Fassaden, nächtliche Tropennächte und das ständige Ringen um Schatten. In deutschen, österreichischen und Schweizer Städten ist das Phänomen längst angekommen – und betrifft längst nicht nur die Metropolen, sondern auch kleinere Städte und dicht bebaute Quartiere.

Die Ursachen für urbane Hitzeinseln sind vielschichtig: Versiegelung, dunkle Oberflächen, fehlende Vegetation und dichte Bebauung verhindern eine natürliche Abkühlung. Gleichzeitig sorgen anthropogene Wärmequellen wie Verkehr, Klimaanlagen, Industrie und Gebäudeheizungen für zusätzliche Aufheizung. Besonders kritisch ist, dass viele Alltagsrouten – etwa Schulwege, Arbeitswege oder Naherholungsachsen – durch die heißesten Bereiche der Stadt führen. Das beeinträchtigt nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern auch die Gesundheit und Mobilität, insbesondere für vulnerable Gruppen wie Kinder, Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen.

Für Planer stellt sich damit die Frage: Wie kann die Alltagsmobilität aufrechterhalten, die Lebensqualität gesichert und die städtische Infrastruktur vor Überhitzung geschützt werden? Hier setzt die thermische Wegführung an. Ihr Ziel ist es, die heißesten Streckenabschnitte zu identifizieren und Alternativen zu schaffen, die den Temperaturstress reduzieren. Dazu gehört etwa, Wege gezielt durch kühlere, beschattete oder gut belüftete Bereiche zu führen, Aufenthaltsorte mit Wasser und Grün zu flankieren oder hitzeabsorbierende Materialien einzusetzen.

Ein weiterer Aspekt ist die proaktive Steuerung von Aufenthaltsqualitäten: Plätze, die im Winter als sonnige Oasen beliebt sind, können im Sommer durch flexible Beschattungen, temporäre Wasserinstallationen oder mobile Begrünungselemente transformiert werden. Gleichzeitig lassen sich durch mikroklimatische Analysen und Simulationen gezielt Hotspots entschärfen – etwa indem Frischluftschneisen erhalten, Fassaden begrünt oder Quellbereiche von Hitze systematisch entkoppelt werden.

Die Herausforderung besteht darin, diese Maßnahmen in die bestehenden Planungsprozesse zu integrieren und dabei sowohl kurzfristige als auch langfristige Effekte zu berücksichtigen. Denn was heute als „kleines Klimaprojekt“ beginnt, kann morgen zur Standardanforderung für lebenswerte, resiliente Städte werden. Die thermische Wegführung fordert ein Umdenken – weg vom reinen Hitzeschutz, hin zur aktiven Gestaltung urbaner Wärmeflüsse.

Strategien und Werkzeuge – so lenken wir Hitze im Stadtraum

Die Umsetzung thermischer Wegführung in der Praxis ist ein anspruchsvolles Unterfangen, das Kreativität, Fachwissen und Mut zum Unkonventionellen verlangt. Zentrale Strategie ist die gezielte Kombination von baulichen, gestalterischen und technologischen Mitteln, um Wärmeflüsse im städtischen Kontext zu modulieren. Im Vordergrund stehen dabei Maßnahmen, die sowohl die Quellen der Hitzeadressieren als auch deren räumliche Verteilung beeinflussen.

Ein klassisches Werkzeug ist die kluge Wegeführung: Statt Fuß- und Radwege schnurgerade durch die heißesten Asphaltflächen zu führen, setzt man auf kühle Korridore, die von Baumpflanzungen, Pergolen oder Fassadenbegrünungen flankiert werden. Besonders effektiv sind dabei dichte Laubdächer, die nicht nur Schatten spenden, sondern durch Transpiration auch aktiv zur Abkühlung beitragen. Wasser spielt eine zentrale Rolle: Brunnen, Nebelduschen, Wasserrinnen oder temporäre Wasserflächen können das Mikroklima entlang von Wegen und Plätzen signifikant verbessern.

Eine weitere Strategie ist die bewusste Ausrichtung und Materialwahl von Wegen. Helle, reflektierende Oberflächen heizen sich weniger auf als dunkle Beläge, während Materialien wie wassergebundene Decken oder spezielle Pflaster die Verdunstung fördern und somit zur Kühlung beitragen. Innovative Ansätze setzen auf „Cool Pavements“ oder thermisch aktive Beläge, die gespeicherte Wärme gezielt abführen oder nachts abstrahlen. In Quartieren mit großen Temperaturdifferenzen kann sogar die gezielte Nutzung von Abwärme – etwa aus Nahwärmenetzen – dafür sorgen, dass Wärme dorthin geleitet wird, wo sie weniger Schaden anrichtet.

Digitale Werkzeuge und Simulationen werden zunehmend unverzichtbar: Stadtklimamodellierung, thermografische Kartierungen und Szenarienanalysen helfen, die Wirkung von Maßnahmen bereits in der Entwurfsphase zu evaluieren. So lassen sich beispielsweise Luftströmungen simulieren, Kaltluftentstehungsgebiete identifizieren und potenzielle Hitze-Hotspots vorausschauend entschärfen. Besonders leistungsfähig sind sogenannte „Urban Climate Resilience Tools“, die verschiedenste Datenquellen – von Wetterstationen bis zu Satellitenbildern – verknüpfen und Planern eine Echtzeitanalyse ermöglichen.

Doch Technik allein genügt nicht. Entscheidend ist die soziale Einbettung: Die Akzeptanz neuer Wegeverläufe, die temporäre Umgestaltung von Plätzen oder Veränderungen im Mobilitätsverhalten müssen mitgedacht werden. Hier können Beteiligungsformate, partizipative Planungsprozesse und Pilotprojekte helfen, das Thema in der Stadtgesellschaft zu verankern. Denn thermische Wegführung ist nicht nur eine Frage der Ingenieurskunst, sondern auch des gesellschaftlichen Konsenses.

Die größte Kunst besteht darin, all diese Maßnahmen nicht als Flickenteppich zu begreifen, sondern als Teil einer übergeordneten Strategie. Nur wenn thermische Wegführung integraler Bestandteil von Stadtentwicklung, Mobilitätsplanung und Freiraumgestaltung wird, kann sie ihr volles Potenzial entfalten – und aus der Vision gelebte Realität werden.

Pionierprojekte und internationale Impulse – was wir von anderen lernen können

Ein Blick über den Tellerrand zeigt: Zahlreiche Städte weltweit experimentieren längst mit innovativen Ansätzen zur thermischen Wegführung – oft in beeindruckender Konsequenz und mit sichtbarem Erfolg. Besonders Singapur gilt als Vorreiter: Hier werden klimaadaptive Wegeführungen und Schattennetze systematisch in der Stadtentwicklung verankert. Das „Cool Pavement“-Programm setzt auf helle Beläge und reflektierende Straßen, während lineare Parks wie der „Park Connector Network“ gezielt Frischluftströme in die dicht bebaute Stadt lenken – und gleichzeitig attraktive, kühle Wegeverbindungen schaffen.

Auch in Spanien, Frankreich und Japan werden temporäre Beschattungen, mobile Wasserspiele und intelligente Begrünungen eingesetzt, um Hitze auf Plätzen und Wegen zu entschärfen. In Barcelona etwa verwandeln sich ausgewählte Straßen im Sommer zu „kühlen Boulevards“, indem mobile Bäume, Segel und Sprühnebelanlagen installiert werden. In Paris werden Schulhöfe zu „Oasen der Frische“ umgestaltet – mit hellem Belag, Wasserflächen und viel Grün, sodass Kinder auch an Hitzetagen draußen spielen können.

In Deutschland gibt es erste ambitionierte Projekte: In Frankfurt am Main wurden im Rahmen des Hitzeaktionsplans gezielt kühlende Fußwege ausgewiesen, die durch Parks, entlang von Wasserläufen oder unter Baumalleen verlaufen. In Wien setzt man auf die „Cool Streets“-Initiative, bei der temporäre Begrünung, Wasserelemente und innovative Beläge getestet werden. Zürich experimentiert mit „Blue-Green Corridors“, die Wasser und Vegetation intelligent verknüpfen und so für angenehme Mikroklimata entlang von Alltagswegen sorgen.

Diese Beispiele zeigen, wie wichtig Pilotprojekte sind, um neue Strategien zu testen, Akzeptanz zu schaffen und Erfahrungen zu sammeln. Sie machen aber auch deutlich, dass thermische Wegführung keine Einzellösung ist, sondern stets als Teil eines umfassenden Klima- und Freiraumkonzepts verstanden werden muss. Entscheidend ist die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure: Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Mobilitätsexperten, Klimatologen und nicht zuletzt die Nutzer selbst.

Die internationale Perspektive eröffnet zudem neue Horizonte: Während in Mitteleuropa noch oft um Zuständigkeiten, Standards und Finanzierung gerungen wird, zeigt das Ausland, wie pragmatisch und experimentierfreudig thermische Wegführung in die Praxis umgesetzt werden kann. Der Mut zur temporären Intervention, zur partizipativen Gestaltung und zur schnellen Anpassung an neue Erkenntnisse ist hier das Erfolgsrezept – und sollte auch für hiesige Planer Vorbild sein.

Risiken, Grenzen und Zukunft – wohin führt die Reise?

So vielversprechend die thermische Wegführung ist, so klar sind auch ihre Grenzen. Nicht jede Stadt kann zur grünen Oase werden, nicht alle Hitzeprobleme lassen sich mit ein paar Bäumen und Wasserfontänen lösen. Technische, räumliche und soziale Restriktionen setzen der Hitzeumleitung Grenzen: Eng gefasste Altstadtquartiere, Denkmalschutz, Flächenkonkurrenz oder fehlende Ressourcen erschweren die Umsetzung. Hinzu kommt das Risiko, dass Maßnahmen isoliert verpuffen, wenn sie nicht systematisch vernetzt und in die Gesamtstrategie eingebettet werden.

Ein weiteres Risiko ist die soziale Schieflage: Wenn nur ausgewählte Viertel von thermischer Wegführung profitieren, während andere weiter im Hitzestress verharren, droht eine neue Form der klimatischen Segregation. Hier sind Politik und Planung gefordert, gezielt benachteiligte Quartiere zu priorisieren und die Bevölkerung frühzeitig einzubinden. Auch ethische Fragen müssen gestellt werden: Wer entscheidet, welche Wege gekühlt werden? Wie wird mit Zielkonflikten umgegangen, etwa zwischen Denkmalschutz und Klimaanpassung? Und welche Rolle spielen kommerzielle Interessen, wenn etwa große Unternehmen mit „Cool City“-Technologie den öffentlichen Raum prägen?

Die Zukunft der thermischen Wegführung liegt in der intelligenten Integration verschiedener Ansätze: Von der Planung über den Bau bis zum Betrieb müssen Maßnahmen laufend evaluiert, angepasst und weiterentwickelt werden. Digitale Zwillinge, Sensorik und Klimasimulationen werden dabei eine immer größere Rolle spielen – sowohl bei der Planung als auch beim Monitoring. Gleichzeitig wird die Beteiligung der Bürgerschaft zum Schlüsselfaktor: Nur wenn Nutzerbedürfnisse, Alltagsroutinen und lokale Besonderheiten berücksichtigt werden, kann thermische Wegführung Akzeptanz und Wirkung entfalten.

Innovative Entwurfswerkzeuge helfen, die komplexen Zusammenhänge zu visualisieren und Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Simulationen ermöglichen es, verschiedene Szenarien durchzuspielen und die optimale Kombination aus Begrünung, Wasser, Material und Wegeführung zu finden. Dabei gilt: Keine Maßnahme ist in Stein gemeißelt. Flexibilität, Experimentierfreude und die Bereitschaft zum „klimatischen Prototyping“ werden zur neuen Planungskultur.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass thermische Wegführung zwar kein Allheilmittel ist, aber einen entscheidenden Beitrag zur klimarobusten und lebenswerten Stadt leisten kann. Sie fordert heraus, eingefahrene Planungspfade zu verlassen und neue, kreative Lösungen zu wagen. Wer heute damit beginnt, legt den Grundstein für die Resilienz der Städte von morgen – und zeigt, dass kluge Planung weit mehr sein kann als Hitzeschutz: Sie macht die Stadt zum Ort der aktiven Klimagestaltung.

Fazit: Von der Vision zur urbanen Realität – Hitze lenken, Lebensqualität sichern

Die thermische Wegführung markiert einen Wendepunkt in der Stadtplanung: Weg von der passiven Hitzebewältigung, hin zur aktiven Steuerung urbaner Wärmeflüsse. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Innovation und gestalterische Kreativität zu einem strategischen Ansatz, der weit über den klassischen Hitzeschutz hinausgeht. Die Beispiele aus dem In- und Ausland zeigen, dass Hitze kein unabwendbares Schicksal ist – sondern eine Herausforderung, die sich mit Mut, Know-how und Experimentierfreude meistern lässt.

Für Planer, Architekten und Stadtentwickler in Deutschland, Österreich und der Schweiz eröffnet sich damit ein neues Spielfeld: Wer Räume, Wege und Plätze thermisch intelligent gestaltet, schafft nicht nur kühlere Städte, sondern auch mehr Aufenthaltsqualität, Gesundheit und soziale Teilhabe. Die Herausforderungen sind groß, die Werkzeuge vielfältig – und die Zeit zu handeln ist jetzt. Denn die Hitze wartet nicht. Die Zukunft der Stadt ist klug, kreativ, klimaresilient – und vielleicht schon bald: überraschend angenehm frisch.

EUROPAN 16: Standorte Deutschland

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Anfang April 2021 begann der 16. EUROPAN Ideenwettbewerb. Unter dem Motto „Living Cities – Lebendige Städte“ suchen wieder Gemeinden aus ganz Europa bis zum 17. September 2021 nach Entwürfen für ihre spezifischen Projektstandorte. Das Ziel hinter dem Wettbewerb: Junge Planer*innen erhalten eine Plattform und idealerweise die Möglichkeit, ihre Entwürfe auch zu realisieren. Deutschland ist mit fünf Projektarealen vertreten. Alles zum EUROPAN 16 und den fünf deutschen Standorten lesen Sie hier. 

Der 16. Europan Ideenwettbewerb will Inklusion fördern

Seit Anfang April läuft er wieder – der Europan Ideenwettbewerb. Alle zwei Jahre schreibt die Europan-Gemeinschaft, die mittlerweile 13 Mitglieder – sprich: teilnehmende Länder – zählt, den architektonischen und städtebaulichen Wettbewerb aus. Dieses Jahr in seiner 16. Edition und unter dem Thema „Living Cities – lebendige Städte“.

Europan sucht unter dem diesjährigen Motto nach innovativen Prozessen und Projekten für die Reaktivierung urbanisierter Räume. Wie können wir in den urbanisierten Räumen unserer Städte und Kommunen dem Klimawandel und den vom Menschen verursachten sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ungleichheiten mit innovativen und integrativen Projekten sowie neuen Planungsprozessen begegnen? Diese Frage sollen Teilnehmende mit ihren Entwürfen beantworten.

Die Planer*innen, die sich am Wettbewerb beteiligen, sind also angehalten, Ideen für vernachlässigte, brachliegende, leere, stigmatisierte oder monofunktional genutzte Flächen zu entwickeln. Und zwar sollen diese Ideen darauf abzielen, die Flächen wieder zu lebendigen, integrativen und durchmischten Stadträumen zu wandeln. Dabei sollen sie Wasser-, Material- und Energiekreisläufe berücksichtigen, miteinander verbinden und in Bezug setzen. Des weiteren sollen die Dynamiken der Kreislaufwirtschaft integraler Bestandteil des Entwurfs sein.

Das Ziel: Möglichst viele Entwürfe realisieren

Außerdem erwarten die Ausschreiber*innen, dass die baulich-räumlichen Dynamiken der Integration im Vordergrund stehen. D.h. sie sollen durch die Artikulation sozialer und ökologischer Anliegen die territoriale Gerechtigkeit unterstützen. Dazu gehören unter anderem Barrierefreiheit und bezahlbarer Wohnraum.

Durch die Förderung marginalisierter Räume erhofft sich Europan, auch Inklusion zu fördern. Dies, indem die Räume zu Orten des Austauschs, des gemeinsamen Lernens und der biologischen Vielfalt verwandelt werden.

Der Ideenwettbewerb richtet sich an Nachwuchsgenerationen von Architekt*innen, Stadt- und Freiraumplaner*innen unter 40 und bringt diese mit europäischen Städten zusammen. Dabei hat jeder Europan-Wettbewerb ein zentrales und aktuelles Thema, das für die Entwicklung der europäischen Stadt eine große Bedeutung hat. Insgesamt 13 Länder nehmen teil. Entsprechend sind jedes Jahr über 50 Städte und 2 000 Teams beteiligt.

Wesentliche Aspekte des Europan-Wettbewerbs sind auch die Vernetzung und der Austausch zwischen Städten, Bauherr*innen und jungen Planenden. Dadurch schafft er eine Plattform, die Raum für die Debatte um die Transformation der europäischen Stadt schafft. Gleichzeitig fördert er die Entwicklung innovativer Planungsprozesse und Pilotprojekte, denn das Ziel ist es, die Siegentwürfe möglichst zu realisieren.

Im 16. Europan-Ideenwettbewerb befinden sich fünf Projektstandorte innerhalb Deutschlands.

 

Europan-16-Standort Ettlingen: Eine integrierte Konversion des ehemaligen ELBA Geländes

Die Europan-Ausschreibung der Stadt Ettlingen bezieht sich auf das ehemalige Gelände der Maschinenbaufirma ELBA. Dieses liegt an einer der bedeutendsten süddeutschen Haupteisenbahnstrecken, der Rheintalbahn. Auf einer Fläche von ca. 16,4 Hektar Plangebiet soll der Betriebshof der Albtal-Verkehrsgesellschaft unter- und eine Quartiersentwicklung auf den Weg gebracht werden. Der Bahnhof Ettlingen-West, der im Untersuchungsraum liegt, soll als Intermodalknoten ausgebaut und besser an das umliegende Verkehrsnetz angebunden werden. Die Ausschreibung fordert dementsprechend einen städtebaulichen Rahmenplan für eine Transformation zu einer neuen positiven Identität im Sinne der Neuen Leipzig Charta.

Hier geht es zur Ausschreibung.

Europan-16-Standort Landshut: Prozesse und Programme zur Integration eines bisherigen „Voids“ in die Stadtstruktur

Die Stadt Landshut fordert in ihrer Ausschreibung ein neues Konzept für das ein Hektar große Gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Landshut. Diese steht unter Denkmalschutz und liegt am Rande der Innenstadt. Es steht seit einigen Jahren leer, eine nahezu komplette Entkernung ist erforderlich. Ziel des Entwurfs sollte sein, das Gebäude und den Ort zu erschließen und in die Stadt zu integrieren. Die Stadt Landshut wünscht sich jedoch Nutzungsvorschläge jenseits des „Knast-Hotels“, die zur Ergänzung und Belebung der historischen Innenstadt beitragen.

Hier geht es zur Ausschreibung.

Europan-16-Standort Schwäbisch-Gmünd: Ein neues gemischt genutztes Quartier als westliches Stadttor

Die Europan-Ausschreibung der Stadt Schwäbisch-Gmünd fordert ein neues westliches Stadt-Entrée. Das Projektgebiet mit einer Größe von 27 Hektar besteht zum Großteil aus Gewerbe und brachliegenden Flächen. Diese bergen aber städtebauliche Potenziale, gerade in Bezug auf Mobilitätsformen. Die Stadt wünscht sich eine abgestimmte Entwicklung der Fläche, sowohl inhaltlich-konzeptionell als auch funktional sinnvoll. Ziel ist es entsprechend, ein gemischtes Quartier zu entwickeln, in dem Baugruppen, Wohnungsbaugenossenschaften, Dienstleistung und neue Produktionsstätten einen Platz finden.

Hier geht es zur Ausschreibung.

Europan-16-Standort Selb: Pilotprojekte zur Re-Integration eines vernachlässigen Straßenraums

Das 5,7 Hektar große Projektgebiet der Stadt Selb befindet sich in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums. Charakterisiert ist es durch leerstehende Gebäude, undefinierten öffentlichen Raum und eine Straße ohne Qualitäten für Fußgänger*innen und Fahrräder. Darum erhofft sich die Stadt mit der Europan-Ausschreibung neue Strategien für Architektur, öffentlichen Raum und Mobilität. Diese sollen das Gebiet reaktivieren, etwa durch innovative und nachhaltige Wohnkonzepte oder eine attraktive Verbindung in die Innenstadt. Außerdem möchte die Stadt die Anwohner*innen in die Transformationsprozesse einbinden.

Hier geht es zur Ausschreibung.

Europan-16-Standort Wernigerode: Integrative und strategische Stadtbausteine

Die Stadt Wernigerode stellt zwei Wettbewerbsgebiete im nord-westlichen Teil der Stadt. Darauf befindet sich eine heterogene Bebauung aus großflächigen Gewerbegebieten, Wohnbauten und Gartengrundstücken. Überdies befindet sich der Hauptbahnhof in unmittelbarer Nähe. Die Europan-Ausschreibung zielt auf einen nachhaltigen, ökologischen und gemischten Rahmenplan für den größeren Betrachtungsraum ab. Dieser soll in kleine und sinnvolle Bau- und Erschließungsabschnitte unterteilt sein. Ideen zur weiteren Nutzungsvielfalt und Wohnungsmischung mit integrativem Charakter werden erwünscht. Auch Aussagen zum Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sollten getroffen werden. Ein auch zukünftig belastbares Mobilitäts- und Energiekonzept wären insofern wünschenswert.

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Anmeldeschluss: 17. September 2021

Am 17. September fallen der Anmeldeschluss und die Abgabe der Wettbewerbsarbeiten zusammen. Nach den Jurysitzungen werden die Ergebnisse am 20. Dezember 2021 international bekanntgegeben.

Hier finden Sie die Gewinner*innen der Siegentwürfe des EUROPAN 15 für die deutschen Standorte.