Positionspapier Innenstadt: Rettet die Innenstädte!

Positionspapier Innenstadt: Vom Versorgungs- zum Wohlfühlstandort

Corona wirkt als Brandbeschleuniger der Probleme, mit denen der stationäre Handel ohnehin kämpft: die Abwanderung der Kunden zum Online-Handel und damit einhergehende Umsatzrückgänge und schlimmstenfalls Geschäftsschließungen. Die Bundesstiftung Baukultur, der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV), der Handelsverband Deutschland (HDE) und Urbanicom rufen deshalb in dem Positionspapier „Stoppt den Niedergang unserer Innenstädte“ zur Rettung der Innenstadt auf. Und machen gleichzeitig klar: Ohne politischen Willen und ein Rettungspaket des Bundes geht es nicht.

Die allgegenwärtigen Bilder verlassener Innenstädte rund um den Globus, von New York über Paris bis Hamburg und Berlin, ließen den Lockdown gespenstisch wirken. Wo sonst Menschenmassen flanieren: Leere. Stille. Und für die allermeisten Innenstadt­akteur*innen: Angst vor der Zukunft. Doch mit beherztem, gemeinschaftlichem Handeln und politischen Maßnahmen lassen sich die Innenstädte, und mit ihnen urbane Lebensqualität, wirtschaftlicher Erfolg und soziales Miteinander, retten – anders als vorher, vielleicht aber sogar resilienter. Das hoffen zumindest die Bundesstiftung Baukultur, der DV, der HDE und Urbanicom. Sie haben dafür einen Sechs-Punkte-Plan zur Rettung der Zentren erarbeitet. So sollen Innenstädte zu „Wohlfühlorten mit Verweilqualität und attraktiven Anziehungspunkten“ werden, sagt Reiner Nagel, Vorsitzender des Vorstands der Bundesstiftung Baukultur. Denn das Konjunkturprogramm und die Mehrwertsteuersenkung des Bundes hätten in der Krise zwar geholfen, konnten viele Geschäftsaufgaben aber nicht verhindern. 

Die sechs Maßnahmen würden nicht nur dem Einzelhandel helfen: Gastronomie, Hotellerie und Tourismus, Kultur, Freizeit und Sport, Events, Messen und Kongresse seien ebenso betroffen, wenn Innenstädte zu Geisterorten verkommen. Denn Tourist*innen, Geschäftsreisende und Kulturbesucher*innen fehlen dem Handel und der Gastronomie. Und Menschen, die im Homeoffice arbeiten, gehen weder mittags essen noch auf dem Nachhauseweg shoppen. Die größten Verlierer*innen der Krise sind nach aktuellen Umfragen Sortimente wie Bekleidung, Schuhe, Bücher, Sportartikel und Schmuck.

Positionspapier Innenstadt: Sechs Maßnahmen

Die Lösung, so die Bundesstiftung Bau­kultur, wäre, die Innenstädte konsequent umzu­gestalten – „vom reinen Versorgungs­standort zum attraktiven Wohlfühlstandort“. Dazu sind laut Positionspapier zur Innenstadt folgende sechs Maß­nahmen nötig:

Multifunktionale und kreative Konzepte

Sie sollen über klassische Einzelhandels- und Zentrenkonzepte weit hinausgehen: Statt nur den stationären Handel zu stärken und zu modernisieren, müssen auch urbane Produk­tion und Handwerk, Gastronomie-, Freizeit- und Kulturangebote, neue Arbeitsformen wie Co-Working sowie soziale und Bildungsangebote einbezogen werden. Besondere Be­achtung gilt kreativen Ideen und den kreativen und kulturwirtschaftlichen Akteur*innen.

Lokale Aktionsgruppen 

Gemeinsam ist es leichter, die Innenstädte zu stärken – zu solchen Gruppen gehören neben den Innenstadtakteur*innen idealerweise auch Immobilieneigentümer*innen, mit denen sich über eine der Geschäfts­situation angepasste und auf eine attraktive Nutzungsmischung ausgerichtete Mieten­politik aushandeln ließe.

Konsequente planerische Steuerung

Kommunen sollten das ihnen zur Verfügung stehende planungs- und bodenrechtliche Instrumentarium zur Ansiedlungs- und Nutzungssteuerung und zum Umgang mit Leerständen konsequent anwenden und „zentrenschädliche“ Einzelhandelsstandorte und Überkapazitäten vermeiden.

Städtebauliche und ­archi­tektonische Aufwertung

Gestalterisch attraktive Architektur und hochwertige öffentliche Räume sind die bauliche Grundlage für Verweilqualität und eine Wohlfühlatmosphäre. Dazu gehören unbedingt auch eine leistungsfähige, umweltfreundliche Mobilität und hoch­wertige Durchgrünung. 

City- und Stadtteilmarketing

Angebote zur lokalen Beratung und Ver­netzung von Unternehmer*innen, Gastronom*innen und Gewerbetreibenden mit dem Fokus auf Professionalisierung, Attraktivitätssteigerung und zukunftsfähiger Ausrichtung. Zur Überwindung des Bedeutungs­verlusts der Innenstädte sollten vermehrt auch Kulturveranstaltungen gefördert werden. 

Leistungsfähige Digitalisierung 

Es gilt, online und offline geschickt zu verbinden, etwa durch lokale und landesweite Online-Plattformen mit smarten kooperativen Angeboten, Click&Collect und lokaler Logistik und dabei die Wettbewerbs­intensität durch Anbieter*innenvielfalt auch online zu gewährleisten. 

Positionspapier Innenstadt: Vier Forderungen an den Bund

Weil die Kommunen durch die in der Corona-Krise wegbrechenden Steuereinnahmen und steigenden Sozialleistungen kaum über ausreichend Budget verfügen, sehen die Verfasser*innen des Positionspapier Innenstadt den Bund in der Verantwortung: Er sollte Städten und Gemeinden helfen, ihre Zentren zukunftsfähig umzugestalten – besonders jenen, die schon vor der Pandemie strukturelle und demografische Schwierigkeiten hatten.

Als Maßnahmen fordern Baukulturstiftung und Co. im Positionspapier Innenstadt vor allem ein Sonderprogramm zur Innenstadtstabilisierung. Es sollte fünf Jahre lang jährlich mindestens 500 Millionen Euro betragen und innovative Konzepte, städtebauliche Aufwertungen und kleinteilige Maßnahmen sowie Be­ratungsangebote für innerstädtische Gewerbetreibende fördern. Daneben könne ein „Innenstadt-Innovations­programm“ des Bundes in ausgewählten Städten innovative Handlungsansätze als modellhafte Beispiele fördern und begleitenden Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer organisieren. Mit einem breitangelegten Kulturfonds könnten Kommunen flexibel und niedrigschwellig alle Arten von Kultur-, Kreativ- und Freizeitaktivitäten in den Innenstädten stärken. Und es brauche ein optimiertes planungsrechtliches Instrumentarium, damit Kommunen Abwanderung und Leerstand gegensteuern können. Innenstädte könnten dabei in der kommunalen Satzung als Sonderzonen für Handel und frequenzbringende Funktionen festgesetzt werden. Außerdem sollten Kommunen besser über Entwicklungs- und Stabilisierungs­maßnahmen wie Steuer­befreiungen, Sonderförderungen und Beschränkungen entscheiden können.

Hier finden Sie das gesamte Positionspapier „Stoppt den Niedergang unserer Innenstädte“ als PDF zum Nachlesen.

Dieser Beitrag erschien in der G+L 11/20 zum Thema Innenstädte. Hier geht es zum Shop.

Auch interessant: In unserem Webmagazin „52 Thesen“ fassen wir zusammen, welchen Herausforderungen sich die Innenstadt aktuell stellt. Mehr dazu hier: Innenstadt.

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Wettbewerb zur Brücke für die Landesgartenschau Rottweil 2028 entschieden

Siegerentwurf der Brücke für Rottweil in leichter Untersicht. Visualisierung: © & Courtesy Johannes Pellkofer Architektur, MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure.
Siegerentwurf der Brücke für Rottweil in leichter Untersicht. Visualisierung: © & Courtesy Johannes Pellkofer Architektur, MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure.

In vier Jahren richtet die Stadt Rottweil am Neckar die Landesgartenschau aus. Das Grünprojekt findet in der historischen Innenstadt und auf beiden Seiten des Neckars statt. Um die Flächen der Landesgartenschau geschickt zu verbinden und damit die Besucher Bahngleise und Neckar überqueren können, braucht Rottweil eine Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer. Ein Wettbewerb zur neuen Landesgartenschau-Brücke wurde ausgelobt. Welche Brücke Rottweil nun bekommt, ist entschieden.

Brückenentwurf mit Potential für eine angenehme Zukunft in Rottweil

Rottweil braucht eine Brücke, die zur denkmalgeschützten Stadtansicht, dem renaturieren Neckar und dem Erholungsgebiet in der Au passt. Insgesamt gingen im Wettbewerbsverfahren zur Brücke für die Landesgartenschau 19 Beiträge ein. Die Jury aus Architekt*innen, Mitgliedern des Gemeinderats und der Stadtverwaltung, Expert*innen aus dem Denkmal-, Landschafts- und Naturschutz, Ingenieur*innen und Statiker*innen kamen dabei zu einem einstimmigen Beschluss: Sieger des Wettbewerbs ist die Bietergemeinschaft Johannes Pellkofer Architektur, Mannheim, mit MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure aus Stuttgart. Ihr Brückenentwurf hat in den Augen der Jury einen großen Mehrwert für das malerische romantische Neckarstädtchen, der weit über die temporäre Landesgartenschau 2028 hinausreicht.

Dezenter Auftritt im Landschafts- und Kulturraum: Der Brückenentwurf von Johannes Pellkofer und MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure

Insgesamt überzeugt der Siegerentwurf durch seine einfache und unprätentiöse Gestaltung. Der Brückenneubau ist fein gegliedert, klar gestaltet und minimalistisch in der Formsprache. Dabei setzt Pellkofers Idee auf eine sensible Zusammenschau von historisch gewachsenem Landschafts- und Kulturraum und modernem Brückenbau. Die Brücke ist nicht nur in Hinblick auf die Landesgartenschau Rottweil entworfen, sondern als wichtige ständige und barrierefreie Verbindung zwischen Stadt und dem Ostufer des Neckars gedacht. Für den besonderen Landschaftsraum um Rottweil entwickelte die Arbeitsgemeinschaft Johannes Pellkofer und MSIng Matthaei + Schotte ein Bauwerk, das optisch weder die Natur noch die historische Altstadt dominiert.

Der Siegerentwurf eingebettet in den Natur- und Kulturraum Rottweils mit Neckar, den Auen und der markanten Altstadt mit dem Turm der Kapellenkirche im Hintergrund. Visualisierung: © & Courtesy Johannes Pellkofer Architektur, MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure.
Der Siegerentwurf eingebettet in den Natur- und Kulturraum Rottweils mit Neckar, den Auen und der markanten Altstadt mit dem Turm der Kapellenkirche im Hintergrund. Visualisierung: © & Courtesy Johannes Pellkofer Architektur, MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure.

Freier Blick über die Neckarlandschaft in die Auen und auf die Rottweil-Silhouette

Tragwerkkonstruktionen oberhalb des Gehwegbelags haben Johannes Pellkofer und MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure vermieden, damit sich der Blick auf Rottweil und den Landschaftsraum am Neckar frei entfalten kann. Durch den Einsatz von Stahl als sehr tragfähigem und effizientem Material schwingt sich die Konstruktion scheinbar einfach von Stütze zu Stütze. Bei der Brücke handelt es sich außerdem um ein benutzerfreundliches Bauwerk. Mit ihren regelmäßigen Ausweitungen entstehen kleine Inseln mit schönen Ausblicken zum Verweilen, ohne laufende Jogger und Radfahrer in ihrer Fortbewegung einzuschränken – der Verkehr kann trotzdem weiterlaufen. Ein zusätzlicher Treppenabgang auf der Stadtseite verbindet Brücke und das Gelände der Landesgartenschau, dazu in der Zukunft einen von der Deutschen Bahn geplanten Bahnsteig. Die Oberflächen der Brücke sind in Silbergrau geplant, das die Farben der umgebenden Natur reflektiert und den filigranen Bau noch intensiver in die Umgebung bettet. Die Jury unter dem Vorsitz von Fachpreisrichter und Architekt Jörg Aldinger „würdigt besonders das Erleben der Brücke aus der Perspektive des umgebenden Landschaftsraums: Das Bauwerk fügt sich zurückhaltend in das historische Stadtgefüge ein und formuliert dennoch eine eigenständige Gestaltsprache. Mit dem leicht wirkenden Brückenband gelingt eine angemessene Maßstäblichkeit; die skulpturale Wirkung bleibt dabei jedoch sehr gut erlebbar“.

Der Siegerentwurf: Brücke für die Landesgartenschau Rottweil 2028 von Bietergemeinschaft Johannes Pellkofer Architektur, Mannheim, mit MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure, Stuttgart. Im Hintergrund die Stadtsilhouette von Rottweil. Visualisierung: © & Courtesy Johannes Pellkofer Architektur, MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure.
Der Siegerentwurf: Brücke für die Landesgartenschau Rottweil 2028 von Bietergemeinschaft Johannes Pellkofer Architektur, Mannheim, mit MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure, Stuttgart. Im Hintergrund die Stadtsilhouette von Rottweil. Visualisierung: © & Courtesy Johannes Pellkofer Architektur, MSIng Matthaei + Schotte Ingenieure.

Andere auszeichnete Ideen zur Landesgartenschau-Brücke in Rottweil: Zweiter Rang für schlaich bergermann partner mit Daniel Gebreiter

Die Jury hat neben Belobigungen außerdem einen zweiten, dritten und vierten Preis vergeben. Auf den zweiten Platz lobte sie den Entwurf des Ingenieurunternehmen schlaich bergermann partner aus Stuttgart mit Daniel Gebreiter als Architekten. Das Team hat eine Brücke geplant, die sich als elegantes Band über das Tal legt. Der Clou liegt hier im Detail, so im Lichtkonzept. Das besteht aus einer minimalen Beleuchtung, die beidseitig auf Höhe der Handläufe verläuft und feine Lichtakzente auf dem Geländer setzt. Neben der behutsamen und umweltfreundlichen Lichtkomposition war eine Möblierung mit Bänken kombiniert mit Pflanzentrögen vorgesehen. So sollten Aufenthaltsräume für die Passanten entstehen.

Feuerstein Hammer Pfeiffer Architekten und baustatik relling: Dritter Preis für die elegante, schlanke Bogenbrücke

Der dritte Preis geht an das Duo Feuerstein Hammer Pfeiffer Architekten aus Lindau und baustatik relling als aus Singen als Tragwerksplaner. Für die Gestalter waren Ort und Raum der Star, die Brücke sollte ihm keinen Rang ablaufen. So wurde auf ausgefallene Überhöhungen des Tragwerks oder der Linienführung verzichtet. Stadtsilhouette, Naturraum und Neckar bestimmen Gestalt und Konstruktion. Die Bietergemeinschaft schlug eine vierfeldrige schlanke Bogenbrücke mit zurückhaltender Eleganz und einfacher, gerader Grundrissgeometrie vor. Dies formten sie zu einem modernen Brückenbauwerk für die Landesgartenschau Rottweil.

Mit dem dritten Preis ausgezeichnet: Der Entwurf von Feuerstein Hammer Pfeiffer Architekten und baustatik relling. Eine elegante, schlanke Bogenbrücke als zurückhaltende Ergänzung zum besonderen Ort. Visualisierung: © & Courtesy Feuerstein Hammer Pfeiffer Architekten, baustatik relling.
Mit dem dritten Preis ausgezeichnet: Der Entwurf von Feuerstein Hammer Pfeiffer Architekten und baustatik relling. Eine elegante, schlanke Bogenbrücke als zurückhaltende Ergänzung zum besonderen Ort. Visualisierung: © & Courtesy Feuerstein Hammer Pfeiffer Architekten, baustatik relling.

Next architects mit IB Miebach Ingenieurbüro: Holz als Werkstoff, Bewegung im Design

Den vierten Preis konnten Next architects aus Amsterdam in Zusammenarbeit mit IB Miebach Ingenieurbüro für Holzbau und Holzbrückenbau aus Lohrmar für sich verbuchen. Das Besondere an diesem Entwurf? Als Nachhaltigkeitsstrategie wählten die Planer Holz als wichtigstes Baumaterial für die Brücke. Das sollte mit einem Granitbelag kombiniert werden. Auch hier geht das Design über die Gestaltung einer einfachen Überquerung hinaus. Das Brückenband schlängelt sich in einer sanften Zickzacklinie durch die Landschaft und von einer Seite zur anderen. Durch die Kontur wirkt sie wie eine hölzerne Skulptur und hätte in der Landesgartenschau einen besonderen Akzent gesetzt. Dabei gibt der Werkstoff Holz der Brücke nicht nur eine angenehme natürliche Ausstrahlung. Er verbindet sie auch in der Substanz mit der umgebenden Natur. Im Mittelteil der Brücke für Rottweil hätten sich für die Flaneure durch die Zickzack-Formation ganz unterschiedliche Perspektiven auf Rottweil und die Umgebung ergeben und die Landesgartenschau mit weiteren visuellen Erlebnissen bereichert.

 

 

Lesen Sie hier mehr zu einem weiteren Wettbewerbsentscheid: die Getraudenbrücke in Berlin.

Der vierte Preis für die Brücke zur Landesgartenschau Rottweil 2028 ging an Next architects aus Amsterdam und IB Miebach Ingenieurbüro. Die Brücke sollte aus Holz gebaut werden. © & Courtesy Next architects, IB Miebach Ingenieurbüro.
Der vierte Preis für die Brücke zur Landesgartenschau Rottweil 2028 ging an Next architects aus Amsterdam und IB Miebach Ingenieurbüro. Die Brücke sollte aus Holz gebaut werden. © & Courtesy Next architects, IB Miebach Ingenieurbüro.

Hertzallee Nord: Im Berliner Quartier geht es weiter

Forschperspektive entlang moderner Gebäudefassade gen Himmel

Unweit der Hertzallee Nord steht das Kalksteingebäude von Jan Kleihues. Es prägt die Skyline der City West (Foto: Ricardo Gomez Angel via Unsplash).

Inmitten von West-Berlin ist noch ein blinder Fleck. Dieser wird bald weichen. Das bekundete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in einer Absichtserklärung im Dezember 2021. Sie plant das Areal an der Hertzallee Nord mit Wohnungen, Universitätsnutzungen und Büros neu zu entwickeln. Die Ideen hierfür kommen von bgmr und Yellow Z. Die Projektsteuerung übernehmen Drees & Sommer.

Wichtige Akteur*innen in Berlin haben die Absicht kundgetan, das sogenannte Quartier Hertzallee Nord neu zu gestalten. Zu den Unterzeichner*innen der Erklärung gehört sowohl die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, die Berliner Verkehrsbetriebe als auch die Projekt Berlin Hertzallee GmbH. Eine wichtige Rolle wird auch das Büros Yellow Z und bgmr Landschaftsarchitekten spielen. Sie erarbeiteten gemeinsam den städtebaulichen Entwurf für das Areal unweit von Bahnhof Zoo, Ernst-Reuter-Platz und Zoologischem Garten. Ihr Beitrag zum Wettbewerb wird zur Basis der Entwicklung des Quartiers Hertzallee Nord in Berlin. Hier kommen zukünftig universitätsaffine Nutzungen, Büronutzungen und verschiedenen Wohnformen zusammen und bilden einen urbanen Campus.

Das Umfeld der Hertzallee Nord

Lange war das Berlin rund um Bahnhof Zoo, Gedächtniskirche und Ernst-Reuter-Platz die Mitte der westlichen Stadt. Noch heute ist das Areal von außergewöhnlicher Bedeutung für Berlin. Dennoch schlummern hier scheinbar vergessene Bereiche. Dazu gehören die untergenutzten Flächen zwischen Hardenberg-, Fasanen-, und Müller-Breslau-Straße. Zusammen mit dem Bahnviadukt bilden sie ein Scharnier zwischen der TU Berlin und der City West. Dieses Gelenk soll nun eine neue Gestalt, neue Nutzung und Bedeutung bekommen. Laut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird das Gebiet, das lange im Dornröschenschlaf lag, nun in einem gemeinsamen Prozess kreativ und konstruktiv weiterentwickelt. In diesem kommen zahlreiche Methoden und Maßnahmen zusammen, die alle dazu beitragen, ein vitales und attraktiver Stadtquartier zu schaffen. Das trägt dann wiederum auch dazu bei, die City West von Berlin aufzuwerten.

Städtebaulicher Entwurf

Die Ideen für die Neugestaltung des Quartiers an der Hertzallee Nord entstanden in einem Ideenwettbewerb. Aus diesem ging das Büro Yellow Z gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten von bgmr mit einem ersten Preis hervor. In der Beschreibung ihres Entwurfs betonen die Verfasser*innen, dass sie Universi­täten des 21. Jahr­hunderts sich nicht mehr als isolierte Inseln der Wissen­schaft verstehen. Sie sind vielmehr integrale Teile der Stadt, die sich gegenseitig bedingen und bereichern. Bisher erfüllen die Gebäude und Gelände der TU Berlin diesen Anspruch aber nicht. Das Areal an der Hertzallee Nord könnte entsprechend zum „missing link“ werden. Es könnte eine wichtige Brücke zwischen den Stadträumen an der City West und den Räumen am Über­gang zum Großen Tier­garten schlagen. Hier, an der Hertzallee Nord, könnte ein neuer Campus zum attraktiven Bestand­teil der Stadt werden.

Auch BVG fördert Hertzallee Nord

Im neu entstehenden Quartier Hertzallee Nord sollen neue Gebäude für die Technische Universität Berlin wachsen. Dazu gehören unter anderem der neue KI-Tower, Physiklabore und eine Science-Galerie. Darüber hinaus sollen auch Angebote wie studentisches Wohnen und Gästewohnungen entstehen. Außerdem dürfen auch moderne Büro- und Gewerbeflächen und Kitas kommen. Die werden von der Projekt Berlin Hertzallee GmbH realisiert. Das Land Berlin hingegen plant ein gemischt genutztes Hochhaus mit Wohnungen und Büroflächen. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe sind in die Entwicklung der Hertzallee Nord involviert. Sie wollen ihrer Bus-Betriebshaltestelle ein neues und modernes Gesicht geben.

Ziel: ein gesundes Stadtklima

Da ein Areal nicht allein von Architekturen lebt, kommt der Qualität der Freiräume große Bedeutung zur. In hochwertiger Gestaltung entstehen Räume für den Fuß- und Radverkehr und zur Erholung. Darüber hinaus sind kleine Geschäfte, Cafés und öffentliche Nutzungen für die Erdgeschosse der Gebäude vorgesehen. Sie erhöhen insbesondere am zukünftigen Stadtplatz an der Hertzallee die Aufenthaltsqualität. Zu letzterer tragen auch vielfältige bauliche und freiraumplanerische Maßnahmen bei, die für ein gesundes Stadtklima sorgen.

Ganzheitliche Entwicklung

Die Planung und Entwicklung des neu entstehenden Quartiers Hertzallee Nord basiert auf der Zusammenarbeit mehrerer Partner*innen. Diese ermöglicht eine ganzheitliche Stadtentwicklung, die die Erweiterung des Universitäts-Campus zusammen mit der Entwicklung des gesamten Umfeldes denkt. Darüber hinaus soll das Vorhaben ein Pilotprojekt zur Klimaneutralität werden. Dabei liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit beim Gebäudebetrieb, in der Gestaltung des Campus und in Forschung und Lehre. Denn im Quartier Hertzallee Nord werden unter anderem zukunftsweisende Forschungsbauten errichtet, die den Fachbereichen Künstliche Intelligenz und Experimentelle Physik dienen. Insgesamt wird das Areal die Berliner City West um ein lebendiges, urbanes Quartier mit verschiedenen Nutzungen bereichern, das auch die strategischen Zielen der TU Berlin zum Klimaschutz aufgreift. Zur Entwicklung des neuen Stück Stadt tragen aber auch die Berliner Verkehrsbetriebe bei. Sie wollen dort einen Ort schaffen, an dem sich die Fahrgäste wohl führen. Aber auch für die Angestellten im Fahrdienst entsteht etwas Neues: Sie bekommen moderne Aufenthaltsräume.

Weitere Aufwertungen

Nur bei der Entwicklung des Quartiers Hertzallee Nord wird es nicht bleiben. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen arbeitet mit den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte auch an einer städtebaulichen Neuordnung der Bereiche nördlich und südlich der Hertzallee. Diese Bemühungen beziehen sich auf auch den Hardenbergplatz, der verkehrlich und gestalterisch neu konzipiert werden wird.

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