Eines der Projekte von Francis Kéré

Eines der Projekte von Francis Kéré

Alles, was Sie über den Pritzker-Preis und die Gewinner*innen dieses sowie der vergangenen Jahre wissen müssen.

Der Pritzker-Preis für Architektur ist ein internationaler Preis, der jedes Jahr an lebende Architekt*innen oder an eine Gruppe von Architekt*innen für bedeutende Leistungen verliehen wird. Die Familie Pritzker aus Chicago rief den Preis 1979 über ihre Hyatt Foundation ins Leben. Die Stiftung ist bis heute für die Verleihung der renommierten Auszeichnung verantwortlich.

Mit dem Pritzker-Preis sollen zeitgenössische Architekt*innen geehrt werden, „deren Bauwerke eine Kombination aus Talent, Vision sowie Engagement zeigen, die durch die Kunst der Architektur beständige und bedeutende Beiträge für die Menschheit und die gebaute Umwelt hervorgebracht haben“.

Die Auszeichnung besteht aus einer Bronzemedaille sowie einem Preisgeld von 100 000 USD. Sie wird im Rahmen einer Zeremonie an einem architektonisch bedeutenden Ort der Welt verliehen. Der Preis, der auch als Nobelpreis der Architektur bezeichnet wird, wird „ungeachtet der Nationalität, der Rasse, des Glaubens oder der Ideologie“ vergeben. Das dazugehörige Medaillon trägt eine lateinische Inschrift, die von dem antiken römischen Architekten Vitruv inspiriert ist: firmitas, utilitas, venustas (Festigkeit, Nutzen und Freude).

Derzeit ist Manuela Lucá-Dazio Exekutivdirektorin des Pritzker-Preises. Die Nominierungen stammen von Architekt*innen, Wissenschaftler*innen und Kritiker*innen. Sie müssen bis zum 1. November eingereicht werden. Die Jury besteht aus fünf bis neun Expert*innen.

Der Pritzker-Preisträger 2022

Im Jahr 2022 wurde der Pritzker-Preis an Francis Kéré verliehen, der damit der erste afrikanische Architekt ist, der den Preis erhält. Kéré wurde in Burkina Faso geboren. Seine Arbeit wird weltweit hoch geschätzt. Er hat nicht nur in seinem Geburtsland, sondern auch in Afrika, Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika gearbeitet. Der 55-Jährige bezieht sich in seinen Werken oft auf seine Kindheit, die von einem starken Gemeinschaftssinn geprägt war. Nach seinem Studium in Deutschland erfüllte er sich einen seiner Träume und entwarf eine Grundschule für sein Heimatdorf Gando. Dies war sein erstes Gebäude, das 2001 fertiggestellt wurde. Viele weitere Gebäude folgten.

Laut dem Pritzker-Preis-Komitee sind dies die Fragen, die Francis Kéré in seinem Werk beantwortet. „Welche Rolle spielt die Architektur in einem Kontext extremer Knappheit? Was ist die richtige Herangehensweise an die Praxis, wenn man gegen alle Widrigkeiten arbeitet? Sollte sie bescheiden sein und riskieren, sich den widrigen Umständen zu beugen? Oder ist Bescheidenheit der einzige Weg, um sachdienlich zu sein und Ergebnisse zu erzielen? Sollte sie ehrgeizig sein, um Veränderungen anzuregen? Oder besteht die Gefahr, dass Ehrgeiz fehl am Platz ist und zu einer Architektur des bloßen Wunschdenkens führt?“

Andere Pritzker-Preisträger*innen

Der erste Preisträger des Pritzker-Preises war der Architekt Philip Johnson, der „für 50 Jahre Vorstellungskraft und Vitalität, die sich in einer Vielzahl von Museen, Theatern, Bibliotheken, Häusern, Gärten und Unternehmensstrukturen niedergeschlagen haben“, die Auszeichnung bekam.

Im Jahr 2004 war die Architektin Zaha Hadid die erste Frau, die den Preis erhielt. Ryue Nishizawa gewann 2010 und war mit 44 Jahren der jüngste Architekt, der einen Pritzker-Preis entgegennahm. Weitere Preisträger*innen waren:

  • Jacques Herzog und Pierre de Meuron im Jahr 2001
  • Kazuyo Sejima und Nishizawa im Jahr 2010
  • Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramón Vilalta im Jahr 2017
  • Yvonne Farrell und Shelley McNamara im Jahr 2020
  • Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal im Jahr 2021

 

Die Geschichte des Preises

Die Idee für den Pritzker-Preis stammt von Jay sowie Cindy Pritzker, die ein größeres öffentliches Bewusstsein für Architektur fördern und gleichzeitig mehr Kreativität in diesem Beruf anregen wollten. Der Name Pritzker kommt von der Familie, die einen Ruf für ihre zahlreichen internationalen Geschäftsinteressen hat. Sie sitzt in Chicago und ist Eigentümerin der Hyatt Hotels.

Die Familie Pritzker ist seit langem für ihre Unterstützung von Aktivitäten in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Medizin und Kultur bekannt. Heute ist der Sohn von Jay und Cindy, Tom Pritzker, Vorsitzender sowie Präsident der Hyatt Foundation. Er sagte: „Als gebürtige Chicagoer ist es nicht verwunderlich, dass unsere Familie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Architektur hat, da sie in der Geburtsstadt des Wolkenkratzers lebt, einer Stadt voller Gebäude, die von Architekturlegenden wie Louis Sullivan, Frank Lloyd Wright, Mies van der Rohe und vielen anderen entworfen wurden.”

Viele Verfahren und Auszeichnungen des Pritzker-Preises sind dem Nobelpreis nachempfunden, so zum Beispiel das Preisgeld, die offizielle Urkunde und die Bronzemedaille. Vor 1987 erhielten die Preisträger anstelle der Medaille eine Henry-Moore-Skulptur in limitierter Auflage.

Die Verleihung des Pritzker-Preises

Während die Bekanntgabe des Pritzker-Preisträgers in der Regel früh im Jahr, im Januar oder Februar, stattfindet, wird die offizielle Zeremonie im Mai abgehalten. Die Wahl des Ortes unterstreicht die Bedeutung der gebauten Umwelt und bietet einen einzigartigen Rahmen für die Zeremonie, während gleichzeitig historische, architektonische Leistungen oder Werke vorheriger Pritzker-Preisträger*innen gewürdigt werden. Die Orte werden in der Regel vor der Auswahl des Preisträger*innen ausgewählt, was bedeutet, dass es keine Verbindung zwischen den beiden gibt.

An der nur auf Einladung stattfindenden Veranstaltung nehmen internationale Gäste sowie Gäste aus dem Gastgeberland teil. Das Event besteht aus einer Begrüßung durch eine*n Würdenträger*in des Gastgeberlandes, Kommentaren der Jury, der Preisverleihung durch Tom Pritzker sowie einer Dankesrede der ausgezeichneten Person.

Im Jahr 2022 wird die Zeremonie im Marshall Building in London stattfinden, das von Grafton Architects entworfen wurde. Die Preisträgerinnen des Jahres 2020, Yvonne Farrell und Shelley McNamara, haben den Entwurf geleitet. Das Marshall Building ist das bisher größte akademische Gebäude der London School of Economics and Political Science. Es wurde 2021 fertiggestellt.

Was für Architekt*innen der Pritzker-Preis ist, der sogenannte „Nobelpreis der Architektur“, ist für Journalist*innen der Pulitzer-Preis: Der Pulitzer-Preis 2021 ging jedoch nicht an eine*n Journalist*in, sondern an die britische Architektin Alison Killing.

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Gemeinschaftsgärten sind Teil der essbaren Stadt und bringen zahlreiche soziale, ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Foto: via rawpixel

Mit dem Begriff der essbaren Stadt ist ein Konzept gemeint, bei dem Obst- und Gemüse- sowie Nutzpflanzen auf öffentlichen Flächen angebaut werden. Diese zugänglichen Lebensmittel stehen allen Menschen frei zur Verfügung. Sie dienen unter anderem der Ernährung und der Bildung in Städten.

Die urbane Nahrungsmittelproduktion ist keine neue Erfindung, aber heutzutage kommt sie nicht mehr aus einer Notsituation heraus. Vielmehr geht es bei der essbaren Stadt um den Gedanken, neue Gemeingüter zu schaffen und Lebensmittel für alle Menschen frei zur Verfügung zu stellen. So steigt die Lebensqualität für alle und Städter*innen erfahren mehr über die Lebensmittelproduktion. Essen als zugängliches Thema soll zudem alle Bevölkerungsgruppen einladen und zu Konversationen anregen.

Regionale, geschlossene Nährstoffkreisläufe

Essbare Städte sind oft Teil von landschaftsarchitektonischen Vorhaben. Sie sind Teil der ästhetischen Funktion städtischer Grünflächen, haben aber zusätzlich auch umweltpädagogische, soziale und ökologische Aspekte. Damit unterstützen sie die Nachhaltigkeitsziele von Städten, sei es durch öffentliche Gärten, Obst- und Nussbäume, Gemüseprojekte oder Beerensträucher im Park. Das Konzept kann sowohl von der Bevölkerung als auch von der Stadtverwaltung umgesetzt werden.

Es bringt wichtige wirtschaftliche Vorteile: Armutsbekämpfung, erhöhte Ernährungssicherheit, Förderung der Kreislaufwirtschaft und Transparenz entlang der Wertschöpfungskette führen dazu, dass Lebensmittel in vielen Städten heute einen ganz neuen Stellenwert haben. Hochwertige Produkte können die Multifunktionalität öffentlicher Grünflächen erhöhen.

Und durch die partizipativen Aspekte der meist von den Bürger*innen gepflegten essbaren Stadt entstehen soziale Vorteile: Die „Prosument*innen“, die sowohl konsumieren als auch produzieren, entwickeln ein Bewusstsein für nachhaltige Ernährung und haben Zugang zu gesunden Optionen. Durch Gemeinschaftsveranstaltungen wie Gärtnern oder Erntedankfeste lässt sich die soziale Wirkung der essbaren Stadt gut entfalten.

Und auch ökologisch gesehen bringt die essbare Stadt Vorteile: Sie erhöht den Anteil an Grünflächen in Städten, fördert die Biodiversität und Artenvielfalt, vermittelt jungen Menschen die Bedeutung von Lebensmitteln und kann die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Zudem fördert sie regionale, geschlossene Nährstoffkreisläufe mit minimalen Lieferwegen.

: In der essbaren Stadt werden die Bürger*innen zu Prosument*innen, die sowohl konsumieren als auch konsumieren. Foto: via unsplash
: In der essbaren Stadt werden die Bürger*innen zu Prosument*innen, die sowohl konsumieren als auch konsumieren. Foto: via unsplash

Über 100 essbare Städte in Deutschland

Wenn sich eine Stadt als „essbar“ bezeichnet – ein selbst gewählter Titel –, dann hat sie vermutlich einen recht hohen Anteil an öffentlichen Gärten, Obst- und Gemüsepflanzen und Angeboten wie der App Mundraub. Letztere zeigt, wo zugängliche Beeren, Gemüsearten, Nüsse und weitere Lebensmittel gepflückt werden können.

Städte wie Kassel, Halle, Trier, Köln, Andernach, Kiel und Jena tragen den Titel voller Stolz. Hier stehen die Stadtverwaltungen ebenso wie die Behörden, die Bürger*innen und oft auch private Vereine hinter dem Vorhaben. Andernach nutzt seit 2010 die Bezeichnung essbare Stadt und ist damit die erste Stadt in Deutschland. Bereits im Jahr 2008 gab es im Vereinigten Königreich mit Todmorden eine „edible town“. Auf öffentlichen Gebäuden entstanden Gemüsegärten, die von Beginn an allen Bürger*innen offenstanden: Sie durften das ernten, was im öffentlichen Raum wuchs.

Das Interesse in den Medien war groß. Jährlich finden um die 150 Exkursionen in Andernach statt, die andere Städte dazu inspirieren, ebenfalls zu einer essbaren Stadt zu werden. Im Jahr 2016 gab es bereits 63 Gemeinden in Deutschland, die entsprechende Konzepte hatten. Heute sind es über 100.

Essbare Blumen, Zucchinis, Tomaten, Gurken, Kräuter, Beeren und vieles mehr wächst in den meisten Städten ohne Probleme und kann zum Gemeingut werden. Foto: via unsplash
Essbare Blumen, Zucchinis, Tomaten, Gurken, Kräuter, Beeren und vieles mehr wächst in den meisten Städten ohne Probleme und kann zum Gemeingut werden. Foto: via unsplash

Das Konzept verankern

Auf den ersten Blick hat das Konzept der essbaren Stadt keine Nachteile: Es ist leicht und günstig umzusetzen und erfüllt zahlreiche Nachhaltigkeitskriterien. Wichtig ist jedoch, dass es nicht bei einem Symbolcharakter bleibt: Vielmehr sollte die essbare Stadt zu Verhaltensänderung in der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln führen. Auch Handel und Konsum sollten sich idealerweise verändern.

Erfolgreiche essbare Städte sind vielfältig: Von Gemüse, Obst, Kräutern und essbaren Blüten in Parks und Fußgängerzonen über Balkone, Wände und Dachflächen bis hin zu öffentlichen Grünanlagen, Spielplätzen sowie Gemeinschafts- und Schulgärten gibt es viele Möglichkeiten, Bewohner*innen mit frischen, regionalen Lebensmitteln zu versorgen.

Damit das gut funktioniert, müssen die Stadtbewohner*innen Verantwortung übernehmen. Denn sie kümmern sich um die Bepflanzung und Pflege der Flächen. Die Grünflächenämter unterstützen und koordinieren dies idealerweise. Politische und finanzielle Unterstützung, etwa durch Anreize für den Anbau von Lebensmitteln auf privaten Grundstücken oder für die Umwandlung von Brachflächen in Gemeinschaftsgärten, sind hilfreich.

Bildungsprogramme sowie Initiativen zur Stärkung der Gemeinschaft, wie der Nordpark Essbare Stadt in Chemnitz, helfen dabei, das Konzept in der Kultur zu verankern. In Berlin zeigt die Initiative „Prinzessinnengärten“, wie aus einer Brache eine blühende Oase mitten in der Stadt entstehen kann, die ganze Familien versorgt. In der kanadischen Stadt Toronto sind aus den Klein- und Gemeinschaftsgärten ganze Food-Coops (Kooperativen), Bauernmärkte, Bildungsprogramme und Initiativen der solidarischen Landwirtschaft entstanden.

In essbaren Städten lernen Kinder schon früh, wie wichtig eine gesunde und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ist. Foto: via unsplash
In essbaren Städten lernen Kinder schon früh, wie wichtig eine gesunde und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ist. Foto: via unsplash

Anreize sind nötig

Das Konzept der essbaren Stadt breitet sich immer weiter aus. Vor allem der Gedanke, neue Gemeingüter zu schaffen, ist für viele Städte attraktiv. Das Nachhaltigkeitspotenzial des Konzeptes ist hoch. Um die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, ist es wichtig, dass der Ansatz zu substanziellen Verbesserungen in der Produktion und im Konsum von Lebensmitteln vor Ort führt.

Solange die Menschen in Städten Zugang zu frischen Lebensmitteln haben, die vor Ort angebaut werden – ob in Gemeinschaftsgärten, auf öffentlichen Flächen oder auf privaten Grundstücken – kann eine Stadt als „essbar“ bezeichnet werden. Das Konzept bietet viele Vorteile für die Umwelt, die Gesellschaft und die Gesundheit der Stadtbewohner*innen. Durch geeignete Anreize sowie die Unterstützung von Initiativen können Städte dazu beitragen, mit einem essbaren Konzept eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten.

Weiterlesen: In ihrem Buch „Rein ins Grüne, raus in die Stadt“ widmet sich die Autorin und Politikerin Renate Künast der Thematik urbane Gärten.

Klimawandel Deutschland: Neue Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes

Dan Gold

Cluster Land

Am 14. Juni 2021 stellte Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt die Ergebnisse der Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) des Bundes vor. Die Message: Wenn es so weiter geht, werden die Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen durch den Klimawandel in Deutschland stark ansteigen. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse hier nochmal für Sie zusammengefasst.

Zum zweiten Mal seit 2015 wurden mit der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 die durch den Klimawandel in Deutschland verursachten zukünftigen Risiken genauer unter die Lupe genommen. Sind bisher nur wenige Gebiete in Deutschland mit den Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren oder Überschwemmungen betroffen, könnte das schon zur Mitte des Jahrhunderts ganz anders aussehen. Im Folgenden fassen wir Ihnen die Erkenntnisse der KWRA in den drei Clustern „Land“, „Wasser“ und „Infrastruktur“ zusammen:

Handlungsfeld Biologische Vielfalt

Der Klimawandel in Deutschland habe für eine Mehrzahl der Lebewesen eine Veränderung der Vegetationsperiode und Phänologie zur Folge. Asynchronitäten dieser Veränderungen zwischen verschiedenen Spezies führen dazu, dass Nahrungsketten durcheinander geraten und dadurch die Bestäubung und das Aufkommen von Schädlingen beeinflussen. Wärmeliebende Invasivarten können sich durch die Folgen des Klimawandels in Deutschland stärker ausbreiten, wovon folglich besonders urbane und verkehrsträgernahe Räume betroffen seien. Auch die Zusammensetzung heimischer Arten werde vom Klimawandel zugunsten der wärmeliebenden beeinflusst. Sowohl Feuchtgebiete, alpine Lebensräume als auch der Wald werden durch die Klimaerwärmung degradiert.

Handlungsfeld Boden

Sich durch den Klimawandel in Deutschland verändernde Niederschlagsmuster mit extremeren Trockenperioden, Starkregen- und Starkwindereignissen verstärken die Bodenerosion und wirken sich negativ auf die Wasserkapazität des Oberbodens aus.

Handlungsfeld Landwirtschaft

Der Klimawandel beeinflusse die landwirtschaftliche Produktionsleistung. Höhe und Qualität des Ertrages hingen davon ab, wie gut das Klima sich innerhalb eines für jedes Lebewesens unterschiedlichen Optimums bewege. Die Milchleistung und -qualität von Kühen ginge schon bei geringem Hitzestress zurück. Ebenso zurück ginge das Wachstum von Schweinen und die Legeleistung von Hühnern. Pflanzen litten sowohl unter Hitzestress als auch unter der folgenden Trockenheit, wohingegen Schädlinge von höheren Temperaturen profitieren würden. Zukünftig könnte der Klimawandel nach der KWRA häufigere Ernteausfälle und eine geringere Qualität mancher landwirtschaftlicher Produkte zur Folge haben.

Handlungsfeld Wald-und Forstwirtschaft

Hitze und Trockenstress erhöhten die Empfindlichkeit von Bäumen gegenüber anderen Stressoren wie Starkwind, Waldbrand oder Schädlingsbefall (mehr zur Situation deutscher Wälder hier). Qualität und Preis von Holz können sich zukünftig durch den Klimawandel negativ verändern. Als immer beliebter werdender Freizeit- und Zufluchtsort bei Hitzetagen könne der Nutzungsdruck auf gesunde Wälder steigen.

Cluster Wasser

Handlungsfeld Fischerei

Als wechselwarme Tiere seien Fische stark von ihrer Umwelt abhängig. Gesundheit und Zuwächse bei fischereilich bedeutenden Arten können durch den Klimawandel in Deutschland beeinflusst werden. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten einige kälteliebende Arten wie die Bachforelle aus deutschen Gewässern verschwunden sein. Dazu kämen Krankheitserreger und Parasiten, die von steigenden Temperaturen profitieren.

Handlungsfeld Küsten-und Meeresschutz

Der Klimawandel beeinflusse die Temperatur und dadurch auch die Qualität des Wassers. Steigende Nährstoffkonzentrationen im Meer führen zu Sauerstoffmangel und Versauerung mit negativen Folgen auf marine Ökosysteme. Steigende Meeresspiegel erhöhten die Belastung auf Küstenschutzsysteme, küstennahe Siedlungen und Infrastruktur schützen. Kritische Entwässerungssituationen werden künftig häufiger auftreten.

Handlungsfeld Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft

Hitze und Trockenheit beeinflussten die Wasserqualität und schränkten die Binnenschifffahrt und die Kühlwassernutzung von Kraftwerken ein. Durch den Klimawandel in Deutschland wird künftig folglich der Bedarf an bewässerten landwirtschaftlichen Flächen steigen. Angesichts der Tatsache dass nur ein Viertel des in Deutschland bezogenen Produktionswassers zur industriellen Produktion dient und der Rest zum Kühlen von KRaftwerken verbraucht wird, seien in diesem Handlungsfeld vor allem politische Entscheidung hinsichtlich der Weiterentwicklung der Industrieproduktion entscheidend.

Cluster Infrastruktur

Handlungsfeld Bauwesen

Durch den Klimawandel bedingte Stark- und Hochwasserereignisse könnten Gebäude häufiger beschädigt werden. Urbane Flächen würden sich demnach weiter verbreiten und so eine Ausdehnung städtischer Wärmeinseln zur Folge haben. Ohne bauliche Anpassung würde der Klimawandel also vermehrt zu höheren Innenraumtemperaturen führen. Künftig könnten Bautätigkeiten durch Starkwind und -regen sowie Hitze und UV-Strahlung erschwert werden.

Handlungsfeld Energiewirtschaft

Künftig seien ein steigender Bedarf an Kühlenergie und ein sinkender Bedarf an Heizenergie zu erwarten. Regional könnten demnach Lieferketten für fossile Energieträger durch Niedrigwasser beeinflusst werden und Kraftwerke müssten bei geringem Kühlwasserangebot ihre Produktion herunterfahren.

Handlungsfeld Verkehr, Verkehrsinfrastruktur

Hoch- und Niedrigwassereignisse könnten die Binnenschifffahrt zukünftig stärker beeinträchtigen. Durch den Meeresspiegelanstieg seien zudem auch Seefahrtsstraßen und maritime Infrastruktur betroffen. Straßen und Schienen sowie Verkehrsleitsysteme und Stromversorgungsanlagen würden folglich durch Hitze und andere Auswirkungen des Klimawandels unter einem höheren Beschädigungsrisiko leiden.

Cluster Wirtschaft

Handlungsfeld Industrie und Gewerbe

Zukünftig könnten bestimmte Rohstoffe, die aus klimavulnerablen Ländern stammen, schwerer für deutsche Unternehmen zu erhalten sein. Zusätzlich könnte der internationale Warenverkehr stärker durch extremes Wetter beeinträchtigt werden. Hitzewellen könnten außerdem zu Leistungseinbußen von Beschäftigten durch Unfälle oder gesundheitliche Belastungen führen.

Handlungsfeld Tourismuswirtschaft

Die Nutzung touristischer Infrastrukturen im Küstenraum oder auch Skigebiete würden außerdem durch den Klimawandel in Deutschland beeinträchtigt. Chancen hingegen ergäben sich zum Beispiel durch die zu erwartende Verlängerung der Badesaison.

Cluster Gesundheit

Handlungsfeld Menschliche Gesundheit

Die Hitzebelastung auf die Bevölkerung nehme künftig zu, ebenso extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Hagel. Die Pollensaison beginne früher und dauere länger an. Der Klimawandel würde zudem Krankheitserreger wie Vibrionen und Vektoren wie Mücken und Zecken begünstigen.

Die vollständige KWRA finden Sie auf der Homepage des BMU.

Dem Thema „Klimawandel“ widmete sich die G+L in der Maiausgabe 2018. Hier geht es zum Heft.