Render of the Year: Church in Nomine Patris Tom Burkewitz
Der Siegerentwurf
Zum zweiten Mal hat Arch Out Loud die Auszeichnung „Render of the Year“ vergeben. Lesen Sie hier mehr über den Gewinner-Render von Tom Burkewitz.
2015 wurde die Wettbewerbsplattform Arch Out Loud mit dem Ziel gegründet, aktuelle Entwicklungen in der Architektur zu entdecken und zu würdigen. Seitdem veranstaltet die Plattform jedes Jahr mehrere Wettbewerbe, die Architekt*innen und Architekturstudierenden die Möglichkeit bieten, sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen.
Der Preis „Render of the Year“ geht nun in sein zweites Jahr. Gesucht werden überzeugende Bilder, die die Geschichte von Architektur, Innenräumen, Städten und Welten, wie sie sein könnten, erzählen. Der Preis wird in der allgemeinen Render-Kategorie sowie in den Kategorien Interior, Exterior und Young Designer vergeben. Zusätzlich gibt es in jeder Kategorie drei lobende Erwähnungen, die von den Direktoren Nick Graham und Kyle Zook ausgewählt werden.
Die Jury
Die Jury für den Wettbewerb Render of the Year besteht aus einer Gruppe internationaler Architekt*innen. Im Jahr 2021 gehören ihr Melike Altinisik (Istanbul), Katherine Chia und Arjun Desai (Desai Chia Architecture, New York) und Linna Choi (Oualalou+Choi, Paris) an.
Der Siegerentwurf des diesjährigen „Render of the Year“: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz
Render of the Year: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz
Tom Burkewitz gewann den Preis für den Render des Jahres 2021 mit seinem Entwurf der „Church in Nomine Patris“. Er ist ein österreichischer Konzeptkünstler und Architekt, der als Architekturillustrator arbeitet. Sein Rendering zeigt einen strengen Kirchenbau mit dunklen Fassaden inmitten einer Wiese, die in den wolkenverhangenen Himmel ragt. Dem Künstler gelingt es, eine traumartige, fast unheimliche Atmosphäre zu schaffen, die die Jury überzeugte. Mehr dazu hier.
Sein Rendering nutzt 3D-Modellierungstechniken, um einen sehr hohen Grad an Realismus zu erreichen. Die Kirche von Burkewitz wirkt hyperrealistisch und gleichzeitig fast surreal. Der Entwurf erinnert an die Prärie und hat sich gegen andere nostalgische, emotionsgeladene Renderings durchgesetzt.
Laut Arch Out Loud „müssen Designer*innen erkennen, wie die Menschen ihre Bilder interpretieren. Sie müssen mit den Gefühlen arbeiten, die ein Bild hervorruft. Sie müssen verstehen, wie sie ohne Worte zu ihrem Publikum sprechen können.“
Andere Gewinner*innen des Render of the Year 2021
Tom Burkewitz hatte es mit starker Konkurrenz zu tun. Witchaya Jingjits Bild eines Astronauten, der in einer dystopischen, posthumanen Welt neues Land entdeckt, und Zoe Russion Morenos Rendering „Remembrance“ rufen ähnliche Gefühle hervor wie das Siegerbild.
In der Hauptkategorie wurden von der Jury des Render of the Year Award 2021 drei lobende Erwähnungen bekannt gegeben: „Mass Laminated Timber“ von Eric Meyer, „7th Element“ von Okdraw Studio und „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen.
Der Preis in der Kategorie Junger Designer ging an Vincenzo Sardone für „The Day After Participants“. Lobende Erwähnungen gingen an Joseph Perry für „Work in Progress“, an Sanket Gunjal für „Bold and Brutal“ und an Vincenzo Sardone für „06:36 a.m.“. Die Jury-Mitglieder zeichneten außerdem Witchaya Jingjit für „Finding a New Land“, Dennis Grimm für „Fainted Hope“ und Rui Oliveira für „The Quarry Hotel“ aus.
Der Preis für das beste Innenrendering ging an Zoe Russian Moreno für „Remembrance“, und den Preis für das beste Außenrendering erhielt Eric Meyer mit „Mass Laminated Timber“.
Render of the Year: „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen
Die Kunst des Renderns
Rendering war schon immer eine große Herausforderung. Designer*innen und Architekt*innen müssen sich auf der Grundlage einer groben Idee auf Papier oder in einer Software vorstellen, wie der endgültige Entwurf aussehen soll. Diese Visualisierung eines ganzen Gebäudes hilft zu verstehen, wie es sich in die umgebende Landschaft einfügt und wie es mit Grünflächen harmoniert. Viele Gebäude beeinflussen auch die Skyline einer Stadt oder das Aussehen eines Viertels, weshalb das Rendering von entscheidender Bedeutung ist.
Mit Software wie AutoCAD ist das Rendering in mancher Hinsicht einfacher, andererseits aber auch anspruchsvoller geworden: Die Software hilft bei der Erstellung eines realistischen Bildes, Aber die Künstler*innen müssen in der Lage sein, komplexe Faktoren zu verstehen, um ein überzeugendes Rendering zu erstellen.
Die nächste Runde des Render of the Year Award wird im Frühjahr 2022 starten. Junge Designer*innen und Architekt*innen, die noch studieren oder deren Abschluss nicht älter als fünf Jahre ist, können sich für die Teilnahme an dem Wettbewerb bewerben. Arch Out Loud erhebt eine Gebühr pro Bild während des Bewerbungsverfahrens.
Wie eine Ausstellung gestalten, deren Fokus Landschaft ist? Wie etwas in begrenzten Räumlichkeiten ausstellen, dessen Essenz doch die Grenzenlosigkeit ist? Kunst- und Kulturschaffende sowie (Landschafts-)Architekt*innen finden seit immer wieder Antworten auf diese Fragen und präsentieren neue Landschaftserlebnisse in Innenräumen. So etwa der isländische Künstler Olafur Eliasson, der kurzum die Fondation Beyeler in Basel mehrerer Aussenwände beraubte und sie unter Wasser setzte. Welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Landschaft auszustellen, zeigt Fanny Brandauer mit ihrem Projekt „Atlas of Landscapes in a Room“.
„Wie etwas ausstellen, das nicht nur ‚zu groß‘, sondern bereits öffentlich ist? Wie etwas in einem Ausstellungsraum adäquat vermitteln, das räumliche, körperliche Erfahrungen voraussetzt?“
(Margareth Otti in Ruhl, C., & Dähne, C. (2015). Architektur ausstellen: Zur mobilen Anordnung des Immobilen (S. 6–13). Berlin: Jovis)
Landschaft ist immobil, kontextabhängig und vielschichtig und auf Grund ihrer Komplexität nur schwer in einem Innenraum vor- und noch weniger ausstellbar. Doch das Hereinholen von Landschaft in den Innenraum erzeugt ein ungewohntes Spannungsfeld. Außerdem birgt es Potenziale, die es sich näher zu betrachten lohnt. Das Entkoppeln und Isolieren eines Landschaftsteils und dessen Rekontextualisierung im Innenraum erschliesst neue Spielräume zur (Re-)Präsentation und inhaltlichen Vermittlung von Landschaft. Der Betrachtungsfokus verschiebt sich dadurch und wird neu ausgerichtet. Raumgefühl, Naturphänomene, Geräusche und Gerüche lassen sich entsprechend inszenieren und erlebbar machen. Dadurch wird man als Besucher*in auf imaginative Reisen an nahe und ferne Orte geschickt.
Atlas of Landscapes in a Room soll Diskurs anregen
Doch wie gelingt es, Landschaft in ihrer Komplexität im Innenraum festzuhalten? In welcher Weise muss man Landschaft verändern und umformen, verkleinern, vergrößern, symbolisieren oder abstrahieren, um sie in den Ausstellungsraum transferieren zu können? Wie bleibt ihre räumliche Erfahrbarkeit im Innenraum bestehen?
Antworten darauf lassen sich in den Arbeiten von Landschaftsarchitekt*innen und Architekt*innen, Kunst- und Kulturschaffenden finden, die auf vielfältige Art und Weise neue Landschaften im Innenraum kreieren. Um einen Überblick über jenes breite Spektrum zu geben, entstand das Projekt Atlas of Landscapes in a Room. (Dem Projekt liegt übrigens die im Jahr 2018 verfasste Masterarbeit „Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ zu Grunde.)
Atlas of Landscapes in a Room macht es sich zur Aufgabe, ausgewählte historische und zeitgenössische Arbeiten zu kuratieren und miteinander zu verknüpfen. Er dient folglich als digitales indexiertes Nachschlagewerk und als Archiv. Denn Atlas of Landscapes in a Room möchte einen transdisziplinären Diskurs anregen und Denkanstöße initiieren, wie Landschaft und Natur im Innenraum eingefangen und wiedergegeben werden können.
Robert Smithons Konzept des Site/Non-Site
„Und als Resultat habe ich entschieden, dass es, statt etwas in die Landschaft zu stellen, interessanter sei, die Landschaft nach drinnen zu holen, an den Nicht-Ort, in den abstrakten Behälter.“
Robert Smithson in Schmidt, E., & Vöckler, K. (Hrsg.). (2000). Erde. Ein Symposium am White Museum, Cornell University.
Im Jahr 1968 präsentierte der Land-Art-Künstler Robert Smithson seine Arbeit „Site/Non-Site“ und wirkte wegbereitend für heutige Betrachtungen, wie Landschaft im Innenraum räumlich erfahrbar gemacht werden kann. Denn Smithson‘s Arbeit handelte vom Dialog zwischen dem Außen- und dem Innenraum. Mithilfe von Fotografien und Kartenmaterial sowie entnommenen Mineral- und Gesteinsproben dokumentierte er einen Landschaftsteil der geschützten Wälder Pine Barrens an der Atlantikküste New Jerseys. Er erzählte damit von einem realen Ort in der Landschaft, aber repräsentierte diesen unerwarteterweise im Innenraum.
Ausgestellte Landschaften im zeitlichen Wandel
Die zweidimensionalen Träger (Karten, Fotos) ergänzte er zudem um ein dreidimensionales Bild (Mineral- und Gesteinsproben). Der reale Ort, an dem er das Material entnommen hatte, war dabei genauso Teil der künstlerischen Arbeit wie das Material selbst, das im Ausstellungsraum gezeigt wurde und auf den physischen Ort verwies. (vgl. Schmidt, E., & Vöckler, K. (Hrsg.) (2000). Erde. Ein Symposium am White Museum, Cornell University. Übersetzt aus dem Original: Earth, Nachlass, 1969. In: Gesammelte Schriften (S. 217–227). Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König.)
Robert Smithson leistete damit Pionierarbeit im räumlichen Sichtbarmachen und Zeigen von Landschaften, doch das generelle Darstellen von Natur und Landschaft im Innenraum findet seinen Ursprung weitaus früher als in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts.
Die wohl früheste gezielte Zurschaustellung exotischer Kostbarkeiten, Naturalien und anderer Artefakte (meist Errungenschaften kolonialer Entdeckungsreisen) vollzog sich in den Wunderkammern und Naturalienkabinetten europäischer Fürstenhöfe des 15. und 16. Jahrhunderts. In Schränken und Schaukästen wurden Kuriositäten aus aller Welt aufbewahrt, wissenschaftlich untersucht und klassifiziert.
Infolgedessen, im darauffolgenden 17. Jahrhundert hielt das Landschaftsmotiv Einzug in die Malerei. Maler aus den Niederlanden, Flandern und Italien setzten sich erstmals grundlegend mit der Landschaft als selbstständiges Bildsujet auseinander und zauberten sublime Landschaften nach Vorbild des antiken Arkadiens auf ihre Leinwände (welche später in den englischen Landschaftsgärten verwirklicht wurden).
Anfang des 19. Jahrhunderts dann prägte der deutsche Maler Caspar David Friedrich mit seinen melancholischen und imaginativen Natur- und Landschaftsdarstellungen die zeitgenössische Landschaftsmalerei, bevor sich Mitte des 19. Jahrhunderts die „Schule von Barbizon“ formierte und eine neue Ära einläutete. Mit Palette und Staffelei verließen die KünstlerInnen die vier Wände ihrer Ateliers und arbeiteten in der freien Natur. Sie verzichteten in ihren Bildern auf eine realitätsgetreue Motivdarstellung und fingen lieber Formen, Farben und Lichtsituationen auf ihren Gemälden ein. (vgl. Van den Berg, K. (2010). Zur Welt kommen. Landschaft als Resonanzraum. In S. von Berswordt-Wallrabe & V. Rattemeyer (Hrsg.), Landschaft als Weltsicht: Kunst vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart (S. 13–27). Köln: Wienand.)
Landschaftsausstellung gibt Einblick in Arbeitspraxis und -philosophie von Planer*innen
Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich wurde der Begriff der Installation geprägt: raumgreifende, orts- und situationsbezogene Kunstwerke, die in ihrer medialen Ausrichtung, Erfahrbarkeit und Materialität äußerst vielseitig sind. Mit dem Auflodern der Ökologiebewegung etablierte sich ein neues Verständnis von Natur und Kultur als korrelierende Einheit. Der anthropogene Einfluss wurde viel stärker in die Betrachtung von Landschaft miteinbezogen und Natur- und Landschaftsfragmente nicht mehr als romantisierte oder isolierte Objekte ästhetisiert.
Das Landschaftsmotiv kehrt in beinahe allen Kunststilen und -epochen, in der Fotografie genauso wie im Film, wieder und hat auch in der zeitgenössischen Kunst nicht an Relevanz verloren. Kunst- und Kulturschaffende knüpfen heute an die Positionen der vorhergegangenen Generationen an und erweitern diese. Sie setzen immaterielle und flüchtige Materialien wie Licht, Klang oder Geruch ein, um Atmosphären aufzubauen und die sinnliche Wahrnehmung anzuregen.
Das Projekt Atlas of Landscapes in a Room
Mit steigender Tendenz rückt das inhaltliche Arbeiten mit Natur und Landschaft auch immer mehr ins Interesse von Museen und Kunsträumen. Sie kuratieren z.B. Fachausstellungen und Werkschauen, welche entweder spezifische Fragestellungen unter Setzung eines übergeordneten Themenschwerpunkts ergründen oder geben Einblick in die Arbeitspraxis und -philosophie einzelner Kunstschaffender und Planer*innen geben.
Atlas of Landscapes in a Room veranschaulicht wie Ausstellungsräume zu Orten des Geschichtenerzählens und der (Re-)Präsentation von Landschaft werden. Außerdem wie sie es vermögen, der Landschaft einen Wirkungsraum außerhalb ihres eigentlichen „Habitats“ zu geben.
Der digitale Atlas gliedert sich denn auch über einen klaren und stringenten Aufbau, der einer Kategorisierung in sieben Bereiche folgt: Collage (COL), Diorama (DIO), Exhibition (EXH), Installation (INS), Photography (PHO), Painting (PAI) und Wunderkammer (WUN). Die Kategorisierung nimmt sowohl Bezug auf den eben beschriebenen historischen Wandel ausgestellter Landschaften als auch auf die unterschiedlichen Medien der Darstellung. Das Navigieren durch den Atlas und die kuratierten Beiträge funktioniert primär über die Willkür des subjektiven visuellen Blicks und sekundär über ein Index-System, welches mit dem Aspekt der Wissenschaftlichkeit spielt.
Doch vor allen Dingen soll Atlas of Landscapes in a Room zum Stöbern, Entdecken, Erforschen und Sich-inspirieren-lassen einladen, neue Denkanstöße geben und zudem eine Grundlage für weiterführende Untersuchungen zu diesem spannenden Themenkomplex bilden.
Fanny Brandauer schloss 2018 mit der Masterarbeit „Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ ihr Studium an der TU München ab. 2021 rief sie Atlas of Landscapes in a Room ins Leben. Sie lebt und arbeitet in Berlin und München und ist als Teamleiterin bei Studio Vulkan München tätig. Hier geht es zum Instagram-Account von Atlas of Landscapes in a Room.
Kurz vor Weihnachten 2016 starb Uwe Isterling mit 85 Jahren in Hamburg. Mit ihm ging einer der Landschaftsarchitekten, die von ihren Hochbaukollegen als „Gärtner“ betitelt werden. Doch verliehen sie Isterling diesen Titel nie abschätzig, sondern mit großem Respekt und er war stolz darauf. Eine feine, nie vordergründige, nie modische Entwurfssprache kennzeichnete sein Schaffen.
Von Günther Schulze, bei dem er bis zur Gründung seines eigenen Büros 1964 arbeitete, lernte er den gekonnten Einsatz der Pflanze, um das gemauerte und gepflasterte Rückgrat eines Gartens spannend zu überspielen. Mit Privatgärten für bekannte Persönlichkeiten wie Karl Lagerfeld oder Rudolf Augstein wurde Isterling in der Hansestadt und überregional bekannt. Doch hinterließ er auch im öffentlichen Raum Hamburgs seine Spuren, unter anderem mit dem Sternschanzenpark und der Landschaftsgestaltung entlang der Ortsumgehung für den Flughafen in Fuhlsbüttel (mit Jan M. Runge). Im bdla war er sowohl in der Landesgruppe Hamburg wie im Bundespräsidium aktiv.
Nachdem Isterling 1997 mit Gordon Evans und Dirk Junker zwei jüngere Partner in sein Büro geholt hatte (IPL), stieg er 2001 aus der Partnerschaft aus. Mit Unterstützung eines Mitarbeiters arbeitete er an verschiedenen Projekten allein weiter. Sein letztes großes Werk waren die Außenanlagen zum Kurhotel Oberwaid in St.Gallen. Die vergangenen drei Jahre verbrachte er in einem Pflegestift. Bei seinem letzten Besuch brachte ihm sein langjähriger Freund und Kollege Jan Michael Runge ein Dokument mit: Ein Isterling-Garten an der Elbchaussee war unter Denkmalschutz gestellt worden – ein würdevoller Schlusspunkt eines langen Planerlebens.