Kultivierte Werkstatt

Werkstatt oder Landschaftsarchitekturbüro? In den Räumen des Berliner Studios von Franz Reschke ist der Übergang fließend. Materialien und Arbeitsmodelle stapeln sich in Regalen und auf Tischen, lehnen an den Wänden. 2011 hat hier alles begonnen, als Versuch, der eigenen Leidenschaft für das Entwerfen und für Wettbewerbe nachgehen zu können. Ein eigenes Büro hatte Franz Reschke nicht geplant. 

In Wettbewerben und Projekten, auf Konzeptebene und im Detail, entwerfen Franz Reschke und seine Mitarbeiter zunächst von Hand und möglichst in gleichwertigen Varianten. Die wesentlichen Erkenntnisse gewinnen sie aus Serien von Arbeitsmodellen. ­­„Je früher es ein Modell gibt, desto besser.“ Diese können auch improvisiert sein: abgeklebte Wandflächen oder Kreidezeichnungen auf dem Boden helfen, Maßstab und Proportionen zu erfassen. Der Modellbau begleitet das Team nicht nur während des Entwurfs, sondern bis zur Ausführungsplanung. „Dabei gilt es, letztendlich ebenso zu entwerfen, nur mit einer anderen Tiefenschärfe“, sagt Reschke. In dieser Phase entstehen auch 1:1-Modelle, die das Team unter freiem Himmel testet. Bei den Arbeitsmodellen geht es nicht um schick und glatt, sondern darum, den Raum zu verstehen und wie einzelne Elemente darin wirken.

Steiniger Weg

Inzwischen ist Reschkes Studio über den formalen Status des „jungen Büros“ hinausgewachsen. Doch der Weg war schwierig. Projekte in Schweden und Österreich mussten sie nach gewonnenen Wettbewerben auf Eis legen, andere Bauvorhaben hingen lange in der Luft, zum Beispiel der Seehafen Teichland bei Cottbus. Positive Überraschungen gab es aber auch: Zum Beispiel mit der Stadt Bad Lippspringe, die – mit einem aufgeschlossenen Team in der Verwaltung – keine Angst vor den jungen Planern aus Berlin hatte. 2013 hatte Franz Reschke den Wettbewerb für den Marktplatz gewonnen. Das Projekt ist inzwischen realisiert.

Professionelle Kommunikation

Damit aus Wettbewerbserfolgen auch Projekte werden, setzt Franz Reschke auf Professionalität in der Kommunikation mit den Auftraggebern. Für sein erstes Verhandlungsverfahren nach einem Wettbewerb holte er sich Unterstützung, um sich auf das Gespräch mit dem Bauherren gewissenhaft vorzubereiten. „Die Denkweise und Sprache der Wettbewerbsentwürfe ist eine andere als die der meisten Bauherren“, resümiert Reschke.

Er glaubt aus tiefster Überzeugung an Wettbewerbe als einzig faires Vergabe­verfahren und als wertvollen Beitrag zur Baukultur. Nur so sei Qualität gewähr­leistet: „Wer ehrlich zu sich selbst ist, muss zugeben: Man wird bequem, wenn die Konkurrenz nicht hinter einem her ist.“

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