Der Nutzungsmöglichkeit dieser Parkbank-Anlage im Hangang Art Park in Seoul, Südkorea, sind keinerlei Grenzen gesetzt. 

Der Architekt Yong Ju Lee hat 2018 mit seinem Projekt „Root Bench“ die wohlbekannte Parkbank auf eine neue Ebene gebracht. Besser gesagt auf vier Ebenen: Die Sitzbank im Hangang Art Park in Seoul strömt wurzelartig aus dem Zentrum eines Kreises, wobei die einzelnen Stege rhythmisch von ebenerdig zu einer Höhe von fast einem Meter wechseln. Die Absicht dahinter: Sitze und Tische für Erwachsene und Kinder gleichermaßen zu schaffen. Damit verbunden sind der Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten der Bank mit ihren 30 Metern Durchmesser keine Grenzen gesetzt – schlafen, lesen, picknicken, lernen, klettern und vieles mehr. Der Park, der die südkoreanische Hauptstadt einerseits vom Fluss Hangang trennt, verbindet zugleich Stadt und Natur. Eine solche Synthese wird auch innerhalb des Kreises erfahrbar, wo konstruierte Kunst und natürliche Umgebung verschmelzen. Interessant ist, dass diese Wahrnehmung und Sogkraft mathematisch herleitbar ist. Der Architekt hat eine Reaktionsdiffusionsgleichung in den Entwurfsprozess einfließen lassen, um den eigentümlichen Wuchs von Wurzeln nachzuahmen. Die Wechselwirkung und Ausbreitung dieser chemischen Reaktion wird folglich in der Dynamik der „Root Bench“ metaphorisch.

Dieser Text ist in der Ga+La 12/2019 erschienen.

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Grünflächen und Gewächse steigern die Aufenthaltsqualität in Innenstädten – keine Frage. Im Rahmen einer Bachelorarbeit hat die niederländische Studentin Djemie Brands von der Universität Wageningen weitere positive Effekte ausmachen können, die städtisches Grün auf Passanten hat: Neben einer längeren Verweildauer beeinflusst Bepflanzung außerdem das Konsumverhalten. Potentielle Kunden verbringen insgesamt mehr Zeit vor und in den Geschäften und geben dort mehr Geld aus.

Ein ganzer Strauß positiver Effekte

Die Ergebnisse der Arbeit: Menschen fühlen sich in der Umgebung von gepflegten Gewächsen sicherer – eine niedrigere Kriminalitätsrate in begrünten urbanen Gegenden bestätigt das. Das blumige Umfeld stärkt die soziale Interaktion: Grüne Ecken sind bevorzugte Treffpunkte und beeinflussen Stimmung und Atmosphäre. Darüber hinaus finden eine längere Interaktion zwischen den Menschen und ein allgemein längerer Aufenthalt statt. Und das wirkt sich auf die Ökonomie aus: Das Konsumverhalten in den Geschäften vor Ort steigt.

Gezielte wirtschaftliche Stärkung

Werden nun alle Flächen vor unseren Konsumtempeln grün? Vielleicht! Denn, die Erkenntnisse, die Brands gewonnen hat, zeigen, dass die Begrünung unserer Umwelt eine relativ einfache Möglichkeit der wirtschaftlichen Stärkung unserer Städte darstellt. Mit Hilfe von Pflanzen können gezielt bestimmte Straßenzüge und Ladenzeilen hervorgehoben und revitalisiert werden, ohne hohe Summen zu investieren. Natürlich sind für eine wirtschaftlich erfolgreiche Innenstadt viele weitere Aspekte wichtig. Eine, dem Angebotsportfolio angepasste Begrünung könnte dabei jedoch wichtiger Baustein sein, ein Einzelhandelskonzept oder eine Öffentlich-private-Partnerschaft zu unterstützen.

Feministische Stadtplanung – Die G+L im Juli 2023

Coverbild: Coline Beulin via Unsplash
Coverbild: Coline Beulin via Unsplash

Frauen würden bis heute in der Stadtplanung benachteiligt – diese Aussage stützt nicht nur die Urbanistin Leslie Kern („Feminist City“), sondern auch neuste Berichte der Vereinten Nationen. Wir wollen wissen: Ist dem wirklich so? Was unterscheidet die feministische von der maskulistischen Stadt? Und wie müssen wir Planer*innen auf diese gesellschaftliche, zunehmend höchst emotional geführte Debatte reagieren? Im Juli finden wir Antworten.

Feminismus – ein negativ besetztes Wort

Als Feministin würde ich mich selbst nie bezeichnen. Dabei bin ich mit jeder Faser meines Seins für Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern – in persönlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Belangen. Ich denke auch, dass Frauen insbesondere im beruflichen Kontext weiterhin oftmals Nachteile haben und fehlende Aggressivität kein Grund für weniger Gehalt sein darf. Und ich stehe klar gegen jede Form des männlichen (aber auch weiblichen) Machtmissbrauchs auf jeder Ebene. Macht mich all das zur Feministin? Nein. Mich Feministin zu nennen, käme für mich gar einer Abwertung gleich. Das Wort ist negativ besetzt. Man assoziiert damit eine aggressive, unsachliche Form der weiblichen Pseudo-Behauptung. Vollkommen bescheuert. Natürlich kann Feminismus objektiv, ruhig und zielgerichtet sein.

Eine Stadt für alle

Aber: Ich kann nachvollziehen, dass Menschen, ohne viel über feministische Stadtplanung zu wissen, allein bei dem Begriff schon die Augen verdrehen. Sie würden es sicherlich nicht tun, machte die Bezeichnung direkt deutlich, dass es hierbei um weit mehr gehen kann als nur die Berücksichtigung weiblicher Bedürfnisse in der Stadtentwicklung; sondern eigentlich um eine Stadt für alle, eine Stadt der kurzen Wege, eine grundsätzlich sichere und inklusive Stadt. So verstehen zumindest wir in der Redaktion nach intensiven Recherchen und Expert*innen-Gesprächen feministische Stadtplanung. Und ich kann nachvollziehen, dass sich der Begriff der feministischen Stadtplanung eher verselbstständigt hat und nun gerne für mediale und politische Zwecke genutzt wird (was ja nicht unbedingt nur schlecht sein muss).

Feministische Stadtplanung – Was heist das überhaupt?

Umso wichtiger ist es für uns, dass wir das Thema im vorliegenden Heft aufs Tableau bringen und neben ausgewählten Expert*innen auch eine Stichprobe an Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen (konkret 564 Planer*innen) zu Wort kommen zu lassen. Hierfür haben wir eigens eine Online-Umfrage zur Frage „Brauchen wir eine feministische Stadtplanung?“ durchgeführt. Das Ergebnis: Bei Weitem nicht alle Befragten können sagen, was feministische Stadtplanung genau ist – und die Meinungen dazu sind sehr geteilt. Wir in der Redaktion bezweifeln, dass eine Umfrage zur Frage „Brauchen wir eine Stadt für alle?“ ein ähnlich geteiltes Meinungsbild zeichnen würde. Wir müssen uns also der Frage stellen: Wie zuträglich ist der Begriff der feministischen Stadtplanung ihren tatsächlichen Zielen? Schreiben Sie mir, was Sie aus der Ausgabe für sich mitnehmen. Ich freue mich, es zu lesen.

Das Juli-Heft „Feministische Stadtplanung“ gibt es hier im Shop.

Im Juni haben wir uns im Rahmen unserer Stadt-Spezial-Serie mit Hitze in der Stadt beschäftigt. Mehr dazu hier.