Rozelle Interchange: Kunstprojekt für Sydney

Studio Chris Fox ist damit beauftragt, drei Abgaskamine in der Rozelle Bay von Sydney durch ein grünes Design zu verschönern. Bildquelle: Studio Chris Fox
Studio Chris Fox ist damit beauftragt, drei Abgaskamine in Sydney durch ein grünes Design zu verschönern. Bildquelle: Studio Chris Fox

Am Rande der Rozelle Bay in Sydney erheben sich drei Türme über einer neuen Parklandschaft. Verwebt zwischen den Lüftungsrohren des Rozelle Interchange entwickelt das Studio Chris Fox hier ein markantes, städtebauliches Kunstwerk.

Drei Monolithen in Rozelle Bay

Die Rozelle Bay in Sydney bestand einst aus einem diversen Ökosystem mit Wattenmeer und Mangrovenwäldern. In den letzten Jahrhunderten hat sich die Bucht zu einem industriellen Zentrum mit maritimer Nutzung und Bahnlinien entwickelt. Entsprechend musste die Natur größtenteils weichen. Ein neues Projekt vom Studio Chris Fox möchte dies ändern: Mit einem in die Landschaft integrierten Projekt aus drei Monolithen soll ein lebendiges System entstehen. Diese Monolithen verstecken ein Trio bestehender Abluftkamine über der Rozelle Interchange.

Die drei Türme haben eine modulierte Zinkverkleidung und eine gewundene Stahlstruktur. Damit nehmen sie Bezug auf die turbulente Luftströmung der Anlage sowie auf die räumlichen Bewegungen im unterirdischen Straßennetz unter Rozelle Bay. Sie sind jeweils von einem lebendigen, grünen System umgeben, das Brücken für Fußgänger*innen und Radfahrende bietet. Grüne Wandmodule integrieren die Türme in die Parklandschaft der Rozelle Bay. Zudem verwandeln sie die Infrastruktur in einen Lebensraum für urbane Biodiversität.

Der Bau auf dem Land der indigenen Gruppen Gadigal und Wangal polarisiert Sydney. Denn die ambitionierten Skulpturen betonen die großen Abluftkamine von Rozelle Bay weiter. Sie greifen zwar die früheren Ökosysteme auf, verschönern aber letztendlich große Rohre, die Abgase in die Luft pumpen. Der Bau hat bereits begonnen: Erste Pflanzen sind am östlichsten Turm zu erkennen. Bis Ende 2023 könnte das Kunstprojekt abgeschlossen sein.

Die begrünten Türme bieten in ihrer Umgebung Raum für Rad- und Fußwege. Bildquelle: Studio Chris Fox
Die begrünten Türme bieten in ihrer Umgebung Raum für Rad- und Fußwege. Bildquelle: Studio Chris Fox

Kritik an der „Verschönerung einer Monstrosität“

Seit 2019 entstehen die drei großen Monolithen in der Rozelle Bay, die das Studio Chris Fox nun verschönert. Sie befinden sich genau an der Stelle, wo die WestConnex-Autobahn auf die Anzac Bridge trifft. Hier entsteht eine neue unterirdische Verkehrsführung, die sehr wichtig für Sydneys Straßennetzwerk ist. Die bereits existierenden Kamine sind 40 Meter oder 12 Stockwerke hoch. Sie sind schon jetzt Teil der Skyline der Stadt.

„Ich wusste, dass dies eine anspruchsvolle Aufgabe sein würde“, sagte Architekt Chris Fox. „Die Stadt muss funktionieren, und die Infrastruktur ist Teil dieser Funktionalität. Aber genau wie die Menschen braucht die Stadt mehr als nur ihre Grundfunktionalität, um erfüllt zu werden. Momente der Neugier und des Staunens geben der Stadt ein eigenes Leben – sie sind es wert, dass man sie besucht und sich mit ihr beschäftigt.“

Dies ist seine Antwort auf die Skepsis, was die „Verschönerung einer Monstrosität“ angeht. Er erklärte, dass der Entwurf eine Zukunft bildlich darstellt, in der die Infrastruktur bereits eine Ruine ist und von der Natur zurückerobert wurde. Die spezielle Verkleidung der Türme soll die Aufmerksamkeit auf den geometrischen Kontrast legen. Grün wird auf den Oberflächen der Türme wachsen und eine von Bäumen und Sträuchern gesäumte Fußgängerbrücke wird den Fußverkehr über Rozelle Interchange leiten. Diese grüne Attraktion soll sowohl Einheimische als auch Tourist*innen anziehen.

Kunst und Infrastruktur in der Rozelle Bay

Das Studio Chris Fox hat bereits mehrere große öffentliche Kunstwerke in Sydney gestaltet. Dazu gehören die hängende Interloop-Skulptur über den Aufzügen an der Wynyard Station sowie der Interchange Pavilion in South Eveleigh. Derzeit gibt es in Sydney viele Debatten darüber, ob Kunst dazu dienen kann oder soll, problematische Infrastruktur zu verschönern. Denn die drei Monolithen sind Abgasschächte für die riesige Autobahn-Infrastruktur unter der Rozelle Bay.

Der renommierte indigene Künstler Tony Albert ist von dem Entwurf für Rozelle Bay begeistert, wie er dem australischen Herald sagte: „Es ist wirklich ziemlich skurril und hypnotisierend. Ich beginne, über verschiedene Möglichkeiten und Zukünfte nachzudenken. Ich liebe es, wenn mich Sehenswürdigkeiten herausfordern und mir endlose Möglichkeiten geben, warum sie existieren und wie sie funktionieren könnten.“

Kritiker*innen der WestConnex-Autobahn haben Schwierigkeiten damit, die Kunst und die Infrastruktur miteinander zu vereinen. Unabhängig davon, ob ihnen der Entwurf von Chris Fox gefällt, kritisieren sie die großen Schornsteine: „Sie sind ziemlich abschreckend, nicht wahr?“, sagte zum Beispiel der Architekturautor und Redakteur Paul McGillick über die Türme. „Sie sind sehr aufdringlich, und man kann sich ihnen nicht entziehen, sie sind völlig unmaßstäblich. Natürlich versuchen sie, das mit den Kunstwerken drum herum zu kaschieren … Ich denke, es ist jedem selbst überlassen, ob er das für richtig hält oder nicht. Ich selbst finde es nicht besonders schön.“

Das Design wird dafür kritisiert, eine "Monstrosität" zu verstecken. Bildquelle: Studio Chris Fox
Das Design wird dafür kritisiert, eine "Monstrosität" zu verstecken. Bildquelle: Studio Chris Fox

Teil des Rozelle Interchange Projekts

Transport for NSW ist das wichtigste Transportunternehmen in New South Wales, Australien. Derzeit arbeitet das Unternehmen unter anderem am Rozelle Interchange Projekt und am Iron Cove Link. Dabei werden Tunnel gebaut, die eine neue unterirdische Verbindung für Sydney darstellen sollen. Der Knotenpunkt in Rozelle Bay soll sich unter den alten Rangierbahnhöfen der Gegend befinden und größtenteils unterirdisch liegen. Somit soll es möglich sein, Möglichkeiten zum aktiven Transport sowie bis zu 10 Hektar öffentlichen Raum in Rozelle Bay zu schaffen. Transport for NSW unterstützt außerdem die geplanten Rozelle Parklands, einen Wald inmitten der Stadt.

Das Kunstprojekt vom Studio Chris Fox ist eng mit dem neuen Wald der Rozelle Parklands verknüpft. Die Ökosysteme werden mehrere Verbindungen haben. Gemeinsam sollen sie so wertvollen Lebensraum für einheimische Arten darstellen. Neben den hängenden Gärten an den Türmen gehören dazu mehrere Park- und Gartenanlagen sowie ein urbaner Wald. In den Rozelle Parklands sollen außerdem Tunnel, Servicegebäude, Brücken, Fuß- und Radwege, Informationen zur Geschichte von Rozelle Bay und weitere Infrastruktur entstehen. Auch Sportanlagen sind angedacht.

Übrigens: Mehr zum Thema Verkehr und externe Kosten des Autoverkehrs lesen Sie in diesem Beitrag.

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Viele Züge fahren im Alltag deutlich langsamer, als sie es theoretisch könnten. Doch wie misst sich dann, welcher am schnellsten ist? Bildquelle: Unsplash
Viele Züge fahren im Alltag deutlich langsamer, als sie es theoretisch könnten. Doch wie misst sich dann, welcher am schnellsten ist? Bildquelle: Unsplash

Schon seit den ersten Dampflokomotiven gibt es Bestrebungen, den schnellsten Zug der Welt zu bauen. Derzeit können die deutschen ICEs zum Beispiel bis zu 330 Kilometer pro Stunde fahren. Welches eigentlich die schnellsten Züge der Welt sind, lesen Sie hier.

Tägliche Spitzengeschwindigkeit von 430 Kilometern pro Stunde

Immer wieder machen Zughersteller Schlagzeilen, weil sie Geschwindigkeitsrekorde brechen wollen. So kam etwa im April 2023 die Nachricht, dass China mit seinem Hyperloop-System bis zu 1 000 Kilometer pro Stunde erreichen will. Erste erfolgreiche Tests der Magnetschwebebahn haben diese Geschwindigkeit anscheinend erreicht. Das Ganze ist über eine weitgehend luftleere Röhre nötig, in der der Zug bei geringem Energieverbrauch beschleunigt. Mit dieser Technologie könnten Züge bald so schnell unterwegs sein wie Flugzeuge.

Die erste Hyperloop-Strecke, die auch Tesla-Unternehmer Elon Musk beworben hat, soll bis 2035 stehen. Sie könnte 150 Kilometer lang sein und die beiden Mega-Städte Shanghai und Hangzhou in China miteinander verbinden. Selbst ohne Röhre kann der Zug laut Testfahrt bereits auf 623 Kilometer pro Stunde beschleunigen.

Und schon jetzt kommt der schnellste Zug der Welt aus China. Der „Shanghai Maglev“, ebenfalls eine Magnetschwebebahn, verbindet das Stadtzentrum von Shanghai mit dem Pudong-Flughafen. Diese Strecke ist 30 Kilometer lang. Der Zug braucht dafür nur sieben Minuten und 30 Sekunden. Dabei erreicht er Geschwindigkeiten von bis zu 460 Kilometern pro Stunde. Täglich werden auf einem kurzen Stück der Strecke und nur zu bestimmten Zeiten 430 Kilometer pro Stunde  erreicht. Normalerweise beträgt das Spitzentempo des Transrapid-Zuges 300 Kilometer pro Stunde.

China hat ohne Frage die schnellsten Züge der Welt. Bildquelle: Unsplash
China hat ohne Frage die schnellsten Züge der Welt. Bildquelle: Unsplash

Schnellste Züge der Welt über 300 Kilometer pro Stunde

China hat die schnellsten fahrplanmäßigen Züge der Welt. Neben dem Maglev-Zug in Shanghai fahren dort auch die CR400-„Fuxing“-Züge, die im Alltag 350 Kilometer pro Stunde erreichen. Bis zu 1 200 Reisende können so pro Zug auf den Strecken Peking-Shanghai-Hongkong und Peking-Harbin hin- und hersausen. Während China also auch den Rekord für den schnellsten Zug auf einer längeren Strecke hält, gibt es Debatten um den Titel des zweit- und drittschnellsten Zugs. Der ICE3 aus Deutschland erreicht bis zu 330 Kilometer pro Stunde, der TGV aus Frankreich 320 Kilometer pro Stunde. Auch die japanischen Shinkansen-Züge erreichen bis zu 320 Kilometer pro Stunde und gelten zudem als besonders sicher und verlässlich.

Der ICE3 beeindruckt mit Spitzenwerten von 368 Kilometer pro Stunde. Im Alltag fährt er jedoch meist 250 Kilometer pro Stunde und maximal 300 Kilometer pro Stunde, denn ein höheres Tempo ist in Deutschland nicht erlaubt. Der TGV hingegen hat eine konventionelle Geschwindigkeit von 320 Kilometer pro Stunde und gewinnt damit in der Praxis.

Je nach Auslegung ist Spanien mit seinem AVE-Zug ebenfalls unter den schnellsten Zügen: Das Land hat mit dem AVE S-103 aus den früheren TGVs eigene Schnellzüge entwickelt. Sie sind auf Europas längstem Netz zwischen Madrid, Sevilla, Málaga, Valencia, Galicien und Barcelona unterwegs. Die Betriebsgeschwindigkeit liegt bei 310 Kilometer pro Stunde, aber bei Verspätungen können die AVE-Züge auch bis zu 350 Kilometer pro Stunde fahren. Im Jahr 2006 brach der Zug sogar mit 404 Kilometer pro Stunde den spanischen Geschwindigkeitsrekord.

Auch der deutsche ICE ist mit bis zu 330 Kilometer pro Stunde blitzschnell, ist in der Praxis aber eher mit 250 Kilometer pro Stunde unterwegs. Bildquelle: Unsplash
Auch der deutsche ICE ist mit bis zu 330 Kilometer pro Stunde blitzschnell, ist in der Praxis aber eher mit 250 Kilometer pro Stunde unterwegs. Bildquelle: Unsplash

Mehr als 500 Kilometer pro Stunde sind schon seit 1990 möglich

Schon in den 1980er-Jahren begann das Wettrennen um den schnellsten Zug der Welt. Insbesondere in Europa gab es eindrucksvolle Versuche, wobei ICE und TGV stets Nase an Nase lagen. Seit dem Jahr 2000 machen sich auch Japan und China einen Namen mit ihren schnellen Zügen. Diese Züge waren drauf und dran, den Titel Schnellster Zug der Welt zu erlangen:

  • 406 Kilometer pro Stunde: Zwischen 1988 und 1989 gab es in Deutschland den InterCityExperimental (ICE/V), der Geschwindigkeiten von 406 Kilometer pro Stunde erreichte. Damals galt es, gerade in Konkurrenz zum TGV, als nationale Aufgabe, einen eigenen Hochgeschwindigkeitszug zu bauen.
  • 515,3 Kilometer pro Stunde: Am 1. Dezember 1989 zeigte der TGV der Deutschen Bahn, dass auch 482,7 Kilometer pro Stunde pro Stunde möglich waren. Und im Mai 1990 erreichte der TGV-Atlantique sogar 515,3 Kilometer pro Stunde.
  • 574 Kilometer pro Stunde: Schon 1980 etablierte TGV eine Rekordgeschwindigkeit von 380 Kilometer pro Stunde. Und die französische Bahngesellschaft SNCF hält auch den Rekord für den schnellsten Zug mit Rädern auf Schienen: Am 3. April 2007 war der Versuchszug TGV V150 mit 574 Kilometer pro Stunde unterwegs.
  • 487,3 Kilometer pro Stunde: Der CRH380BL ist ein chinesischer Zug im öffentlichen Betrieb, der am 9. Januar 2011 die Rekordgeschwindigkeit 487,3 Kilometer pro Stunde pro Stunde erreichte. Zwischen Xuzhou und Bengbu gelang das Wunder.
Bereits seit den 1980er Jahren gibt es ein Wettrennen zwischen ICE und TGV. Ab 2027 wird Japan beim schnellsten Zug der Welt weit vorn liegen. Aber es gibt auch weitere Kandidaten. Bildquelle: Unsplash
Bereits seit den 1980er Jahren gibt es ein Wettrennen zwischen ICE und TGV. Ab 2027 wird Japan beim schnellsten Zug der Welt weit vorn liegen. Aber es gibt auch weitere Kandidaten. Bildquelle: Unsplash

TGV-Technologie ist weltweit beliebt

Am schnellsten sind Züge mit Magnetschwebetechnologie. So stellte etwa die japanische Magnetschwebebahn JR-Maglev MLX01 Rekorde auf. Im Dezember 2003 erzielte sie eine Höchstgeschwindigkeit von 581 Kilometer pro Stunde, wenn auch nur für wenige Sekunden. Auf dieser Grundlage wurde der Shinkansen L0 entwickelt, der bis zu 603 Kilometer pro Stunde erreicht. Dazu rollt er zu Fahrtbeginn auf Gummirädern und wird ab 150 Kilometer pro Stunde von Gummirädern angehoben. Dies vermeidet Reibung und ermöglicht neue Rekorde. Ab 2027 sollen öffentliche Fahrten mit dem Shinkansen L0 möglich sein.

Und auch andere Länder nutzen inzwischen Technologien wie etwa die von TGV, um einige der schnellsten Züge der Welt zu bauen. In Spanien, Südkorea, Taiwan, Marokko, Italien und den Vereinigten Staaten sind TGV-inspirierte Züge unterwegs. In Marokko befindet sich Afrikas erste Hochgeschwindigkeitsstrecke für Züge, die seit 2018 Tangier mit Casablanca verknüpft. Derzeit fahren die Züge dort bereits bis zu 320 Kilometer pro Stunde, wobei das Projekt noch nicht ganz fertig ist. Der afrikanische Rekord auf der Strecke liegt bei 357 Kilometer pro Stunde.

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