Schinkelpreis 2015 fördert Genrewechsel

Philipp Hoß

In Berlin gibt es zum Glück noch immer unentdeckte Orte, Versprechen für die Zukunft der Stadt. Zwischen schönstem Spreeufer und leerstehendem Gewerberaum, rund um das trotz Künstlerateliers verloren wirkende Baudenkmal des DDR-Rundfunks und ein aussortiertes Kraftwerk wurde eines dieser Niemandsländer im Osten der Stadt für den 160. Schinkelwettbewerb zum Neuland Lichtenberg. Und Neuland betrat auch der auslobende Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin (AIV). Erstmals stellte er keine spezifischen Fachspartenaufgaben von Architektur bis Brückenbau, sondern lud ein, eine von drei Maßstabsebenen zu wählen und -einem Thema zu folgen, entweder „Vernetzung und -öffentlicher Raum“, „Quartier und Mischung“ oder „Objekt und Intervention“. Eher Werkstatt denn Wettbewerb, sollten die 137 teilnehmenden Teams, Nachwuchs aus fünf europäischen Ländern, freier als in den Vorjahren entscheiden können, wie sie vor-gehen, ob Masterplan oder punktuelles Eingreifen. „Wir sind mit dem Schinkelpreis mitten in der Diskussion der Stadt“, betont Jurorin Barbara Hutter, Landschaftsarchitektin. Seit kurzem ist Wohnungsbau dringend und der Bezirk Lichtenberg beginnt bereits, für das Areal zu planen.
Unter den zwei Schinkelpreisen, fünf Sonderpreisen und vier -Anerkennungen beweisen vier Teams aus angehenden Landschaftsarchitekten, wie gut sie den Städtebau beherrschen. Es sei jedes Mal eine erfreuliche Überraschung, wenn die Namen aus den Briefumschlägen gezogen werden, kommentierte Jurymitglied Michael Heurich, Professor an der Dubliner School of -Architecture.

„Es war angenehm, alles mit entwerfen zu können und zuerst zu fragen, wie soll der öffentliche Raum aussehen“, berichtet Schinkelpreisträger Julian Schäfer. Mit Philipp Hoß und Quang Huy Le von der TU München bietet er -Arbeits- und Wohnraum für bis zu 20 000 Menschen. Trotz hoher Verdichtung wirken die drei vorgeschlagenen Quartiere luftig leicht: Einige interessantere Industrierelikte, etwa ein alter Wasserturm werden zu Stadtmarken auf dominanten Plätzen. Eine Schneise, bestehend aus weiteren Plätzen in Folge, lenkt zum Spreeufer, das selbstredend nicht bebaut wird, sondern wo die Landschaftsarchitekten ein Spreebad aus den 1920er-Jahren wiederbeleben und einen Sprungturm in den Fluss stellen. Auch Tina Simon und Sebastian Lensch, ausgezeichnet mit dem Heinz-Diesig-Stifterpreis, gönnen ihren neuem Stadtviertel viele Sichtachsen mit Blick zur Spree und krönen das urbane Zentrum mit einem -Hafenbecken. Drei -ihrer Studienkollegen von der TU Dresden – Max Georgi, Wolfgang Hilgers und Kriss Gabriel – renaturieren den Wallgraben. Klingt harmlos konventionell und verschafft doch geniale Übergänge zu -angrenzenden Stadt- und Landschaftsräumen, verbindet mit der baumüppigen nahen Wuhlheide; das honoriert die Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur mit ihrem -Sonderpreis.
Angenehm provokant, wie übrigens bereits im vergangenen Jahr, stechen Lucas Hövelmann, Richard Roßner und Lars Schöberl, TU Berlin, heraus. Sie entwickeln eine „Landschaftsschleife“, die neue Freiräume plus -Mini-Grünreste plus vorhandene Parks sammelt und als Riesenpark bis zum Flussufer ausdehnt. Die Dimension des Parks begrenzt die Baufelder, das -hätte im realen Leben wohl kaum eine Chance, bekam – Trostpreis oder Verheißung?! – einen Anerkennungspreis.
Am überraschendsten agieren die angehenden Architekten Yvonne Corinna Paul und Marc Timo Berg, TU Berlin. In „How to use this place” – gewürdigt mit dem zweiten Sonderpreis des Stifters Heinz Diesig – wählen sie ausgerechnet einen der unattraktivsten Verkehrs-Transiträume und machen ihn zur Achse für minimal-inversive -Ideen. Ob nun der Rummelsburger-Kraftwerkkoloss zur Projektionsfläche für ein Streetkino wird oder ein schwimmendes Spreedeck nur über einen unter der Wasserlinie versenkten Stegeinschnitt erreichbar ist, die polarisierende landschaftsarchitektonische Strategie veranlasste alle Preisrichter zu diskutieren: Ist das Architektur?

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Ideen für Gabionen: Eigenschaften, Verlegung und Einsatz

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Ideen für Gabionen
Weißes Gebäude mit Blattmotiv-Wandbild auf einer Steinmauer. Foto: yi2026 / Unsplash

Gabionen gehören zu den vielseitigsten Bauelementen im Freiraum: Als Stützkonstruktion, Sichtschutz, Lärmschutzwall, Sitzelement oder gestalterischer Akzent verbinden sie technische Funktion mit einer Materialästhetik, die im Außenraum kaum ein anderes System erreicht. Wer Ideen für Gabionen entwickelt, bewegt sich an der Schnittstelle von Ingenieurbau, Vegetationstechnik und Freiraumgestaltung. Dabei ist das Prinzip denkbar einfach: Drahtgitterkörbe, gefüllt mit Steinen oder anderen Materialien, bilden durch ihre Masse und Flexibilität ein System, das statische Lasten aufnimmt, Wasser durchlässt und sich ästhetisch in nahezu jede Freiraumsituation einfügen lässt.

  • Was Gabionen sind, wie sie konstruktiv aufgebaut sind und welche Typen es gibt
  • Welche Materialien für Körbe und Füllungen geeignet sind und worauf bei der Auswahl zu achten ist
  • Wie Gabionen fachgerecht geplant, gegründet und verlegt werden
  • Welche Einsatzfelder im öffentlichen und privaten Freiraum typisch sind
  • Wie Gabionen begrünt und mit Vegetation kombiniert werden können
  • Welche Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen relevant sind
  • Welche Fehler bei Planung und Ausführung häufig auftreten und wie man sie vermeidet
  • Wie Gabionen in den größeren Kontext von Stadtklima, Biodiversität und Freiraumgestaltung eingebettet werden können

Was sind Gabionen? Definition, Aufbau und Typen

Der Begriff Gabione leitet sich vom italienischen Wort „gabbione“ ab, was so viel wie großer Käfig bedeutet. Gemeint sind damit Drahtgitterkörbe, die mit Steinen oder anderen Materialien gefüllt werden und so ein stabiles, druckfestes Bauelement bilden. Das Prinzip ist uralt: Bereits im Festungsbau des 16. Jahrhunderts wurden mit Erde gefüllte Weidenkörbe als schnell errichtbare Schutzwälle eingesetzt. Die moderne Gabione, wie sie heute in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau verwendet wird, besteht aus verzinktem oder kunststoffummanteltem Stahldrahtgeflecht, das zu quaderförmigen, zylindrischen oder anderen Körpern geformt wird.

Der konstruktive Grundaufbau ist immer derselbe: Ein Drahtkorb aus Doppeldrallgeflecht oder geschweißtem Gitter bildet die Außenhülle. Diaphragmen, also eingebaute Zwischenwände aus demselben Drahtmaterial, unterteilen längere Körbe in Kammern und verhindern, dass sich das Füllmaterial unter Last verlagert und der Korb sich ausbeult. Die Maschenweite des Gitters richtet sich nach der Korngröße des Füllmaterials: Übliche Maschenweiten liegen zwischen 60 und 100 Millimetern, was Füllsteine mit einem Mindestdurchmesser von etwa 80 bis 120 Millimetern erfordert. Für Ideen für Gabionen mit feineren Füllmaterialien wie Kies oder Splitt werden engmaschigere Innengitter oder Geotextileinlagen verwendet.

In der Praxis unterscheidet man mehrere Grundtypen. Kastenförmige Gabionen, auch als Mattengabionen bezeichnet, sind die häufigste Form: Sie werden als Einzelelemente gestapelt und bilden Mauern oder Stützkonstruktionen. Steinschlagschutznetze und Drahtmatratzen (flache, breite Gabionen mit geringer Höhe) werden im Wasserbau zur Ufersicherung und Sohlbefestigung eingesetzt. Zylindrische Gabionen finden sich als Einzelelemente in der Gartengestaltung. Sogenannte Gabionenkörbe mit Sichtfüllung werden speziell für repräsentative Anwendungen produziert, bei denen die äußere Schicht aus handverlesenem, formatiertem Naturstein besteht, während der Kern günstiger gefüllt wird.

Materialien: Drahtkorb, Füllung und Geotextil

Die Qualität einer Gabionenkonstruktion steht und fällt mit der Dauerhaftigkeit des Drahtmaterials. Für den Außeneinsatz sind verzinkte Drähte nach DIN EN 10244 Standard, wobei die Zinkauflage die Korrosionsbeständigkeit bestimmt. In aggressiven Umgebungen, also bei Salzwassereinfluss, im Straßenbereich mit Tausalzbelastung oder in industriell belasteten Gebieten, empfiehlt sich eine zusätzliche Kunststoffummantelung aus Polyvinylchlorid (PVC) oder Polyethylen (PE). Edelstahlgitter aus nichtrostendem Stahl bieten die höchste Dauerhaftigkeit und werden eingesetzt, wenn ein langfristiger Wartungsaufwand minimiert werden soll oder wenn ästhetische Anforderungen eine sichtbare Metalloberfläche verlangen. Der Drahtdurchmesser liegt bei tragenden Konstruktionen typischerweise zwischen 2,7 und 4 Millimetern für das Hauptgeflecht sowie etwas stärker für Kantdrähte und Verbindungsdrähte.

Die Füllung ist das gestalterisch und funktional entscheidende Element. Für tragende Gabionenmauern werden frostsichere, druckfeste Natursteine verwendet: Granit, Gneis, Basalt, Grauwacke und Kalkstein sind bewährte Materialien. Weiche Gesteine wie Sandstein oder Schiefer sind weniger geeignet, weil sie unter Frosteinwirkung und mechanischer Belastung zerfallen können. Die Steinform beeinflusst sowohl die Ästhetik als auch die Packungsdichte: Gebrochenes, kantiges Material verzahnt sich besser und ergibt eine stabilere Füllung als gerundete Flussgerölle, die optisch aber oft attraktiver wirken. Für Ideen für Gabionen als Gestaltungselement bieten sich auch Recyclingmaterialien an: Betonbruch, Ziegelbruch, Glasscheiben in Sonderkörben oder Holzscheite in temporären Konstruktionen erweitern die Palette erheblich.

Zwischen Gabionenkonstruktion und anstehendem Boden wird in der Regel ein Geotextil (Filtervlies) eingebaut. Es trennt den Boden von der Füllung, verhindert das Einspülen von Feinmaterial in die Gabione und in die Drainage, lässt aber Wasser ungehindert passieren. Die Wahl des Geotextils richtet sich nach dem anstehenden Boden: Bei feinen, schluffigen Böden sind engmaschige Vliese mit entsprechendem Filterwirkungsgrad erforderlich. Ohne diesen Trennlagenaufbau können Gabionenkonstruktionen durch Materialmigration langfristig ihre Stabilität verlieren.

Planung und Verlegung: Gründung, Statik und Ausführung

Ideen für Gabionen werden erst dann zu dauerhaften Konstruktionen, wenn die Planung die standortspezifischen Randbedingungen sorgfältig berücksichtigt. Der erste Schritt ist immer die Beurteilung des Baugrundes. Gabionenmauern sind flexible, nicht starre Konstruktionen: Sie können geringe Setzungen ausgleichen, ohne zu reißen. Dennoch erfordern höhere Stützmauern ab etwa einem Meter Höhe eine tragfähige, frostsichere Gründung. Üblich ist eine Fundamentschicht aus Schotter oder Magerbeton, die unterhalb der Frosttiefe liegt. In Deutschland wird die Frosttiefe je nach Region mit 80 bis 120 Zentimetern angesetzt. Eine unzureichende Gründung ist die häufigste Ursache für Schiefstellungen und Ausbeulen von Gabionenmauern.

Für die Standsicherheit von Gabionenstützmauern sind mehrere Faktoren maßgeblich: die Wandhöhe, die Wanddicke, der Böschungswinkel des Geländes, der Erddruck des anstehenden Bodens sowie eventuelle Auflasten durch Verkehr oder Bebauung. Als Faustregel gilt, dass die Wanddicke mindestens die Hälfte der Wandhöhe betragen sollte. Bei Stützmauern über einem Meter Höhe ist eine statische Berechnung durch einen Fachingenieur erforderlich; die einschlägigen Normen, insbesondere DIN EN 1997 (Eurocode 7, Geotechnik) sowie die Empfehlungen des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), sind zu beachten. Für Gabionen im öffentlichen Raum und bei Stützmauern mit Personensicherungsaufgabe gelten erhöhte Anforderungen an Nachweis und Dokumentation.

Die Verlegung selbst folgt einem klaren Ablauf. Zunächst wird der Untergrund auf die erforderliche Tiefe ausgehoben und verdichtet. Die Gründungsschicht aus Schotter (Körnung 0/45 oder ähnlich) wird eingebaut und abgezogen. Dann werden die Gabionenkörbe aufgestellt, miteinander verdrahtet und mit Verbindungsdrähten (Bindedraht oder Spiralen) gesichert. Die Füllung erfolgt lagenweise: Zunächst wird die Sichtseite von Hand mit ausgewählten Steinen belegt, dann der Kern maschinell oder von Hand gefüllt. Diaphragmen werden in vorgeschriebenen Abständen eingebaut. Nach jeder Lage werden die Körbe mit Verbindungsdrähten gegen Aufbeulen gesichert. Abschließend wird das Geotextil an der Erdseite angelegt und der Hinterfüllungsboden lagenweise verdichtet.

Ein häufiger Ausführungsfehler ist das Überfüllen der Körbe: Wird zu viel Material eingefüllt, lassen sich die Deckel nicht mehr schließen, und die Körbe beulen seitlich aus. Ebenso problematisch ist das Unterfüllen, das zu Hohlräumen und instabiler Packung führt. Die Füllung sollte so erfolgen, dass die Steine möglichst dicht gepackt sind, ohne Zwang auf das Gitter auszuüben.

Einsatzfelder: Von der Stützmauer bis zum Stadtmöbel

Die Bandbreite der Ideen für Gabionen im Freiraum ist außergewöhnlich groß. Im Ingenieurbau dominiert die Anwendung als Stützmauer und Böschungssicherung: Gabionen nehmen Erddruck auf, ermöglichen steile Geländemodellierungen ohne massive Betonkonstruktionen und fügen sich durch ihre natürliche Materialität besser in die Landschaft ein als Betonwände. Im Straßen- und Wegebau werden Gabionen zur Hangsicherung entlang von Einschnitten eingesetzt, im Wasserbau zur Uferbefestigung und Sohlsicherung an Fließgewässern.

Im Bereich der Freiraumgestaltung eröffnen Gabionen ein breites Spektrum. Als Sichtschutzwand ersetzen sie Holzzäune oder Betonelemente und bieten dabei eine deutlich längere Lebensdauer sowie eine unvergleichlich reichere Oberflächenstruktur. Als Lärmschutzwand entlang von Verkehrswegen nutzen sie die schallabsorbierende Wirkung der unregelmäßigen Steinoberfläche und der Hohlräume im Füllkörper. Als Sitzmauer, Tischkonstruktion oder Pflanztrog werden Gabionen zu Stadtmöbeln, die robust, vandalismussicher und wartungsarm sind. Gerade im öffentlichen Raum, in Parks, auf Schulhöfen, in Stadtplätzen und Wohnquartieren, haben sich Gabionen als dauerhaftes Gestaltungselement bewährt.

Für private Gärten bieten Gabionen ebenfalls vielfältige Möglichkeiten. Eine Gabionenmauer als Grundstücksabgrenzung kombiniert Sichtschutz, Windschutz und gestalterischen Akzent in einem Element. Als Terrassenstützmauer ermöglicht sie die Anlage von Hangterrassen ohne aufwendige Betonarbeiten. Als Hochbeet-Einfassung bietet sie eine langlebige Alternative zu Holzrahmen. Kleinere Gabionenkörbe als Einzelelemente, gefüllt mit dekorativem Kies oder farbigem Glas, setzen gestalterische Akzente in der Gartengestaltung. Wichtig ist dabei, auch im privaten Bereich die statischen Grundregeln zu beachten: Eine Gabionenmauer, die kippt oder ausbeucht, ist nicht nur unschön, sondern kann eine echte Gefährdung darstellen.

Gabionen und Vegetation: Begrünung, Biodiversität und Stadtklima

Eine der interessantesten Dimensionen bei Ideen für Gabionen ist ihre Kombinierbarkeit mit Vegetation. Die Hohlräume zwischen den Steinen bieten Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Kleintiere. Mauerpflanzen wie Mauerpfeffer (Sedum-Arten), Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Mauerraute (Asplenium ruta-muraria) oder Steinbrech (Saxifraga-Arten) besiedeln Gabionenwände spontan oder können gezielt eingebracht werden. Diese Pioniervegetation erhöht die ökologische Wertigkeit der Konstruktion erheblich und macht Gabionen zu einem Baustein urbaner Biodiversität.

Für eine gezielte Begrünung von Gabionenwänden gibt es mehrere Ansätze. Kletterpflanzen wie Efeu (Hedera helix), Wilder Wein (Parthenocissus-Arten) oder Kletterhortensie (Hydrangea anomala subsp. petiolaris) können an der Wandoberfläche hochgezogen werden und überziehen die Gabione mit einem lebendigen Grünmantel. Hinter der Gabionenwand gepflanzte Sträucher und Stauden durchwurzeln langfristig den Hinterfüllungsbereich und stabilisieren die Konstruktion zusätzlich durch Wurzelverzahnung. In Kombination mit einem Substratstreifen an der Oberkante der Mauer können auch Dachbegrünungen oder Staudenpflanzungen auf der Mauerkrone realisiert werden.

Aus stadtplanerischer und klimaökologischer Perspektive sind begrünte Gabionenwände ein Beitrag zur grünen Infrastruktur im urbanen Raum. Die Steinmasse der Gabionen speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab, was lokale Temperaturspitzen abpuffern kann. Die Vegetation kühlt durch Verdunstung und beschattet Oberflächen. Die Hohlräume der Füllung bieten Nistmöglichkeiten für Wildbienen, Eidechsen und andere Kleintiere, die in der dichten Stadt selten gewordene Habitatstrukturen suchen. Wer Gabionen in der Freiraumplanung mit einem ökologischen Konzept verknüpft, schafft Mehrwerte, die weit über die reine Stütz- oder Abgrenzungsfunktion hinausgehen.

Allerdings ist nicht jede Gabionenkonstruktion automatisch ökologisch wertvoll. Gabionen mit glatter, dichter Sichtfüllung aus großformatigem, poliertem Naturstein bieten kaum Hohlräume und wenig Lebensraum. Gabionen aus Recyclingbeton oder Ziegelbruch können, je nach Herkunft des Materials, Schadstoffe in den Boden einbringen. Eine sorgfältige Materialwahl und eine bewusste Gestaltung der Fugen und Hohlräume sind Voraussetzung dafür, dass Gabionen ihre ökologischen Potenziale tatsächlich entfalten.

Häufige Fehler und Missverständnisse bei Planung und Ausführung

Trotz ihrer scheinbaren Einfachheit werden Gabionen in der Praxis häufig falsch geplant oder ausgeführt. Ein verbreitetes Missverständnis ist die Annahme, Gabionen seien wartungsfrei. Tatsächlich erfordern sie regelmäßige Kontrollen: Verbindungsdrähte können rosten und reißen, Körbe können sich durch Setzungen verformen, und Füllsteine können bei ungeeignetem Material zerfallen. Eine jährliche Sichtprüfung und bei Bedarf das Nachbinden gerissener Verbindungen sind Mindestanforderungen an die Unterhaltung.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Unterschätzung des Erddrucks. Wer eine Gabionenmauer als reine Sichtschutzwand plant, ohne den Erddruck des anstehenden Bodens zu berücksichtigen, riskiert, dass die Wand sich neigt oder ausbeucht. Besonders kritisch ist die Situation, wenn hinter der Mauer Wasser aufstaut: Gabionen sind zwar wasserdurchlässig, aber wenn der Hinterfüllungsboden verdichtet oder durch Feinmaterial verstopft ist, kann sich Stauwasser bilden, das erhebliche Druckkräfte erzeugt. Eine ordnungsgemäße Dränage hinter der Gabionenwand ist deshalb bei Stützkonstruktionen unverzichtbar.

Auch bei der Materialwahl werden Fehler gemacht. Frostempfindliche Steine wie bestimmte Sandstein- oder Schieferarten zerfallen nach wenigen Frostperioden und hinterlassen eine instabile, optisch unattraktive Füllung. Kalkstein ist in manchen Anwendungen problematisch, weil er unter Witterungseinfluss ausgewaschen wird und den pH-Wert des angrenzenden Bodens verändert, was die Vegetation beeinflussen kann. Recyclingmaterialien wie Betonbruch sind grundsätzlich geeignet, sollten aber auf Schadstofffreiheit geprüft werden, bevor sie in Bereichen mit empfindlicher Vegetation oder in der Nähe von Gewässern eingesetzt werden.

Gabionen im Kontext zeitgenössischer Freiraumplanung

Gabionen sind kein modischer Trend, sondern ein bewährtes, technisch ausgereiftes Bauelement mit einer langen Geschichte im Ingenieur- und Landschaftsbau. Ihre Stärke liegt in der Verbindung von Funktion und Gestalt: Sie erfüllen statische und hydraulische Aufgaben, bieten ökologische Potenziale und fügen sich durch ihre natürliche Materialität in eine Vielzahl von Freiraumkontexten ein. Ideen für Gabionen, die über die reine Stützmauer hinausgehen, zeigen, wie ein konstruktives Element zum gestalterischen Träger eines Freiraumkonzepts werden kann.

In der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur werden Gabionen zunehmend als Teil integrierter Freiraumkonzepte eingesetzt, die Stützkonstruktion, Sitzgelegenheit, Pflanzfläche und Lebensraum in einem Element vereinen. Die Kombination mit Wasserelementen, Beleuchtung oder Bepflanzung eröffnet gestalterische Möglichkeiten, die weit über das Bild der schlichten Steinwand hinausgehen. Gleichzeitig bleibt das Grundprinzip immer dasselbe: Masse, Flexibilität und Durchlässigkeit als konstruktive Tugenden, die in einer Vielzahl von Situationen funktionieren.

Wer Gabionen plant, sollte sie von Anfang an als Gesamtsystem denken: Gründung, Korb, Füllung, Geotextil, Hinterfüllung, Dränage und Vegetation gehören zusammen und müssen aufeinander abgestimmt sein. Nur dann entfalten Gabionen ihre volle Leistungsfähigkeit als langlebige, ökologisch wertvolle und gestalterisch überzeugende Elemente des Freiraums. Die Vielfalt der Ideen für Gabionen, die sich in der Praxis bewährt haben, belegt, dass dieses einfache Prinzip außerordentlich anpassungsfähig ist, wenn es mit Sachkenntnis und Gestaltungswillen eingesetzt wird.

Urban Heat Lab: Innovative Forschung für die klimaresiliente Stadt

Vertikale Begrünung als Teil des Urban Heat Lab: Effektive Maßnahme zur Kühlung von Gebäudefassaden und Verbesserung des Mikroklimas in der Stadt. Foto von Nate St. George auf Unsplash
Vertikale Begrünung als Teil des Urban Heat Lab: Effektive Maßnahme zur Kühlung von Gebäudefassaden und Verbesserung des Mikroklimas in der Stadt. Foto von Nate St. George auf Unsplash

Städte stehen im Zeitalter des Klimawandels vor einer ihrer größten Herausforderungen: Immer häufigere und intensivere Hitzewellen gefährden Gesundheit, Lebensqualität und Infrastruktur. Das Urban Heat Lab ist ein ambitioniertes Forschungsfeld, das sich dieser Problematik mit innovativen Ansätzen stellt. Ziel ist es, nachhaltige, praxisnahe Lösungen für die urbane Hitzevorsorge zu entwickeln und die Ergebnisse direkt in die kommunale Klimapolitik zu integrieren.

Was ist das Urban Heat Lab?

Das Urban Heat Lab ist ein vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) initiiertes Forschungsfeld. Im Rahmen von neun kommunalen Modellvorhaben werden bis 2027 ganzheitliche Konzepte für die Hitzevorsorge in dicht bebauten und gemischt genutzten Stadtquartieren erprobt. Jedes Modellvorhaben erhält eine Förderung von 120.000 Euro, um innovative und übertragbare Lösungen zu entwickeln.

Ansätze: Ganzheitlich, innovativ und praxisnah

Das Urban Heat Lab verfolgt einen breit angelegten Ansatz, der sowohl bauliche und städtebauliche als auch naturbasierte Maßnahmen umfasst. Im Mittelpunkt stehen:

  • Gebäude und Grundstücke: Anpassung von Bausubstanz und Freiflächen, etwa durch Begrünung, Verschattung oder kühlende Fassaden.

  • Öffentliche Räume: Schaffung von Aufenthaltsorten mit Verdunstungskühlung („Cooling Points“), Nutzung von Regenwasser zur Bewässerung und Kühlung, Entwicklung von Schwammstadt-Prinzipien.

  • Digitale Werkzeuge: Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Identifikation von Hitze-Hotspots und Entwicklung webbasierter Tools zum Monitoring und Controlling von Klimaanpassungsmaßnahmen.

  • Soziale Innovation: Beteiligung der Stadtgesellschaft, Aktivierung privater Akteure und Stärkung des sozialen Zusammenhalts in den Quartieren.

Ein zentrales Auswahlkriterium für die Modellvorhaben war der Innovationsgehalt der Maßnahmen sowie die ämterübergreifende Zusammenarbeit und Kooperation mit der Wohnungswirtschaft und privaten Eigentümer*innen.

Die Modellprojekte im Überblick

Die neun ausgewählten Städte und Quartiere stehen exemplarisch für die Vielfalt urbaner Herausforderungen und Lösungswege:

  • Berlin-Lichtenberg: KI-gestützte Identifikation von Hitze-Hotspots und Ad-hoc-Maßnahmen der Hitzevorsorge.

  • Berlin-Neukölln: Reallabor in der High-Deck-Siedlung, Entwicklung von Verschattungs- und Kühlungsmaßnahmen gemeinsam mit den Bewohner*innen.

  • Berlin-Pankow: Aufbau von „Cooling Points“ im Mauerpark, um die Hitzebelastung durch Verdunstungskühlung zu senken.

  • Essen: Großes Sanierungsvorhaben zur Steigerung der Hitzeresilienz im Quartier, inklusive webbasiertem Geoinformationssystem zur Bündelung von Maßnahmen.

  • Hagen: Strategien zur Hitzereduktion im hoch verdichteten Bahnhofsviertel, Verknüpfung mit städtebaulicher Sanierung.

  • Halle (Saale): Entwicklung modellierbarer Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzeinseln in der Innenstadt, Übertragbarkeit auf andere Kommunen.

  • Mainz: Entwicklung eines webbasierten Tools für Monitoring und Kommunikation von Anpassungsmaßnahmen.

  • Potsdam: Erprobung klimaangepasster Quartiersentwicklung im sozial herausgeforderten Kietz Schlaatz.

  • Rheine: Innovative Planungsstrategie und Monitoring für ein Schwammstadtquartier auf einem ehemaligen Kasernengelände.

Forschungsergebnisse: Neue Wege für die urbane Hitzevorsorge

Die ersten Ergebnisse aus den Urban Heat Labs zeigen, dass eine Kombination aus technischen, naturbasierten und sozialen Maßnahmen besonders wirksam ist:

  • KI und Digitalisierung: Der Einsatz von KI ermöglicht eine präzise Erfassung von Hitze-Hotspots und die Entwicklung maßgeschneiderter, schnell umsetzbarer Maßnahmen.

  • Naturbasierte Lösungen: Begrünte Dächer, Fassaden und öffentliche Flächen verringern die Oberflächentemperaturen messbar und verbessern das Mikroklima in den Quartieren.

  • Partizipation: Die Einbindung der Bevölkerung führt zu höherer Akzeptanz und Wirksamkeit der Maßnahmen, wie das Reallabor in Berlin-Neukölln eindrucksvoll belegt.

  • Monitoring und Steuerung: Digitale Tools wie das Mainzer Monitoring-System ermöglichen eine kontinuierliche Erfolgskontrolle und flexible Anpassung der Maßnahmen an neue Herausforderungen.

Diese Erkenntnisse werden durch wissenschaftliche Begleitung und regelmäßige Fachgespräche, Kongresse und den Austausch zwischen den Kommunen kontinuierlich weiterentwickelt und verbreitet.

Einfluss auf die urbane Klimapolitik

Die Urban Heat Labs setzen wichtige Impulse für die Klimapolitik in deutschen Städten:

  • Politische Agenda: Die Forschungsergebnisse fließen direkt in die Entwicklung und Fortschreibung kommunaler Klimaanpassungsstrategien ein.

  • Übertragbarkeit: Die Vielfalt der Modellprojekte zeigt, dass Lösungen flexibel an lokale Gegebenheiten angepasst werden können. Erfolgreiche Maßnahmen werden als „Best Practices“ bundesweit kommuniziert und adaptiert.

  • Vernetzung: Die Urban Heat Labs fördern die ämterübergreifende Zusammenarbeit in den Kommunen und stärken die Kooperation mit externen Akteuren wie Wohnungswirtschaft, Stadtgesellschaft und Wissenschaft.

  • Förderprogramme: Die Erkenntnisse dienen als Grundlage für zukünftige Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene zur urbanen Klimaanpassung.

Urban Heat Lab als Motor für die klimaresiliente Stadt

Das Urban Heat Lab ist mehr als ein Forschungsprojekt – es ist ein Reallabor für die Stadt der Zukunft. Mit innovativen, ganzheitlichen Ansätzen und der konsequenten Einbindung von Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft entstehen Lösungen, die den urbanen Raum widerstandsfähig gegen die Folgen des Klimawandels machen. Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen prägen bereits heute die Klimapolitik vieler Städte und werden künftig bundesweit Maßstäbe für eine nachhaltige, lebenswerte Stadtentwicklung setzen.

Das Urban Heat Lab steht damit sinnbildlich für eine neue Generation der Stadtforschung: praxisorientiert, kooperativ und zukunftsweisend – für Städte, die auch in heißen Zeiten lebenswert bleiben.

 

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