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Schinkelpreis 2016

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Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin rief zum 161. Mal Studierende und junge Absolventen der Fachrichtungen Architektur, Landschaftsarchitektur, Städtebau, Ingenieurwesen und Kunst dazu auf, am Schinkenwettbewerb teilzunehmen. Aufgabe war, den Übergangsbereich zwischen Berlin-Zehlendorf und der Stadt Teltow in Brandenburg, getrennt vom Teltowkanal, alternativ zu gestalten. Der Schinkelpreis 2016 ging an zwei Studentinnen der TU Berlin, Tatjana Busch und Elisabeth Sieger.

Die Teilnehmer konnten zwischen drei Teilbereichen und verschiedenen Schwerpunkten im Wettbewerbsgebiet wählen. Der erste Teilbereich “Vernetzung und öffentlicher Raum” zog zu gleichen Teilen Zehlendorf und Teltow mit ein und setzte einen städtebaulichen Schwerpunkt im Übergang zu Altstadt von Teltow. Der Teilbereich “Quartier und Mischung” konzentrierte sich stärker auf die ehemalige Werft in Zehlendorf und das direkt gegenüber liegende Ufer in Teltow. Der dritte Teilbereich “Objekt und Intervention” streckte sich entlang des direkten Uferbereichs des Teltowkanals zu beiden Seiten. Insgesamt reichten 260 Teilnehmer 109 Beiträge ein, elf der Arbeiten wurden mit insgesamt 18.700 Euro prämiert.

 

Teltow Connection von Tatjana Busch und Elisabeth Sieger, TU Berlin (Schwerpunkt Landschaftsarchitektur)
Schinkelpreis sowie Schinkel-Italienreise-Stipendium der Hans-Joachim-Pysall Stiftung

Das Siegerprojekt des Wettbewerbs setzt wesentlich darauf, die Knesebeckbrücke vom starken PKW-Verkehr zu entlasten. Dazu beleben die Verfasserinnen die abgebrochene Wupperbrücke im Osten des Planungsgebiets wieder. Platzaufwertungen, neue Aufenthaltsmöglichkeiten und Treppen zum Wasser des Kanals verbinden beide Uferseiten und schaffen hochwertige Freiräume und Möglichkeiten für neue Bebauung. Auf der Teltower Seite im Süden entsteht mit dem Stadtboulevard eine Verlängerung der Brücke. Die Mahlower Straße wird beruhigt, der Ruhlsdorfer Platz ist als neuer Zugang zur Teltower Altstadt umgestaltet worden. Der vorhandene Freiraum mit offenen Wiesen, Kleingärten und Baumstrukturen wird durch die begleitenden Uferwege ergänzt. Die Jury lobt die Einfachheit und Klarheit der eingesetzten Mittel, die wesentliche Impulse für eine positive Entwicklung geben.

 

Zweistadtlandschaft Teltow Aue von Esther Augustin, Lars Schöberl und Charlotte Tobey, TU Berlin (Schwerpunkt Landschaftsarchitektur)
Anerkennungspreis

Der Entwurf sieht vor, den Charakter der beiden Seiten des Teltowkanals zu stärken: Der nördliche, landschaftlich geprägte Raum wird dem südlichen, urbaneren Raum gegenüber gestellt. Im Norden wird das Ufer naturnah umgestaltet und die Wiesenflächen erhalten. Im Süden wird das Ufer urbaner gestaltet und der Zugang zum Wasser erleichtert. Beide Seiten werden durch zwei “Auenwege” gefasst. Zwei neue Fußgängerbrücken schaffen eine stärkere Verbindung der Gebiete.

 

Das urbane Teltow – das grüne Schönow von Felix Mayer und Svea Petersen, HTWG Konstanz (Schwerpunkt Städtebau)
Sonderpreis gestiftet vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg

Auch dieser Entwurf verstärkt den Charakter des urbanen beziehungsweise ländlichen Ufers. Das Teltower Ufer knüpft an den maritimen Charme der Marina and und setzt ihn bis zur Knesebeckbrücke fort. Gegenüber wird das östliche Bearbeitungsgebiet umstrukturiert und bildet ein neues Quartier mit geringer Dichte.

 

Urban Yards – Green Pockets von Angela Kirch und Denny Weymann, Universität Kassel (Schwerpunkt Städtebau)
Anerkennungspreis

Dieses Projekt konzentriert sich auf das zweite Planungsgebiet am alten Werftgelände des Teltow-Kanals. Wenige winkelförmige Gebäude rahmen die historischen Hallen ein, die Ateliers und Werkstätten aufnehmen sollen. Im Osten soll eine neue Halle zum Veranstaltungsort werden. Das erweiterte Hafenbecken bietet viele großzügige Aufenthaltsbereiche. Das neue Wohngebiet im Norden soll mit verschiedenen Typologien eine Mischung der Bewohner erreichen.

 

Leben am Teltow Kanal von Johannes Hanisch und Anton Wohldorf, Universität Kassel (Schwerpunkt Städtebau)
Sonderpreis gestiftet von Heinz Diesing

Der Entwurf zeigt zwei unterschiedlich ausgebildete Quartiere im zweiten Planungsgebiet, die vom vorgeschlagenen “Mocambo-Park” gefasst werden. Die Jury lobt die gelungene Ausarbeitung der privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen Freiräume im nördlichen Quartier, stellte jedoch die neue PKW-Verbindung nach Teltow über eine Brücke in Frage.

 

Körperwerft von Jacob Mau, Helena Steinbrenner und Lianne Vreugdenhil, Beuth Hochschule für Technik, Berlin und Hogeschool, Amsterdam (Schwerpunkt Architektur/Denkmalpflege)
Sonderpreis gestiftet vom Verband Restaurator im Handwerk e.V.

Im dritten Themenschwerpunkt entwickeln die Verfasser zahlreiche neue Nutzungen für das ehemalige Werftgelände rund um die Themen Gesundheit, Bildung, Sport und Ernährung. Der historische Bestand wird weiterentwickelt und bis auf wenige Ausnahmen erhalten und umgenutzt. Neue Gebäude ergänzen das bestehende Ensemble aus alten Werkstätten, Montagehallen und Bootsschuppen. Dazu kommt ein neu gestalteter Platz am Hafenbecken.

 

Kanalrhyzom von Max Rudolph und Nikita Suerhoff, TU Berlin (Schwerpunkt Architektur)

Das Team entwickelt durch punktuelle Intervention eine Verbindung der beiden Uferseiten. Besonders für den Kanalbereich der Rammrath- und der Eugene-Kleine-Brücke wurde ein schlüssiges Gesamtkonzept erarbeitet, so die Jury. Zu diesen Impulsen zählen einige Einrichtungen für Geschäfte, ein Naturbad und ein Steg sowie der Ausbau eines bestehenden Radwegs.

 


Krummer Steg von Hendrik Brinkmann, Ashkan Cheheltan, Jakob Grave und Konrad Schumacher, UdK und TU Berlin (Schwerpunkt Architektur/Konstruktiver Ingenieurbau)
Sonderpreis gestiftet von der Baukammer Berlin

Der Entwurf verknüpft beide Ufer mithilfe zweier Fußgänger- und Radfahrerbrücken, deren geschwungene Form auf unterschiedliche Rahmenbedingungen reagiert. Die Bogenbrücke wird aus einem Stahltragwerk gebildet.

 

Follies von Joana Carvalho, Nina Dvorak, Onur Oezdemir und Lukas Specks, TU Berlin (Schwerpunkt Architektur/Landschaftsarchitektur)
Sonderpreis gestiftet von der Metallbau Windeck GmbH

Kern des Entwurfs sind die von einem Radweg verbundenen “Secret Spots”. Gemeint sind bislang eher unzugängliche Räume, sie werden von den “Follies”, baulichen Elementen, ergänzt. Zu dem Gebiet sollen außerdem Sportflächen hinzukommen und das alte Klärwerk aufgewertet werden. Ein Aussichtsturm wird als Landmarke in der Kanalaufwertung positioniert, er kann nur schwimmend erreicht werden. Die Jury würdigt besonders die angemessene Maßstäblichkeit und die Interventionen, die gut umsetzbar seien.

 

UGAO – Urban Gap Aid Organisation von Amelie Fehrenbach, HTWG Konstanz
Sonderpreis gestiftet der Hans und Charlotte Krull Stiftung

Die Verfasserin analysiert in ironischer Weise die Stadt Teltow und vergleicht sie mit den Metropolen dieser Welt wie London und Paris. Heraus kommt ein deutlicher Mangel an Attraktivität und Flair. Amelie Fehrenbach schlägt vor, Gebäude aus Teltow per Schiff in ebenjene Metropolen zu bringen, wo sie ein Jahr den Flair der jeweiligen Stadt einfangen sollen, um sie später wieder in Teltow auszustrahlen. In der Arbeit spielt Berlin keine Rolle, Teltow befreit sich vom dominanten Nachbarn. Die Präsentation spielt mit gängigen Ausschreibungsklischees und Stereotype.

 

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AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022: Auslobung

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AIV-Schinkel-Wettbewerb-2022 Auslobung: Überblick über Wettbewerbsgebiet in Rüdersdorf (Foto: Elisa Mado Lenius)

AIV-Schinkel-Wettbewerb-2022 Auslobung: Überblick über Wettbewerbsgebiet in Rüdersdorf (Foto: Elisa Mado Lenius)

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Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) hat Ende September die Auslobung des Schinkel-Wettbewerb 2022 veröffentlicht. Junge Planer*innen und Künstler*innen bis 35 Jahre können an dem Ideen- und Förderwettbewerb teilnehmen. Der bekannte Schinkel-Wettbewerb 2022 läuft unter dem Titel „Ressource Rüdersdorf – neu aufgemischt.“ Die Widersprüche und Maßstabssprünge machen die Brandenburger Gemeinde reizvoll für die Aufgabenstellung.

Auslobung AIV-Schinkel-Wettbewerb: Ab nach Rüdersdorf

Es ist Herbst – und das heißt, es ist wieder Zeit für den AIV-Schinkel-Wettbewerb. Wie jedes Jahr veröffentlicht der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) kurz vor Semesterbeginn die Auslobung für seinen Ideen- und Förderwettbewerb. Dabei handelt es sich um einen Nachwuchspreis – einer der bekanntesten und ältesten in Deutschland.

Junge Planer*innen bis 35 sind dazu aufgerufen, ihre Ideen und Visionen zu präsentieren. Darunter fallen Angehörige aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung. Aber auch freie Künstler*innen sind im Aufruf eingeschlossen. Sie alle bewerben sich mit ihrer Teilnahme um Preisgelder im Gesamtwert von bis zu 30 000 Euro. Dafür reichen sie einen Entwurf ein, der das diesjährige Thema des AIV-Schinkel-Wettbewerbs bearbeitet: „Ressource Rüdersdorf – neu aufgemischt“.

Warum gerade Rüdersdorf? Gesche Erber und Ernst Wolf Abée, die Vorsitzenden des AIV-Schinkel-Ausschusses erklären die Entscheidung wie folgt: „Auf Rüdersdorf waren wir sehr neugierig. Nach dem ersten Gespräch mit der Bürgermeisterin und nach den Erkundungstouren waren wir schnell sicher, spannende Themen für unseren Wettbewerb zu finden. Neben dem Kalksteinbruch, den historischen Brennöfen und dem modernen Zementwerk haben sich Betriebe der Baustoff- und Logistikbranche angesiedelt. So hat sich eine Agglomeration vitaler Ortschaften entwickelt, durchsetzt mit Stätten industrieller Fertigung, teils hochaktiv, teils aufgegeben und ruinös. Und genau diese Widersprüche und Maßstabsprünge machen Rüdersdorf mit seinen verschiedenen Ortsteilen so reizvoll für unsere Aufgabenstellung.“

Aufgabengebiet vielleicht schon vor Ende des Wettbewerbs abgerissen

In Rüdersdorf gab es früher eine Futterphosphatfabrik. Seit diese stillgelegt wurde, ist mit dem Areal jedoch nur wenig passiert. Alle Materialien, bei denen die Möglichkeit bestand, sie wiederzuverwerten, wurden außerdem demontiert und entfernt. Die einst imposanten Gebäude und Strukturen stehen verlassen und als leere Hüllen da. Dennoch regen sie die Fantasie an: Volumen, Struktur und die Raumordnung der Hallen und Siloanlagen erinnern an die Gemälde von Giorgio De Chirico. Der italienische Maler prägte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Strömung der „Metaphysischen Malerei“. Hier können Sie einige Beispiele betrachten.

Der Zustand bleibt aber vielleicht nicht bestehen. Laut Gerber und Abée steht der Abriss der Betonstrukturen zur Diskussion, um Baufläche zu schaffen. Das bedeutet, dass es unsicher ist, dass das Ensemble so noch steht, wenn die Teilnehmer*innen des AIV-Schinkel-Wettbewerbs 2022 ihre Entwürfe einreichen. Dennoch meinen die beiden AIV-Vorsitzenden: „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse noch rechtzeitig kommen, um die Diskussion über die Zukunft des Standorts zu bereichern.“

Auslobung AIV-Schinkel-Wettbewerb: Aufgabenstellung

Wie immer spricht die Auslobung des AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022 auch dieses Jahr die verschiedenen Fachsparten mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen an. Unter anderem sind folgende Entwürfe gefordert:

Die genauen Auschreibungsunterlagen der Auslobung des AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022 finden sich hier. Die Anmeldung zum Wettbewerb erfolgt schließlich über die Plattform von „Wettbewerbe aktuell“. Hier finden Sie die entsprechende Seite.

Hier können Sie das Bildmaterial zur Wettbewerbsregion herunterladen.

AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022: Weitere Termine

Dies sind die weiteren Termine des AIV- Schinkel-Wettbewerb 2022:

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV)

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg hat das Ziel, die Berliner und die Brandenburger Baukultur zu fördern. D.h. zum Selbstverständnis seiner Aufgaben gehört es unter anderem, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen. Damit möchte der Verein Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen Teilen der Metropolregion Berlin nehmen. Dafür analysiert der AIV Etappen und Projekte und liefert eine Einschätzung dazu. Außerdem stellt er Diskussionsansätze für die zukünftige Stadt- und Metropolenentwicklung vor. So begleitet er die Bau- und Kulturgeschichte von Berlin und Brandenburg kritisch. Jedes Jahr schreibt der AIV den Schinkel-Wettbewerb aus. Übrigens: Der AIV ist der älteste noch bestehende Verein Berlins.

AIV-Schinkel-Wettbewerb 2021 – Sieger Kategorie Städtebau

Auf dem Berliner Großmarkt werden Lebensmittel und andere Waren umgeschlagen und an Supermärkte und Gastronomiebetriebe verteilt. Berliner*innen finden sich ohne berufliche Beweggründe kaum auf dem Areal ein. Und das, obwohl es genügend Fläche für dringend benötigte Freiräume bieten würde. Aus diesem Grund wählte der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg den Großmarkt als Projektgebiet für den diesjährigen Schinkel-Wettbewerb aus. Jonathan Hertling, Arne Markuske (BTU Cottbus-Senftenberg) und Robert Ritzel (TU Berlin) überzeugten mit ihrer städtebaulichen Vision und erhielten den Schinkelpreis in der Kategorie Städtebau. Hertling, Markuske und Ritzel stellen in der G+L 09/21 ihren Entwurf vor und erklären, wie sie das Gebiet mit Hochstegen und einem neuen Warenverteilsystem zugänglich gestalten.

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Setzen wir die Impulse oder verschlafen wir sie wieder?

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Der zentrale Schlüssel: Wasser

Die Redaktion hat Herbert Dreiseitl gefragt: Wie kann sich die Profession über das Thema Klimawandel stärker in der Öffentlichkeit positionieren? Hier ist seine Antwort. 

Als ich Anfang dieses Jahres in Boston, USA vor unser neu gegründetes Büro trat, stand das Meerwasser einen halben Meter über der Uferstraße. Doch nicht nur das: Es war so kalt, dass stehen gebliebene Autos im Meerwasser einfroren. Diese Bilder gingen um die Welt und der Präsident der USA twitterte polemisch „Jetzt könnten wir Global Warming gebrauchen“. Die Wärme wurde im Laufe des Jahres leider zu viel – neue Hitzerekorde, Feuer und Dürre gingen dieses Mal durch die Presse. Und nicht nur in Kalifornien, auch hier in Deutschland. Wer meint diese Wetterextreme seien ein einmaliges Ereignis gewesen, ignoriert alle Beobachtungen und Forschungsergebnisse. Doch welche sind die Handlungsräume der Landschaftsarchitektur und wie nutzen wir diese?

Seit nunmehr vier Jahrzehnten arbeite ich mit internationalen Kollegen an einer nachhaltigen und resilienten urbanen Landschaftsarchitektur. Wasser ist bei allen Fragen des Klimaausgleiches der zentrale Schlüssel. Sowohl in überregionalen Maßstäben als auch in scheinbar zu vernachlässigenden kleinen Details. Wir wissen in unserer Profession, wie grüne und blau-grüne Infrastruktur wirkt. Und wir wissen, dass es notwendig ist, diese bereits sehr früh durch multifunktionale Abstimmungsprozesse in den Städten und im Landschaftsbau zu integrieren.

Schläft die grüne Branche?

Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Gerade jetzt wo die Konjunktur auf Hochtouren läuft und der Bausektor boomt – im Wohnungsbau, Gewerbe und in Infrastrukturen der Mobilität und Energieversorgung – werden viele Chancen den Wasserhaushalt zu stabilisieren und Vegetation in neuen Formen einzubringen vergessen, vertan und nicht genutzt. Ist die Branche der grünen Berufe trotz einiger Aktiven wiedermal unfähig, zu leise, zu spät, zu verschlafen? Es ist beschämend, wenn das Thema von anderen Berufsgruppen wie Tiefbauingenieuren, Hochbauarchitekten, Stadtplanern, Soziologen oder Ärzten vermehrt aufgegriffen wird und sich in öffentlichen Debatten eher Vertreter aus Wissenschaft, Politik und aus den „Grauen Berufen“ zu Wort melden.

Wir hätten die besten Argumente zur Veränderung.

Dabei hätten gerade Landschaftsarchitekten, Ökologen und Gestalter der Grünbereiche die besten Argumente. Wenn, ja wenn, sie die Wertgewinne und die Kapitalbildung resilienter und als ökologisch nachhaltige Maßnahmen herausstellen. Es geht darum in der Herausforderung, eine Chance zu sehen. Eine Chance für einen gesellschaftlichen Gewinn. Kaum einer weiß, dass wir durch Maßnahmen wie Forest Bathing und Biophilia-Effekte auch die Gesundheit der Menschen fördern, zu mehr Bewegung animieren sowie zur Prävention von Burn-out und Depression beisteuern können. Wir als Landschaftsarchitekten aber wissen es. Würden wir den regenerativen Mehrwert grüner Projekte besser kommunizieren, würden wir mehr gehört und hätten einen größeren Impact. Das betrifft ebenso Kostenvergleiche. Denn die Kosten steigen extrem, wenn wir jetzt nicht handeln.

Wir müssen Farbe bekennen. Das heißt, sich öffentlich zu äußern, aber auch fachlich besser aufgestellt sein und gut gebaute Zeichen setzen, die Vertrauen schaffen und Mut machen. Dazu zählt auch die Ausbildung der nächsten Generationen in kreativer Adaption an den Klimawandel sowie die Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen zu verbessern. Letztendlich geht es darum, statt Bürokratie und Normenverwaltung die Bürger mitzunehmen und den gesunden Menschenverstand wieder zu fördern.

Mehr Meinungen zu dem Thema Klimaanpassung in der Landschaftsarchitektur finden Sie in der Januarausgabe 2018 der G+L.

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