06.02.2024

Projekt

Sechs-Seen-Platte, Duisburg

von Anne Heinkelmann
Die Sechs-Seen-Platte. Quelle: Stadt Duisburg, Ilja Höpping
Die Sechs-Seen-Platte. Quelle: Stadt Duisburg, Ilja Höpping

Grüne Wälder soweit das Auge reicht. Inmitten davon liegen eingebettet mehrere Seen mit kleinen Inseln. Die Rede ist weder von Skandinavien noch vom Voralpenland. Tatsächlich befindet sich diese landschaftliche Idylle im industriell geprägten Ruhrgebiet. Denn es handelt sich um die Sechs-Seen-Platte, welche nur wenige Kilometer von der Duisburger Innenstadt entfernt liegt. Mehr zu diesem besonderen Naherholungsgebiet erfahren Sie hier.

Luftbild, Sechs-Seen-Platte. Quelle: © 2023 foto@luftbild-blossey.de
Luftbild, Sechs-Seen-Platte. Quelle: © 2023 foto@luftbild-blossey.de

(K)ein Stück Natur: Von Baggern zu Baden

Das beliebte Naherholungsgebiet Sechs-Seen-Platte zählt zu den schönsten Seenlandschaften im Ruhrgebiet. Dabei handelt es sich nicht einmal um ein natürliches Vorkommen. Denn der geschichtliche Kontext ist wie folgt:

1890 baute man im waldreichen Gebiet „Huckinger Mark“ den Rangierbahnhof Wedau. Im Zuge des wachsenden Güterverkehrs entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet erweiterte man den Bahnhof Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zu einem großen Verschiebebahnhof. Dabei entstand auch die gleichnamige Siedlung in der Nähe. Aus Kostengründen bediente man sich für die Bauvorhaben an den lokalen Kies- und Sandvorkommen. Man baggerte also tiefe Löcher, die bis weit unter den Grundwasserspiegel reichten. So entstand der Masurensee.

Im Laufe der Jahre kamen durch dieses Vorgehen immer mehr Seen hinzu, die sich auch teilweise verbunden: Der Wambachsee, der Böllertsee, der Wildförstersee, der Wolfssee und der Haubachsee. Den Haubachsee baggerte man erst 2001 vollständig aus. Inzwischen misst die Wasserfläche der Sechs-Seen-Platte ganze 158 Hektar. Der See Entenfang befindet sich zwar in unmittelbarer Nähe, zählt aber nicht mehr zum Gebiet.

Herbst an der Sechs Seen Platte. Quelle: Stadt Duisburg, Ilja Höpping
Herbst an der Sechs-Seen-Platte. Quelle: Stadt Duisburg, Ilja Höpping

Die Mischung macht’s: von Naherholung und Naturschutz

Heutzutage ist die Sechs-Seen-Platte ein beliebtes und stark frequentiertes Ausflugsziel. Nicht nur die Duisburger*innen zieht es hier her, sondern auch Erholungsuchende des Ruhrgebiets und Niederrheins. Über die dichten Wälder und das glitzernd blaue Wasser wurden sogar bereits Bücher geschrieben. 

Naherholungsgebiet

Das Naherholungsgebiet ist circa 283 Hektar groß. Dementsprechend gibt es viele Freizeitmöglichkeiten hier. Und dazu ist die Sechs-Seen-Platte ganzjährig und kostenfrei zugänglich. Das insgesamt fünfundzwanzig Kilometer lange Wegenetz ermöglicht beispielsweise Aktivitäten, wie spazieren, joggen und wandern. Die Wege führen dabei im schattigen Wald um die Seen herum. Man kann aber auch zwischen den Wasserflächen auf kleinen Dämmen entlang spazieren. Darüber hinaus gibt es Rad- und Reitwege sowie Spielplätze, Wassersportmöglichkeiten und sogar ein Naturschwimmbad. Vereinzelte Aussichtspunkte, Restaurants und Schutzhütten vervollständigen das Freizeitangebot.

Naturschutzgebiet

Nur der Haubachsee ist ein Naturschutzgebiet und folglich nicht zugänglich. Statt Menschenmassen laufen hier grasende Ziegenherden herum. Zwischen dem Wolfssee und dem Haubachsee befindet sich zudem der Wolfsberg. Dieser ist etwa achtundzwanzig Meter höher als die Umgebung. Seinen Ursprung hat er als Müll-, Schutt- und Trümmerdeponie nach dem zweiten Weltkrieg. Heute schmückt der stählerne „Aussichtsturm 6-Seen-Platte“ den Wolfsberg. Mit zweiundzwanzig Meter Höhe hat man von hier aus einen fantastischen Panoramablick. Neben der grün-blauen Landschaft der Sechs-Seen-Platte entdeckt man bei gutem Wetter Duisburg, Düsseldorf, Bottrop und die rheinischen Landmarken. 

Aussichtsturm auf Wolfsberg. Quelle: Stadt Duisburg, Uwe Köppen
Der Aussichtsturm auf dem Wolfsberg. Quelle: Stadt Duisburg, Uwe Köppen

Freizeitaktivitäten: von A(ngeln) bis Z(elten)

Schwimmbad mit Wassersport

Das Duisburger Stadtgebiet kann über zwanzig Seen vorweisen. Doch nur drei davon lässt die Stadt als Badegewässer mit guter Wasserqualität zu. Hinsichtlich der Sechs-Seen-Platte ist das nur das Freibad am Wolfssee. Dieses Naturschwimmbad liegt am Nordrand des Wolfssees. Mit 450 Meter Sandstrand und 30 000 Quadratmeter Liegefläche ist es eines der beliebtesten Freizeitziele der Duisburger*innen. Neben dem Naturschwimmbad gibt es für Kleinkinder ein Planschbecken mit Piratenschiff. Das Grundstück beinhaltet zudem ein Beachvolleyballfeld, ein Badmintonfeld und ein Beachsoccerfeld. Man kann hier außerdem StandUpPaddling Boards, Kanus und Tretboote ausleihen. Währenddessen ist auch für den kleinen Hunger gesorgt. Neben einem Café gibt es Grillstellen und einen Kiosk. 

Der Strand im Freibad Wolfssee. Quelle: Stadt Duisburg, Ilja Höpping
Der Strand im Freibad Wolfssee. Quelle: Stadt Duisburg, Ilja Höpping

Segeln

An den Ufern des Masurensees / Wambachsees reihen sich der Duisburger Yachtclub e.V., der Duisburger Segelclub e.V., einen Kanusport Verein und ein Windsurfing Club. Denn für Wassersport ist die Sechs-Seen-Platte bei Duisburg ideal. Hier trifft idyllische Landschaft auf anspruchsvolle Windbedingungen. Unter dem Motto „Duisburg segelt“ haben sich die Duisburger Segeltage zu einer neuen Institution entwickelt. An diesen Wochenenden treten hier sechs Regatten gegeneinander an. Neben dem Wettkampf ist aber auch Freizeit- oder Schnuppersegeln möglich.

Angeln

Die Sechs-Seen-Platte in Duisburg ist zudem auch ein Angelgewässer. Für Angler*innen ist das ein gefundenes Fressen — denn neben der landschaftlichen Schönheit sind die Seen voller verschiedener Fischarten. Aber natürlich darf man hier nur mit Fischereischein und Erlaubnis angeln.

Spielen

Wem das Wasser noch nicht Spiel genug ist, wird bei den Spielplätzen im Gebiet glücklich. So befindet sich zwischen Wambachsee und Böllertsee ein Wasser- und Abenteuerspielplatz. Einen weiteren Spielplatz gibt es am Kalkweg.

… und was, wenn es zu viel wird? Der hohe Nutzungsandrang hat dem Naherholungsgebiet inzwischen stark zugesetzt, mitunter durch Vandalismus. So mussten Wege, Spielplätze und Ufer inzwischen saniert werden.

Regatta Tag auf der Sechs-Seen-Platte. Quelle: Stadt Duisburg
Regatta Tag auf der Sechs-Seen-Platte. Quelle: Stadt Duisburg
Angeln in den vielen Seen. Quelle: Stadt Duisburg
Angeln in den vielen Seen. Quelle: Stadt Duisburg

Ausblick: Stadtentwicklungsprojekt „6-Seen-Wedau“

Die Besonderheit der Sechs-Seen-Platte strahlt natürlich aus. Beispielsweise entsteht im Duisburger Süden mit „6-Seen-Wedau“ gerade eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands. Auf 60 Hektar brachliegender Bahnfläche baut man hier ein Wohngebiet mit rund 3 000 Einheiten. Dies liegt dann direkt am Masurensee à la „Wohnen am See“. Das Projekt wirbt deshalb mit zukunftsfähiger und wassersensibler Stadtplanung. Doch viele Bürger*innen blicken dem Bauvorhaben skeptisch entgegen. Sie sehen die Qualität ihrer geliebten Seenlandschaft gefährdet.

Erfahren Sie hier mehr über das Wohngebiet 6-Seen-Wedau. Dort plant man die längste Klimawand der Welt.

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