Zum 15. Mal wurde am 25. Juni ein Pavillon der Serpentine Gallery im Londoner Kensington Park eröffnet. Nach Peter Zumthor, Frank Gehry und Daniel Libeskind reiht sich jetzt das Duo selgascano in die Liste der berühmten Architekten ein, die von der Jury auserkoren wurden. Das spanische Büro ist bekannt für seine Arbeit mit synthetischen Materialien und neuen Technologien, die für Architektur ungewohnt sind. Entstanden ist ein polygonaler, farbenfroher Pavillon aus transluzentem Fluorkunststoff, der seine Besucher durch viele Ein- und Ausgänge in sein Inneres lockt.
Inspiration fanden die Architekten in der Weise, wie sich die Menschen durch London bewegen, insbesondere dem vielschichtigen System der U-Bahn, das einen chaotischen, aber doch strukturierten Fluss erzeugt. “Das verspielte Design, das uns an eine Chrysantheme erinnert, ist so organisch wie seine Umgebung”, freuen sich Direktorin Julia Peyton-Jones und Co-Direktor Hans Ulrich Obrist. Die zwei Schichten, aus der die Hülle besteht variieren in ihrer Farbe und Lichtdurchlässigkeit. Dadurch wandelt sich der Eindruck auf den Besucher mit jedem Schritt. “Wir möchten den Menschen ermöglichen Architektur durch Struktur, Licht, Schatten, Transparenz, Wandel, Leichtigkeit, Farbe und Material wahrzunehmen”, erklären selgascano ihr Konzept. Zum 15. Geburtstag des Events sollte dieser Pavillon auch eine Hommage an alle vorherigen sein, ohne ihnen direkt zu ähneln.
Noch bis zum 18. Oktober können die Londoner ihren Afternoon Tea im Café in der farbenprächtigen Serpentine Gallery zu sich nehmen, jeden Freitag Abend finden im Rahmen der Serpentine’s Park Nights verschiedene kulturelle Events von Lesungen bis hin zu Konzerten statt.
Nach zahlreichen Ausstellungen weltweit, darunter die Architektur Biennale 2010 in Venedig, wurde segascano 2013 mit dem Kunstpreis der Akademie der Künste in Berlin ausgezeichnet. Die seit 2000 jährlich stattfindende Serpentine Gallery wird von zahlreichen namhaften Firmen unterstützt.
Projektdaten Serpentine Pavilion 2015
Auftraggeber: Serpentine Galleries, Julia Peyton-Jones, Hans Ulrich Obrist
Architekten: segascano
Dauer: 25. Juni – 18. Oktober
Grundstücksfläche: 541 Quadratmeter
Innenfläche: 179 Quadratmeter
Weite: 27 Meter
Deckenhöhe: 2-4 Meter
Das könnte Sie auch interessieren
Zeit und Landschaft
„Ein Raum muss ausstrahlen: Benutz mich!“
Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2017: Nominierte stehen fest
Alexander Calder – Neuer Ausstellungsort
Wie Shenzhen Planungsprozesse mit KI orchestriert – Echtzeit-Entscheidungen im Urbanismus
Noch mehr Tacheles!
Fallschutzkies Spielplatz: Aufbau, Vorteile und Anwendung
Das neue Hafenpark Quartier in Frankfurt
KI-Halluzinationen – wenn die Stadt in der Fantasie liegt
Burning Man, 2015. Neues Design für den 15 Meter hohen Burning Man: Holz mit Neon. Foto: via Wiki Commons
Burning Man ist heute ein weltbekanntes Festival in der Wüste von Nevada für alternative Lebensformen, temporären Städtebau und Architektur, Kunst, Extreme Clothing und generationsübergreifende Partys. Zum Burning Man Design gehört mittlerweile eine urbane Infrastruktur mit eigenem Flughafen, Krankenhaus und einem Verkehrssystem mit kollektiven Art Cars und Fahrrädern für den Individualverkehr. Autos müssen dem Festival fernbleiben und können nur zur Anreise genutzt werden.
Vom Lagerfeuer am Strand zum Super-Festival
Zu den Mitbegründern des Burning Man Festival gehörte der Künstler Larry Harvey (1948 – 2018). Das Burning Man Design war zur Zeit der Gründung im Jahr 1986 einfach: Harvey zog – wohl aus Liebeskummer heißt es – mit rund 20 Freunden an den Baker Beach am Ufer des Pazifischen Ozeans im Nordwesten von San Francisco. Damit Larry Harvey seinen Kummer vergessen konnte feierten sie Party. Danach verbrannte die Clique eine über zwei Meter hohe Holzfigur und begrub mit der Asche auch den Kummer von Larry Harvey. Heute ist Burning Man ein professionell organisiertes Festival, das über 70.000 Besucher aus der ganzen Welt nach Nevada in den USA zieht. Das Kartenkontingent ist begrenzt. Preis pro Ticket? US$ 575 plus Vergnügungssteuer.
Vom Strand in die Wüste
Terminlich fällt Burning Man in das Ende von August und den Beginn von September. Neun Tage dauert das Festival und endet am US-amerikanischen Labor Day, dem Gedenktag der Arbeiterbewegung. Der ist immer am ersten Montag im September. Bis 1990 blieb das Burning Man Festival am Baker Beach. Danach musste es umziehen. Die Besucherzahl war stetig gewachsen: Von zwanzig Teilnehmern im Jahr 1986 war sie bis 1989 auf über dreihundert gestiegen. Die Holzpuppe, die ursprünglich schon überlebensgroße 240 cm hoch war, wuchs auf 12 Meter. Das Festival und das Verbrennen der Holzfigur am stadtnahen Strand waren mittlerweile unerwünscht. 1990 bauten die Festivalbetreiber zwar wieder eine 12 Meter hohe Holzfigur am Baker Beach auf, jedoch wurde sie nicht mehr in Brand gesetzt. Für Burning Man hatte man eine neue Location gefunden. Dort würde sich niemand durch Partys, Installationen und ein großes Feuer gestört fühlen: Im Black Rock Desert. Diese Wüste liegt im Nordwesten Nevadas auf dem Seebett des prähistorischen Lake Lahontan und hat eine Fläche von 30.044 km² – Platz genug also, um in Zukunft weiter zu wachsen.
Radiale Stadtstruktur des Burning Man. Foto via Wiki Commons: Steve Jurvetson from Menlo Park, USA, Burning Man 2012 festival from the air,
Von der Wüste zur Stadt
Das Burning Man Festival und Design musste sich in der Wüste erst einmal etablieren. Von 1991 bis zum Jahr 2000 stieg die Teilnehmerzahl von anfangs mageren 250 auf über 25.000 im Jahr 2000. Die Skulptur, die zum Ende des Festivals traditionell zu einem gigantischen Lagerfeuer umfunktioniert wird, blieb in dieser Zeit konstant 12 Meter hoch. 1995 bekam die temporäre, einmal im Jahr erlebbare Ansiedlung inmitten der Wüste den Namen „Black Rock City“. Mit einer Grundfläche von 18 Quadratkilometern ist sie für neun Tage die viertgrößte Stadt in Nevada. 1998 führten die Veranstalter Managementstrukturen ein und es entstanden geordnete Bahnen. Autos und Waffen in der „Black Rock City“ wurden verboten, seit 2002 hat die urbanisierte Wüste einen Flughafen. 2003 erließ das Management ein Hundeverbot. Viele „Burner“, die Teilnehmer des Festivals, sind kaum bekleidet und betreten Pavillons und Installationen barfuß. Wer will so schon in Hundehaufen treten?
Art Installation „Love“ mit freaky „Burnern“, 2014. Foto: via Wiki Commons
Black Rock City: Die Wüste lebt
Die City des Burning Man besteht nur ein paar Tage. Aber in diesen kann man in ihr alles machen und bekommen, was man zum Leben und vor allem zum Chillen braucht. In 2019, dem Jahr vor dem Ausbruch von Covid-19, zählten die Veranstalter über 78.000 Teilnehmer. Black Rock City ist damit für rund zehn Tage eine Ansiedlung, die einwohnermäßig etwas größer als Paderborn und etwas kleiner als Wolfsburg ist. Sie ist aber eher ein Camp und nichts, außer Kunstwerke und begehbare skulpturale Architekturen, wird in die Höhe gebaut. Das Burning Man Design hat einen radial um ein Zentrum angeordneten Städtebau wie die Gartenstadt von Ebenezer Howard – nur standortbedingt ist sie ohne Grün.
Für Alle: Partizipative Stadtstruktur
Die Bewohner der temporären Metropole, die „Burner“, stehen für Individualität, einen friedvollen, leicht hedonistischen Lebensstil mit Hang zum Neo-Hippie-Style oder phantasievoller Kostümierung im Space Age- oder Queer-Look. Spaß und liberaler Fun für Alle sind auch ein Sinn und Zweck des Festivals. Die Teilnehmer leben wie Camper und verpflegen sich selbst. Sie übernehmen auch ihre Müllentsorgung. An den kunstvoll gestalteten Bars wird getrunken, Sanitäreinrichtungen dienen der kompletten Riesengemeinschaft, für die medizinische Versorgung ist ein Krankenhaus errichtet. Burning Man hat einen partizipativen und diversen Charakter: Die Altersgruppen, Ethnien und sozialen Gruppen sind total gemischt. Die negativen Begleiterscheinungen vieler Festivals und Großveranstaltungen, Gewalt, Müll und Umweltverschmutzung gibt es nicht. Mit Art Cars, den sogenannten „Mutant Vehicles“, bewegen sich die „Burner“ durch die Black Rock City. Das fördert die Gemeinschaft, die Kommunikation und ist umweltfreundlicher als Individualverkehr. Den gibt es nur für Fahrradfahrer oder Fußgänger.
Art Car für Burning Man 2013. Kollektives Transportmittel, Bar und Social Island als Kunstwerk. Foto: via Wiki Commons
Ohne Spuren: Das Verschwinden der Black Rock City
In der Wüste gibt nach neun Tagen „Black Rock City“ keinerlei Spuren vom Burning Man. Die Stadt wird komplett abgebaut und jeder „Burner“ ist verpflichtet, alles, was ihm gehört, wieder mitzunehmen. Wegen seiner friedvollen und liberalen Stimmung war das Burning Man-Modell schon Gegenstand ethnografischer Studien und kulturwissenschaftlicher Forschung. Es wir als utopistisches Role Model verstanden. Vorbildhaft sind die Gemeinschafts- und Identitätsbildung als Gegenentwurf zur Gesellschaft „draußen“. In der „Black Rock City“ sind Menschen neun Tage lang aktiv, kommunikativ und neugierig, phantasievoll und sehr tolerant. Sie tragen dann dieses Lebensgefühl in die Welt.
An prominenter Stelle im Pershing Park an der Pennsylvania Avenue in Washington, DC soll eine neue Gedenkstätte errichtet werden. Dann soll nicht mehr nur General Pershing, dem Oberbefehlshaber der US-Truppen an der Westfront im Ersten Weltkrieg, gedacht werden, sondern allen Veteranen und gefallenen Amerikanern. Nur wenige Schritte vom Weißen Haus entfernt und mit dem Capitol, dem Sitz des Kongresses, in Sichtweite, soll das Memorial auf 7.300 Quadratmetern gleichzeitig Erinnerungsstätte und Erholungsort sein.
Das Projekt wurde von der United States World War One Centennial Commision ins Leben gerufen und allein durch Spendengelder finanziert. Eine Jury wählte Ende August aus 350 Beiträgen des international ausgeschriebenen Wettbewerbs die fünf Finalisten. Sie arbeiten in der zweiten Runde zusammen mit dem Komitee, öffentlichen Entscheidungsträgern und anderen Interessengruppen an ihren Konzepten. Die World War One Commission will den Sieger im Januar 2016 bekannt geben.
In den USA werden erst seit den 80er-Jahren auch Gedenkstätten für die Veteranen im zweiten Weltkrieg, den Vietnam- und den Koreakrieg errichtet, anstatt wie zuvor nur Einzelpersonen zu würdigen. Für die Soldaten des Ersten Weltkriegs fehlte bislang jedoch eine solches Memorial. Laut World War One Commission sind jedoch im ersten Weltkrieg über 115.000 Amerikaner gefallen, mehr als in Vietnam und Korea zusammen. Mit dieser Opferzahl auf Seiten der USA folgt der Erste Weltkrieg damit dem Amerikanischem Bürgerkrieg und Zweitem Weltkrieg auf Platz drei.
Zu den Finalisten des World War One Memorial Wettbewerbs in Washington: