Fairtiq: Ein einziges Ticket für den ÖPNV

Fairtiq hat bereits den öffentlichen Nahverkehr in der Schweiz und Österreich deutlich vereinfacht. Nun kommt die Technologie nach Deutschland. Bildquelle: Fairtiq
Fairtiq hat bereits den öffentlichen Nahverkehr in der Schweiz und Österreich deutlich vereinfacht. Nun kommt die Technologie nach Deutschland. Bildquelle: Fairtiq

Fairtiq ist eine Smartphone-App aus der Schweiz, die das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln vereinfachen möchte. Denn oft gibt es innerhalb einer Stadt so viele verschiedene Tarife, dass es rasch zu Verwirrungen kommen kann. Aber auch andere Länder und Apps nutzen diese Idee. So zum Beispiel München und Regensburg mit dem Pilotprojekt „Swipe + Ride“. Wie das System von Fairtiq und „Swipe + Ride“ funktioniert, erfahren Sie hier.

Die ganze Schweiz profitiert vom günstigsten ÖPNV-Tarif durch Fairtiq

Mit Fairtiq ist es möglich, bei jeder Bus- und Bahnfahrt den jeweils günstigsten Preis zu zahlen. Dafür benötigt man ein Smartphone mit der installierten App und muss im Geltungsbereich von Fairtiq unterwegs sein. Bisher gibt es die App vor allem in ihrem Herkunftsland – der Schweiz. Dort kann man bei Fahrtbeginn einfach auf Start drücken und bei Fahrtende auf Stopp. Die App rechnet dann den besten Tarif aus und am Monatsende wird über PayPal oder Kreditkarte abkassiert. In der Schweiz ist das bereits in allen Zügen, Bussen, Trams und Fähren möglich. 20 Prozent aller Fahrkartenkäufe laufen dort über Fairtiq.

In Frankreich ist die App ebenfalls beliebt: Etwa ein Viertel der Reisenden dort nutzen Fairtiq, um im öffentlichen Nahverkehr sowie bei Reisen innerhalb des Landes den günstigsten Tarif zu erhalten. In Deutschland laufen etwa ein Drittel der Fahrkartenkäufe über Fairtiq, insbesondere in Nordrhein-Westfalen. Und derzeit gibt es ein Pilotprojekt unter dem Namen „Swipe + Ride“ in München.

Der Gründer von Fairtiq, früherer SBB-Topmanager, heißt Gian-Mattia Schucan und ist promovierter Physiker. 2013 kündigte er bei der Schweizer Bundesbahn, die sich aus Kostengründen gegen einen ticketfreien Ein- und Ausstieg entschieden hatte. Die landesweite Einführung von Fairtiq in der Schweiz kostete 5 Millionen Euro – deutlich weniger als die 300 Millionen Euro, die die SBB veranschlagt hatte.

Gian Mattia Schucan, Gründer und Co-Vorstand von Fairtiq, träumte von ticketlosen Bahnfahrten. Bildquelle: Fairtiq
Gian Mattia Schucan, Gründer und Co-Vorstand von Fairtiq, träumte von ticketlosen Bahnfahrten. Bildquelle: Fairtiq

Kein Tarif- und Zonenwissen mehr nötig

Die Abrechnung bei Fairtiq erfolgt nach kilometerbasiertem Luftlinientarif. Um diese Preise zu erhalten, muss man sich die Fairtiq Lab App herunterladen. In der Schweiz und in Österreich geht das bereits ohne Zugangscode. In Testregionen Deutschlands, wie etwa in München, benötigt man derzeit noch einen Code, um als Tester*in das System zu nutzen. Die App hat eine tägliche Kappung und rechnet in Deutschland nie mehr als 49 Euro ab, was dem Preis des 49-Euro-Deutschlandtickets entspricht.

Fairtiq hat die Mission, das Reisen mit dem öffentlichen Verkehr so leicht zu machen wie noch nie. Das Unternehmen ist auf Expansionskurs und möchte Nutzer*innen international erreichen. Reisende brauchen kein Tarif- oder Zonenwissen mehr, sondern können sich darauf verlassen, automatisch eine faire Abrechnung zu erhalten. Dabei errechnet Fairtiq immer das günstigste verfügbare Ticket für die gefahrene Strecke – Umstiege und Wechsel zwischen Verkehrsmodalitäten wie Bahn, Bus, Tram oder Schiff sind dabei nicht relevant. Man muss sich auch nicht vorher auf eine Endstation festlegen, sondern kann nach Belieben aussteigen.

Wenn die Tickets kontrolliert werden, müssen Reisende die Fairtiq-App bereit halten und über „Ticket anzeigen“ den Barcode vorzeigen. Hier befindet sich ein kleines Risiko, denn wenn der Handyakku leer ist, hat man auch kein Ticket mehr. Ein anderes Risiko besteht darin, den „Stopp“-Button bei Fahrtende zu vergessen. Aber die App verspricht, einen daran zu erinnern. Zudem gibt es eine Smart Stop-Funktion, die laut Unternehmen beim Check-Out assistieren soll. Und auch beim Datenschutz setzt Fairtiq strenge Maßstäbe.

Um eine Fahrt zu beginnen oder zu beenden, ist nur ein Swipe in der App nötig. Bildquelle: Fairtiq
Um eine Fahrt zu beginnen oder zu beenden, ist nur ein Swipe in der App nötig. Bildquelle: Fairtiq

Mit Swipe + Ride zwischen München und Regensburg unterwegs

In Deutschland ist es nun möglich, per Smartphone mit Bus und Bahn zwischen dem Münchner und dem Regensburger Verkehrsverbund unterwegs zu sein. Das Pilotprojekt vom Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) namens „Swipe + Ride“ soll den ersten Schritt zu einem landesweiten elektronischen Tarif für den öffentlichen Nahverkehr darstellen. So soll die manchmal komplizierte Suche nach dem richtigen Ticket zum günstigsten Preis überflüssig werden.

Schon im letzten Jahr startete der MVV den Modellversuch „Swipe + Ride“. Nun ist das Modell, das der Fairtiq-App folgt, auch im Regensburger Verkehrsverbund (RVV) sowie bei Fahrten von dem einen in den anderen Verbund nutzbar. Insbesondere Gelegenheitsfahrer*innen, für die sich ein Abo nicht lohnt, sollen davon profitieren.

Neben dem MVV und dem RVV sind auch der Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt (VG) und die Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio, agilis, Bayerische Regiobahn und Länderbahn an dem Projekt beteiligt. Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt, das offiziell „eTarif in der Modellregion Donau-Isar“ heißt, mit rund 500 000 Euro. Insgesamt soll das Pilotprojekt zwei Jahre lang laufen. Fairtiq unterstützt den MVV und seine Partner mit der Check-in/Check-out-Technologie.

Auch in anderen Ländern gibt es viel Interesse für die Fairtiq-Technologie. Bildquelle: Fairtiq
Auch in anderen Ländern gibt es viel Interesse für die Fairtiq-Technologie. Bildquelle: Fairtiq

Revolution des Ticketmarkts

In der Region München wurden bisher 10 000 Codes an Tester*innen vergeben. Die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer erklärte: „Mit dem Piloten „SWIPE + RIDE“ bauen wir die Umstiegshürde „Tarifsystem“ weiter ab. Vor allem Gelegenheitsfahrer müssen sich nun keine Gedanken mehr zum gerade passenden Ticket machen. Und gleichzeitig können die Pilotkunden aktiv an der weiteren Gestaltung des Tarifs mitwirken – als wichtiger Bestandteil des Projektes.“

Der Anklang ist groß. Und auch anderswo gibt es Interesse am ticketfreien Abrechnen der ÖPNV-Nutzung. In Österreich ist die App „SimplyGo!“ beliebt, die mit der gleichen Technologie funktioniert wie Fairtiq. Dänemark experimentiert seit September 2022 ebenfalls mit der Fairtiq-Methode. Und in London gibt es schon lange eine ähnliche Methode, bei der man mit der Oyster- oder Kreditkarte ein- und auscheckt. Das System wählt dann am Tagesende den günstigsten Tarif für alle getätigten Fahrten aus. Die Oyster Card feierte 2023 übrigens ihr 20-jähriges Jubiläum. Alles zur Erfolgsgeschichte lesen Sie hier. 

Fairtiq möchte noch intelligenter sein. So soll die Technologie künftig erkennen, wenn man einen Weg zu Fuß zurücklegt, um diesen von den Fahrtkosten abzuziehen. Per GPS-Tracking könnte es sogar bald unnötig werden, per Swipe den Check-in und Check-out zu absolvieren. In der Schweiz wächst der Anzahl der Fairtiq-Nutzer*innen jeden Monat um zehn bis 15 Prozent. Und auch in Deutschland ist Fairtiq dabei, den Ticketmarkt zu revolutionieren.

Weiterlesen: Interessante Projekte zur Mobilität gibt’s in unserem Mobility Special zu finden.

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Ausgezeichnete Freiraumgestaltung in Höxter: Der Hauptpreis des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises 2025 geht an Franz Reschke Landschaftsarchitektur für das nachhaltige Gesamtkonzept der Landesgartenschau Höxter 2023 – mit Weserpromenade, Archäologiepark und Remtergarten. Foto: Roman Thomas
Ausgezeichnete Freiraumgestaltung in Höxter: Der Hauptpreis des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises 2025 geht an Franz Reschke Landschaftsarchitektur für das nachhaltige Gesamtkonzept der Landesgartenschau Höxter 2023 – mit Weserpromenade, Archäologiepark und Remtergarten. Foto: Roman Thomas

Am 11. April 2025 fiel in Berlin die Entscheidung zur Vergabe des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises 2025 – ein Wettbewerb, der Maßstäbe für zukunftsweisende Freiraumgestaltung setzt. Der mit dem Ersten Preis ausgezeichnete Entwurf stammt von der Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH aus Berlin für die Landesgartenschau Höxter 2023. Insgesamt wurden neun weitere Projekte in thematisch unterschiedlichen Kategorien gewürdigt. Die Preisverleihung findet am 12. September 2025 in Berlin statt.

Ein Preis für Nachhaltigkeit, Innovation und gestalterische Qualität

Der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis wird alle zwei Jahre durch den Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla) vergeben. Ziel des Wettbewerbs ist es, gestalterisch herausragende und zugleich gesellschaftlich relevante Planungsleistungen auszuzeichnen – mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit, Biodiversität, Klimaanpassung, Chancengleichheit und zukunftsfähige Stadtentwicklung.

Die diesjährige Ausgabe ist bereits die 17. seit der ersten Auslobung im Jahr 1993. Dieses Jahr wurden unter dem Vorsitz von Marianne Mommsen (relais Landschaftsarchitekten) insgesamt 35 nominierte Projekte durch ein Preisgericht bewertet und ausgezeichnet.

Hauptpreis: Landesgartenschau Höxter 2023

Der mit dem Hauptpreis ausgezeichnete Entwurf der Landesgartenschau Höxter 2023 stammt vom Berliner Büro Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH. Das Projekt überzeugte mit seiner integrativen Freiraumgestaltung, die Geschichte, Natur und moderne Stadtentwicklung auf eindrucksvolle Weise verbindet. Die Planung umfasste u. a. die historischen Wallanlagen rund um die Altstadt Höxters, die Weserpromenade, den Archäologiepark im Weserbogen sowie den Remtergarten des Klosters Corvey. Der Entwurf verbindet eindrucksvoll bestehende Elemente mit neuen Zugängen zur Weser, schafft Spiel- und Aufenthaltsbereiche und macht die Geschichte der Stadtwüstung Corvey erlebbar. Die Gestaltung zeichnet sich durch eine respektvolle Haltung gegenüber dem historischen Bestand und eine hohe atmosphärische Qualität aus.

Franz Reschke selbst ordnet den Preisgewinn wie folgt ein:

„Ein bisschen Überraschung, viel Freude – für uns ist der Preis eine tolle Wertschätzung für die intensive Arbeit in den Jahren 2020 bis 2023. Wir stecken ehrlich gesagt wie alle und immer – mitten in den nächsten und übernächsten Projekten. Deshalb war es besonders schön, das Projekt in Höxter noch einmal gemeinsam Revue passieren zu lassen. Wir sind jetzt noch einmal 10 bis 15 Personen mehr als vor vier Jahren und nicht jeder kennt alle alten Geschichten. Hier in Kurzform: Wir hatten uns für Anfang 2020 viel vorgenommen. 4 bis 5 Kolleg:innen haben viel Zeit und Energie in den Wettbewerb investiert, die Wettbewerbsabgabe dann sportlich um 23.55 Uhr. Ein Jahr später arbeitete bereits ein Team von knapp 15 Personen an dem Projekt. Insgesamt wurde es eine sehr lange Liste von Kolleg:innen aus den verschiedensten Disziplinen. Es war bis zum Schluss eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Vertreter:innen der Stadt und der Gartenschau, die sich wie wir über den Preis gefreut haben.“

Auszeichnungen in neun Kategorien – ein breites Spektrum landschaftsarchitektonischer Qualität

Neben dem Hauptpreis vergab die Jury Auszeichnungen in insgesamt neun Kategorien.

Auszeichnungen in neun Kategorien:

Kategorie Öffentlicher Raum

Projekt: Winkelriedplatz, Basel
Entwurfsverfasser*innen: Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

Kategorie Wohnumfeld/Arbeitsumfeld

Projekt: Prinz-Eugen-Park, München
Entwurfsverfasser*innen: Arge TERRA.NOVA Landschaftsarchitektur, München
zusammen mit Club L94 Landschaftsarchitekten GmbH, Köln

Kategorie Pflanzenverwendung

Projekt: Grüner Bunker St. Pauli, Hamburg
Entwurfsverfasser*innen: Landschaftsarchitektur+ Holzapfel-Herziger & Benesch PartG mbB, Hamburg

Kategorie Infrastruktur und Mobilität

Projekt: Testfeld Reallabor Radbahn, Berlin-Kreuzberg
Entwurfsverfasser*innen: fabulism+nuko PartGmbB (Lysann Schmidt-Blaahs, Giulia Pozzi, Mirko Andolina)

Kategorie Sport, Spiel, Bewegung

Projekt: Kirchenpauerkai, Hamburg
Entwurfsverfasser*innen: Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin GmbH, Berlin

Kategorie Konzepte für Natur und Stadt

Projekt: Bürgerpark Grüne Mitte, Weinstadt
Entwurfsverfasser*innen: A24 Landschaft Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

Kategorie Klimaschutz/Klimaanpassung

Projekt: #Schwammdrunter – Mobilitätsdrehscheibe Südportal Bahnhof Karlsruhe
Entwurfsverfasser*innen: bauchplan ).( Part.m.b.b, München

Kategorie Bauen im Bestand/Historische Anlagen

Projekt: Bürgerpark Lindau
Entwurfsverfasser*innen: Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin GmbH, Berlin

Kategorie Reifeprüfung – Projekte, 20 Jahre und älter

Projekt: Institut für Physik – Humboldt Universität, Berlin-Adlershof
Entwurfsverfasser*innen: Stefan Tischer, Augustin + Frank Architekten mit Joerg Th. Coqui, COQUI MALACHOWSKA COQUI Städtebau Landschaftsarchitektur

In der Kategorie Junge Landschaftsarchitektur wurde in diesem Jahr keine Auszeichnung vergeben.

Öffentlicher Raum: Winkelriedplatz, Basel

Der Winkelriedplatz bildet mit seinem imposanten Baumbestand das größte Grünareal im Basler Quartier Gundeldingen. Die Gestaltung schafft eine offene, gemeinschaftliche Atmosphäre mit frei nutzbaren Räumen, Spielangeboten und Wasserinstallationen. Zwei zentrale Platzbereiche setzen besondere Akzente: ein schwellenloses Wasserspiel und eine Quartiersbühne. Die Erhaltung und Integration des historischen Lindenbestandes und ein nachhaltiges Wassermanagement runden das Konzept ab.

Der neu gestaltete Winkelriedplatz in Basel – Preisträger beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 in der Kategorie Öffentlicher Raum – verbindet historischen Baumbestand mit Wasserspiel, Quartiersbühne und nachhaltigem Regenwassermanagement. Foto: Christian Roeder
Der neu gestaltete Winkelriedplatz in Basel – Preisträger beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 in der Kategorie Öffentlicher Raum – verbindet historischen Baumbestand mit Wasserspiel, Quartiersbühne und nachhaltigem Regenwassermanagement. Foto: Christian Roeder

Wohnumfeld/Arbeitsumfeld: Prinz-Eugen-Park, München

Das neue Stadtquartier entstand auf dem Areal der ehemaligen Kaserne und bietet Freiräume für etwa 4000 Bewohner:innen. Der Entwurf nutzt die naturnahen Strukturen des Altbaumbestandes, gliedert den Park in charaktervolle Teilbereiche und bietet vielfältige Spiel- und Erholungsmöglichkeiten. Extensive Wiesen, Trockenbiotope und naturnahe Gestaltungselemente fördern Biodiversität und klimatische Resilienz.

Prinz-Eugen-Park München: Auszeichnung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für naturnahe Freiraumgestaltung mit Altbaumbestand, Trockenbiotopen und klimaresilienter Parklandschaft im neuen Wohnquartier. Foto: Boris Storz
Prinz-Eugen-Park München: Auszeichnung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für naturnahe Freiraumgestaltung mit Altbaumbestand, Trockenbiotopen und klimaresilienter Parklandschaft im neuen Wohnquartier. Foto: Boris Storz

Pflanzenverwendung: Grüner Bunker St. Pauli, Hamburg

Ein ehemaliger Flakbunker wurde zu einem „grünen Hügel“ umgebaut. Die extensive Fassaden- und Dachbegrünung erstreckt sich über sechs Etagen und schließt einen öffentlichen Dachgarten ein. Die Pflanzenauswahl orientiert sich an natürlichen Sukzessionsprozessen und spiegelt die urbane Wildnis wider. Regenwassermanagement und partizipative Planung machen das Projekt zu einem Modell für nachhaltige Stadtentwicklung.

Grüner Bunker St. Pauli – Auszeichnung für innovative Pflanzenverwendung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025: Urbane Wildnis, Dachgarten und Fassadenbegrünung als Modell für nachhaltige Stadtentwicklung und Regenwassermanagement. Foto: Boris Storz
Grüner Bunker St. Pauli – Auszeichnung für innovative Pflanzenverwendung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025: Urbane Wildnis, Dachgarten und Fassadenbegrünung als Modell für nachhaltige Stadtentwicklung und Regenwassermanagement. Foto: Boris Storz

Infrastruktur und Mobilität: Testfeld Reallabor Radbahn, Berlin-Kreuzberg

Das Projekt verwandelte eine ehemals als Parkplatz genutzte Fläche in einen überdachten linearen Park. Zwei „Inseln“ bieten Raum für soziale Interaktion und Radmobilität. Extensive Pflanzung, Regenwasserversickerung, Wiederverwendung von Baumaterialien und die Kooperation mit der TU Berlin machen das Testfeld zu einem Reallabor für klimagerechte Infrastruktur.

Testfeld Reallabor Radbahn in Berlin-Kreuzberg – ausgezeichnet beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für klimagerechte Infrastruktur: Umnutzung von Parkplatzflächen zu einem grünen, überdachten Mobilitätsraum mit Regenwassermanagement und biodiverser Bepflanzung. Foto: fabulism_nuko
Testfeld Reallabor Radbahn in Berlin-Kreuzberg – ausgezeichnet beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für klimagerechte Infrastruktur: Umnutzung von Parkplatzflächen zu einem grünen, überdachten Mobilitätsraum mit Regenwassermanagement und biodiverser Bepflanzung. Foto: fabulism_nuko

Sport, Spiel, Bewegung: Kirchenpauerkai, Hamburg

Am Elbufer entstand eine langgestreckte Parklandschaft mit vielfältigen Bewegungsangeboten. Die Integration in das Quartier Baakenhafen schafft eine enge Verzahnung zwischen Stadt und Freiraum. Kranplätze mit Treppenanlagen laden zum Verweilen ein und bieten attraktive Aufenthaltsqualitäten.

Kirchenpauerkai Hamburg – prämiert beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für innovative Bewegungslandschaften am Wasser: Eine langgestreckte Parkanlage mit Spiel- und Sportangeboten, eingebettet in die urbane Struktur der HafenCity. Foto: Leonard Grosch
Kirchenpauerkai Hamburg – prämiert beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für innovative Bewegungslandschaften am Wasser: Eine langgestreckte Parkanlage mit Spiel- und Sportangeboten, eingebettet in die urbane Struktur der HafenCity. Foto: Leonard Grosch

Konzepte für Natur und Stadt: Bürgerpark Grüne Mitte, Weinstadt

Der Bürgerpark verbindet landwirtschaftliche Nutzflächen mit modernen Erholungsräumen. Das partizipativ entwickelte Konzept fördert soziale Teilhabe und schafft einen Ort mit lokaler Identität. Obstwiesen, Gärten, Spiel- und Sportflächen sowie natürlich belassene Bachläufe bilden ein vielfältiges Angebot.

Bürgerpark Grüne Mitte in Weinstadt – ausgezeichnet beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für die Verbindung von Landwirtschaft und urbaner Erholung: Partizipativ gestalteter Park mit Obstwiesen, Gärten, Bachläufen und sozialem Mehrwert. Foto: Hanns Joosten
Bürgerpark Grüne Mitte in Weinstadt – ausgezeichnet beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für die Verbindung von Landwirtschaft und urbaner Erholung: Partizipativ gestalteter Park mit Obstwiesen, Gärten, Bachläufen und sozialem Mehrwert. Foto: Hanns Joosten

Klimaschutz/Klimaanpassung: #Schwammdrunter, Karlsruhe

Der Bahnhofplatz Karlsruhe Süd wurde in einen klimaresilienten Stadtraum mit zwei Baumhainen, Wasserspiel und Regenwassermanagementsystem umgewandelt. Trotz Unterbauung mit Tiefgarage ermöglicht das Konzept ein funktionierendes Schwammstadtprinzip.

#Schwammdrunter in Karlsruhe – ausgezeichnet beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für zukunftsweisende Klimaanpassung im Stadtraum: Grüner Bahnhofsvorplatz mit Baumhainen, Wasserspiel und Schwammstadtprinzip trotz Tiefgaragenunterbau. Foto: David Riek
#Schwammdrunter in Karlsruhe – ausgezeichnet beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für zukunftsweisende Klimaanpassung im Stadtraum: Grüner Bahnhofsvorplatz mit Baumhainen, Wasserspiel und Schwammstadtprinzip trotz Tiefgaragenunterbau. Foto: David Riek

Bauen im Bestand/Historische Anlagen: Bürgerpark Lindau

Die Neugestaltung westlicher Freiräume der Inselstadt Lindau verbindet historische Elemente wie Ufermauern und Parkstrukturen mit neuen Spiel- und Aufenthaltsangeboten. Ein direkter Zugang zum See, neue Blühwiesen und eine sensible Erneuerung alter Anlagen stärken die Qualitäten der Stadtlandschaft.

Bürgerpark Lindau – prämiert beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für die behutsame Transformation historischer Ufer- und Parkstrukturen: Neue Blühwiesen, Seezugänge und Spielangebote stärken die stadtlandschaftliche Qualität der Inselstadt. foto: Leonard Grosch
Bürgerpark Lindau – prämiert beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025 für die behutsame Transformation historischer Ufer- und Parkstrukturen: Neue Blühwiesen, Seezugänge und Spielangebote stärken die stadtlandschaftliche Qualität der Inselstadt. foto: Leonard Grosch

Reifeprüfung: Institut für Physik, Humboldt Universität Berlin-Adlershof

Das früh realisierte Projekt verbindet Fassadenbegrünung, Regenwassermanagement und Gebäudekühlung in einem vorbildlichen Modell für nachhaltiges Bauen. Das Monitoring ermöglichte über zwei Jahrzehnte hinweg wertvolle Erkenntnisse für zukunftsfähige Infrastruktur.

Institut für Physik der Humboldt-Universität Berlin-Adlershof – ausgezeichnet in der Kategorie Reifeprüfung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025: Pionierprojekt für nachhaltiges Bauen mit Fassadenbegrünung, Regenwassermanagement und über 20 Jahren Monitoring. Foto: Matheus Steurer
Institut für Physik der Humboldt-Universität Berlin-Adlershof – ausgezeichnet in der Kategorie Reifeprüfung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2025: Pionierprojekt für nachhaltiges Bauen mit Fassadenbegrünung, Regenwassermanagement und über 20 Jahren Monitoring. Foto: Matheus Steurer

Jury mit Expertise und Weitblick

Das Preisgericht setzte sich aus Fachleuten mit fundierter Erfahrung in Praxis, Wissenschaft, Medien und Pflanzenverwendung zusammen. Die Mitglieder wurden durch das Präsidium des bdla berufen:

  • Carola Antón, antón landschaft, Zürich
  • Jan-Gerd Bruns, Bruns Pflanzen, Bad Zwischenahn
  • Jana Gäng, Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart
  • Prof. Stephan Lenzen, RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt:innen, Bonn, bdla-Präsident
  • Prof. Irene Lohaus, Lohaus Carl Köhlmos Landschaftsarchitekten Stadtplaner, Hannover
  • Prof. Jonas Reif, Pflanzenverwendung und Vegetationskonzepte, FH Erfurt
  • Jan Stadelmann, S2L Landschaftsarchitektur & Stadtplanung, Zürich, Co-Präsident BSLA
  • Juryvorsitz: Marianne Mommsen, relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen PartGmbB, Berlin

Preisverleihung im September 2025 – Dokumentation folgt

Die feierliche Übergabe der Preise erfolgt am 12. September 2025 im Rahmen einer öffentlichen Festveranstaltung in Berlin. Im Anschluss wird der bdla eine umfangreiche Dokumentation veröffentlichen, in der alle ausgezeichneten sowie nominierten Projekte vorgestellt werden.

 

Lesen Sie hier mehr zum Bayerischen Landschaftsarchitekturpreis 2024.