wo Kunst ihren Platz findet – bis September 2020 “Brick House” der Künstlerin Simone Leigh. Foto: Timothy Schenck.

Vor rund einem Jahr wurde die High Line in New York City endlich fertiggestellt. Für ihren krönenden Abschluss über Manhattans Kreuzung zwischen der 30th Street und der 10th Avenue ist auch Simone Leighs Skulptur „Brick House“ verantwortlich. Bis September 2020 ruht die Frauenbüste als Teil des neuen Wahrzeichens inmitten der Hochhäuser.

Majestätisch und überblickend ruht „Brick House“, eine knapp fünf Meter hohe Bronzebüste einer afro­ amerikanischen Frau, über New Yorks 10th Avenue. Platziert ist sie auf „The Spur“, dem finalen Abschnitt von Manhattans 1980 stillgelegter Hochbahntrasse. „The Spur“ als neues Wahrzeichen und Knotenpunkt der High Line schafft im Rahmen seines Teilstücks „High Line Plinth“ Interaktion zwischen Passanten und zur Architektur: Hier prägt Kunst im 18­Monatsrhythmus temporär das Stadtbild, schenkt eine sichtbare Plattform, kritisiert unreflektiertes Monumentalisieren.

Simone Leighs „Brick House“ ist die erste Skulptur und noch bis September zu sehen. In dem Werk sind architektonische Konzepte und Prozesse aus Westafrika und dem amerikanischen Süden eingebunden. Aussehen und Namen der erhabenen schwarzen Frauengestalt seien angelehnt an die Stärke, Ausdauer und Integrität eines Ziegelsteinhauses. In dem offenen Raum inmitten der Hochhäuser bricht die Skulptur mit den Maßstäben und nimmt die auffordernde Haltung ein, über Gesellschaft, Werte, Körper und Architektur nachzudenken.

 

Video: Friends of the High Line

Dieser Beitrag ist in Ga+La 04/2020 erschienen. Hier geht’s zum Shop. 

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Die Karriere von Anuradha Mathur

Die internationale Landschaftsarchitektur nimmt Abschied von Anuradha Mathur – Architektin, Landschaftsarchitektin und Professorin für Landschaftsarchitektur an der University of Pennsylvania.

Am 26. Februar 2022 verstarb Anuradha Mathur. Die 1960 geborene Architektin und Professorin für Landschaftsarchitektur an der University of Pennsylvania wurde nur 61 Jahre alt. Anuradha Mathur lebte in Philadelphia und Bangalore, war aber in der ganzen Welt tätig. In ihrer Karriere konzentrierte sie sich auf die Nutzung von Wasser. Sie untersuchte mitunter die Möglichkeiten von Wasser für ein resilienteres Design.

Mathur schloss 1986 ihr Studium an der Ahmedabad School of Architecture mit einem Bachelor in Architektur ab. Fünf Jahre später erwarb sie einen Master of Landscape Architecture an der University of Pennsylvania. Sie arbeitete häufig mit Dilip da Cunha an Projekten zur wasserzentrierten Landschaftsgestaltung. Mathur war außerdem Gastprofessorin am Bengal Institute und emeritierte Professorin an der Weitzman School of Design an der University of Pennsylvania.

Die Arbeiten von Anuradha Mathur und Dilip da Cunha wurden am Graduate Institute for Design, Ethnography & Social Thought in New York City, auf der International Federation of Landscape Architects Conference in Bangkok und im Karlsruher ZKM-Museum vorgestellt. Sie haben auch andere eingeladen, ihre Arbeit zu präsentieren, zum Beispiel beim internationalen Symposium 2011 / 2012 „In the Terrain of Water“ bei PennDesign.

Ein Leben im Zeichen des Wassers

Als Landschaftsarchitektin sowie Professorin hat Anuradha Mathur Studios in Mumbai, Jerusalem, an der Grenze zwischen den USA und Mexiko und in den Western Ghats in Indien geleitet. Gemeinsam mit Dilip da Cunha führte sie ein PennDesign-Team an. Das Team untersuchte die Widerstandsfähigkeit der Küstengebiete von Norfolk und Hampton Roads an der Küste von Virginia. Das Projekt wurde von der Rockefeller Foundation finanziert und trug den Titel „Structures of Coastal Resilience“.

In ihrem Büro Mathur / da Cuna konzentrierten sich die beiden Landschaftsarchitekten auf die Art und Weise, wie Wasser visualisiert und genutzt wird, was zu seinem Überfluss und was zu seiner Verknappung führt. Sie sahen in der Allgegenwärtigkeit des Wassers auch eine Chance für eine neue Visualisierung von Orten und für ein resilientes Design. Sie nutzten ihr künstlerisches und gestalterisches Fachwissen zur Beantwortung kultureller und ökologischer Fragen in umstrittenen Landschaften und entwickelten einfallsreiche neue Designs.

Veröffentlichungen und Auszeichnungen

Gemeinsam haben Anuradha Mathur und da Cunha die folgenden Publikationen verfasst und herausgegeben:

Die beiden haben auch viele Auszeichnungen gewonnen. Sie erhielten den Pew Fellowship Grant 2017, den Architectural League of New York’s Young Architects Award, den John R. Bracken Fellow Award der Penn State University und die Geddes Fellowship der University of Edinburgh. Anuradha Mathur wurde häufig eingeladen, ihre Arbeit und Ideen in akademischen und professionellen Foren auf der ganzen Welt zu präsentieren.

Anuradha Mathur wirkte außerdem an der Biennale der Landschaftsarchitektur in Barchelona. Wir haben 2016 über ihre innovative Untersuchungs- und Entwurfsmethodik berichtet.

Versickerung Regenwasser auf Eigenem Grundstück: Grundlagen, Nutzen und Praxis

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Versickerung Regenwasser auf Eigenem Grundstück
Wellenspiel auf der Wasseroberfläche – ein stilles Naturmoment. Foto: bielmorro / Unsplash

Regenwasser, das auf einem Grundstück versickert, statt in die Kanalisation abgeleitet zu werden, ist kein bloßer Umweltbeitrag, sondern ein planungsrelevanter Baustein des urbanen Wasserkreislaufs. Die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück verbindet hydrologische Grundprinzipien mit konkreten Anforderungen aus Baurecht, Bodenkunde und Freiraumgestaltung: Sie schließt den natürlichen Wasserkreislauf, entlastet die Kanalinfrastruktur und schafft die Voraussetzung für klimaresilienten Freiraum. Wer die Grundlagen der Versickerung versteht, versteht auch, warum versiegelte Flächen nicht nur ein ästhetisches, sondern ein wasserwirtschaftliches Problem sind.

  • Was Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück bedeutet und welche Formen es gibt
  • Welche hydrologischen und bodenkundlichen Grundlagen für eine funktionierende Versickerung entscheidend sind
  • Welche rechtlichen Rahmenbedingungen, Normen und Genehmigungspflichten zu beachten sind
  • Wie Versickerungsanlagen geplant, dimensioniert und in den Freiraum integriert werden
  • Welche Anlagentypen für welche Standorte und Flächengrößen geeignet sind
  • Wie Versickerung mit Retentions- und Nutzungszielen kombiniert werden kann
  • Welche Fehler in Planung und Ausführung häufig auftreten und wie sie vermieden werden
  • Wie Versickerung in den größeren Kontext blau-grüner Infrastruktur und Klimaanpassung eingebettet ist

Was Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück bedeutet: Definition und Einordnung

Unter der Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück versteht man die gezielte oder naturnahe Rückführung von Niederschlagswasser in den Boden, ohne es in die öffentliche Kanalisation einzuleiten. Das Wasser, das auf Dachflächen, Wegen, Terrassen oder anderen befestigten Flächen eines Grundstücks anfällt, wird dabei so gelenkt und gespeichert, dass es am Ort des Niederschlags oder in unmittelbarer Nähe in den Untergrund übergeht. Fachleute sprechen von dezentraler Regenwasserbewirtschaftung, um diesen Ansatz von der zentralen Ableitung über Mischwasser- oder Trennkanäle abzugrenzen.

Die Versickerung ist eine von mehreren Strategien der Regenwasserbewirtschaftung, zu denen auch die Retention (zeitliche Verzögerung des Abflusses), die Nutzung (Zisterne, Brauchwasseranlage) und die gedrosselte Einleitung gehören. In der Praxis werden diese Ansätze häufig kombiniert: Ein Gründach verdunstet einen Teil des Niederschlags, eine Zisterne speichert einen weiteren Teil zur Bewässerung, und der Überlauf wird in eine Mulde oder einen Rigolenkörper geleitet, von wo aus das Wasser in den Boden übergeht. Die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück ist in diesem Verbund das letzte und häufig wichtigste Glied, weil sie den Wasserkreislauf tatsächlich schließt.

Historisch gesehen war die dezentrale Versickerung der Normalzustand. Erst mit der flächendeckenden Urbanisierung und dem Ausbau der Kanalnetze im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Regenwasser systematisch als Abwasser behandelt und abgeleitet. Die Konsequenzen sind bekannt: Grundwasserabsenkung, Überlastung der Kanalisation bei Starkregen, Wärmeinseleffekte durch fehlende Verdunstungskühlung und der Verlust natürlicher Retentionsräume. Die Rückbesinnung auf die Versickerung ist insofern keine Innovation, sondern eine fachlich fundierte Rückkehr zu einem Prinzip, das die Natur seit Jahrmillionen anwendet.

Hydrologische und bodenkundliche Grundlagen: Was Versickerung möglich macht

Die Fähigkeit eines Bodens, Wasser aufzunehmen und weiterzuleiten, wird durch den Begriff der hydraulischen Leitfähigkeit beschrieben, in der Fachsprache auch als kf-Wert bezeichnet. Er gibt an, welches Wasservolumen pro Zeiteinheit durch eine definierte Querschnittsfläche des Bodens strömt, und wird in der Einheit Meter pro Sekunde (m/s) angegeben. Für die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück sind kf-Werte zwischen etwa 10⁻⁶ und 10⁻³ m/s geeignet. Böden mit sehr niedrigen kf-Werten, also schwere Tone oder Schluffe, nehmen Wasser so langsam auf, dass eine Versickerungsanlage dort entweder nicht funktioniert oder extrem groß dimensioniert werden müsste. Böden mit sehr hohen kf-Werten, also grobe Kiese und Sande, leiten Wasser zwar schnell weiter, bieten aber kaum Filterwirkung.

Die Bodenart ist der erste und wichtigste Parameter, den jede Versickerungsplanung ermitteln muss. In der Praxis erfolgt dies durch einen Versickerungsversuch nach dem Verfahren der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), das in dem Regelwerk DWA-A 138 beschrieben ist. Dieses Regelwerk ist das zentrale Planungsdokument für Versickerungsanlagen in Deutschland und enthält Anforderungen an Standorteignung, Bemessung, Ausführung und Betrieb. Neben dem kf-Wert spielen die Mächtigkeit der ungesättigten Bodenzone, also der Abstand zwischen Versickerungssohle und dem mittleren Grundwasserhöchststand, sowie die Entfernung zu Gebäudegründungen und Grundstücksgrenzen eine wesentliche Rolle.

Der Grundwasserflurabstand ist ein kritischer Sicherheitsparameter. Das DWA-A 138 fordert in der Regel einen Mindestabstand von einem Meter zwischen der Versickerungssohle einer Anlage und dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand. Dieser Abstand stellt sicher, dass der Boden als Filtermedium wirken kann und das Grundwasser nicht durch ungefilterte Schadstoffe belastet wird. In Gebieten mit hohem Grundwasserstand, wie sie in Niederungen, Flussauen oder bestimmten norddeutschen Tieflagen häufig vorkommen, ist eine vollständige Versickerung deshalb oft nicht möglich, und es müssen alternative Bewirtschaftungsformen gewählt werden.

Neben der Bodenkunde spielt die Topographie eine Rolle: Hänge mit starkem Gefälle können Versickerungswasser lateral abführen, bevor es in die Tiefe gelangt, was die Effizienz der Anlage mindert und unter Umständen benachbarte Grundstücke oder Gebäude gefährdet. Flache, muldenartige Geländelagen sind für Versickerungsmulden ideal, weil das Wasser sich gleichmäßig verteilt und langsam in den Boden eindringt.

Rechtliche Rahmenbedingungen, Normen und Genehmigungspflichten

Die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück ist in Deutschland wasserrechtlich geregelt. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Bundes bildet den übergeordneten Rahmen; die Landeswassergesetze konkretisieren die Anforderungen auf Länderebene. In vielen Bundesländern ist die Versickerung von unbelastetem Niederschlagswasser von Dachflächen als sogenannte erlaubnisfreie Benutzung eingestuft, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören in der Regel der ausreichende Grundwasserflurabstand, die Einhaltung von Mindestabständen zu Gebäuden und Grundstücksgrenzen sowie die Beschränkung auf Niederschlagswasser, das nicht mit Schadstoffen belastet ist.

Wasser von stark befahrenen Verkehrsflächen, Parkplätzen oder Dächern mit bestimmten Metallbelägen gilt in der Regel als belastet und darf nicht ohne Vorbehandlung versickert werden. Kupfer- und Zinkdächer beispielsweise geben Metallionen an das Regenwasser ab, die im Boden angereichert werden und das Grundwasser belasten können. Für solche Flächen sind Filtersubstrate oder Sedimentationsanlagen vorzuschalten, bevor das Wasser in den Untergrund gelangt. Die genauen Anforderungen variieren je nach Bundesland und sind mit der zuständigen Unteren Wasserbehörde abzustimmen.

In Bebauungsplänen können Kommunen die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück ausdrücklich vorschreiben, etwa durch Festsetzungen zum Umgang mit Niederschlagswasser oder durch Begrenzung des zulässigen Versiegelungsgrades. Solche Festsetzungen haben in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen, weil Kommunen die Kosten für den Ausbau der Kanalkapazitäten begrenzen und gleichzeitig den Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gerecht werden wollen, die auf einen guten mengenmäßigen und chemischen Zustand der Gewässer und des Grundwassers zielt. Wer ein Grundstück bebaut oder versiegelt, sollte deshalb frühzeitig prüfen, ob eine Versickerungspflicht besteht oder ob Anschlussbeiträge für die Regenwasserableitung anfallen, die durch eine eigene Versickerungsanlage entfallen oder reduziert werden können.

Das bereits genannte DWA-A 138 ist zwar kein verbindliches Gesetz, gilt aber als anerkannte Regel der Technik und wird von Behörden und Gerichten als Maßstab für die ordnungsgemäße Planung und Ausführung von Versickerungsanlagen herangezogen. Daneben existieren weitere relevante Regelwerke, darunter das DWA-Merkblatt M 153 zur Handlungsempfehlung für den Umgang mit Regenwasser sowie Normen der Reihe DIN 1986 für Entwässerungsanlagen auf Grundstücken. Wer Versickerungsanlagen plant, sollte diese Dokumente kennen und in der Planung berücksichtigen.

Anlagentypen: Von der Mulde bis zur Rigole

Für die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück stehen verschiedene Anlagentypen zur Verfügung, die sich in ihrer Funktionsweise, ihrem Flächenbedarf, ihren Kosten und ihrer Eignung für unterschiedliche Standortbedingungen unterscheiden. Die Wahl des richtigen Typs hängt von Bodenkennwerten, verfügbarem Platz, Einzugsfläche und gestalterischen Anforderungen ab.

Versickerungsmulde

Die Versickerungsmulde ist die einfachste und ökologisch wertvollste Form der Versickerung. Es handelt sich um eine flache, bepflanzte Geländevertiefung, die Regenwasser sammelt und über die belebte Bodenzone langsam in den Untergrund abgibt. Die Mulde wirkt gleichzeitig als Retentionsraum, der Spitzenabflüsse puffert, und als Filterzone, in der Schwebstoffe und gebundene Schadstoffe zurückgehalten werden. Bepflanzte Mulden mit geeigneten Stauden, Gräsern oder Gehölzen sind zudem wertvoll für die Biodiversität und können gestalterisch attraktiv in den Freiraum integriert werden. Der Flächenbedarf ist im Vergleich zu unterirdischen Anlagen höher, was auf kleinen Grundstücken ein Nachteil sein kann.

Mulden-Rigolen-System

Das Mulden-Rigolen-System kombiniert eine oberflächige Mulde mit einem unterirdischen Rigolenkörper, also einem mit Kies oder Kunststoffkassetten gefüllten Speicherraum, der das Wasser aufnimmt, wenn die Mulde ihre Kapazität erreicht. Dieses System ist besonders für Standorte geeignet, an denen die Bodenversickerungsrate begrenzt ist oder wo Spitzenabflüsse aus größeren Einzugsflächen aufgefangen werden müssen. Der Rigolenkörper fungiert als Pufferspeicher und gibt das Wasser zeitlich verzögert an den Untergrund ab. In der Praxis ist das Mulden-Rigolen-System eines der am häufigsten eingesetzten Verfahren auf privaten Grundstücken mittlerer Größe.

Versickerungsschacht

Der Versickerungsschacht ist ein zylindrischer, perforierter Betonring oder Kunststoffbehälter, der in den Boden eingebracht wird und Wasser über seine Wandung und Sohle in den Untergrund abgibt. Er benötigt wenig Fläche und ist einfach herzustellen, hat aber den Nachteil, dass er keine Filterwirkung durch belebten Oberboden bietet. Schwebstoffe und Schadstoffe gelangen ungefiltert in den Untergrund, weshalb Versickerungsschächte nur für unbelastetes Wasser von Dachflächen geeignet sind und ein vorgeschaltetes Sedimentationsfilter erfordern. Wegen der fehlenden Filterwirkung werden Versickerungsschächte in neueren Regelwerken zunehmend kritisch bewertet und sollten nur dort eingesetzt werden, wo Mulden oder Mulden-Rigolen-Systeme aus Platzgründen nicht realisierbar sind.

Flächenversickerung über wasserdurchlässige Beläge

Wasserdurchlässige Beläge wie Rasengittersteine, Schotterrasen, Pflaster mit breiten Fugen aus Kies oder Sand sowie spezielle Drainpflastersysteme ermöglichen die Versickerung von Regenwasser direkt an der Oberfläche, ohne dass das Wasser erst gesammelt und umgeleitet werden muss. Diese Form der Flächenversickerung ist besonders für Stellplätze, Wege und Terrassen geeignet, die ohnehin befestigt werden müssen. Sie setzt voraus, dass der Unterbau aus einem ausreichend durchlässigen Material besteht und dass der Untergrund die anfallenden Wassermengen aufnehmen kann. Flächenversickerung ist gestalterisch unauffällig und wartungsarm, solange die Fugen und Poren nicht durch Feinmaterial zugesetzt werden.

Planung und Dimensionierung: Wie Versickerungsanlagen richtig bemessen werden

Die Bemessung einer Versickerungsanlage erfolgt auf Basis der maßgebenden Regenspende, also der Niederschlagsmenge pro Zeiteinheit und Fläche, die für den jeweiligen Standort statistisch ermittelt wird. In Deutschland werden hierfür die KOSTRA-Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verwendet, die für verschiedene Wiederkehrintervalle und Dauerstufen Niederschlagsintensitäten liefern. Das DWA-A 138 gibt vor, für welches Bemessungsereignis eine Versickerungsanlage ausgelegt werden soll; häufig wird ein Regenereignis mit einem Wiederkehrintervall von zwei Jahren als Grundlage gewählt, wobei für kritische Anlagen auch seltenere Ereignisse berücksichtigt werden.

Die Einzugsfläche, also die befestigte Fläche, von der das Regenwasser zur Anlage geleitet wird, muss mit einem Abflussbeiwert multipliziert werden. Dieser Beiwert beschreibt, welcher Anteil des Niederschlags tatsächlich abfließt und nicht auf der Fläche verdunstet oder zurückgehalten wird. Für Flachdächer liegt er nahe bei eins, für Schrägdächer mit Ziegeldeckung bei etwa 0,8 bis 0,9, für Kiesflächen bei 0,3 bis 0,5 und für Rasenflächen bei 0,1 bis 0,3. Die Multiplikation von Einzugsfläche, Abflussbeiwert und maßgebender Regenspende ergibt den Zulaufvolumenstrom, aus dem zusammen mit dem kf-Wert des Bodens das erforderliche Speichervolumen der Anlage berechnet wird.

Für eine erste überschlägige Planung auf einem typischen Einfamilienhausgrundstück empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  1. Bodenkennwert (kf-Wert) durch einen Versickerungsversuch oder eine qualifizierte Einschätzung ermitteln.
  2. Einzugsfläche und Abflussbeiwerte für alle angeschlossenen Flächen bestimmen.
  3. Maßgebende Regenspende aus den KOSTRA-Daten für den Standort entnehmen.
  4. Erforderliches Speichervolumen nach DWA-A 138 berechnen.
  5. Anlagentyp und Geometrie wählen, Mindestabstände zu Gebäuden, Grenzen und Grundwasser prüfen.
  6. Zulauf, Überlauf und Wartungszugang planen.

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist der Überlauf. Jede Versickerungsanlage muss für den Fall ausgelegt sein, dass ein außergewöhnliches Regenereignis die Kapazität übersteigt. Der Überlauf muss schadlos abgeführt werden, ohne Gebäude, Nachbargrundstücke oder öffentliche Flächen zu gefährden. Die Überlauffunktion kann durch einen Anschluss an die Kanalisation, eine gedrosselte Einleitung in ein Gewässer oder eine oberflächige Ableitung in eine geeignete Freifläche realisiert werden.

Integration in blau-grüne Infrastruktur und Klimaanpassung

Die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück ist kein isoliertes technisches Einzelelement, sondern Teil eines größeren Konzepts, das in der Fachplanung als blau-grüne Infrastruktur bezeichnet wird. Dieser Begriff beschreibt das Netzwerk aus Wasserflächen, Grünstrukturen und wasserbewirtschaftenden Elementen, das in der Stadt ökologische, klimatische und soziale Funktionen erfüllt. Versickerungsmulden, Gründächer, Regenwassergärten, Straßenbäume mit Baumrigolen und Retentionsflächen sind Bausteine dieses Netzes, die auf Grundstücksebene beginnen und auf Quartiersebene ihre volle Wirkung entfalten.

Im Kontext der Klimaanpassung gewinnt die dezentrale Versickerung an Bedeutung, weil Starkregen und Hitzeperioden in vielen Regionen häufiger und intensiver werden. Versiegelte Flächen ohne Versickerungsmöglichkeit verschärfen beide Phänomene: Bei Starkregen läuft das Wasser schnell und unkontrolliert ab, überlastet die Kanalisation und verursacht Überflutungen; in Hitzeperioden fehlt das Wasser für die Verdunstungskühlung, die in begrünten und wassergesättigten Böden natürlich stattfindet. Grundstücke, die Regenwasser versickern lassen, tragen zur Abpufferung beider Extremereignisse bei, auch wenn der Beitrag eines einzelnen Grundstücks klein erscheint. Auf Quartiersebene summieren sich diese Beiträge zu einer messbaren Entlastung.

Die Verbindung von Versickerung und Begrünung ist dabei besonders wirkungsvoll. Bepflanzte Mulden und Versickerungsflächen verdunsten einen Teil des Wassers über die Pflanzen (Transpiration) und kühlen damit die unmittelbare Umgebung. Gleichzeitig verbessern Pflanzenwurzeln die Bodenstruktur und erhöhen langfristig den kf-Wert, was die Versickerungsleistung steigert. Die Auswahl geeigneter Pflanzen für Versickerungsmulden orientiert sich an der Wechselfeuchtetoleranz: Arten, die sowohl kurze Überflutungsphasen als auch Trockenperioden vertragen, sind ideal. Dazu gehören viele heimische Stauden und Gräser wie Seggen (Carex-Arten), Blutweiderich (Lythrum salicaria), Mädesüß (Filipendula ulmaria) oder Wiesenknöterich (Bistorta officinalis), aber auch robuste Gehölze wie Schwarzerle (Alnus glutinosa) oder Weiden (Salix-Arten) für größere Mulden.

Häufige Fehler in Planung und Ausführung

Trotz der scheinbaren Einfachheit des Prinzips gibt es bei der Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück eine Reihe von Fehlern, die in der Praxis immer wieder auftreten. Der häufigste ist die fehlende oder unzureichende Bodenuntersuchung. Wer eine Versickerungsanlage ohne Kenntnis des kf-Werts plant und baut, riskiert entweder eine überdimensionierte und damit unnötig teure Anlage oder eine unterdimensionierte Anlage, die bei jedem stärkeren Regen überläuft und ihre Funktion nicht erfüllt. Ein einfacher Versickerungsversuch, der mit einfachen Mitteln vor Ort durchgeführt werden kann, liefert die notwendige Grundlage und sollte in keiner Planung fehlen.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Vernachlässigung des Überlaufs. Versickerungsanlagen ohne geplanten und gesicherten Überlauf können bei Extremereignissen zu Überflutungen führen, die Gebäude, Keller oder Nachbargrundstücke schädigen. Der Überlauf muss von Anfang an mitgeplant werden, nicht als Notlösung nachträglich ergänzt. Ebenso häufig wird die Wartung vernachlässigt: Versickerungsmulden müssen regelmäßig auf Verschlammung geprüft werden, Einlaufbauwerke und Sedimentationskammern müssen geleert werden, und Pflanzungen in Mulden müssen gepflegt werden, damit sie ihre Filterfunktion behalten. Eine Versickerungsanlage, die nach wenigen Jahren durch Feinmaterial zugesetzt ist, erfüllt ihre Funktion nicht mehr und kann im schlimmsten Fall zu Vernässungsschäden führen.

Schließlich wird die Lage der Anlage in Bezug auf Gebäude und Grundstücksgrenzen häufig nicht sorgfältig genug geprüft. Zu nahe an der Gebäudegründung platzierte Versickerungsanlagen können das Fundament durch dauerhaft erhöhte Bodenfeuchte schädigen. Die Mindestabstände, die das DWA-A 138 vorgibt, sind keine Empfehlungen, sondern Sicherheitsanforderungen, die in der Planung zwingend einzuhalten sind.

Versickerung als Planungsaufgabe: Fazit und Einordnung

Die Versickerung von Regenwasser auf eigenem Grundstück ist eine technisch anspruchsvolle, ökologisch bedeutsame und rechtlich geregelte Planungsaufgabe, die weit über das Eingraben eines Kiesschachts hinausgeht. Sie verlangt Kenntnisse der Bodenkunde, der Hydrologie, des Wasserrechts und der Freiraumgestaltung. Wer diese Grundlagen beherrscht, kann Versickerungsanlagen planen, die zuverlässig funktionieren, das Grundwasser schützen, den Freiraum bereichern und zur Klimaresilienz des Quartiers beitragen.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ist die Versickerung ein Kernthema, das in der Entwurfsphase mitgedacht werden muss, nicht erst in der Ausführungsplanung. Die Topographie, die Bodenart, die Einzugsflächen und die gestalterischen Ziele eines Projekts bestimmen gemeinsam, welche Versickerungsstrategie sinnvoll ist. Mulden, die als gestalterische Elemente in den Freiraum integriert werden, sind einer technischen Unterfluranlage in fast jeder Hinsicht vorzuziehen, sofern der Standort es erlaubt. Sie sind sichtbar, erlebbar, ökologisch wirksam und wartungsfreundlicher als unsichtbare Unterflursysteme.

Die zunehmende Verbreitung von Versickerungspflichten in Bebauungsplänen und die wachsende Bedeutung blau-grüner Infrastruktur in der Stadtplanung machen deutlich, dass dezentrale Regenwasserbewirtschaftung kein Nischenthema mehr ist. Sie ist ein zentrales Instrument der nachhaltigen Stadtentwicklung, das auf der Ebene des einzelnen Grundstücks beginnt und auf der Ebene des Stadtquartiers seine volle Wirkung entfaltet. Wer Versickerung als Planungsaufgabe ernst nimmt, leistet einen konkreten Beitrag zur Wasserversorgung, zum Hochwasserschutz und zur Klimaanpassung der Stadt.